Der Hintergrund der Ausbildungsstruktur ist sehr komplex und für viele verwirrend, schon sprachlich. Er kann auch recht theoretisch erscheinen.
Gestern zum Beispiel sprach ich mit einem A-Trainer (Pistole), dem weder bewusst war, dass die Ausbildungsrichtlinien und die (nominellen !) Inhalte für den "Schießsportleiter" - der ja eine Basisqualifikation im ganzen Deutschen Schützenbund darstellt - im Jahre 2012 geändert wurden (auf dem Papier, ich bezweifle ja, dass sich die Ausbildung seither schon wirklich geändert hat), noch dass er das Gefüge von DOSB-Rahmenrichtlinie und DSB-Qualifizierungsplan kannte. Das muss dem guten Mann niemand vorwerfen. Wie gut oder wie mäßig seine Trainerarbeit mit seinen Schützlingen ist, hängt sicher nicht von der Kenntnis dieser Hintergründe ab. Dennoch zeigt es, wie weit weg von den Bedürfnissen der Basis das DSB-Ausbildungskonzept ist. Als Konzept.
Der Hauptgrund für die Verwerfungen ist, dass die geltende übergeordnete DOSB-Struktur ja erst nachträglich und spät geschaffen wurde, als alle Fachsportarten schon lange ihre je nach den eigenen Historien gewachsene und tlw. auch nach den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Fachsportarten entwickelten Ausbildungsstrukturen hatten. Dadurch gab es natürlich große Qualitätsunterschiede in den Ausbildungen. Das aber wollten die das Geld gebenden Behörden und Politiker nicht mehr dulden. Wer zahlt, schafft an.
Und wie üblich bei Deutschland, übetrieb man dann natürlich gewaltig, Statt einiger tatsächlicher Rahmenrichtlinien, die eine gewisse grobe Anpassung bewirkt hätte, tobten sich Möchtegernpädagogen ungehindert aus und wandten endlich einmal alles alles an - vor allem in Punkto Jargon - was sie an den PHs oder an der Uni theoretich gelernt hatten.
Da die Schöpfung von Inhalt schwer ist, das Nachäffen von Jargon aber leicht, spiegelte sich das dann auch schnell auf die Ebene der einzelnen Fachsportarten herunter.
Man verbinde das mit deutscher Obrigkeitshörigkeit und mit der habituellen Unfähigkeit, ach was sage ich, der bräsigen Unwilligkeit von Nichtjuristen, souverän festzustellen, welche Vorgaben genau beachtet werden müssen, und welche bloß Anregungen oder abweichungsoffene Richtungsweisungen sind - für uns ein triviales Alltagsgeschäft -, und man bekommt ein so hypertrophiertes und so misslungenes Konzept wie den DSB-Qualifizierungsplan 2009.
Die bereits existenten Ausbildungen wurden nicht etwa geändert oder von Grund auf reformiert, sondern sie wurden gewaltsam in das DOSB-Konzept hineingepresst (nicht etwa: "integriert"), mit viel Etikettenschwindelei. Der sogenannte "Schießsportleiter" hatte ja ganz andere Ziele und Ausrichtungen. Da man aber sonst nichts DSB-Einheitliches hatte, wurde er gewaltsam als "Basisqualifikation" deklariert (was er nicht ist) und in den C-Trainer hineingepresst (wo er nicht hingehört),
Ein solcher Ausbildungsplan müsste aber vor allem eines sein: praxisgerecht und praxisnah. Für Theorie um der Theorie willen gibt's die Uni oder die PH.
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So, nun noch einmal zur Überscht und zum Memorieren die vorgenannten Ebenen:
1. Rahmenrichtlinien des DOSB (Deutschen Olympischen Sportbundes).
vom 10.12.2005 und seither weder verändert noch fortgeschrieben:
http://www.dosb.de/fileadmin/fm-d…stag_101205.pdf
2. Qualifizierungsplan des DSB (Deutschen Schützenbundes), als fachsportartliche Umsetzung von 1:
aus dem Jare 2009 und seither ergänzt und geändert, zuletzt im November 2012,
Darin sind auch nur - und das führt viele unkundige Leser in die Irre - zwei der sogenannten "Vorstufenqualifikationen" erwähnt, weil die anderen und weiteren eben allein Sache der Landesverbände snd. Normhierarchisch werden auch die beiden benannten von den LVs organisiert und abgenommen, der DSB hat hierfür aber Inhaltsvorgaben als Richtlinien geschaffen.
Warum dieser scheinbare Systembruch? Ganz einfach: Weil diese beiden (Schieß- und Standaufsicht, Waffensachkunde) eigentlich überhaupt keine Vorstufenqualifikationen sind (!!!), in Sinne der DOSB-Rahmenrichtlinien (fort auf S. 22-24). Sondern reine bundesrechtlich-waffengesetzliche Anforderungen, die man gequält im Nachhinein in das sportliche Ausbildungskonzept des DSB hineingequetscht hat, wohin sie indessen überhaupt nicht gehören.
http://www.dsb.de/media/PDF/Bild…August-2009.pdf
3. Ausbildungsstrukturen und Konzepte der Landesverbände, welche die Vorgabe von 2 reflektieren sollen, und noch eigenes dazufügen können und sollen (!), zum Beispiel:
Baden (Süd): http://www.sbsv.de/assets/pdf-fil…ungsordnung.pdf
Württemberg und Baden (Nord): http://www.wsv1850.de/cms/docs/doc8461.jpg
Niedersachsen NSSV: http://nssv.de/ausbildung/ima…ndg_0902.12.pdf
Niedersachsen NWDSB: http://www.nwdsb.de/wp-content/upl…linie-15-04.pdf
Carcano