Da mich der Punkt "Brainstorming" von Califax durchaus interessiert ein paar direkte Fragen zu dem Post und einige Anmerkungen. Ich habe zwar keinen DSB Trainerschein, aber auf dem Sportgymnasium bekomme ich natürlich viel von anderen Verbänden mit und hab viel Gespräche mit Eltern etc..
In meine Trainerausbildung habe ich einmal den Satz gehört: "Ist wie beim Führerschein - wenn bestanden dann ab auf die Strasse - die Praxis lernen."
Daher ein >kleines< Plädoyer für die Theorieinhalte - wie viele es sind entzieht sich meiner Kenntnis - aber als Gedanken - die von Califax vorgeschlagene Hospitation an einem Stützpunkt kann ja z.B. als Fortbildung anerkannt werden. Vielleicht muss auch nur die Möglichkeit gegeben und kommuniziert sein, damit Trainer auf dieses Angebot eingehen um sich fortzubilden.
Dem Punkt 1.Hilfe und Erweitertes Führungszeugnis (EFZ) würde ich aus meiner Sicht klar widersprechen. Nicht nur weil ich (leider) einmal einen Menschen reanimieren musste und wir beide am Ende sehr froh darüber waren, dass ich wusste wie das geht. Als Vater ist das für mich ein klarer Pluspunkt, wenn ich weiß - wohin ich meine Kinder gebe. Und wenn es nur das bedeutet, dass die Trainer eine Ahnung von erster Hilfe haben und über das EFZ bereits aufgefallene schwarze Schafe aussortiert sind. Zumal das EFZ nach 72a SGB VIII (Bundeskinderschutzgesetz) vorgeschrieben ist (zumindest in der Betreuung von Minderjährigen). Und auch der Aufwand ist überschaubar - alle 3-5 Jahre online mit ein paar Klicks das EFZ beantragen und den 1.Hilfe Kurs auffrischen. Als Ersthelfer an der Schule sogar in der Dienstzeit.
Die praktische Tätigkeit - da kann ich deinen Gedanken voll nachvollziehen. Weiß aber auch um das Wespennest wo wir da hineinstoßen würden. Wie viele Trainerlizenzen werden nur wegen dem Zuschuss des Landessportbundes aufrecht erhalten (unabhängig der Sportart) - ich will es lieber nicht wissen.
Auch wenn ich es persönlich sehr begrüßen würde, glaube ich nicht dass das politisch haltbar wäre.
Was die vermittelten Disziplinen anbelangt kann ich den DSB verstehen. Luftgewehr sind 3 von 5 olympische Entscheidungen im Gewehrbereich. Luftpistole auch 3 von 5 im Pistolenbereich. Also ja es ist der olympische Schwerpunkt. Und auch in der Ausbildung kommt (Altersgemäß zumindest bei jungen Einsteigern) zuerst das LG / die LP vor KK.
Klar kann man alles machen - siehe Deutscher Turnerbund:
https://www.dtb.de/fileadmin/user…3%A4tturnen.pdf
Da hab ich dann in 120 LE - Boden, Sprung, Reck, Stufenbarren, Pauschenpferd, Ringe, Parallelbarren, Schwebebalken, Minitrampolin, Trampolin, Parkour, Freerunning, Akrobatik... dazu noch die allg. Themen wie Förderstrukturen etc... und die machen da schon etliche Elemente pro Gerät (s. Link). Aber auch hier könnte man, die World Games sind ja gerade vorbei - Korfball mit aufnehmen und weitere nicht-olympische Bereiche.
Die Diskussion dahinter ist ja - wo setze ich die Zugangsschwelle zur Ausbildung an.
Müssen die TN zwingend Vorkenntnisse auf "höherem" oder breiteren Niveau (mehrere Jahre Erfahrung, gewisses sportliches Können an allen / vielen Geräten) mitbringen, dann kann ich das so anbieten. Oder a la Fußball eine Praxisprüfung machen - wer die nicht besteht, darf nicht in die Trainerausbildung.
Und wenn ja wo setzen wir diese an - LG bei 390 Ringen? 380 ? 410?
Soweit ich weiß, hat der DSB solch eine Vorgabe nicht - hier lässt sich trefflich über Vor- und Nachteile diskutieren. Einer der "Nachteile" ind er Ausbildung - ich muss tiefer anfangen um alle mit zu nehmen.
Und dann eben die Frage was bekomme ich denn wirklich noch vermittelt wenn ich in 120 LE (inkl. Trainingslehre, Sportbiologie...) Bogen, Armbrust, LG (alle 3 Stellungen), LP, KK Gewehr, SpoPi, Schnellfeuer, Trap, Skeet, .... stecke. Da bleibt einfach bei allem nur ein kurzer Blick - damit gewinnt man meines Erachtens nichts.
Meine Denkmuster wären eher:
Viele niederschwellige praktische Trainerfortbildungen, in denen Trainer gezielt in den Bereichen wo sie Interesse haben ihr Wissen ausbauen können (jegl. Disziplinen, Athletik, Ernährung, Psychologie...)
Das können Hospitationen in Stützpunkten, Talentnester, Kadern, bei dafür anerkannten Trainern sein.
Und aus meinem bescheidenen Einblick in die Welt des Sportschießens - eine Anerkennung von Trainern - es muss einfach eine selbstverständlichkeit sein, dass im Training (auch im Erwachsenenbereich) ein Trainer vorhanden ist. Das ist quasi in allen Sportarten so.
Wenn ich davon dann im Verein auch noch mehrere habe - können sie sich zum einen die Arbeit (in Stunden) teilen und zum anderen über obig erwähnte Fortbildungen einzelne Schwerpunkte setzen und sich so ergänzen.
Denn was passiert denn, wenn ich in der Trainerausbildung alle Disziplinen reinpacke - ich würde mich überfordert fühlen. Und eher reißaus nehmen, denn ich will ja hinterher nicht die LG, die LP, die KK, die Trap, die Skeet, und die Armbrustschützen im Verein betreuen... auch meine Woche hat nur 10 Tage bei je 24 Stunden + die Nachtzeit. Und davon hab ich ja als Lehrer mind. 40 Stunden am Tag frei.... und selbst dann würde es mich zeitlich überfordern.
Wie bekomme ich die Trainerfortbildung attraktiver - das wäre jetzt der spannende Punkt - was wollen junge Leute heute - zeitliche Flexibilität - für viele Verbände ist ein Teil der Ausbildung mit Online Modulen (mit Pflichtterminen oder mit zeitlich frei wählbaren Inhalten selbstverständlich) .
Klar eine Praktische Umsetzung des Ganzen - ein klares Plus im Empfinden des Lehrganges für die TN - aber auch aus Lehrender Sicht - ich sehe ob sie es umsetzen können.
In Widerspruch zu Califax - eine Beschränkung auf gewisse Inhalte - kein Bauchladen - von allem etwas, gezielte Inhalte gut vermittelt. Weniger ist manchmal mehr und eine gezielte Aufstockung des Wissens über Fortbildungen.
Hier mal ein paar Fragen an die ja durchaus mitlesenden involvierten in der Trainerausbildung verschiedener LV´s.
Wie alt sind denn eure Auszubildenden? - ältere Personen sind eventuell nicht so stark zu begeistern mit Online Inhalten.
Habt ihr nach der Ausbildung noch Kontakt zu den neuen Trainern? In Form eines wie auch immer gearteten Austausches?
Ist das wirklich so, dass die ganzen unterschiedlichen Disziplinen gefordert werden? Dann müsste man vielleicht auch einmal eine Diskussion um die Zielgruppe führen? Macht man einen Trainerschein olympisch - einen nicht olympisch (Armbrust etc.)
Gibt es bei euch (in welcher Form auch immer) Einstiegshürden - eigene sportliche Erfahrung, Mindestergebniss, so und so lange aktiv... um an einer Trainerausbildung teilzunehmen?
vg Elysium