Man muss glaube ich beide Seiten (Freihand- und Aufgelegt-Schützen) verstehen. Ich selbst gehöre auch eher zur Freihand-Fraktion und sage mir: Auch wenn ich älter werde und die Leistungen runter gehen, kann ich damit Leben, da die derjenigen, mit denen ich mich messen muss (gleichaltrige), ja auch runter gehen. Voraussetzung ist natürlich, dass es halbwegs realistische Alterseinteilungen gibt. Wir haben und dieses Jahr wieder in der Zentralfeuerpistole (2.45) mit ner Alters- und Seniorenmannschaft zur DM qualifiziert (obwohl wir uns da ja mit den "Jungspunden" messen müssen).
Ich selbst würde/werde wohl auch nicht auf die Aufgelegtdisziplinen umsatteln, wenn ich demnächst in dem Altersbereich angekommen bin. Ich kann damit leben, auch 6en und 7en zu schießen, wenn ich denn über 60 bin und freue mich, wenn ich immer noch besser als mancher Jungspund bin.
Wenn jemand im Alter aufgelegt schießen möchte, kann er das auch tun, habe ich nichts gegen. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass das Ganze auch nicht einfach ist, zumal die Anforderungen ja auch höher sind.
Was ich aber ablehne, ist, dass man diese ganze Geschichte bis in die Niederungen der Erwachsenenklasse ausdehnt (Teilweise sogar ab Herren I). Da hört's dann bei mir auf und ich sage: das sollte man nicht als Wettkampfprogramme anbieten. Da können die Leute zum Spaßschießen an die Schießbude gehen. Letztlich sind wir auch ein Sportverband, der sehen muss, dass er seine Sportler bekommt. Und wenn sich in den Vereinen nur noch Aufgelegtschützen rumtummeln, hat auch kein neuer Schütze mehr Lust, sich freihändig zu quälen und mit 5en, 6en und 7en abzugeben. Darüber hinaus graben wir uns auf diesem Weg auch selbst das Wasser ab, denn in der Außendarstellung hat das Aufgelegtschießen (obwohl es, wie gesagt, nicht so leicht ist, wie es ausschaut) einen deutlich weniger anspruchsvollen sportlichen Charakter. Und man muss auch nicht JEDE Freihanddisziplin als Aufgelegtdisziplin anbieten. Irgendwo fängt dann nämlich das Streichen an, da man es terminlich gar nicht alles schafft.
Ich sehe die Entwicklung der breitsportlichen Aktivitäten im Großkaliberbereich auch mit sehr gemischten Gefühlen. Der Zulauf alleine bringt es meist nicht. Es muss auch eine gewisse Qualität mit kommen, und sei es nur, damit irgendwer gewisse Dinge der Waffentechnik und damit zusammenhängender Informationen auch weitervermitteln kann, denn viele dieser Leute haben von der Waffentechnik allgemein nicht allzu viel Ahnung. Und auch hier spielt die Ansehens-Geschichte eine nicht unwesentliche Rolle, zumindest, wenn man ins gesellschaftliche Leben eingebettet ist/sein will. Wenn ich heute zur Stadt gehe und deren Unterstützung für irgendwas brauche, hilft die meistens genauso wie die meisten Ratspolitiker, selbst Grüne unterstützen da (und schießen sogar Druckluft bei bestimmten Pokalschießen mit). Kommt aber der Nachbar(Großkaliber-)verein, sieht das das ganz anders aus. "Das sind ja Ballerschützen." Unterschied: Wir sind sportlich recht erfolgreich bis zur DM, der Nachbarverein kommt aus der lokalen Ecke mangels sportlicher Qualität nicht raus.