Hallo,
ich bin dabei eine Abzugsmechanik komplett zu zerlegen und zu reinigen (mit Aceton) aufgrund von Verbrennungsrückständen. Nun geht es darum das Ganze wieder zusammenzubauen und dann ergibt sich folgende Frage: Werden die Teile beim Zusammenbau gefettet oder geölt? Reicht beim Ölen ein Kriechöl wie WD40 aus oder lieber ein Feinmaschinenöl? Wenn es Fetten sein soll, könnte ich ein Wälzlagerfett nehmen?
Oi Wei.
Also WD 40 ist KEIN Kriechöl und KEIN Schmiermittel. Es wird nur zufällig in einer Sprühdose angeboten. Es ist eine Mischung zäher, harziger Fette bzw. Wachse mit einem dünnflüssigen Lösemittel. Man sprüht das Zeug auf, das sich verteilt und in alle Ritzen fließt. Das Lösemittel verdunstet langsam und das Fett / Harz bildet einen wasserabweisenden Film. KEINEN Schmierfilm, sondern einen wachsartigen Feuchteschutz gegen Korrosion. Der Film klebt richtiggehend.
WD steht für Water Displacer = Wasserverdränger. Das ist ein Konservierungsmittel für feuchteempfindliche Oberflächen.
Reine Wälzlagerfette sind sogenannte "Hochtemperaturfette", deren Grundöl und Verseifung an die Druck- und Temperaturverhältnisse eines Wälzlagers angepasst sind. Die schmieren bei Raumtemperatur so gut wie gar nicht.
Reinigung:
Laß den Abzug zusammengebaut, wenn Du nicht wirklich genau im Einzelnen weißt, was Du tust. Ordentlich Ballistol drauf und einige Zeit einwirken lassen. Das Zeug löst so gut wie alles an und dispergiert den Schmutz. Das schmutzige Ballistol mit Bremsenreiniger wegsprühen und wieder in Ballistol tränken. Wiederholen, bis nichts mehr gelöst wird = Ballistol bleibt sauber.
Wenn der Abzug durch Bremsenreiniger oder gar Aceton entfettet ist - diesen NICHT betätigen. Das gibt rein metallische Reibung ganz ohne Trennschicht und möglicherweise ein ganz neues Abzugsgefühl.
Schmierung:
Wenn nichts mehr gelöst wird, einen Hauch Ballistol auftragen und einen Tag lang antrocknen lassen. Zurück bleibt ein hauchdünner, nicht dünnflüssiger Film, der weder Staub noch Dreck anzieht noch von Verbrennungsgasen weggeblasen wird. Aber er schützt vor Korrosion und trockener Reibung. Es gibt Ölstifte mit Ballistol, die aussehen wie dicke Filzstifte. So ein Stift im Waffenkoffer erlaubt die Zugabe winziger Mengen Schmierstoff bei Bedarf auch am Schießstand. Hat mich schon öfters gerettet. Zwei winzige Striche auf Schlittenführung, Laufführungsbuchse und Hahn zwischen zwei Bewerben und man glaubt, einen neue Waffe zu schießen.
Alternativ kann auch ein gutes Synthetiköl mit Hochdruckzusätzen verwendet werden. Marke kann ich leider keine empfehlen. Keine Festschmiermittel wie Graphit, MOS, Teflon im Öl, weil diese die Abzugscharakteristik verändern können, aber dennoch langsam abgerieben werden und darum nicht dauerhaft sind. Kein Fett. Auch kein sogenanntes Waffenfett mit Teflon.