Beiträge von Carcano

    Nun ja, in einem hat Schmidtchen ja ganz recht:
    Ein Kampf um vernünftige Verbandsgrenzen und zukunftsfähige LandesIdentität (statt verwester Residuen einer ehemals Preußischen Rheinprovinz anno Pfeifentoback, die ihrerseits als gewaltsamer post-napoleonischer Oktroi auch wiederum nicht die GERINGSTE echte historische Dignität hatte), ein solcher Kampf und ein solches Bestreben mögen löblich sein, dürfen aber nicht Selbstzweck werden. Es sind letztlich doch Formen, die möglichst optimal den angestrebten Inhalten dienen sollen.

    Carcano

    Ich schrieb, weise zurückhaltend:

    Auch auf die "Religionskriege" zwischen den Anhängern verschiedener Öle kann man eingehen, und ihre Bedeutung etwas relativieren.

    Verständnis(wille) trotz klarer Ansage scheint nicht jedem gegeben. Deshalb für die vorsätzlich Unwissenden noch einmal mit dem Vorschlaghammer:

    Ganz zu Recht ist Ballistol in Deutschland genauso umstritten und hat bei vielen (nicht allen) Nutzern einen genauso schlechten Ruf wie das WD40 im amerikanischen Bereich bei US-Waffenbesitzern und gunsmiths. Die schon seit Jahrzehnten immer wiederholten Warnungen vieler tatsächlich Waffenfachkundiger vor beiden Produkten nehmen sich inhaltlich und von der Deutlichkeit nicht viel.

    Das heißt nicht, dass man die beiden Produkte nicht verwenden _könnte_. Es heißt auch nicht, dass man sie unbedingt meiden _muss_, schon gar nicht aus solchem aberwitzigen Köhlerglauben heraus wie hier allen Ernstes verbreitet.

    Wer seine Waffen regelmäßig (heißt: häufig) mit einem der beiden Produkte pflegt (nicht "putzt"!) und dazwischen immer wieder benutzt, der ist sicher besser dran als derjenige, der die Waffe einfach nur vergammeln bzw. vor sich hinrosten lässt.

    Die Probleme tauchen eigentlich dann auf, wenn Waffen in einem der beiden Produkte ersäuft werden und dann sehr lange stehen oder liegen gelassen werden. Und (in minder schädlicher Auswirkung), wenn dem Nutzer nicht klar ist, wofür die beiden konstruiert sind und wofür nicht.

    Zum Beispiel WD40 ist in allererster Linie ein Wasserverdränger und ein Schmutzlöser; es ist weder geeignet als Schmiermittel, noch zur längerfristigen Konservierung. Und Ballistol kann alles ein bißchen, aber nichts wirklich gut, Na ja, vielleicht die Zeckenbehandlung beim Hund. Oder auch die nicht.

    Carcano

    Um den Lauf mache ich mir weniger Sorgen, der wird regelmäßig mit Projektilen durchgefegt. Ich kenne aber auch Leute, die schrubben ihren KK-Lauf wie blöde mit der Drahtbürste...||

    Blöde ist halt blöde. Was bei einem GK-Revolver mit Bleigeschossen sehr sinnvoll, ja erforderlich sein kann, ist bei einer KK-Sportpistole zumeist Unfug.
    Das Patronenlager ist dann in der Tat noch einmal eine andere Sache. Wenn es stark verschmutzt ist, kann das durchaus die Ausziehfunktion und damit das Nachladen / Zuführen beeinträchtigen. Das will man im Wettkampf nicht.

    Carcano

    Eine Übung, die ein Trainer zum Beispiel zur Überprüfung vorschlagen würde, wäre die folgende:

    1, Mache auf die gleiche 25-m-Präzisions-Hintergrundscheibe mit vier aufeinander folgenden Spiegeln vier Fünferserien mit (scheinbar) optimierter Waffenhaltung in einem bequemen, gut passenden Griff (locker, gleichmäßig, ähnlich wie Du Luftpistole schießt) und ganz genauem, sorgfältigen Abkommen und sehr konzentrierter langsamer, tastend aufbauender Abzugsbestätigung. Gegebenenfalls bei Wackeln absetzen und wieder neu aufbauen.

    2. Mache auf die gleiche Hintergrundscheibe mit vier aufeinander folgenden Spiegeln vier Fünferserien mit bewusst kräftigem Waffengriff (die Waffe kann sogar ganz leicht zittern) und einem einheitlichen, raschen Abzugsvorgang.

    Im Hochgehen Vorzug nehmen, bei Erreichen des Halteraums abstoppen, dann zügig abziehen solange die Waffe "irgendwie" im Haltraum steht, auch wenn sie die Visierung nicht (!) optimal zentriert Spiegel aufsitzend steht. Kein Absetzen, außer bei extremen Fehlstellungen. Dabei darauf achten, bei jedem Schuss wieder einen gleichmäßig festen Griff aufzubauen und diesen bis zum Brechen des Schusses zu halten.


    Wichtig: zu frühe Schüsse (oben oder unten im Weißen, u.U. sogar in die Schießbahnsohle) sind bei dieser Übung völlig normal, können vorkommen, und sind kein Grund zu Selbstvorwürfen.

    * * *

    Bei dieser Übung geht es nicht darum, welche Praxis das bessere Resultat oder die bessere Ringzahl zeitigt. :D Obwohl u.U. das sogar die Variante 2 sein kann.
    Sondern es geht darum, die unterschiedlichen Schussbilder zu vergleichen und die Ursachen, damit auch etwaige Fehler und Schwächen zu erkennen. Kann sehr aufschlussreich sein.

    Ach, Karl... wäre man kleinlich, dann würde man den Fragesteller einfach über die drei verschiedenen Aspekte der Waffenpflege informieren, nämlich

    - Reinigung

    - Schmierung

    - Schutz / Konservierung.

    Und man würde ihm dann vor Augen führen, dass bei einer Sportwaffe, einer Militärwaffe im Kampfeinsatz und einer u.U. selten gebrauchten Jagdwaffe jeweils ganz verschiedene Aspekte überwiegen.

    Man könnte auch erläutern, dass es einerseits kein Universalmittel gibt, das alles drei gleich gut kann, dass aber je nach Nutzungsart und Nutzungsintensität manche Aspekte vorrangig und andere nachrangig sind. Und dass es brauchbare Kompromisse unter bestimmten (!) Nutzungsbedingungen gibt, während andere Anforderungen Spezialmittel erfordern. Auch auf die "Religionskriege" zwischen den Anhängern verschiedener Öle kann man eingehen, und ihre Bedeutung etwas relativieren.

    Dann würde man ihm noch den Unterschied zwischen einer KK-Waffe und einer Waffe für Zentralfeuerpatronen mit Mantelgeschoss erklären, ihm vielleicht noch en passant erklären, wann und wo Verbleiung zu besorgen und ist wo nicht.

    Aber das wäre, da hast Du recht, vermutlich kleinlich.

    Allerdings gibt es auch viele Wahrheiten über das richtige reinigen. Was gestern fachgerecht war muss heute nicht immer Stand der Entwicklung sein.

    Die eine oder andere Wahrheit gibt's. Aber auch viele - teilweise haarsträubende - Falschheiten.

    Von stahlzerstörenden Spinnen über Mikrorisse in KK (!!!)-Läufen, bis zur Transposition des denkbaren (auch dort eher seltenen) Dieseleffekts bei Luftdruckwaffen auf Kleinkaiberläufe. Weil in KK-Läufen ja auch nie nimmer nix verbrennt, schon gar kein Treibladungspulver.

    Ne ne, die Unkenntnis einiger hier ist schon panoptikumsreif.

    Carcano

    Zum heutigen Training werde ich morgen etwas schreiben, möchte noch Fotos machen. Vorweg kann ich aber schon Mal sagen, dass ich zu selten absetze und irgendwie den Schuss rauseiere mit dem entsprechenden Ergebnis, dass ich beim Absenken in den Halteraum teilweise zu stark ausatme und dann ohne Luft herumwackel

    Einfachstes Gegenmittel (das auch noch Spaß macht):
    die Disziplin Standardpistole üben.

    Kann mir das Jemand erklären?

    Ja. Es handelt sich bei ersteren um Einzellader, deren formschlüssig verriegelten Verschluss du nach jedem Schuss manuell öffnest, bei letzterer um eine Selbstladewaffe mit unverriegeltem Masseverschluss. Daher die andere (und ausgedehntere) Verschmutzung.

    Das einzige was bei KK-Waffen wenig bis gar nicht pflegebedürftig ist, ist die Laufbohrung (Seele).

    Carcano

    Hm. Es gibt verschiedene Schulen, und man kann vermutlich nicht sagen, dass es nur eine (1) richtige Art der Waffenreinigung gäbe. Zumal für eine KK-Pistole anderes gilt als für ein KK(-sc. EInzellader-)Gewehr, und für beide anderes als für GK-Waffen.

    Freilich, die Ideen von Snarrow sind das Falscheste überhaupt. Erschreckend. Wie kann sich so etwas überhaupt in Köpfen festsetzen?

    Carcano