Verantwortung haben oftmals nicht nur diejenigen, die man später aufhängt, sondern auch die, die es jahrelang haben geschehen lassen ...
Einen extremen Fall können wir gerade in Lybien beobachten. Rund 40 Jahre hat es nahezu niemanden ernsthaft interessiert, was dort passierte. Nunmehr ist allerdings eine kritische Masse derjenigen entstanden, die sich als Richter und Henker in spe aufspielen; das Ganze erinnert mittlerweile schon sehr an 'Herr der Fliegen'. Dumm nur, dass es bei einer solchen Hatz ab und an unerwünschten Beifang gibt - sei es durch Dokumente, die eine Zusammenarbeit der Jäger mit dem Gejagten beweisen, sei es auch nur durch die nicht abzuleugnende Tatsache, dass es eine langjährige Mitwisserschaft und Duldung gab. Besteht also die Gefahr von Rückprallern, empfiehlt es sich vielleicht nicht wirklich, mit Steinen zu werfen.
Vielleicht konzentriert Ihr besser Eure Kräfte darauf, wie es in Zukunft sein soll und wie Ihr das erreichen könnt. Erfahrungsgemäß ist diese Aufgabe groß und anspruchsvoll genug. Evtl. ist der Handlungsbedarf auch größer, als es der hier diskutierte Einzelfall aufzeigt. Wie steht es bei Euch grundsätzlich um das Bewusstsein über Verantwortung und Haftung (sowohl im Außen- als auch im Innenverhältnis), welche Regelungen habt Ihr in diesem Zusammenhang getroffen? Alle Vorstandsmitglieder haften grundsätzlich für alles gemeinsam, wenn es nicht eine eindeutige Aufgabenteilung (per Geschäftsordnung o.ä.) nebst Zuweisung der Verantwortung gibt.
Schon mal über solche Fälle nachgedacht:
- Öltank undicht => Erdreich verseucht
- Raumschießanlage nicht regelmäßig gereinigt => Stand abgebrannt
- Unfall bei Baumaßnahme => Personenschaden, ggf. mit schweren u./o. dauerhaften Folgen
... ?
Natürlich sollt Ihr dieses Thema nicht hier und öffentlich erörtern, aber eine interne Positionsbestimmung würde sicher nicht schaden. Bei den Landessportbünden sollte es einschlägige Seminare und Vorträge geben, z.B. 'Der Vorstand und dessen Haftung' o.ä.. Darüber hinaus könnten Seminare wie 'Beziehungen zu Mitarbeitern', 'Auf viele Schultern verteilt - Projektmangement' u.ä. hilfreich sein. Sogar Angebote über Vereinscoaching habe ich schon gesehen. Über die Anforderungen zur Arbeitsplatz- und Schießstättensicherheit, zu Haftung und Versicherung informiert die VBG sehr fundiert.
Im Übrigen lassen sich positive Entwicklungen am ehesten in einer Kultur fördern, die Fehler toleriert, verzeiht und rechtzeitig aufzeigt. Wer als potentieller Nachfolger beobachtet, wie ein Vorgänger 'hin-'gerichtet wird, ist vielleicht nicht wirklich motiviert, die Nachfolge anzutreten.
Sieh es mir nach, wenn ich hier off topic weit gegriffen habe und damit vielleicht den Eindruck erwecke, ich wolle auf Dir/Euch herumhacken. Wir wissen alle nichts über die näheren Umstände und können daher nicht urteilen. Mir geht es daher um Sensibilisierung losgelöst vom Einzelfall - niemand hat etwas davon, wenn schnell mal einer geschlachtet wird und die ggf. grundsätzlich bestehenden Probleme weiter ungelöst bleiben. Insoweit Stoff zum Nachdenken für alle ...