Beiträge von CoolMint

    Volle Fokussierung habe ich normalerweise nur beim Motorradfahren, wobei ich knapp 18.000km und mehr im Jahr auf Zwei Rädern verbringe.

    Volle Fokussierung am Motorrad bedeutet, daß man knapp an der Grenze des eigenen Könnens fährt, was die vollkommen ungeteilte Aufmerksamkeit erzwingt. Das ist der schönste Bereich, in dem man ein Motorrad bewegen kann, finde ich. Für mich waren so ein paar morgendliche Stunden am Limit die beste Methode, vor der Arbeit meinen Kopf frei von störenden Gedanken zu bekommen.

    Aber man entwickelt sich weiter. Es kommt irgendwann der Punkt wo man die Grenzen der eigenen Maschine entspannt ausnutzen kann. Dann schleichen sich wieder Gedanken aus dem Alltag auch bei bei sehr zügigem Fahren ein. Damit ist man abgelenkt und es wird plötzlich wieder gefährlich, weil man von einer Kurve überrascht wird.

    (...) obgleich man eigentlich nie wirklich zufrieden mit sich ist, da man den Wettkampf reflektierend, immer vermeidbare Fehler entdeckt.

    Und so lange man die selbst entdeckt und sich daran macht, die auszubessern, ist das Interesse am Schießen an sich gegeben und entwickelt man sich weiter.

    Aber vielleicht ist das ein falscher Ansatz sich nie ein konkretes Ziel zu setzen.

    Was ist ein konkretes Ziel? Ist es eine Ringzahl oder eine Platzierung oder eine Qualifizierung?

    • Ringzahl im Training ist ein Maß für die eigene Schießfertigkeit im Optimalfall.
      • "Was gehen könnte"
    • Ringzahl im Bewerb ist ein Maß für die eigene Schießfertigkeit unter Druck.
      • "Was wirklich geht"
    • Platz in der sportlichen Hackordung ist eine Frage der persönlichen Befindlichkeit.
      • "Ich bin besser als X" (oder auch nicht).
      • Es ist ein auch Maß für die Abhängigkeit von äußerem Beifall bzw. Anerkennung
      • Umgekehrt ein Maß dafür, wie sehr man in sich selbst ruht.

    Die Frage ist am Ende, ob man für sich selbst oder gegen Andere schießt.

    So weit weg ist die Regelung in AT von der in D auch nicht. Statt Schießnachweisen gibt es halt die psychologische Prüfung.

    Da ist ja ein Vergleich von Äpfeln und Meeresfrüchten noch sinnvoller.

    Der Erwerb von Waffen der Kategorie B (Kurzwaffen und Halbautomaten) kann über Bedürfnis, Sachkunde und Zuverlässigkeit geregelt werden.

    • Bedürfnis in AT ist durch die Behörde für die ersten zwei Kurzwaffen ohne weitere Prüfung als gegeben anzunehmen.
    • Sachkunde in AT wird durch den Waffenführerschein nachgewiesen. (Kurs 1/2 Tag bei einem Büchsenmacher)
    • Zuverlässigkeit in AT durch behördliche Hintergrundprüfung und Psychotest


    • Bedürfnis in DE nur für Jäger oder aktive Sportschütze in einem anerkannten Verein (Schießnachweise vom Verein).
    • Sachkunde in DE für Sportschützen durch Schießnachweise vom Verein
    • Zuverlässigkeit in DE durch Führungszeugnis

    In AT muß man als Besitzer von bis zu zwei Waffen der Kategorie B bei gar keinem Verein sein. Weder um die Waffe zu bekommen noch um sie zu behalten. Wer seine Schießfertigkeiten damit verbessern möchte, erscheint freiwillig mit der GK Waffe bei einem Verein oder einem Trainer am Schießstand. Betonung auf FREIWILLIG.

    In DE geht der Einstieg nur über Schießnachweise und somit nur über einen Schützenerein. Der Interessent ist somit gezwungen, den einzig möglichen Weg über einen Verein zu gehen, der dann dem Interessenten den Ablauf nach Gutdünken von LuPi über SpoPi zu GK vorgibt.

    • Der LuPi und SpoPi- lastige Verein in DE "meint es gut"
    • Der GK- Interessent in DE fühlt sich gegängelt.

    Das ist ein klassischer Interessenkonflikt. Was ist daran so schwer zu verstehen?

    Hierzulande schwierig, besagter "eigener Verband" müßte erstmal vor der eigenen Haustüre kehren... Von diesem einen Vortrag über ordentliche Definitionen von Regeln in einer Sportordnung zu hören würde für Amusement sorgen.

    Dann wendet man sich eben direkt an die Zuständigen beim ISSF. Was sollte einen daran hindern? Die Anschrift der Zentrale ist wunderbarerweise in Deutschland:

    Widenmayerstrasse 16
    80538 MÜNCHEN - GERMANY - GER
    Phone: +49-89-5443550 (office)
    Fax: +49-89-54435544 (office)
    E-Mail: munich@issf-sports.org

    Was kann schlimmstenfalls passieren? Daß sich nichts bessert. Das passiert bei Untätigkeit ohnehin.

    Bei mir ist hinsichtlich Motivation etwas die Luft raus.

    Eingangs hatte ich mir beim Schießen niemals Ziele gesetzt, die auf die Teilnahme an irgendwelchen Bewerben oder das Übertrumpfen anderer Sportler gezielt hatten. Ich wollte einfach für mich selbst lernen, die Mitte der Scheibe zu treffen. Getrieben hat mich die Neugier, wie gut ich im Schießen werden könnte. Das hält den Kopf völlig frei vom Ringezählen oder vom Konkurrenzdruck und läßt Raum für die Freude am Treffen an sich.

    Ich schoß nicht gegen die Anderen sondern für mich. Wenn man das durchzieht, halbwegs gut sieht und dranbleibt, landet man irgendwann vorne. Die Kunst dabei ist, auch dann den Kopf frei zu halten für die wichtigste Sache auf der Welt: Den nächsten Schuß.

    Vielleicht überlegst Du mal, ob der nächste Schuß für Dich so wichtig ist, daß alles Andere dahinter weit zurücksteht.

    Falls nicht, stellt sich die Frage, was diesen Schuß wieder in das Zentrum Deines Wollens bringen könnte und ob Du das wirklich willst.


    Die plandemischen Maßnahmen hatten mir gezeigt, wie fragil die Pläne für die eigene Entwicklung im Vereinssport Schießen sein können. Wenn man Betretungsverbote für die Sportstätten erlassen werden, muß man umdenken und mal zur Seite sehen. ob nicht andere lohnende Aktivitäten das Leben bereichern können. Ich mag in einer mir wirklich wichtigen Sportart (Schießen) nicht von Willkürmaßnahmen abhängen. Damit habe ich mich umentschieden.

    Ich fürchte, ich bin inflexibel und haue lieber ein paar Leute vom Karussellpferd runter.

    Ameisen betrachte ich nicht so gern und wenn ja, mit einem Kochtopf voll siedenden Wassers in den Händen.

    Ich behalte die flexible Variante gerne als Option im Hinterkopf, während ich am Karussell herumturne. Das Wissen um eine sehr lebenswerte Alternative, die genau eine Entscheidung entfernt ist, macht die Situation entspannter. Und das hilft auch beim Finden passender Texte für aufgezwungene Regelungen.

    Von einem ausreichend hohen Gipfel betrachtet erscheinen die herumwuselnden Zweibeiner nicht mal mehr als Ameisen. Sie sind einfach zu winzig. Und auf dem Weg nach oben gehen alle die Sorgen, Streitereien, Ärger und Zweifel einfach am Wege verloren. Oben angekommen ist nichts mehr wichtig, außer dem Augenblick in herrlicher Landschaft. DAS ist Lebensqualität.

    Ich kann da keine Gängelei erkennen.

    Aus Deiner Blickrichtung sieht das Ganze plausibel aus und wird Dir so aus dem Umfeld bestätigt. Da ist ja kein böser Wille dahinter.

    Ungefähr gleichlautend wurde mir von Einhandschützen (LuPi, SpoPi, FP) erklärt, daß "richtiges Sportschießen" mit GK- Pistolen und zwei Händen ja gar nicht möglich wäre. Mit zwei Händen wäre es einfach nur halb so schwierig also könnte es ja gar keine sportliche Herausforderung sein.

    Ich hab mich dann mit einem unserer SpoPi- und LuPi- Spitzenschützen (sehr freundschaftlich) auf unserem Schießstand (25m) getroffen und wir haben gegenseitig mal Waffen getauscht und in die andere Welt hineingeschnuppert. Da war ehrliches Interesse auf beiden Seiten vorhanden und wir hatten einen interessanten und lehrreichen Nachmittag. DAS sollte es öfters und vorurteilsfrei geben.

    Im Ergebnis kam heraus, daß der Kollege völlig überrascht war, daß man technisch mit einer hochwertigen GK- Pistole auf 25m die Innen- Zehn locker halten kann. Und daß zweihändiges Schießen eben nicht halb so schwer wie einhändiges ist. Es ist etwas völlig Anderes und das beidhändige Greifen muß erst gelernt werden mit Hineingreifen und Verteilung der Handkraft. Auch der Bewegungsablauf ist anders.

    Der Kollege hatte mitgenommen, daß ernsthaft betriebene FFWGK durchaus ein anspruchsvoller Sport ist. Und ich hatte mich für SpoPi zu interessieren begonnen und mich auf meine Odyssee mit der MG2E RF EVO begeben. Das gewonnene Verständnis für die jeweils andere Welt kann für den Schießsport insgesamt nur von Vorteil sein.

    dellfritz99

    Es wird keiner genötigt was zu lernen, didaktisch sinnvolle Ratschläge anzunehmen.

    Das Konzept von Kimme und Korn kann per LuPi vermittelt werden. Und sichere Waffenhandhabung zum Teil auch.

    Aber ein Jahr LuPi mit Doppelatmung und zweiteiligem Absenken in den Haltebereich ist didaktisch für GK sicher nicht sinnvoll. Und es erscheint mir sehr nahe an Nötigung, wenn man es einem GK- Interessierten als Voraussetzung für eine Bestätigung aufzwingt. Hier kollidieren die vom Funktionär festgelegten "Vereinsinteressen" (Neulinge in LuPi als Disziplin dauerhaft hineinzwingen) mit denen des GK- Schützen und der Verein sitzt zuerst am längeren Hebel. Später schießt so ein Schütze dort, wo es ihm besser passt.

    Je besser die Schützen die LuPi- Abläufe verinnerlicht haben und dazu noch die Konzepte für das Abziehen der LuPi, desto schwerer wird es, ihnen richtiges Schießen und Treffen mit einer richtigen Pistole beizubringen.

    Darüber hinaus geht es darum aufzuzeigen, dass das Regelwerk eine Achse postuliert, die für die Griffgestaltung wichtig ist, ohne diese hinreichend genau zu definieren.

    Richtig erkannt und schön gehoben formuliert. Diese schwächelnden Regeln sind von der ISSF her festgelegt und dabei erkennbar mangelhaft. Das zu erkennen ist selbst für das hier schreibende Fußvolk nicht schwierig. Wie versucht man das zu lösen? Durch kleinliche Herumdeuterei, wie man sich möglichst geschmeidig um eine fehlerhafte Regelung herumwinden könnte. Immerhin wird erkannt, daß es keine tragfähige Lösung gibt und man der Willkür bzw Tageslaune eines Kampfrichters ausgeliefert wird.

    Vielen Dank für die gemachten Vorschläge zur Auslegung zu Griffachse. Wir können es dabei bewenden lassen.

    Warum bewenden lassen? Stilles Unterordnen als Lösung? "Der Klügere gibt nach" als bestimmendes Lebensmotto?

    Das sind keine Naturgesetze, sondern von Menschen gemachte in der Sache untaugliche Regelungen. Das gehört klar ausgesprochen und über den eigenen Verband bis zur Spitze kommuniziert, der das dann dem ISSF unter die Nase reibt und sie dazu auffordert, brauchbare Arbeit abzuliefern. Und zwar raschest.

    Ich meine es nicht gut, ich will es gut haben.

    Genau so geht das. Und zwar in zwei Richtungen:

    • Wenn ich weiter auf dem Karussell mitfahren will, wo ich schon sitze, suche ich mir darauf den besten Platz und richte mich mit Umsicht und Sorgfalt ein. Notfalls erkämpfe ich mir das Gewünschte gegen das bürokratische Monster.
    • Wenn ich aber flexibler bin und es einfach nur gut haben will, bin ich auch dafür offen, ausgetretene Pfade zu verlassen und mir etwas ganz Neues zu suchen. Beispielsweise kann man ganz alleine und ohne Verein, Verband, Sportordnung, Kampfrichter, Schutzkonzepte und Zeugen zur Einhaltung derselben auf einen Berg gehen und sich die braven Ameisen von ganz weit oben ansehen.

    Du brauchst für das Bedürfnis immer einen Verband und einen Verein, der deine notwendigen Schießen bestätigt. Das ist z. B. beim BDS auch nicht anders als beim BSSB. Auch für die erste Waffe, völlig egal ob Lang- oder Kurzwaffe brauchst du eine Bedürfnisbescheinigung.

    Du beschreibst die Situation in DEUTSCHLAND.

    In Österreich ist bei Waffen der Kategorie B (Kurzwaffen und Langwaffe Halbautomaten) seitens der Behörde ein Bedarf von zwei Stück grundsätzlich anzunehmen und eine Waffenbesitzkarte entsprechend auszustellen, wenn Verlässlichkeit und Sachkenntnis nachgewiesen werden. Für Langwaffen gibt es keine Bedarfsprüfung. Wer will, kauft sich was und wer nicht will, läßt es eben sein.

    Deshalb fällt in AT niemandem ein, sich erstmal in einem Verein ein Jahr mit LuPi zu plagen, um irgendwann eine GK Kurzwaffe kaufen zu dürfen. Das spart auch den Vereinen die Zeit und Mühe, sich mit einem Alibi- Luftschützen beschäftigen zu müssen.

    Ja, da reden wir von einem anderen Typus von Schützen. Im sportlichen Bereich ist man ja mehr mit kleineren Kalibern unterwegs.

    Wenn man den "sportlichen Bereich" nach alter Väter Sitte mit eng gestellten Scheuklappen definiert, trifft das zu.

    Den sportlichen Einsatz und das Leistungsniveau, den ich hierzulande in IPSC, PPC 1500 und FFWGK sehe, kann ich nur anerkennend als sehr gut bezeichnen. Die Leute zieht es dorthin und sie wollen ihre eigenen Fertigkeiten aus freiem Willen verbessern. Die Bewerbe sind sehr gut besucht und der Zustrom neuer Schützen groß.

    Einen Verein, der ein Bedürfnis befürwortet, braucht es für die ersten zwei Kurzwaffen NICHT. Man muß sich also nicht mit LuPi abquälen und keinen unwilligen Funktionär behelligen, um an eine GK Pistole zu kommen.

    Bei LuPi war der Sport nahe am Aussterben und es mußte eine Initiative von oben gestartet werden, um das wiederzubeleben. SpoPi war eine Randerscheinung und wächst jetzt ein wenig, da gefördert wird. Beides hat aber ohne aktive Vereinsarbeit zur Gewinnung neuer Schützen keine Zukunft, während GK von selbst floriert, was Nachwuchs und Leistungsniveau betrifft.

    (...) Wer den Text mit Verstand und ohne Schaum vor dem Mund komplett gelesen und hoffentlich auch verstanden hat, wird sehen, dass ich in diesen Entwurf möglichst viel Gesunden Menschenverstand und Vertrauen hineingeschrieben habe (...)

    Uns wird das einfach vorgeschrieben und dann muß es halt sein. Es gab hierzulande einen Riesenskandal um Schirennfahrerinnen, die jetzt schon im Rentenalter sind und in jungen Jahren von den damals wichtigen Leuten mißbraucht wurden. Das konnte nicht abgebügelt werden, wurde öffentlich und jetzt gibt es eben einen Wust an Vorschriften.

    Wenn es irgendwelche Sauereien verhindern hilft, soll mir das nur recht sein. Wird es das? Keine Ahnung. Wenn ich jemanden im Verein habe, der / die nur durch so einen bürokratischen Wust und krankhaftes Mißtrauen jede:r gegen jede:n im Zaum zu halten sind, dann gehört die Person nicht in den Verein und schon gar nicht an diese Stelle.

    Auf jeden Fall wird die Verbandsspitze sagen können, daß sie alles eingefordert und verschriftlicht haben und darum schuldlos zu halten sind. Das erinnert mich an "Lieferketten- Sorgfaltsgesetz" oder die "EU- Entwaldungsverordnung" oder das "Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz". Vermutlich werden sich die wenigen überlebenden Betriebe nach Umsetzung aller Vorschriften hauptsächlich mit der Verwaltung der Vorschriften und der zugehörigen Schulungen und Aufzeichnungen samt Audits und Zertifizierungen beschäftigen. Bei Vereinen sehe ich leider Ähnliches kommen. Das soll die hoffentlich gute Absicht hinter den Vorschriften nicht schmälern. Nur stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit und was dann vom Betrieb / Verein noch übrig bleibt.

    Ich hab in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Vereine die Kurve kriegen. Da haben welche den Zenit überschritten, die Zukunft sieht auf wackeligen Füßen. Einzelne sind der Auflösung näher als dem Fortbestehen.

    Es krankt meist nicht so sehr am Geld, mehr am Nachwuchs und daran Leute für die Vereinsarbeit zu finden.

    Das Problem mit dem Nachwuchs haben nicht nur Schützenvereine sondern alle Vereine und auch Ausbildungsbetriebe. Es liegt nicht mehr an der Entlohnung, die für Auszubildende dann noch durch 4 Tage Woche im Bauhandwerk, kostenlosen Führerschein usw. aufgepolstert wird. Man findet nicht mal für viel Geld Nachwuchs., weil einfach keiner da ist. Die Boomer gehen mit Masse in den Ruhestand und es folgt kaum die Hälfte nach. Eher 1/3.

    Man wird Vereine so aufstellen müssen, daß sie mit minimalem Personaleinsatz laufen können - nahezu "mannlos". Sonst bleiben nach einer Konzentration nur ganz wenige übrig und auch die werden an Personalmangel zu kauen haben.

    Wenn ich mir das so durchlese, beschleicht mich das Gefühl, daß man als Betreuer:in grundsätzlich als potentielle:r Sexualstraftäter:in gesehen wird, der / die / das / was_auch_immer gerade dabei ist, sich an ein zukünftiges Opfer heranzumachen. Die Maßnahmen wie 6- Augen- Prinzip und völlige Vermeidung zwischenmenschlicher Kommunikation abseits rein sportlicher Fachthemen laufen auf eine Beweislastumkehr hinaus.

    Woran ich persönlich mich erinnere:

    • Man trainiert mit einer Jungschützin im gut belegten Schießstand und ist auf die Betreuung fokussiert. Irgendwann wird einem bewußt, daß es recht ruhig geworden ist. Man sieht sich um und bemerkt, daß die anderen Schützen in den Aufenthaltsraum verlegt haben. Man sitzt in der Falle.
    • Man bringt einen oder mehrere Jungschützen im Wagen zu einem Bewerb oder einer Schulung. Wie fast immer gibt es zu wenig Betreuer und man hat keinen erwachsenen Beisitzer, der die durchgehende Harmlosigkeit der Fahrt bezeugen kann.
    • Man wünscht einen schönen Familienurlaub per WhatsApp.

    Lauter verdächtige Aktivitäten. Die sind jetzt Jahre her und alles gut ausgegangen. Wenn mich die damaligen Jungschützen irgendwo erkennen setzen sie ein erfreutes Lächeln auf und freuen sich, mich zu treffen.

    Aktuell jedoch ist man schuldig oder zumindest ein Verdachtsfall, außer man kann lückenlos für jeden Zeitpunkt nachweisen, daß man stets räumlich wie zwischenmenschlich distanziert vorgegangen war. Ziel ist wohl auch der Schutz der Betreuer:innen vor ungerechtfertigten Anschuldigungen. Mir erscheint die Betreuung der Sportler immer mehr wie ein Minenfeld mit vielerlei Sprengfallen.

    Würde ich freiwillig durch ein reales Minenfeld latschen? Natürlich nicht!
    Werde ich mich freiwillig in meiner Freizeit einer Tätigkeit widmen, wo ich mich ständig um Zeugen umsehen muß, die mir bestätigen, daß ich kein Sexualstraftäter bin und mich so vor der existentiellen Vernichtung bewahren? Eher nicht.

    3.2 Erweiterte Führungszeugnisse

    Alle Trainer, Betreuer und übrigen Personen, die regelmäßig und in verantwortlicher Weise mit Minderjährigen zusammenarbeiten, legen in den gesetzlich vorgesehenen Abständen ein erweitertes Führungszeugnis vor.

    Bei Inhabern einer gültigen waffenrechtlichen Erlaubnis (Kleiner Waffenschein, WBK, …) reicht vereinsintern die Vorlage eines Originaldokumentes, da die Inhaber regelmäßig von der Waffenbehörde auf ihre Zuverlässigkeit geprüft werden.

    Inwiefern gibt ein waffenrechtliches Dokument Auskunft über die Eignung zum Umgang mit Kindern?

    Als Grenzverletzung würde ich z. B. eine ungefragte/unangekündigte Berührung im Training sehen, da das z. B. meinem persönlichen Nähe/Distanzgefühl wiederspricht.

    Als sorgfältiger Trainer würde man schon vorweg versuchen, die genauen Grenzen Deines persönlichen Nähe/Distanzgefühls abzufragen, um Dein inneres Erleben nicht zu stören.

    • Preisfrage: Aber wie fragt man vorab nach persönlichen Befindlichkeiten, ohne schon dadurch persönliche Befindlichkeiten zu stören?
    • Und woher weiß man, wo bei den Fragen mögliche Grenzen überschritten werden?

    Meine Gattin hat mir geraten, in Zukunft einfach zwei Grillzangen zum Training mitzunehmen, um direkte Berührungen selbst der Kleidung zu verhindern. Wäre das eventuell eine Lösung?