Vielleicht kann man einfach mal vorne an dem kleinen Stück des Laufs wackeln, der vorne aus dem Verschluss ragt?
Das kann man wohl, wenn das Laufende weit genug vorsteht, daß es sich überhaupt fassen läßt. Dabei prüft man das Spiel zwischen Laufführungsbuchse (bushing) und Lauf bzw. zusätzlich das Spiel der Buchse im Schlitten. Beides zusammen sollte bei einer Präzisionswaffe nahe null sein. Die Buchse sollte im Schlitten so fest sein, so daß sie sich ich ohne Werkzeug nicht bewegen läßt. Wenn es hier "klappert", hat die Sache keinen Sinn.
Bei einer CZ75 (mit oben über einen Kamm verriegeltem Browning-Verschluss/Lauf und einem Schlittenfanghebel, der in einer geschlossenen Kulisse läuft), bei der der Lauf doch mehr als gedacht wackelte, hatte ich den leicht eingelaufenen Verschlussfanghebel gegen einen neuen ausgetauscht. Der Lauf wackelte danach im verriegelten Zustand erheblich weniger und die Präzision der Waffe war ersichtlich besser. Ob das bei einer Glock auch so möglich wäre und solche positiven Auswirkungen hätte, kann ich nicht beurteilen.
Die CZ 75 ist wie die 1911 noch über Kamm verriegelt aber hat schon eine (modernere) Kulissenführung. Somit ist die Konstruktion deutlich einfacher als beim 1911 und hat größere tragende Flächen als bei dessen Kettenglied und sie läßt sich industriell besser fertigen und muß nicht händisch gepasst werden, um eine vernünftige Genauigkeit zu erhalten. Das Nachbessern durch Austausch vom Stift alleine würde bei einer 1911 wenig helfen, weil die kleinen Füßchen unten am Lauf zuerst verschleißen, die mit dem Stift zusammen die Passung bestimmen. Die Füßchenlassen sich aufschweißen aber heute kauft man da eher einen neuen Lauf und passt den ein.
Die Glock hat ein (ich glaube das heißt Browning- Petter- System) mit offener Kulisse, so wie die CZ 97, die ja auch später entstanden ist. Die Glock ist auf Fertigung mit CNC- Maschinen getrimmt und hat große, ebene Führungsflächen, die präzise zu fertigen und zu vermessen sind. Die großen Flächen verschleißen kaum und bieten langfristige Genauigkeit. Sie ist auch sehr hochwertigen, festen und äußerst verschleißfest beschichteten Stählen gefertigt. Falls tatsächlich die Achse des Schlittenfanghebels Verschleiß aufweisen sollte, würde ein Austausch wie von Dir beschrieben helfen.
Durch die präzise CNC- Fertigung sind die Waffen alle gleich und alle gleich präzise. Damit macht ein Zubehörmarkt Sinn wie oben beschrieben. Die Glock hat im Original einen Polygonlauf mit sehr langen Zuführrampen. Hülsen aus einer Dienst- Glock sind nicht zum Wiederladen vorgesehen, da sie im Bereich der überlangen Zuführrampe ausbauchen können. Für Wiederlader gibt es Wechselläufe mit anderer Rampe und Züge- Felder Profil, das sich gut mit Bleigeschossen ohne Mantel verträgt. Die Läufe passen und sind präzise, ohne sie einpassen zu müssen. Austausch durch den Schützen in 2 min. Rücktausch ebenso. Austausch und Rücktausch der Abzugsgruppe ist kaum mehr Aufwand.
Die Glock ist nicht umsonst ein Welterfolg. Sie war und ist immer noch ein ganz großer technischer Wurf. In der Technik geht der Weg der Vervollkommnung vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen.,