• Ja, "ganz raus" ist es nicht. Aber wir müssen uns zwangsläufig auf die Disziplinen fokussieren, die Punkte bei der Geldvergabe von oben nach unten sind. Und das ist eben keine Disziplin, die bei der DM nicht geschossen wird. Trainingszeit ist ein echt knappes, sehr wertvolles Gut, mit dem wir sorgsam umgehen müssen. (...)

    Der Haken ist aber, wie oben geschrieben, die knappe Ressource (Trainings-)Zeit.

    Ich versuche mal, Dich da zu verstehen. Das ist bei dir auch meist recht einfach, wofür ich mich bedanke.

    Diese (also anscheinend auf Landesebene noch weiter fortbestehende bzw. weiter gepflegte) Disziplin 2.16 ist das Schießen mit der mehrschüssigen Luftpistole auf 5 mechanische Klappscheiben, und zwar in 10-Schuss-Serien (30 Schuss oder 60 Schuss). Es gibt sie mit geringfügiger Abwandlung übrigens auch im internationalen Regelwerk der ISSF.

    Das ist also im Prinzip ein Element der klassischen und olympischen Disziplin "Schnellfeuerpistole" (Disziplin-Nr. 2.30 im DSB). Die OSP aber ist nach Auffassung auch der strengsten Pedanten und bayerischen Trainergurus eminent förderungswürdig, und tatsächlich hat man da ja in den letzten Jahren die Teilnahme von Jugendlichen und auch von Mädchen deutlich erleichtert. Das ist verständlich, weil das praktisch nirgendwo auf Vereinsebene geschossen wird, es demnach nirgendwo Vorbilder gibt, und erst recht keine Trainer. Und alleine als Einzelkämpfer ohne Anleitung ist es nicht besonders einfach, in die OSP einzusteigen, abgesehen davon, dass alle sehr böse gucken, weil man die gesamte Pistolenanlage monopolisiert.

    D. h., die 2.16 ist eigentlich ein ziemlich guter und sanfter Einstieg in die OSP für Junge. Mit der hier längeren Seriendauer (10 Sekunden) kann man auch das saubere Bewegen erst einmal eintrainieren. Und wegen der Klappscheiben hat man sehr schnell Erfolgserlebnisse.
    Das bedeutet, wer erst einmal in der 2.16 geübt und trainiert hat, hat dann einen sanften und positiv gefärbten Einstieg in die OSP und erlebt jedenfalls dann in den 8-Sekunden-Serien auch nicht gleich die großen Frustrationserlebnisse, eher im Gegenteil. Der Frust kommt danach noch früh genug (4-Sekunden-Serie: "Fehler - Fehler !"). ;)

    LG,

    Carcano

  • Ja, du hast mich sehr gut verstanden!

    Nur ist die 2.16 de facto tot, sie steht zwar noch in der SpO, aber es gibt auch in Sachsen dafür keine mir bekannten Wettbewerbe mehr.

    Das mit der sanften Heranführung an OSP sehe ich genau so, bin mit dieser Meinung allerdings recht einsam unter den Trainerkollegen. (hier wirklich männlich, da ich keine Frau kenne, die OSP trainiert.)

    Ich habe bezüglich dieser Disziplin auch als Trainer ein wenig Staub gewischt, dank der ausgiebigen Hilfe von Jürgen Wiefel (olymp. Silbermedaille) und einem Lehrgang bei Detlef Glenz. Praktische Erfahrungen mit meinem Sohn und bei Kaderlehrgängen des Landesverbandes. Leider habe ich aktuell im Verein keine Schützen, die die nötige Investition in Zeit und Geld wagen wollen.

    Btw: Unsere unterschiedliche Auffassung bezüglich Einstiegsalter:

    Vielleicht sind wir gar nicht so weit voneinander weg, haben aber eben unterschiedliche Perspektiven im Auge: Ich den jungen Schützen bis ca. 18, den ich möglichst (auch schnell) hochbringen möchte. Da ist ein früher einstieg in den Sport hilfreich, eben weil alle 2 Jahre die Klasse gewechselt wird. Außerdem sind Jugendliche ab ihrem letzten Schuljahr - egal, ob es die 10. bei Realschülern oder die 12. bei Gymnasiasten - meist in dieser Zeit nicht mehr für den leistungsorientierten Sport zu gebrauchen. Prüfungen gut bestehen, bewerben, Lehre oder Studium beginnen und dann noch das andere Geschlecht - da bricht es meist weg. (Und hier beginnt unser Spaßtraining Früchte zu tragen, nämlich wenn sie mit 18 eine WBK holen). Wenn man also diese Jugend nicht fest an den Verein bindet, dann it das ganze Jugendtraining "für die Katz".

    Zwei unserer ehemaligen Schießkinder sind jetzt im Vorstand - und richtig gut darin.

    Einfacher ist es natürlich, Erwachsene, die bereits im Leben ihren Platz gefunden haben, zu akquirieren und dann gut auszubilden. Das machen wir auf zwei weiteren Schienen. Das DSB-Erwachsenen-Training insbesondere mit der LP wurde wieder neu aktiviert und für die dynamischen Disziplinen gibt es auch ein paar, die andere anleiten, leider noch nicht so systematisch, wie ich es gerne hätte.

    Wenn man allerdings einen jungen Erwachsenen ohne Vorkenntnisse zum Bundeskader machen will, dann muss auch vieles stimmen und derjenige muss sicher sehr, sehr viel Zeit in sein neues Hobby stecken. Die DDR-Kader haben eigentlich Vollzeit trainiert, wenn ich den alten Geschichten glauben kann. Und ich habe gehört, wo die kistenweise KK-Munition verklappt haben wollen, weil ihnen einfach der Arm weh tat.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Du hast vollkommen Recht, das scheint ein Widerspruch zu sein.

    Zum einen kritisiere ich, dass gerade die "spaßorientierten Disziplinen" nicht im Reglement des DSB sind bzw. dann nur maximal auf Landesebene Wettbewerbe gibt. Ohne entsprechende Wettbewerbe ist Training relativ nutzlos.

    Der DSB ist nun mal ein Sportverband, auch wenn mancher Waffenbesitzer meint es sollte eine universelle Organisation rund um die Waffe sein.

    Sehen die Führungskräfte der anderen Verbände sich eigentlich auch als die großen Bespasser der Nation? F. G. hat ja nicht grundlos in der Vergangenheit im anderen Forum die Vorstellungen mancher Mitglieder gerade gerückt.

    Außerdem sind Jugendliche ab ihrem letzten Schuljahr - egal, ob es die 10. bei Realschülern oder die 12. bei Gymnasiasten - meist in dieser Zeit nicht mehr für den leistungsorientierten Sport zu gebrauchen. Prüfungen gut bestehen, bewerben, Lehre oder Studium beginnen und dann noch das andere Geschlecht - da bricht es meist weg. (Und hier beginnt unser Spaßtraining Früchte zu tragen, nämlich wenn sie mit 18 eine WBK holen). Wenn man also diese Jugend nicht fest an den Verein bindet, dann it das ganze Jugendtraining "für die Katz".

    Aussage eines österr. Schitrainers zum "unwilligen" Nachwuchs: Je nach Verband bekommt der eine oder auch zwei Möglichkeiten sich zu bewähren und wenn er nicht will warten schon die nächsten um nachzurücken.

    Ja es gibt Sportler die in diesem Alter aufhören, weil sie oft zum ersten mal selbst Entscheidungen treffen können und die Vorstellungen der Eltern oder anderer nicht mit ihrer Planung deckungsgleich sind. Aber gerade bei einem so großen Verband wie den Schützen sollte sich doch noch Nachwuchs finden.

    Wenn man allerdings einen jungen Erwachsenen ohne Vorkenntnisse zum Bundeskader machen will, dann muss auch vieles stimmen und derjenige muss sicher sehr, sehr viel Zeit in sein neues Hobby stecken. Die DDR-Kader haben eigentlich Vollzeit trainiert, wenn ich den alten Geschichten glauben kann. Und ich habe gehört, wo die kistenweise KK-Munition verklappt haben wollen, weil ihnen einfach der Arm weh tat.

    Die gute alte Zeit kommt leider oder hoffentlich nicht mehr. Allerdings wird behauptet dass im dekadenten Westen Sportler auch Schützen neben einem Vollzeitberuf zu olympischen Ehren aufsteigen konnten.


    Einfacher ist es natürlich, Erwachsene, die bereits im Leben ihren Platz gefunden haben, zu akquirieren und dann gut auszubilden.

    Wollen die dann noch Leistungssport mit allen Nachteilen und wenigen Vorteilen die auf die die Mehrzahl der Sportler zutreffen einlassen? Richtig fette Kohle verdienen im Sport bei uns nur mal recht wenige.

    Welche Sportarten kämen da neben den Schützen noch in Frage? Neckermann und Linsenhoff fallen mir da bei den Reitern noch ein.

    Wäre es da nicht unklug in einer Situation in der wir heute sind (kurz vor dem Verbot, schritte vor dem Abgrund wenn wir nicht vorher aussterben...) noch Sonderregelungen zu fordern?

  • Allerdings wird behauptet dass im dekadenten Westen Sportler auch Schützen neben einem Vollzeitberuf zu olympischen Ehren aufsteigen konnten.

    Sogar Fußballer. In den Sechziger Jahren.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Wer heute im Leistungssport - insbesondere im Schießsport - olympiareif sein will, ist Vollzeit-Profisportler mit einer Scheinanstellung bei einem der wie wir früher sagten "bewaffneten Organe".

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Wer heute im Leistungssport - insbesondere im Schießsport - olympiareif sein will, ist Vollzeit-Profisportler mit einer Scheinanstellung bei einem der wie wir früher sagten "bewaffneten Organe".

    Wenn Du das sagst wird es so sein. mag sein dass andere Sportarten einen nicht so intensiven Aufwand bedürfen.

  • Wer heute im Leistungssport - insbesondere im Schießsport - olympiareif sein will, ist Vollzeit-Profisportler mit einer Scheinanstellung bei einem der wie wir früher sagten "bewaffneten Organe".

    Da fallen mal direkt Anna Janssen und Robin Walther raus. Beides sind normale Studenten, unabhängig deiner „bewaffneten Organe“.

    DOSB Trainer C Leistung Pistole

    LP500e MM

    GSP500 MM

    Pardini SP22 RF

  • Wenn Du das sagst wird es so sein. mag sein

    Olympiakader Luftpistole / Sportpistole / Schnellfeuerpistole / Gewehr (Stand heute)

    Doreen Vennekamp - Sportsoldatin
    Christian Reitz - Polizeioberkommissar
    Maximilian Dallinger - Polizeiobermeister

    Und auch die meisten Perspektivkader geben als Beruf Sportsoldat oder Polizist an.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Beides sind normale Studenten, unabhängig deiner „bewaffneten Organe“.

    Meine Tochter stand als fertige Abiturientin vor der Wahl: Sportförderguppe und im Bundeskader bleiben ODER zivil Medizin studieren. Ist jetzt ca. 7 Jahre her. Ich bin sehr froh, dass sie sich nicht für die Bundeswehr entschieden hat.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Meine Tochter stand als fertige Abiturientin vor der Wahl: Sportförderguppe und im Bundeskader bleiben ODER zivil Medizin studieren. Ist jetzt ca. 7 Jahre her. Ich bin sehr froh, dass sie sich nicht für die Bundeswehr entschieden hat.

    Es ist wie mit allem im Leben. Hinterher ist man immer schlauer. Ich denke Anna und Robin sind einfach wahnsinnige Talente die es „nebenbei“ schaffen, diese Leistung zu halten. Im Podcast vom DSB sagt Robin selbst, dass das Studium darunter leidet. Einen normalen Beruf zu erlernen wird in jedem Fall nach der Karriere das Leben einfacher gestalten. Egal welches der Organe wird sicher nicht der erste Berufswunsch der Sportler gewesen sein. Es gibt nur schlichtweg keine Alternative.

    DOSB Trainer C Leistung Pistole

    LP500e MM

    GSP500 MM

    Pardini SP22 RF

  • Und auch die meisten Perspektivkader geben als Beruf Sportsoldat oder Polizist an.

    Gut recherchiert, nur dass die Angehörigen in den dortigen Einheiten gleichzeitig eine Berufsausbildung die zeitlich gestreckt ist und auf den Sportablauf Rücksicht nimmt absolvieren hätte man auch noch erfahren können. Mit fehlendem Berufsabschluß gibt es dort auch für den Leistungsträger keine weitere Beschäftigung.

  • Egal welches der Organe wird sicher nicht der erste Berufswunsch der Sportler gewesen sein. Es gibt nur schlichtweg keine Alternative.

    Augen auf bei der Berufswahl gerade als Sportler.

    Die Sportler sind nun mal einfacher bei großen Organisationen unterzubringen und der Sinn liegt ja auch darin dem Sportler in der aktiven Zeit auch eine soziale Sicherheit zu bieten. Die Ex Biathletin mit einem geringen* Verdienst von 60 000 mtl. ist heute nicht unbedingt auf ein Gehalt als zollsektetärin angewiesen, die Ex Profifußballerin muss damit leben.

    Aber früher war wirklich alles besser, da konnte man auch als Sportler noch studieren. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Josef_Kapellmann

    Einmal editiert, zuletzt von Hansaxel (13. Juli 2024 um 12:12)

  • https://www.spox.com/de/sport/olymp…or-olympia.html

    Die Vorstellungen sind auch nicht auf die Schützen übertragbar, das macht doch keinen Spaß.

    Da kann ich dir nur zustimmen.

    Aber beim Schießsport geht man aber auch nicht an seine körperlichen Grenzen.

    Das hat Becker damit gemeint. Beim Schießen ist es für die Zuschauer nicht ganz so offensichtlich, dass man nicht mithalten kann und körperlich eine schlechte Kondition hat.

    Grüße vom "Otmar Martin Fan-Club" ;)

  • Da kann ich dir nur zustimmen.

    Aber beim Schießsport geht man aber auch nicht an seine körperlichen Grenzen.

    Das hat Becker damit gemeint. Beim Schießen ist es für die Zuschauer nicht ganz so offensichtlich, dass man nicht mithalten kann und körperlich eine schlechte Kondition hat.

    Das würde ich nicht sagen. Beim Schießen an seine körperliche Grenze zu gehen bedeutet ja nicht zwangsläufig daß man völlig ausser Puste ist und "auf dem letzten Loch pfeifft".

    Höchstleistungen erbringen bedeutet daß das Mentale mit dem körperlichen einhergeht. Das macht sich auf jeden Fall körperlich bemerkbar. Und ohne mentale Stärke nutzt eine gute körperliche/konditonelle Verfassung wenig und umgekehrt genauso.

    Nur ist dies dem Zuschauer, wie du schon richtig bemerkt hast, nicht bewusst weil man eben nichts sieht.

    Einmal editiert, zuletzt von Königstiger (23. Juli 2024 um 21:11)

  • Beim Schießen an seine körperliche Grenze zu gehen bedeutet ja nicht zwangsläufig daß man völlig ausser Puste ist und "auf dem letzten Loch pfeifft".

    Und letzte Woche musste ein olympiareifer Schütze noch Vollzeitsportler sein

    Vor einigen Jahren hat man mal "für die Wissenschaft" einen Schweizer Gewehrschützen in seiner vollen Montur verkabelt und seine sportliche Leistung (Energieverbrauch, Schweiß, Puls, was weiss ich denn ...) gemessen und hat festgestellt, dass er nach seiner Serie durchaus soviel körperlich geleistet hat, wie ein normaler Leichtathlet.

    Ich finde das jetzt nicht mehr, aber du kannst mir glauben.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Ich glaube Dir das, denke zurück und den ersten KK Liegend Wettkampf, habe das Gewehr mehr mit den Muskeln und dem Riemen gehalten.

    Oder das 3 x 40 Training und die drei Serien KK 50m Freihand nicht zu vergessen.

    Da konnte ich die Unterkleidung auswringen.

    Linksschütze
    P8X
    GSP Atlanta
    FWB 800 Wood Basic
    Anschütz 8002
    Anschütz1903

  • ........aber du kannst mir glauben.

    Das wusste schon unser früherer Trainer, der hat das schon bei der GST gelernt.

    Wobei auf der anderen Seite des Zauns auch Schützen mit Vollzeit Job internationale Erfolge haben konnten.

    Das hat Becker damit gemeint.

    Vielleicht hat Becker und Hambüchen wirklich gemeint was geschrieben wurde.

    Es wurde ja auch bei der Fußball EM von ehemaligen Aktiven kritisiert dass bei den Kleinen nicht mehr Tore sondern die Freude am Spiel wichtig sind.

    Die Diskussion um die Bundesjugendspiele reiht sich da ein.