Ich bin bei der Reportage hin- und hergerissen. Insgesamt finde ich die Reportage nicht schlecht gemacht, da haben wir schon viel schlimmeres erlebt. Vorpostern kann ich bei Begrifflichkeiten wie "Waffenschein" nicht beipflichten. Das ist egal, wer sich mit der Materie nicht auskennt unterscheidet nicht zwischen Waffenschein, WBK und kleinem Waffenschein. Da ist das irgendwie immer ein "Waffenschein".
Der Moderator impliziert, dass er so eine Art Pazifist ist und den Wehrdienst verweigert hat, was dann anscheinend das Hauptkriterium gewesen sein mag, um Moderator von Kindersendungen zu werden. Den Zusammenhang finde ich eher seltsam.
Dann läuft er mit Softair-Leuten durch den Wald und kann seinen Spaß an der Sache ganz offensichtlich nicht verbergen. Das "Capture the flag" Spiel, das dort (würde man den Ton weg lassen) wie eine Übung der Bundeswehr aussieht, bezeichnet er dann als "Räuber und Gendarm" für Erwachsene. Beim Abfeuern einer Schreckschusswaffe zappelt er übertrieben herum, wie laut und heftig das doch ist. Da musste ich mir an den Kopf fassen.
Loben muss man seine Redaktion, die einigermaßen sauber recherchiert hat, wo denn überall "geschossen" wird, so dass er bis zum Knabenschießen nach Zürich geschickt wurde.
Dann taucht er bei einem Schützenverein in Hessen auf und befragt ein Mädchen, das wohl durch das Schießen gelernt hat sich besser zu konzentrieren. (OT: Übrigens finde ich es falsch, dass wir Sportschützen uns immer wieder auf diese therapeutische Wirkung berufen. Meiner Ansicht nach ist das lächerlich und ich hatte noch kein "Therapiekind" am Schießstand. Ich will aber trotzdem betonen, dass Schießen die Fähigkeit fördert, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Das ist so weil man es eben hunderte male übt und wiederholt, hat aber im Kern mit dem Schießsport nichts zu tun. Häkeln, Stricken oder Schnitzen könnte möglicherweise die gleiche Wirkung haben.) Was mir dann aufgestoßen hat, ist der Satz "... für meine Kinder würde ich eine andere Therapie suchen...". Die Meinung sei ihm gegönnt, war aber in der Reportage unnötig. Journalistisch neutral war das nicht, eher abschätzig und hat als letztes "Statement" zum Abschnitt Sportschießen auf den Zuschauer eben genau diese Wirkung. Außerdem, warum hat er nicht auch mal mit dem LG geschossen und eine Schießjacke angezogen? Vielleicht wäre ihm dann aufgefallen, dass das was anderes ist, als mit irgend einer "Wumme" im GRA-Schnellverfahren 10 Schuss an die Wand zu nageln.
Insgesamt hätte ich von einer ÖR-Reportage etwas mehr Qualität erwartet (auch wenn sie schon Lichtjahre über der von RTL2 & Co liegt) und dass noch einer drüber schaut, bevor das raus geht. Oben genannter Satz wäre dann bestimmt heraus geschnitten worden. Wie schon erwähnt muss die Redaktion gelobt werden, aber auch die Länge des Beitrags. Mit fast 45 Minuten ist das außergewöhnlich lange und unterscheidet sich damit deutlich von den oberflächlichen Kurzreportagen mit Skandalgeruch anderer Sender.