Nachwuchsleistungssportkonzept 2020

  • Einen der wichtigsten Faktoren hatte ich 2014 schon einmal näher beleuchtet, nämlich die Rolle von Trainern und Trainerinnen für die Leistungsentwicklung im Schießsport. Manches ist genauso wie in jedem anderen Sport, manches anders (z.B. de besondere Altersverteilung).

    Ein entscheidender Faktor ist tatsächlich die in Deutschland ungenügende TrainerInnensituation. Die "Traineroffensive" des DOSB sieht das Problem, produziert mir aber zu viel wohlmeinend heiße Luft und zu wenig Wirkung.

    Den damaligen Ausdruck des Deutschen Olympischen Sportbundes - "Traineroffensive"- hat nach mir, dann 1 Jahr später, nun auch der Bayerische Sportschüzenverband sehr sinnvoll aufgegriffen.
    Und zwar für ein jetzt laufendes Programm von Thomas Karsch, das er "Pistolenoffensive" nennt, und das sich gut anzulassen scheint.

    Carcano

  • Im Grunde findet die Aktion guten Anklang., zum Großteil sind es Erwachsene die sich melden,
    und das ist nicht die Zielgruppe die er Ansprechen wollte, aber wenn sich bei der menge ein-zwei Talente
    finden hat es doch schon was gebracht ;).

    Bei uns in Gau tut sich diesbezüglich nix, hab jedoch aus dem Nachbargau zwei Schüler in meine Trainingsgruppe bekommen....

  • Ich habe den Eindruck, dass du einfach Deine eigenen Erwartungen auf Thomas Karsch projizierst und ihm unterjubelst. Typischer expectation bias.
    Das Konzept der Pistolenoffensive ist ganz bewusst strukturell breit angelegt und zielt auf breitensportliche Revitalisierung im Verein, nicht etwa auf jugendliche Kadergewinnung.

    Carcano

  • Danke dir.

    Ja so stell' ich mir das vor. Hatte schon die Befürchtung, das ist nur für Jungspunde und nicht für uns "alten Nachwuchs" ;)
    Mal seh'n, wann sich einer meldet. Kontakt hatten wir schon aufgenommen.

    Stefan

  • Der Artikel gefällt mir! Ich freue mich, dass sich wieder neue Leute für den Schießsport begeistern konnten.

    ..Hatte schon die Befürchtung, das ist nur für Jungspunde und nicht für uns "alten Nachwuchs" ;)
    ...

    Den "alten" Nachwuchs halte ich (für den Schießsport) besser als Kinder oder Jugendliche, da planbarer und zuverlässiger. Meine Familie ist in mehreren Sportverein Mitglied und überall gibt es Nachwuchsmangel (unter 18Jahre). Selbst die örtlichen Fußballvereine haben rückgängie Zahlen. Das Problem ist, dass viele Kinder und Jugendliche durch die Schule derartig eingespannt sind, dass kaum Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt. Und wenn werden dann Prioritäten gelegt. Da verliert der Schützenverein gegenüber dem Fußball- oder Basketballverein.

  • Den "alten" Nachwuchs halte ich (für den Schießsport) besser als Kinder oder Jugendliche, da planbarer und zuverlässiger. Meine Familie ist in mehreren Sportverein Mitglied und überall gibt es Nachwuchsmangel (unter 18Jahre). Selbst die örtlichen Fußballvereine haben rückgängie Zahlen. Das Problem ist, dass viele Kinder und Jugendliche durch die Schule derartig eingespannt sind, dass kaum Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt. Und wenn werden dann Prioritäten gelegt. Da verliert der Schützenverein gegenüber dem Fußball- oder Basketballverein.

    Genau solche Aussagen bekomme ich immer dann zu hören, wenn mangelndes Engagement im Jugendbereich schön geredet werden soll:

    • Die Jugend hat ja wegen der Schule keine Zeit
    • Die Jugend spielt ja viel lieber Fußball oder macht viel lieber sonst was
    • Die Jugend bleibt ja nicht bei der Stange
    • Wenn der/die Freund/in da ist oder die Ausbildung beginnt, sind die Jugendlichen ja sowieso nicht mehr dabei
    • Bla Bla Bla

    In welche Dimensionen man auch im Schießsport mit Engagement im Jugendbereich vordringen kann, kann man z.B. beim Schützenverein Kirtorf nachlesen.
    Wenn man keine aktive Jugendarbeit betreiben will, dann muss man auch dazu stehen. Ob das sinnvoll ist oder nicht, kann man ja diskutieren.
    Mit einem ordentlichen Angebot im Jugendbereich, muss sich der Schießsport nicht vor anderen Sportarten oder Freizeitaktivitäten verstecken.

    Das ist aber im Erwachsenenbereich keineswegs anders. Insofern begrüße ich die Initiative vom Thomas Karsch in Bayern. Vielleicht schafft der neue Landestrainer Pistole in Hessen (Stelle ist ausgeschrieben) sowas ja auch mal.

  • Genau solche Aussagen bekomme ich immer dann zu hören, wenn mangelndes Engagement im Jugendbereich schön geredet werden soll:

    • Die Jugend hat ja wegen der Schule keine Zeit
    • Die Jugend spielt ja viel lieber Fußball oder macht viel lieber sonst was
    • Die Jugend bleibt ja nicht bei der Stange
    • Wenn der/die Freund/in da ist oder die Ausbildung beginnt, sind die Jugendlichen ja sowieso nicht mehr dabei
    • Bla Bla Bla

    ...
    Wenn man keine aktive Jugendarbeit betreiben will, dann muss man auch dazu stehen. ...

    Kann sein, dass es Vereine gibt, die eine starke Jugend haben (die Gründe können verschieden sein), aber die Regel ist es nicht. Eher im Gegenteil. Und den Verantwortlichen Ausreden zu unterstellen, finde ich sehr vermessen von dir!

    Ich bin Mitglied in einem Familiensportbund (sprich wir haben eine Jugend). Unsere Jugendaktivitäten wurden für dieses Jahr eingestellt, obwohl unsere Verantwortlichen ausserordentlich engagiert waren! Das Angebot wurde aber nicht angenommen. Nach Aussagen unserer Jugend war nicht das Angebot als solches unakttraktiv sondern die Schule und andere Verpflichtungen/Sportvereine (zB Anwesentheitspflicht beim Fußballtraining usw.) hatten schlicht eine höhere Priorität. Wenn man etwas ländlicher wohnt, kommt hinzu, dass die fehlende Mobilität dafür sorgt, dass die Jugend es einfach nicht schafft nach der Schule oder dem Sport schnell zu anderen Veranstaltungen gelangen kann.

  • ondern die Schule und andere Verpflichtungen/Sportvereine (zB Anwesentheitspficht beim Fußballtraining usw.) hatten schlicht eine höhere Priorität.

    Warum kann der Fußballtrainer Anwesenheitspflicht verlangen, aber nicht der Schießsporttrainer?

    Allerdings - wer bereits in einem anderen Sportverein richtig aktiv ist, hat es schwer, noch zusätzlich volles Engagement im Schützenverein zu zeigen, gerade wg. der wirklich starken (und wichtigen) Priorität der Schule.
    Ich sage meinen Schützlingen manchmal, dass der Schießsport neben Schach eine der wenigen Sportarten ist, bei dem man auch mit einer Schulsportnote von 3 Landesmeister werden kann.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Unsere Jugendaktivitäten wurden für dieses Jahr eingestellt, obwohl unsere Verantwortlichen ausserordentlich engagiert waren! Nach Aussagen unserer Jugend war nicht das Angebot als solches unakttraktiv sondern die Schule und andere Verpflichtungen/Sportvereine (zB Anwesentheitspflicht beim Fußballtraining usw.) hatten schlicht eine höhere Priorität.

    Wäre es dann nicht besser die Trainings und ggf. auch Wettkampfzeiten anzupassen, und sie möglichst mit den anderen Ortsvereinen abzustimmen, anstatt die Jugendaktivitäten einzustellen?

    Ich sage meinen Schützlingen manchmal, dass der Schießsport neben Schach eine der wenigen Sportarten ist, bei dem man auch mit einer Schulsportnote von 3 Landesmeister werden kann.

    Ist wirklich irre motivierend. :/

    Gerhard Seemüller

    „Great minds discuss ideas;
    average minds discuss events;
    small minds discuss people.“

  • Warum kann der Fußballtrainer Anwesenheitspflicht verlangen, aber nicht der Schießsporttrainer?
    ...

    Weil der Fußballtrainer dich beim nächsten Spiel auf der Bank versauern lässt, wenn du das Training ohne vernünftigen Grund ausfallen lässt. Wenn dann plötzlich noch beim nächsten Spiel (unangemeldet) ein Talentscout im Publikum sitzt (kommt je nach Leistungsniveau schon mal vor), dann wird Papa nicht besonders amused sein seinen Schützling auf der Bank sitzen zu sehen. Da viele Jungs (und Vater) von einer Karriere beim FCB und Co träumen ist die Disziplin entsprechend hoch.

  • Ist wirklich irre motivierend.

    Darum nur "manchmal", wenn es zur Motivation etwas weniger sportlicher Schützen paßt. Denn es stimmt. Natürlich ist eine allgemeine Fitness absolut positiv und wichtig für die absolute Spitze, wenn man den Schießsport ernsthaft betreiben will, aber auch der "Club der Dicken Mädchen" kann bei uns durchaus noch was reißen.

    dann wird Papa nicht besonders amused sein seinen Schützling auf der Bank sitzen zu sehen.

    Es liegt an uns, daß genau das auch im Schießsport wichtig wird.
    (OK, ich trainiere nicht einen einzigen, der parallel Fußball spielt, aber es gibt noch viele andere, die das nicht tun)

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Hallo,

    als Jugendleiter in unserem Verein sehe ich die Probleme ähnlich. Erschwerend kommt bei LG
    der Ausrüstungswahn hinzu, den im Grunde nur diejenigen Eltern mitgehen, die entweder selbst
    aktiv sind oder deren Kind soooo gut und talentiert ist, daß sie diesen Weg mitgehen.

    Und spätestens mit dem Erreichen der Junioren B wird's dann schwierig, die Jungs und Mädels außer den
    Top-Leuten zu halten, Jugend-Programm hin oder her .....

    Ich bin mittlerweile auch der Meinung, daß durch ein gutes und abwechslungsreiches Training im
    Pistolenbereich die Schüler- und Jugendschützen super zu motivieren sind und diese fast besser
    zu halten sind als im Gewehrbereich.

    Zum Fussball:
    Ich bin auch Leidtragender eines Sohnes in der D-Jugend mit Trainingsterminen an den Schiessabenden ...

    Was beim Fussball abgeht, grenzt an Mobbing und Psycho-Terror - die Kommentare der Trainer erspare ich mir da !
    Ja, ja hochgelobt, die Ausbildung beim BFV/DFB aber zu oft leben die Trainer, die gerade C-Klassen Niveau gespielt haben,
    dann Ihren "Sportgeist" über die Kinder aus. Im übrigen benötigt m.E. kein Fussballtrainer im Jugendbereich eine
    Lizenz.

    Zum Vorschlag, den Trainingstag im Schiessen zu ändern:
    Ich bin mindestens 3x in der Woche für das Schiessen unterwegs, davon an 2 festen Tagen an den Trainingsabenden,
    die bei uns feste Schießabende sind. Und dies seit mehr als 30 Jahren - das ändere mal !
    Davon abgesehen läuft die Jugendarbeit in vielen Vereinen eh nur über ganz wenige Personen, die aber auch
    ein Interesse am Schiessen haben und dann auf die offiziellen Abende gehen wollen.

    Geronimo:
    Wo Califax recht hat, hat er Recht - schau dir doch nur die Diskussion jedes Jahr im Sommer an,
    wenn das Schulsportabzeichen gemacht werden soll ! Nicht alle sind zu Leichtathleten bestimmt !
    Aber der Schulsport besteht zum großen Teil aus Turnen, Schwimmen, Leichtathletik und Volley oder Basketball.
    Hast du Kinder schon mal beim Basketball leiden sehen ?

    Die Pistolenoffensive von Thomas ist lobenswert, bezieht sich aber nicht nur auf den Nachwuchs, sondern
    auf alle Schützen und Interessierte.

    VG

    Holger

    ex C-Trainer DOSB - Steyr Challenge E - Anschütz 1913 im SE Shape H mit Zeiss Diasport - Walther LP 400 - TOZ 35 mit Lottes Balance/Rink-Griff

  • Ich bin mindestens 3x in der Woche für das Schiessen unterwegs, davon an 2 festen Tagen an den Trainingsabenden, die bei uns feste Schießabende sind. Und dies seit mehr als 30 Jahren - das ändere mal ! Davon abgesehen läuft die Jugendarbeit in vielen Vereinen eh nur über ganz wenige Personen, die aber auch ein Interesse am Schiessen haben und dann auf die offiziellen Abende gehen wollen.

    Verständlich. Aber wenn das eigene Training mit den Trainingszeiten anderer Vereine zusammenfällt, dann kann man sich halt entweder absprechen, oder so weitermachen und abwarten wer langfristig den Kürzeren zieht. Und das wart hier wohl ihr. Sorry, wenn das jetzt etwas hart klingt, aber da muss man wohl oder übel die eigene Komfortzone verlassen.

    Gerhard Seemüller

    „Great minds discuss ideas;
    average minds discuss events;
    small minds discuss people.“

  • Hallo Geronimo,

    wir haben hier neben 5 oder 6 Fussballvereinen noch diverse andere Vereine, die ist ein Absprechen nicht mehr möglich.
    Das kann zwar am Land mit einem Fussballverein noch gehen, aber bei uns nicht mehr. Ganz zu schweigen von der Werbung für die Feuerwehr - hast du die Initiative des Freistaates für die Feuerwehr mal gelesen - da wirds dir als normaler Verein schon ganz schlecht ...

    VG

    Holger

    ex C-Trainer DOSB - Steyr Challenge E - Anschütz 1913 im SE Shape H mit Zeiss Diasport - Walther LP 400 - TOZ 35 mit Lottes Balance/Rink-Griff

  • Kann sein, dass es Vereine gibt, die eine starke Jugend haben (die Gründe können verschieden sein), aber die Regel ist es nicht. Eher im Gegenteil. Und den Verantwortlichen Ausreden zu unterstellen, finde ich sehr vermessen von dir!

    Ja klar gibt es diese Vereine und so selten sind sie gar nicht. Die Gründe sind nicht verschieden. Sie sind immer gleich: Engagiertes Personal schafft attraktives Angebot. Fast ein Automatismus. Dass engagiertes Personal kein attraktives Angebot hinbekommt, ist nach meiner Erfahrung die Ausnahme. Wenn's nicht passt, ist das Personal vielleicht doch nicht engagiert wie es einen glauben machen will.

    Unsere Jugendaktivitäten wurden für dieses Jahr eingestellt, obwohl unsere Verantwortlichen ausserordentlich engagiert waren! Das Angebot wurde aber nicht angenommen. Nach Aussagen unserer Jugend war nicht das Angebot als solches unakttraktiv sondern die Schule und andere Verpflichtungen/Sportvereine (zB Anwesentheitspflicht beim Fußballtraining usw.) hatten schlicht eine höhere Priorität.

    Falscher Ansatz. Den Nachwuchs muss man nicht dort suchen, wo die Jugend bereits eingebunden ist. Ich muss niemand überzeugen, der bereits Fußball spielt und dabei Spaß hat, dass der Schießsport doch viel besser ist. Es gibt genügend Nachwuchs, der nicht auf Fußball oder ähnliches steht. Dort sind unsere Bemühungen richtig adressiert. Als Bittsteller brauchen wir im Schießsport nun wirklich nicht auftreten. Ebenso wenig als Animateure oder Pausenclowns.

    Die Jugendaktivitäten wurden trotz außerordentlicher engagierter Verantwortliche eingestellt? Liest sich wie ein Paradoxon. Engagierte Verantwortliche im Jugendbereich stellen keine Aktivitäten ein, weil keiner kommt. Genauso hören sich die Sprüche an, die ich als Jugendleiter im Gau zu hören bekomme: "Wir haben's ja probiert. Es kam aber keiner oder nur einer und der wollte auch nicht bleiben". Ausreden halt.

    Wenn man etwas ländlicher wohnt, kommt hinzu, dass die fehlende Mobilität dafür sorgt, dass die Jugend es einfach nicht schafft nach der Schule oder dem Sport schnell zu anderen Veranstaltungen gelangen kann.

    Bei uns werden die Jugendlichen von ihren Eltern auch 20km zu uns ins Training gefahren. Nicht weil es bei Ihnen zuhause keinen Schützenverein gibt, sondern weil unser Angebot ihnen attraktiver erscheint. Also auch das ist kein ernstzunehmendes Argument, warum keine Jugendlichen in den Verein kommen.

    Fragt mal Deine Mitglieder im Verein, ob sie ihren eigenen Kindern empfehlen würden, bei Euch als Nachwuchsschützen im Verein anzufangen. Wenn nicht mal die Kinder der Mitglieder hingehen wollen, warum sollten das dann fremder Leute Kinder wohl machen? Mangelnde Präsenz der Kinder der Mitglieder im Verein, kann ein Indiz für nicht funktionierende oder schlechte Jugendarbeit sein.


    Jugendliche im Verein muss sich der Verein erarbeiten. Da bekommt man nichts geschenkt. Und wenn was nicht klappt, muss man sich auch mal reflektieren. Ich kann aus eigener Erfahrung empfehlen, sich die guten Ideen und Lösungen der erfolgreichen Vereine anzuschauen und dann auf die eigenen Verhältnisse zu adaptieren.

    Das magst Du gerne alles vermessen findet. Ich höre einfach nur immer die gleichen Ausreden. Kaum einer ist so ehrlich zuzugeben, dass ihnen die Jugendarbeit zu anstrengend ist oder sie einfach keine Lust darauf haben. Das hat nichts mit Vermessenheit zu tun.