Wie häufig bei großen Problemstellungen dürfte die Antwort nicht eindimensional zu beantworten sein. Häufig sind eine ganze Reihe von Gründen, die oftmals auch auf beiden Seiten der beteiligten liegen, für das Problem verantwortlich.
Zunächst einmal kann ich hier in meinem Bereich in der Mitte Deutschlands (leicht westlich) feststellen, dass mit diesem Phänomen fast ALLE Organisationen zu tun haben, die auf ehrenamtlich Tätige angewiesen sind. Das fängt beim Sport an (selbst die Fußballer sind bei uns davon betroffen, wenn natürlich auch auf einem anderen Niveau, da diese insgesamt mehr Leute in ihren vereinen haben, aber eben auch mehr Trainer, Mannschaftsbetreuer, Fahrer für Jugendliche etc. benötigen) geht aber weiter über kulturell tätige Vereine und geht bis zu sozial aktiven Vereinen. Überall werden Leute für die aktive Mitarbeit gesucht, sowohl als Mitglieder als auch als Ehrenamtliche.
Bei den Gründen kann ich auf der einen Seite tatsächlich auch die "Sesselkleber" identifizieren, die manchmal nur sehr schwer ihre Aufgabe abgeben können. Manchmal natürlich mit der Begründung, dass sich ja niemand fand, der die Aufgabe übernehmen wollte. Wenn man aber in der Vorstandsarbeit allgemein nicht schon vorher so arbeitet, dass eine Übergabe möglichst geräuschlos möglich ist, weil man zur Sicherheit, dass alle Aufgaben auch so perfekt abgearbeitet werden wie man selbst das möchte, sie direkt selbst macht, darf man sich nicht wundern, wenn unterwegs ne Reihe Willige auf der Strecke bleiben. Letztlich tun alle Funktionäre ihre Ehrenarbeit ja AUCH für sich selbst. Und erzähle mir niemand, dem wäre nicht so. Klar stärkt es auch das eigene Ego, wenn man als Funktionär anerkannt und gewollt ist. Nur darf das nicht im Vordergrund stehen.
Die andere Seite ist aber tatsächlich auch so, dass ich erkennen kann, dass insgesamt immer mehr "Egomanen" rumlaufen, die nur noch das machen, was für sie selbst gut ist. Die Gemeinschaft ist ihnen egal und hat für sie da zu sein. Aufgaben übernehmen: Ist nicht. Arbeitsdienste: Bitte nur, wenn es nicht zu warm und nicht zu kalt ist, die Arbeit nicht zu schwer, der Rest der (Mit-)Arbeiter angenehm und was weiß ich noch. Also eher, wie kann ich mich rausreden ! Man kommt, macht seinen Sport, wenn es hoch kommt, trinkt man EIN Getränk und geht wieder. Wie im Dienstleistungsbetrieb. Kommunikation und Geselligkeit sind ein Fremdwort. Vereinsfeier wollen wohlbedacht sein, sonst steht man hinterher alleine in der Halle.
Aber auch die Mitgliedschaft in den Verein überhaupt hin zu bekommen ist mehr als schwer. Gerade die Jungen Leute möchten möglichst wenig Verpflichtung. Wenn man denen erklärt dass eben auch dieser oder jener Dienst der Mitwirkung gewünscht ist, gewisse Regeln einzuhalten sind oder ähnlich strukturelle Dinge geäußert werden, sind die direkt verschreckt. Dabei gibt's natürlich dazu auf der anderen Seite auch andere Freizeitaktivitäten, Hilfestellungen bei Schularbeiten, offene Ohren bei Problemen etc. . DAS wird auch gerne angenommen.
Also insgesamt eine recht komplizierte Gemengelage, aus der die Antwort wohl nicht allgemeingültig zu finden ist.