Ich würde gerne mal das Technikleitbild zum Druckverlauf vom LLZ BW diskutieren.
Warum ist es sinnvoll den Druck beim Absenken in den Halteraum zu erhöhen?
Aus eigener Praxis kann ich folgendes sagen. Bis vor kurzem habe ich es wie oben exakt so nachgemacht. Das Ergebnis war, dass ich beim Traininung UND in einem Wettkampf eine Fahrkarte hatte, weil mir durch den kontrollierten Absenkvorgang die Konzentration für den Druckpunkt fehlte. Bei dem Turnier war es besonders ärgerlich, weil der Diabolo den Scheibenrand ankratzte. Ich habe dann meine Technik umgestellt, d.h. ich senke bis zum Scheibenrand ab, bleibe dort stehen (Atme nochmal ein => Doppelatmung) nehmen dann etwa 60-70% des Druckpunkts(!) und senke dann ab in meinen Halteraum. Die Vorteile für mich sind:
1. sollte ich mich mit dem Druckpunkt verschätzen geht der Diabolo komplett daneben (und keiner merkt etwas);)
2. ich kann mich besser auf den Abzug konzentrieren
Das Erhöhen des Drucks in der Arbeitsphase entspricht dem DSB-Technikleitbild. Ziel dieser Druckerhöhung ist es, mit möglichst wenig noch zu überwindenden Kraftaufwand im Halteraum den Schuss zu lösen. Da das Zeitfenster in der Auslösephase relativ knapp ist, soll die zur Verfügung stehende Zeit optimal für die Schussauslösung genutzt werden. Wenn der Schütze jetzt aber noch gut 150-200g ziehen muss, weil er nicht aktiv erhöht hat, steigt das Risiko eines Zielfehlers wegen zu langen Haltens und/oder das Risiko eines Abzugsfehlers wegen zu schnellem Überwinden des Auslösegewichts (Verreißen). Deswegen soll das Druckpunktgewicht in der Arbeitsphase auf ein optimales Auslösegewicht reduziert werden.
Ich habe weiter oben empfohlen, die aktive Druckerhöhung kontinuierlich vorzunehmen. Das können einige Schützen nicht umsetzen. Etwas einfacher ist es nach meiner Erfahrung, wenn man sich die Arbeitsphase gedanklich in zwei Teilphasen unterteilt. Eine langsame erste Teilphase bis etwa zur Scheibenmitte oder etwas darunter. Vor der nun nochmals deutlich langsameren 2. Teilphase wird der Druck um eine Stufe auf etwa die Hälfte des Druckpunktgewichts reduziert. Egal welche Variante der aktiven Druckerhöhung angestrebt wird: Der Schlüssel ist die Absenkgeschwindigkeit in der Arbeitsphase. Wer hier zu schnell in den Halteraum geht, wird Schwierigkeiten haben, die Druckerhöhung hinzubekommen.
Vor der Integration der Druckerhöhung in das individuelle Technikmodell sollte die Basis mit dem wirklich langsamen Erreichen des Halteraums klappen. Wer öfters noch mal durch den Halteraum nach unten Richtung Scheibenrand durchfällt, sollte sich zuerst dieses Themas annehmen. Klingt durchaus so, als wären hier noch Reserven, wenn Du selbst schreibst, dass Deine Konzentration nicht für langsames Absenken und Druckerhöhen reicht. Das langsame Absenken kann automatisiert werden.
Die Notlösung bereits zu Beginn der Arbeitsphase den Druckauf 60-70% des Druckpunktgewichts zu erhöhen, birgt ebenfalls Risiken. 60-70% bei einem Druckpunktgewicht aktiv zu erhöhen, ist ja ein guter Ansatz. Nur an der Stelle zu früh. Und dann auch höhenmäßig am Scheibenrand. Das erhöhte Gewicht muss jetzt über eine lange Strecke vom Scheibenrand bis in den Halteraum gehalten werden. Das scheint mir schwieriger als die von mir gemachte Alternative. Zu der von Matze1965 angewendeten Gewichtsverteilung hatte ich mich ja schon mal kritisch geäußert. Da hat sich an meiner Empfehlung dazu nichts geändert. Der allerdings dahinter stehende Ansatz die aktive Druckerhöhung durch ein höheres Vorzugsgewicht vorwegzunehmen, ist dann allerdings gar nicht so abwegig, wenn man nicht gerade auf 460g geht. Aus meiner Sicht besser als Homofabers Lösungsansatz.
Warum das dennoch nicht zu empfehlen ist? Die Vorwegnahme der Druckerhöhung mit Vorzugsgewicht bietet wenig Reserven, wenn der Finger tagesform- oder adrenalinbedingt einen Teil seiner Feinmotorik einbüsst. Dann werden Schüsse bereits gelöst, die noch gar nicht raussollten. Also genau das Problem was homofaber jetzt schon hat. Die aktive Druckerhöhung hat hier bessere Reserven, da sie variiert werden kann. Ist der Finger mal etwas grobmotorisch, dann halte ich mich mit der Druckerhöhung eben etwas zurück.
Die im übrigen von Homofaber angedeutete Methode, einen ausgelösten Schuss im Wettkampf, der nicht auf der Scheibe ist, zu wiederholen, weil's keiner gemerkt hat, ist völlig inakzeptabel und mit meinem Verständnis von Fairplay nicht vereinbar.