Der Fehler in den Köpfen vieler ist immer noch, dass der Begriff "Nachwuchs" (den jeder Verein zum Überleben und Fortbestehen braucht) fälschlich mit "Jugend" gleichgesetzt wird,
So einfach.
So grundlegend.
So falsch.
Deine Aussage ist meines Erachtens so pauschal genauso falsch wie die von dir beanstandete Aussage.
Es kommt immer darauf an, für was für einen Verband/Verein diese getroffen wird. Wenn es um einen BDS oder BDMP-Verein geht, gibt es da wenig Diskussionen, da es dort eh kaum vernünftige Möglichkeiten der Betätigung für diesen Personenkreis gibt, alleine schon wegen der gesetzlichen Regelungen (18 Jahre GK).
Geht es aber um einen DSB-Verein, muss nochmal differenzieren in Langwaffenschützen und Kurzwaffenschützen.
Erstere, die es ja fast nur im Druckluft - und KK-Bereich gibt, bekommt man meist nur über den Jugendbereich. Im Kurzwaffenbereich sieht das etwas anders aus.
Fakt ist in jedem Fall, dass wir als Verein länger etwas von einem jungen Schützen habe, als von einem alten Schützen. Wenn letzterer mit 50 kommt, um Auflage zu schießen, hat er noch ne statistische Lebenserwartung von 25 Jahren. Ein Jungschütze, der mit 15 Jahren in den Verein kommt, bleibt dem Verein theoretisch noch 60 Jahre bis zu diesem Alter erhalten. Selbst wenn man damit rechnet, dass die Quote der Abbrecher bei Jungschützen höher ist als bei "Alteintretern", so sagt mir meine Erfahrung aus über 40 Jahren Schützenwesen, dass ich als Verein mit Jungschützen im jugendlichen Alter meist mehr anfangen kann als mit 50jährigen Neueinsteigern.
Und für das sportliche Freihandschießen, welches meine Bandbreite an Disziplinen ja deutlich höher ansiedelt, bekomme ich fast ausschließlich Jungschützen. Schon 30 Jährige tun sich schwer mit dem Freihandschießen aufgrund der zunächst schlechten Ergebnisse.
Im Bereich der Kurzwaffenschützen gibt es derzeit immer noch genügend freihändig schießende Schützen im Altersbereich bis 60 Jahre, dass ein Neuling nicht direkt mit einer Salve Aufgelegt-Schützen "erschossen" wird. Das Training in diesem Segment ist signifikant schlechter (besucht) als im Langwaffenbereich.
Und im Außenansehen eines Vereins steht man deutlich besser da, wenn man eine gute und starke Jungschützentruppe hat, als wenn man "nur" "greise Ballerschützen" hat. Damit will ICH ausdrücklich keine Qualifizierung vornehmen, erkenne sie aber in der Öffentlichkeit. Wer natürlich in seinem eigenen Mikrocosmos lebt, dem kann die Meinung des Umfeldes egal sein. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich mit einer Standanlage am Rande eines Wohngebietes deutlich entspannter lebt, wenn man eine positive Außendarstellung hat, als wie wenn man als "Ballerschützen" verschrien ist, die eh nichts vernünftiges tun. Natürlich kann man so was nicht verallgemeinern, aber unsere Gesellschaft hat sich schon länger an Pauschalierungen gewöhnt, mit denen man in gewisser Weise leben muss.
Also, um es deutlich zu sagen: Jugend zu binden, schadet dem Verein in den seltensten Fällen, schließt aber nicht aus, sich auch andere Zielgruppen für Neumitglieder auszusuchen.