Wie Carcano schon öfter sehr pointiert schrieb, sind die Zugangshürden zur DSB-Trainerausbildung sinnlos hoch.
Was man alles vorher für Papierchen bringen muß ...
Ja. Ich hatte dazu schon einmal aus einer Website zitiert. In ihr wird man einen unserer regelmäßigen Forumsposter wiederfinden, der sich schon oft und kundig geäußert hat. Er ist selbst B-Trainer und seine ganze Familie ist enorm engagiert.
Wie es so geschieht: es gab einmal einen verschnarchten kleinen Priovinzverein, an dem nichts, aber auch überhaupt nichts Interessantes war. Und dann kam eine Person und hat mit Engagement und mit viel viel familiärem Rückhalt den Verein hochgebracht und sportlich landesweit bekannt gemacht.
Zitat
Im Meisterschaftsbetrieb haben die Sportler des Vereins 40 Medaillen bei Kreismeisterschaften gewonnen. Dazu kamen 27 Medaillen bei Gaumeisterschaften und 18x Edelmetall bei den Landesmeisterschaften. Allein 9 Landesmeistertitel gingen im vergangenen Jahr nach XY. Dazu kamen zwei Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften
Ein bekanntes vergleichbares Beispiel aus meiner eigenen Region (SBSV) ist z.B. die Schießsportabteilkung der ESV Weil am Rhein. Verschlafener und provinzieller konnte man sich gelegentliches Bumm-Bumm-, Piff-Paff- Schießen (kein "Sport"!) gar nicht verstellen, als diie Blaschkas sich dieses Vereins annahmen. Und schaut, wo er heute steht.
Aber zurück zum Thema:
1. Wichtig ist zunächst einmal ein niedrigschwelliges Angebot. 'Es muss Leuten den Einstieg leicht machen. Das guilt übrigens nicht nur nur für Ausbilddung, sondern auch und vor allem für sogenannte "Vereinsämter" und gar noch "Verbandsämter". Die Führungsakadenmie des DOSB hat das eigentlich schon länger verstanden. Die Schützen aber weigern sich, buddleln sich mit dem Kopf noch tiefer in den Sand ein (immerhin ist's da unten feucht und etwas kühler als im gleißenden Licht an der Oberfläche) und jammern ungebrochen verdrießlich, dass sich weniger und weniger Freiwillige für "das Ehrenamt" finden, und es immer schwieriger werde, die Strukturposten zu besetzen --- tja, dann sollte man sich doch vielleicht mal fragen, ob es nicht eher am überlebten und nicht mehr zeitgerechten Zuschnitt der Strukturposten liegt, als an den Leuten? Denn die Bereitschaft, sich irgendwie zu engagieren, die ist nach wie vor vorhanden. Die Vereine und Verbände können sie nur oft nicht abrufen - und daran sind sie selbst schuld.
2. Wichtig ist zweites ein BEDARFSorientiertes Abngebot. Man muss das anbieten, was die Leute interessierrt, und was von den Leuten gebraucht wird, Und nicht das, was man schon immer angeboten hat, weil's halt dazugehöört, und weil esTeil des unhinterfragbaren Kanons ist. Der BSSB hat das zum Teil (!) schon durchaus begriffen; die meisten anderen Landesverbände nicht einmal in Ansätzen.
3. Aus- und Fortbildungen sind keine "Ehre", die Auserwählten gnädig zuteil wird. Sie sind ein Angebot, das beworben und schmackhaft gemacht werden muss, und von dem möglichst viiel (!) abgesetzt werden muss. Auuch dafür fehlt in den Strukturen des DSB JEDES Verständnis (mit, wie gesagt, der einen oder anderen schönen Ausnahme).
4. "Wer sich freiwillig meldet, wird bestraft!" Alter Reichswehr-Grundsatz, und ehernes Struktzurprinzip des Ehrenamts im Schützenwesen. Wer einmal drin ist, wird mit Bei- und Mitämtern überladen, und lässt sich's oft noch gefallen (weil: "sonst macht's ja keiner"). Wer an zwei Wochendtagen als Kampfrichter bei Meisterschafterschaftenj helfen würden, wird für fünf zwangsrekrutiert. Resultat: Überlastung, Frust, Ausbrennem, mangelnder Nachwuchs.
5. Das wichtigste für jeden Verein ist ein ausgebildeter Vereinstrainer oder Clubtrainer. Der kann u.U. hoch qualifiziert sein, oder nieder. Aber es muss ihn geben. In den meisten Schützenvereinen in Deutschland existiert er leider nicht; in den meisten anderen Sportvereinen dagegen ist er selbstverständlich.
Nun: Bayern gehört bekanntlich nicht wirklich zu Deutschland und ist auch insofern eine atypische Ausnahme. Den sogenannten "Vereinsübungsleiter" (zu diesem kontraproduktiven Namen noch später) gibt es da tatsächlich öfters, und es wird regelmäßig dezentral (!) hierfür ausgebildet, meiner Erinnerung nach in zwei Ganztagsmodulen an einem Wochenende. Das ist für viele Freiwillige gut zu stemmen.
6. Der Name "Vereinsübungsleiter" ist natürlich unmöglich. Er klingt nach Turnvater Jahn, nach Riegenführer, Antreten und Abzählen, nach Völkerball und ausgelaufenem Kakao, nach Turnbeutel und miefigen Umkleiden. Vergesst es. Was gemeint ist, ist der Trainer. Nennt ihn oder sie also auch so.
7. Das französische System ist im Ergebnis des Leistungssports nicht sooo viel besser als das Deutsche. Eher sogar etwas schwächer. Aber im Jugendbereich und in der Trainerausbildung ist es uns WEIT voraus. Dort ist Trainerausbildung nämlich kein leerlaufender Selbstzweck mit Hürdenspringen und möglichst viele Voraussetzungen einsammeln (so wie bei "Spiel ohne Grenzen" seligen Angedenkens), sondern am tatsächlichen Vereinsbedarf orientiert.
8. Aus einer Website. Zum Thema "Förderung" des freiwilligen Engagements - Motto: wenn Ihr schon Eure Zeit für andere opfert, dann müsst ihr dafür auch zahlen!
"Wir freuen uns natürlich sehr über die Anerkennung unserer Jugendarbeit. Besonders begrüßen wir die Unterstützung unserer jungen Assistenztrainerin C., die es zusammen mit unserem zweiten Assistenztrainer M., trotz Kaderzugehörigkeit und Schulausbildung schafft, die Zeit für das Anleiten und Trainieren unserer Neuzugänge im Schülerbereich zu erübrigen. Die Sportjugend Hessen übernimmt für C. die Lehrgangskosten für die noch ausstehenden Lehrgänge zum Schießsportleiter und Trainer C.
Natürlich hatten wir auch für M. auf ein Stipendium gehofft. Leider wurde aber nur ein Bewerber berücksichtigt. Er steht C. bei seinem Engagement in nichts nach und hätte das Stipendium ebenso verdient."
Und um den abschreckenden Hindernislauf mal richtig zu beleuchten:
Zitat
"Unsere beiden Assistenztrainern für die Disziplin mehrschüssige Luftpistole C. und M. haben sich auf den Weg zu ihren Trainerlizenzen gemacht. Für die eigentliche Trainerausbildung müssen die Beiden zahlreiche Vorstufenqualifikationen erwerben. Der Nachweis über die erste Hilfe mit 16 Stunden war da das kleinste Problem. C. hat die erforderliche Waffensachkunde bereits absolviert. Für M. steht sie im Oktober auf dem Programm. Im nächsten Schritt haben unsere zwei C-Traineranwärter dann die Jugendbasislizenz in Angriff genommen. Hier werden die Grundlagen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Schießsport erarbeitet. Rechtsgrundlagen, Entwicklungsphasen, kindgerechte Gestaltung von Übungsstunden waren die Themen für den 20 Stunden umfassenden Lehrgang. Die Jugendbasislizenz ist nötig, um die waffenrechtlich gebotene besondere Obhut über Kinder und Jugendliche im Schießsport ausüben zu können. C. und M. haben ihre bisherigen Erfahrungen als Assistenztrainer und ihren Kaderhintergrund gut in die Ausbildung einbringen können und mit Erfolg teilgenommen. Unsere beiden Traineranwärter werden die Lizenz aus rechtlichen Gründen allerdings erst mit ihrer Volljährigkeit erhalten. Im Herbst ist dann noch der Schießsportleiterlehrgang zu absolvieren, bevor die eigentliche Trainerausbildung im Januar beginnt."
Fehlt nur noch der Fußpflegeschein, die Diätassistentenausbildung (gute Erbnährung ist wichtig für Sportler!) und der Gender-Awareness-Kurs mit Diplom. Alles gaaaanz wichtige Voraussetzungen für die Trainerarbeit, zweifellos. Muss man unbedingt noch fordern.. weil, sonst könnte da ja jeder kommen !
Carcano