Beiträge von Carcano

    Zitat
    green schrieb: Wo steht das, dass man bei der Sportpistole mit 192 Ringen den zweiten Platz belegt?

    In der Ergebisliste 2017. Die ist im Irrgarten der BSSB-Website alllerdings relativ tief versteckt. Für die Goldmedaille brauchte frau immerhin schon unglaubliche 466 Ringe. ;-D

    Im Wetkampf gibt es schon die allerulkigsten Sachen. Ist aber keine Spitze gegen den BSSB, der nun wirklich ein guter und schützenfreundlicher Verband ist.
    Erstaunliches (bzw. was zum Schieflachen) findet sich auch beim HSV, ausgerechnet beim Erzstreber und engstirnigen Musterknaben der deutschen Landesschützenverbände (wer den HSV kennt, weiß was gemeint ist; den anderen kann ich's gerne in einem separaten Thread erklären).

    Da kann man bei der Landesmeisterschaft anscheinend mit 81 (einundachtzig) Ringen (von 600) in der Sportpistole Dritte werden, und mit 503 Ringen nur Fünfte. Falls die Angaben in der offiziellen Ergebnisliste des Verbandes stimmen (Lanfear möge zunächst ihn und dann mich ggf. korrigieren).

    Jaja. Sch***-ISSF-Finalregeln. So lässt sich Sport natürlich zum halben Glücksspiel umgestalten und damit "zuschauerfreundlciher" machen. :D

    Carcano

    Wo steht das, dass man bei der Sportpistole mit 192 Ringen den zweiten Platz belegt?

    In der Ergebisliste 2017. Die ist im Irrgarten der BSSB-Website alllerdings relativ tief versteckt. Für die Goldmedaille brauchte frau immerhin schon unglaubliche 466 Ringe. ;-D

    Ich habe übrigens letztes Wochenende auf einem kleinen Wettkampf einen jungen Schützen (fremder Verein) beobachten dürfen.

    (...)
    Den brauch in in meiner Nachwuchsmannschaft.

    Und? Hast Du ihn bekommen? :)

    (BTW: 8er Schnitt ist das, was wir von unseren guten 14-jährigen Schülern erwarten, ab Jugend Richtung 8,5 bis knapp 9er)

    Hm.
    In Bayern (und der BSSB ist ein großer und leistungssportlich starker Verband) kann man in der Sportpistole mit 192 Ringen (von 600) eine Silvermedaille in der Landesmeisterschaft holen. Und nein, nicht mal als Schüler. :D

    Carcano

    ich meine, daß schon mal so gelesen zu haben und habe mich damals schon gewundert.

    Das "meinst" du nicht nur. Das steht oben ausdrücklich drin. Dass es ein Zitat ist und woraus es stammt.
    No.limits hat den Text ersichtlich so wenig angeschaut, dass er den doppelten klaren Hinweis völlig überlas.

    Ob der Schreiber hier etwas übertrieben bzw. dramatisiert hat, wie Du meinst (nun in der Tat meinst)... wer weiß. Die betreffende Waffe jedenfalls war eine Hämmerli Xesse. Die neigt an und für sich nicht besonders leicht zum Doppeln, würde ich sagen. Da gibt es andere Pistolen, die dem leichter ausgesetzt sind.

    Carcano

    Es ist eine häufige Trainererfahrung: einerseits muss man die Schütz(inn)en auch mal vor typischen Fehlern warnen, damit sie sich selbstkritisch prüfen und diese gegebenenfalls abstellen können. Und wenn man bei ihnen Fehler sieht, korrigiert man sie ohnehin. Nicht durch Schhläge mit dem Bambusstock ( wir sind ja nicht in Mathesars Kendoschule), wohl aber durch leise Hinweise.

    Andererseits fördert ein zu häufiges "so nicht, und dies nicht, und das vermeiden" nur Skrupulantentum und Unsicherheit, und hindert die Leute darum, sich darauf zu konzentrieren, es jedesmal richtig zu machen. Und im weiteren Aufbauischritt: das Richtige so anzunehmen, einzuüben und einzuschleifen, dass es fast automatisch geht und man sich nicht mehr bewusst darauf konzentrieren muss. "Flow" also.

    Nach diesem notwendigen Vorspruch möchte ich aber dennoch eine kumulierte Fehlerlehre aus WO hier mit den Lesenden teilen.

    Nicht, um über den armen Menschen spotten. Eher, um sich zu prüfen: na, was davon ist mir auch selbst einmal passiert?

    Ich finde da durchaus etwas bei mir wieder. Sogar einmal in der Deutschen Meisterschaft. =O;(^^^^^^


    Der zweite Schritt ist das die Überlegung: okay, wodurch ließe sich der jeweilige Fehler in Zukunft am besten vermeiden? Also Abläufe durchdenken und verändern.

    Zitat:

    Zitat

    Ich war am Wochenende Kurzwaffen-LM schießen. Das Ergebnis war so entsetzlich und so dermaßen peinlich und so unglaublich ärgerlich ...

    Meine Fehler:

    1. Meine Waffe war mehrfach mit unterschiedlichen Themen in Reparatur. Abgesehen vom Ausfall an Trainingszeit war allerdings der Vertrauensverlust viel schlimmer. Unter anderem war die Schlagstange gebrochen, der Abzug wird dadurch sehr leicht und löst sehr schnell aus. Jeder Deckenschuss kostet in meinem Verein 35,- EUR. Wenn man zweimal hintereinander 35,- EUR bezahlt hat, traut man sich kaum noch die Waffe anzufassen. Zumal das Training auch zweifelhaft ist, da der Abzug ja jetzt falsch ist.
    2. Die Waffe wurde unmittelbar vor dem Wettkampf grundgereinigt und nicht mehr zur Probe geschossen. Im Wettkampf gab es dann massive Zufuhrstörungen, mit Patronen die im Patronenlager festsitzen, einer Ausziehkralle die nicht richtig greift und Magazine die nicht richtig nachladen.
    3. Beim Beladen der Magazine nicht mitgezählt. Das Ergebnis war ein Schuss zu wenig in der Zeitserie. Ursache war die Angewohnheit einfach eine fünfer Reihe aus der Patronenverpackung in die Hand zu kippen und dann die Patronen zu laden. Bei der LM hing eine Patrone in der Verpackung fest und folglich wurden nur vier Patronen geladen.
    4. Zufuhrstörung aufgrund eines Magazinproblems. Die letzte Patrone im Magazin wurde nicht geladen. Ursache: Die Magazine werden nicht gleichmäßig benutzt und nach dem Schießen in das Rangebag gesteckt. Ob ein Magazin funktioniert ist daher nicht klar. Lösung: Magazine mit Marker durchnummerieren und im Training reihum jedes Magazin benutzen um so defekte Magazine frühzeitig zu erkennen.
    5. Die Pistole doppelt gelegentlich. Mir war das schon im Training aufgefallen, habe es aber ignoriert. Wenn die Waffe im Wettkampf doppelt, ist das ein Problem. Ursache ist vermutlich eine Störung (oder Dreck?) in der Waffe. Bedienfehler eher nicht, da für den Triggerreset bei der Hämmerli ein recht weiter Weg des Abzugzüngels nötig ist. Ursache muss ich noch suchen. Das die Waffe doppelt ist erstmal nur ärgerlich, ein bekanntes Problem mit dem Gedanken zu ignorieren, dass das Doppeln ja nur selten auftritt und im Wettkampf schon nichts passieren wird, ist dann ...
    6. Visiereinstellung. Ich habe mir angewöhnt Probeschüsse nicht sehr präzise zu machen. Auf Vereinsebene nicht schlimm, ich gewinne ja trotzdem. Bei der LM ist ein Visier welches zwei Klicks zu hoch steht "tödlich".
    7. Präzision schießen ohne Spektiv. Bei der LM wurden 20 Schuss auf eine Scheibe abgegeben ohne zwischenzeitig eine Trefferaufnahme zu machen. Die fehlerhafte Visiereinstellung wurde so erst nach 20 Schuss bemerkt. Lösung: Spektiv mitnehmen und Einzelschüsse kontrollieren.
    8. Auf dem Schießstand in B. wird auf eine Drehscheibenanlage geschossen, die recht eng steht. Die äußeren Schützen müssen dadurch schräg schießen. Bin ich nicht gewohnt. Im Training achte ich immer penibel darauf, exakt gerade vor der Scheibe zu stehen. Lösung: Trainingskonzept verändern."

    Es kommt auf die Art der Gebrauchtwaffen an. Walther GSP und Hämmerli International/208/215 (die international immer noch gute Preise erbringen) bekommt man hier nachgeschmissen, und ebenso ältere gute KK-Gewehre . K31 und G11 gibt's in der Schweiz oft fast oder ganz umsonst.
    Umgekehrt findest Du in DE kaum mal eine gebrauchte (neuere) Pardini oder MG oder AW93, und wenn, dann zu überhöhten Preisen.

    ich hatte das Glück mit einer Gruppe Japanischer Jugendlicher zu trainieren,

    da weicht auch einiges von unserem Technik Leitbild ab.

    Erstz einmal Glückwunsch zu der Erfahrung. War das im Rahmen des regelmäßigen deutsch-japanischen Sportaustausches, und anlässlich einer anderen Reise nach Japan? Pistolenschütz(inn)en gibt es da ja nicht arg viele, und die Sportorganisationsstruktur ist auch anders als es uns vertraut ist.

    Und damit wir nicht zu weit vom Thema abweichen: klar, das (weltweit) beste veröffentlichte Buch über ISSF-mäßiges Pistolenschießen ist ein deutsches. Aber das heißt ja nicht, dass andere Schießsportnationen nicht auch andere und für diesen oder jenen (auch hier) vielleicht sogar besser passende Leitbilder entwickeln könnten. Deshalb finde ich solche Vergleiche wie den hier von no.limits geposteten hiochinteressant und lehrreich.

    Carcano

    So Grundlagen zu diskutieren haben wir, mal schauen was kommt.

    Ich lass das jetzt mal absichtlich bei diesen leicht zu überschauenden Merkmalen!

    https://youtu.be/cJbfF8Hweik

    Ein sehr kurzer aber hervorragend instruktiver Viedeoclip. Danke erst einmal dafür. Er zeigt uns:
    - erstens dass Leitbilder und etablierte Trainerweisheiten (so wichtig und nützlich sie sind) eben nur Lernhilfen sind - und keine Gesetzestafeln vom Berge Sinai;
    - zweitens dass wer es erst einmal ordentlich kann, dann auch seinen eigenen Stil nicht nur entwickeln kann, sondern entwickeln SOLLTE;

    - drittens dass Fortschritt und Fortentwicklung vor allem eines verlangt: Ausprobieren, Ausprobieren, Ausprobieren. Und dann verarbeiten und auswerten.

    Carcano

    ein paar Kids oder Youngsters (...) bleiben auch noch eine Zeitlang dabei, wenn man Glück hat. Eher aber sind etliche enttäuscht:

    "Ey, was isn das? Ich dachte, man kann hier voll geil ballern, aber das iss ja total langweilich, und treffen tut man sowieso nix, und dann noch die albernen Panzerklamotten, das ist ja sowas von uncool, nee, und über dem abgeranzten Schützenstammtisch, da hängen ja echt die Fledermäuse an der Decke".

    Was ich in dem sicherlich nicht vollständig, ja möglicherweise nicht einmal zu 98 % ;) zutreffenden Versuch einer Annäherung an Jugendsprachlichkeit und vor allem an die Wahrnehmung der Normalwelt (die gibt es nämlich außerhalb des Schütezenhauses) damit auszudrücken unternommen habe, hat ein ganz anderer und jeglicher Sympathie mit dem Schreiber gänzlich unverdächtiger Poster (der ja inzwischen zur Dunklen Seite der Macht gewechselt ist), vor gar nicht so langer Zeit folgendermaßen umschrieben:

    Zitat

    "Wer nicht in einem Schützenverein groß geworden ist und Interesse am Schießsport hat, wird häufig durch den Traditionsbereich und das ganze Umfeld abgeschreckt. Dunkle Schießstände mit auf Holztellern gemalten Hirschen und rustikale Kneipenbereiche schrecken heutzutage ab. Außenstehende haben eh Vorurteile, die werden in der Realität leider oft bestätigt."

    Braucht man nichts mehr hinzufügen. Soviel zur Attraktivität für Neue und zumal Junge.

    Carcano

    No.limits hat's ganz knapp und ganz treffend (er hat also schon beim Inszielgehen den notwendigen Vorzug genommen, voll entsprechend seinen Vorankündigungen hier) in seinem letzten Satz erwähnt.

    Einem Satz der wiederum - genau wie ich - auf die Ausgangslage und de Ausgangsfrage des ersten Posters in diesem Thread Bezug nimmt.

    Erster Schritt: Ja genau. :)

    Entweder das -- oder man bekommt alternativ das Schützenhaus zu der avisierten Gruppe (Prophet und Berg, nicht wahr...).

    Um die Leute "ins" Schützenhaus zu bekommen, hatte der DSB eine ganz groß angelegte Kampagne konzipiert, hatte sie ausgestattet und dann auch durch einige Jahre lang tapfer durchgehalten. Nämlich die Kampagne "Ziel im Visier".

    Das wurde der schlimmste und katastrophalste Werbungsmisserfolg der deutschen Sportgeschichte in den letzten 40 Jahren. Beispiellos.

    Und ein hochinteressantes Lehrbeispiel. Denn es lag keineswegs nur am Fachverband, also am DSB, dass dieses beachtliche Projekt so grandios und so beharrlich scheiterte (ja, natürlich auch mit an ihm - aber das sind dann schon die Details). Die Hauptverantwortung trugen vielmehr die Vereine selbst, sekundär auch die Landesverbände.

    Den Ablauf und die Gründe organisatorisch und psychologisch zu analysieren, ist eine sehr schöne Aufgabe für eine sportwissenschaftliche Fallstudie. Hier im Forum ist dies übrigens schon in den vergangenen Jahren sehr umfänglich behandelt, diskutiert und voranalysiert worden.

    Um stattdessen das Schützenhaus oder präziser gesagt um das Schießen (als Aktivität) zu den Leuten zu bekommen, gibt es auch einige Möglichkeiten. Die sind schon ganz zu Anfang knapp angerissen aber nicht groß vertieft worden ich habe sie jetzt soeben oben in einem längeren Postings - allerdings unter dem Aspekt der Sichtung - auch wieder gestreift. Gehen wir also entsprechend dem Posting von no.limits noch einmal konzentrierter darauf ein:

    - Sommerferienprogramm oder Jugendsommerprogramm oder wie immer das heißt:
    Man kriegt eine ganz kleine Entschädigung, man hat was Soziales getan, ein paar Kids oder Youngsters haben den Schießstand oder die rollende Schießbude (fliegende Schießstätte nach § 27 Abs. 6 WaffG) bzw. den überall schnell aufgebauten Lichtgewehrstand gesehen und haben ein bisschen probegeschossen. Einige wenige bleiben auch noch eine Zeitlang dabei, wenn man Glück hat. Eher aber sind etliche enttäuscht:

    "Ey, was isn das? Ich dachte, man kann hier voll geil ballern, aber das iss ja total langweilich, und treffen tut man sowieso nix, und dann noch die albernen Panzerklamotten, das ist ja sowas von uncool, nee, und über dem abgeranzten Schützenstammtisch, da hängen ja echt die Fledermäuse an der Decke".

    Das schießsportliche Genie erwischt man dadurch selten oder nie, und auch die, die kurzzeitig hängenbleiben, rutschen erfahrungsgemäß oft wieder raus. Wer's machen möchte, soll das ruhig tun, man darf sich nur nicht viel davon erwarten. Zudem, und nun kommt das Problem von der anderen Seiten, die Organisatoren (Kreisjugendämter, Freie Wohlfahrtspflege etc,) sich oft MAXIMAL auf Bogenschießen einzulassen bereit sind.

    Weil das ist irgendwie okay und schick und achtsam (da war noch was mit Zen?) und sozial akzeptabel. :D

    - "Markt der Vereine" oder "Tag des Sports" oder so. Ist breiter aufgestellt und wendet sich an alle Altersgruppen. Hat auch nicht den Nachteil der (u.U. sozial geschichteten) Vorselektion wie die obige Variante.
    Wird häufig in einer großen Halle oder auf der grünen Wiese (Zelte, Stände, Buden) abgehalten. Ist deshalb eine gewisse Herausforderung an die eigene Werbefähigkeit, weil man nur begrenzt den Sportvollzug selbst anbieten und vorführen kann (na ja, das können die Wildwasserkanuten auch nicht :D ), und weil Mitmachen und Selber-Probieren halt immer viel viel atraktiver ist als Broschüren in die Hand gedrückt zu krigen, Schautafeln anzustarren und Videoclips zu sehen (so toll der Verein selbst die auch finden mag).
    Die meisten mir bekanten Vereine, die so etwas einmal probiert habem, beurteilen es eher kritisc h: "War ganz interessant so, und wir haben mal andere Vereine kennengelernt, aber die Leute sind bei uns meist vorbeigegangen, außer 1 oder 2 Dauerquatschern (Norddeutsch: Schnackern) die dann andere vom Stehenbleiben und Fragen abgeschreckt haben. Hat sich unterm Strich für uns nicht gelohnt, und Rücklauf und Besucher danach im Schützenhaus gab's gar keine."

    - Volkshochschulkurse und -angebote. Ist sehr interessant und wird kaum genutzt, Die Eintrittshürde ist relativ hoch. So bekommt man von vornherein Interessierte (man kann auch speziell Jugendliche ansprechen), die für die Kursdauer fest gehalten werden, und hat sogar ein bisschen Entgelt. Berühmtes und fest eingeführtes Beispiel ist der Einführungskurs des PSV Grünweiß bei der VHS Wiesbaden ins Pistolenschießen (10 Abende): "Sportschießen - eine laute Form der Meditation". Sehr guter Ansatz und auch gut umgesetzt. http://www.vhs-wiesbaden.de/programm/nr/Q8…ails/ka/Q86860/
    Die Haupthürde ist da aber oft die VHS selbst (nicht nur im urbanen Umfeld). Wer sich trotzdem als Veranstalter dafür interessiert, sollte sich mit anderen Vereinen ins Benehmen setzen, die in ihrem andersartigen Bereich das schon praktiziert haben. So kann man lernen und muss nicht das Rad neu erfinden.

    - Schulische AGs oder gar Schulsportangebot: kann man - leider - vergessen. Wo es nicht lokal schon seit Anno Toback eingeführt ist (einige wenige Fälle gibt es in der Tat), ist das aus sehr vielen Gründen praktisch aussichtslos, so reizvoll es auch erst einmal scheint. Mit der Mühe, dem Papierkrieg und dem Aufwand, den man dafür treibt (nur um letztlich doch zu scheitern), kann man sonstwas auf die Beine stellen. Und zwar erfolgreich.

    Carcano

    Eine Talentsichtung halte ich allerdings für schwierig, weil du dafür ja zunächst ein mal definieren musst welche Attribute bringt ein Talent mit und zum anderen wie du das messen willst.

    Der DSB hat 2016 (?) im Rahmen der Deutschen eine Talentsichtung Pistole unter rein wissenschaftlichen Aspekten durchgeführt. Ich glaube es wurde damals Haltevermögen, Reaktionsfähigkeit etc gemessen.

    Für mich zählen bei Jungschützen neben Talent auch Ehrgeiz, Körperbau, Belastbarkeit und vor allem wie die Eltern zum Sport ihres Kindes stehen. Ohne sinnvolle Unterstützung der Eltern wird es auch dass größte Talent nicht weit bringen.

    Der DSB hat sich (u.a.) Projekte fördern lassen, bei denen es um die Übertragung von Handball-Erkenntnissen des DHB auf den Schießsport geht. Grund war die sportwissenschaftliche Führungsstellung des Handballs in vielen Belangen - man muss ja nicht jedesmal das Rad neu erfinden.

    1.

    Bei der Sichtung, wie Du sie am Anfang ansprichst, geht es i.d.R. um nicht fachsportlich besonders vorausgelesene Alterskohorten; also z.B. um Schulklassen, oder queerbeet um alle Teilnehmer an Jugendförderungsmaßnahmen (z.B. die Sommerangebote in vielen Kreisen und Gemeinden). Du guckt man dann: für welche denkbaren Sportarten könnte ein bestimmter junger Mensch aufgrund seiner/ihrer Grundkonstitution a) überhaupt geeignet, und b) ggf. besonders geeignet und talentiert sein?

    Obligatorische Breitband-Vorsichtungen im Schulsport - um das einmal gleich zu relativieren - gibt es zumeist nur in sehr formierten (lies: totalitären) Gesellschaften. Da, wo Partei und Staat auch bestimmen, welchen Beruf man ergreift und wie man der Gesellschaft am besten dient.

    2.

    Hat man bereits fachsportlich "eingekastelte" Probanden (Dein zweites Beispiel), dann ist es Zweck einer Sichtung, diejenigen zu identifizieren (zu versuchen), bei denen Förderungsmaßnahmen voraussichtlich am effektivsten und wirkungsvollsten sein könnten. Man kann ja nicht alle intensiv fördern, und sowohl Califax als auch früher schon Lanfear haben hier im Forum erläutert, wie sie in ihren Vereinen intern differenzieren.

    3.

    Da gilt es nun wieder zu unterscheiden: Praxis und Wissenschaft laufen ja [leider] deutlich getrennt. Während die Sportwissenschaft sich (durchaus erfolgreich) bemüht, für den Leistungssport differenzierte Test- und Sichtungskriterien zu erarbeiten, und bestimmte aussagekräftige Marker zu identifizieren, wird auf der Basisebene (einschließlich Landeskader) im Schießsport oft lediglich das erzielte Ringergebnis als Grundlage genommen. Es zählen dann sowohl Meisterschaften als auch bestimmte (vorangekündigte) Wettkämpfe und eigenständige "Sichtungsschießtermine", oft nach einem bestimmten Wertungsschlüssel; hier macht jeder Landesverband sein eigenes Ding. Strukturell ist das nicht unähnlich den späteren Nominierungskriterien.
    Typisch (zumindest im Westen) ist übrigens, dass nicht wenige der guten und besten Kinder und Jugendlichen eine Kaderung ablehnen. Der Personenvergleich der Spitzenergebnisse in den KM, BM und LM mit der tatsächlichen Kaderzugehörigkeit ist augenöffnend. Die Gründe für diese Diskrepanz sind einfach zu verstehen, nur nicht für begeisterte Trainer mit Röhrenblick. :D

    Die obig skizzierte ist eine gangbare, aber eher schlechte als rechte Methode. Einige andere Faktoren, die allenfalls indirekt und durch "Sichtungstrainerbauchgefühl" mit einfließen können, die aber für den leistungssportlichen Erfolg von zentraler Bedeutung sind, hat MichaelB schon identifiziert und benannt.

    4.

    Ein festes oder auch nur "günstiges" Einstiegsalter in den Schießsport gibt es nicht, ganz anders als bei vielen anderen Sportarten. Das liegt auch mit daran, dass Spitzenleistung im Schießsport nicht auf ein bestimmtes enges Altersfenster beschränkt ist; insoweit gibt es eine gewisse Ähnlickeit zum Reiten. Schützen wie Ragnar Skanaker und Afanasijs Kuzmins sind ganz berühmte Beispiele. Aber auch Maria Grozdeva kann man da nennen.

    5.

    Für einen Verein geht es eher darum, was er eigentlich genau beabsichtigt und anzielt, und das ist praktisch immer NICHT durchdacht und nicht genügend selbstreflektiert. Das erschließt sich dann eigentlich stets erst durch kritische Nachfragen. Jugendarbeit als solche ist was Feines, wem es aber nur darum ginge, Jugendliche von der Straße zu holen oder irgendwie "Problemkindern" zu helfen, der sucht sich sicherlich nicht vorrangig einen Schützenverein zur Verwirklichung solch edler Ziele. Umgekehrt aber hat gute vereinsmäßige Jugendarbeit und Betreuung natürlich auch Auswirkungen, die auf die Gesellschaft zurückstrahlen. Eine Trainerin erfährt ja oft mehr von ihren Mädchen als die Eltern, und das gilt fürs andere Geschlecht ebenso.

    6.
    Im Schießsport versuchen wir, die rechtliche (!) Einsteighürde möglichst zu erniedrigen. Ganz vernünftig ist die französische Regelung, unsere ist zu hoch und restriktiv. Sowohl der BSSB als auch der DSB haben da engagiert argumentiert und gekämpft, leider bisher vergeblich. Dennoch darf man dieses Bemühen nicht aufgeben, es ist wichtig. Deshalb ist dieser Aspekt auch schon wiederholt in diesem Thread aufgeschienen und erläutet worden, von Califax, Quigon und mir.

    Auf das Lichtschießen will ich in diesem Zusammenhang gar nicht groß eingehen, weil es meist sehr schnell polarisiert und i.d.R. in (nicht unberechtigten, aber doch immer gleichen) Flames endet.
    - Wer in seinem ganz individuellen Verein aufgrund seiner örtlichen Umstände nach sorgfältiger Abwägung Lichtschießen für einen gangbaren Weg des Einstiegs halten zu dürfen glaubt, um Kinder erst einmal an den Schießsport heranzuführen, der soll das eben versuchen und der sollte sich dann auch nicht die ewig gleichen Abwertungen (z.B. von AxelA) anhören müssen.

    - Wer andererseits Zielanleuchten generell für die Zukunft des Schießsports hält (tatsächlich ist es sein Untergang), der hat im eigentlichen Wortsinne "den Schuss nicht gehört" und zudem auch nicht alle Tassen im Schrank. Diese Meinung sieht man aber hier auch kaum vertreten, und man sollte sie nicht gleich jedem unterstellen, der eben in der Kinder- und Jugendarbeit im Verein AUCH ein Lichtgewehr oder eine Lichtpistole nutzt.

    - Im übrigen kann man dieser Bitterzitrone sogar einen positiven Effekt abgewinnnen, wenn man sie nur einmal von der anderen Seite aus betrachtet: Wer als Kind - wo Aufmerksamkeitsspanne und Geduld naturgemäß noch nicht stark ausgeprägt sind, und rasch neue Reize und Lockungen die bisherigen Interessen abzulösen pflegen - tatsächlich die Mühe auf sich nimmt, durch eine Zeit von einem halben oder einem Dreivierteljahr wenig befriedigender Lichtanleuchterei mit "komischem Kinderkram" hindurchzugehen, d.h. mit nicht arg waffenähnlich aussehendem und schon gar nicht waffenähnlich funktionierendem Kram den die "RICHTIGEN" Schützen, also die Erwachsenen, nie benutzen oder allenfalls zum Ergänzungstraining - und natürlich will man als Kind und Jugendlicher möglichst schon bald die gleichen Dinge tun dürfen wie die Erwachsenen -...

    ... der hat damit schon eine Stamina und eine Geduld gezeigt, auch ein gewisses Frustrationspotential (Resilienz), die für die Möglcihkeit einer _etwaigen_ weiteren schießsportlichen Entwicklung schon sehr gute Indikatoren sein können. Was MichaelB am Ende seines Postings anriss.

    Carcano

    Esrt einmal danke für den interessanten und sorgfältigen Beitrag. Die Remington Target war in der Vergangenheit wirklich einmal sehr schlecht gewesen (das war genau die Periode, in der sie die billigste aller hier angebotenen KK-Patronen war, weit unter CCI SV und S&B). Damals wurde tatsächlich der Ausschuss hierher importiert und über Frankonia billig vertrieben; mit einer enorm hohen Versagerquote. Ähnlich schlechte waren nur frühere Lose der bei Federal gefertigten "Geco Pistol".
    Das hat sich inzwischen wieder deutlich geändert, seit ein paar Jahren. Die meisten Remington Standard-Velocity-Lose sind zuverlässige Trainingsmunition. Für die Freie Pistole hielte ich sie allerdings in der Tat weniger geeignet.

    Ich bin nun neugierig, wie eventuell die Erfahrungen des einen oder des anderen mit der neuen Flachkopfmunition von SK sind. Die ist ja gerade für 50 m konzipiert. Vielleicht probiert sie mal jemand in der Freien Pistole aus?

    Cacano

    Vielleicht sieht sie es ja inzwischen milder (die Äußerung an die mich erinnere, ist bestimmt 2-3 Jahre alt, mindestens). Wenn das so ist, dann freut es mich sehr für sie.

    Die Frage nach "Staatssportler vs. Nur-Amateur" sollte eigentlich seit den 1970ern endgültig gegessen sein: in fast allen Sportsporten ist leistungssportlicher Erfolg, ist Spitzenleistung ohne (massive) Unterstützung nicht mehr denkbar. Deshalb will ich Deine Überlegung in diese Richtung auch gar nicht weiter vertiefen; der Ausgangspunkt dieses Unterzweigs innerhalb des Threads war die Überlegung, was talentierte Vereinssportler dazu motivieren (!) könnte, die Entbehrungen und die vielen Nachteile einer Leistungssportlaufbahn einzuschlagen. Das (geäußerte) Fazit z.B. einer höchst erfolgreichen deutschen Leistungsschützin wie Munkhbajar Dorjsuren nach einer langen Karriere für ihr neues Land ist eher etwas bitter.

    Der Ausgangspunkt war die gestellte Frage, ob im Schießsport eine Talentsuche bereits im Kindesalter geboten (NEIN !) oder auch nur sinnvoll ist (tendenziell eher nein). Diese Frage lässt sich überaus einfach beantworten, nämlich indem man (und zwar international) die Werdegänge von Spitzenschützen und Spitzenschützinnen anschaut. Dann weiß man bescheid.

    Wenngleich es DAS Patentrezept geben würde, hätte doch schon sicher irgendein Verband DEN Leitfaden oder Standard irgendwo nieder geschrieben.

    Dir ist aber sicherlich nicht entgangen, dass die Themen "Talentdiagnostik, Talentsuche, Talentförderung" - ein in Deutschland beliebter Ausdruck ist auch "Sichtung" - in den letzten fünf Jahrzehnten inzwischen einige Regalkilometer füllen? In fast allen Fachsportverbänden?
    Ein fast beliebiges, nicht gesuchtes, sondern wahllos herausgegriffenes Beispiel aus dem Handball:

    https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/dhb/Record/2000009
    Man beachte insbesondere rechts die grau hinterlegte Kolumne "Similar Items".

    Ein geschlossenerer und systematischerer Einstieg findet sich zum Beispiel hier:

    https://www.bisp.de/SharedDocs/Dow…icationFile&v=1

    Carcano

    Was wir als Trainer der Jugend, dem Nachwuchs "bieten" können, ist SPASS. Medaillen und Teilname an der DM sind selbstverständlich SPASS. Denn Erfolg ist geil. Das verkaufen wir unserem Nachwuchs. Nicht mehr und nicht weniger. Gemeinschaft (auch Trainingslager), Freude am Schießen (z.B. auf Diabolodosen) und besonders die Freude, immer besser zu werden, sich mit anderen zu messen. DARUM wollen die meisten unseres Nachwuchses Landeskader werden. D.h. wollen - eigentlich alle, nur werden - etwa 2/3. Die fangen wir mit unserem BDS-Programm auf.

    Interessant. In anderen DSB-Landesverbänden ist es in manchen Disziplinen nicht möglich, auch nur die existenten Kaderplätze zu füllen (die bleiben leer), geschweige denn eine Auswahl zu treffen.

    Nebenbei aufgefallen: aus Deinen Worten geht auch hervor - wie man als westdeutscher Schütze ebenso beim Website-Lesen bestätigen kann - dass bi Euch bereits der Ausdruck "Kader" auch heute noch, nach 29 Jahren, positiver und wärmer besetzt ist als in Westdeutschland.

    Mal ganz abgesehen von der ernüchternden sportwissenschaftlichen Kritik am Kadersystem.

    Carcano

    Dein Hinweis in Deinem Posting ist sicherlich berechtigt, Johannes. Kein anderer Schießsportverband in Deutschland pflegt eine derartige Transparenz im Umgang mit Mitgliederdaten, da ist der DSB vorbildich. Aber dass etwas grundsätzlich gut ist, heißt ja nicht, dass man es nicht auch noch besser machen könnte und sollte.

    Carcano

    Im Gesetz steht "Die zuständige Behörde kann einem Kind zur Förderung des Leistungssports eine Ausnahme von dem Mindestalter des Absatzes 3 Satz 1 bewilligen." Damit ist der ganze Satz gemeint und so ein Satz endet bekanntlich erst nach dem Punkt, also nach "beim Schießen anwesend ist." und nicht schon nach der ersten Numerierung, also dem Teil, der sich auf Druckluft bezieht.

    Ja. Hatte ich oben schon angemerkt. Das Fehlerchen unterläuft aber auch Jurastudenten schon mal. Im ersten Semester. :D Danach nicht mehr.

    In der Verwaltungsvorschrift findet sich dann aber die über eine Konkretisierung hinausgehende und damit meiner Meinung nach unzulässige Verschärfung durch die Formulierung "mit Waffen im Sinne des § 27 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1". Hier wurde der aus § 27 (4) übernommene Hinweis durch den Zusatz "Nummer 1" dann in der Tat auf den Druckluftteil beschränkt, wie schon gesagt, nach meiner Rechtsauffassung unzulässigerweise.

    Bitte genau lesen. Die - in der Tat unangebrachte - scheinbare Einschränkung in der WaffVwV erhebt nur die gesetzliche Sollvorschrift für "Waffen der Nr. 1" zum Regeltatbestand. Zwischen den rechtsprachlichen Ausdrücken "soll" und "in der Regel" besteht in der Praxis kaum ein Unterscheid, ich halte die beiden für Synonyme.

    Die Folge wäre, dass ein gewisses Ermessen der Behörden im Falle von "Waffen der Nr. 2" dann immer noch bestehen soll, so muss man die merkwürdige Intention der VwV-Verfasser wohl deuten. In der Praxis ist das dann kein Problem, wenn über den Verein hinaus (den der Gesetzestext allein nennt) auch noch der Verband unterstützend tätig wird.

    Im etwaigen Streitfall bzw. bei hartleibigen Sachbearbeitern bindet man deshalb frühzeitig den Verband mit ein, und der führt ein paar Telefonate. Ansonsten wäre danach der einzige realistische Weg über § 123 VwGO, Hauptsacheklage ist wegen des Zeitfaktors inhaltlich sinnfrei, aber kostenmäßig entlastend.

    Carcano

    Ist natürlich schwer, wenn man nur 10m-Stände hat.

    Aber aus meiner Erfahrung muss ich dir sagen, dass ohne "erlaubnspflichtiges Schießen" die Fluktuation sehr groß wird (...)

    Und eine WBK erhöht in großem Maße die Adhäsion...

    Ich denke, Deine zutreffende Anmerkung vereint zwei getrennte Beobachtungen, die zwar mieinander in Beziehung stehen, aber nicht identisch sind,

    Das eine ist die Beobachtung, dass junge Neutmitglieder meist nicht lange im Verein bleiben, sondern bald wieder verschwunden sind. Das kann man negativ sehen, man kannn aber auch versuchen, die positiven Seiten dieses wohl nicht vermeidbaren Phänomens anzunehmen. Letzteres habe ich oben in Posting versucht.

    Der zweite Aspekt it der Umstand, dass wer "Talente" sucht, ihnen auch perspektivisch etwas bieten können muss. Sonst kommen sie gar nicht, oder wandern so bald als möglich ab. Rogos Antworten zeigen deutlich, dass sein Verein da nicht viel bieten kann oder will. Insoweit hat die ganze Projektidee " eben schon von vornherein einen schweren Stand, und ein anderes "Projekt" wäre weit sinnvoller.

    Wer im Kontrast dazu wissen will, wie man Werbung um diese Altergruppe aufziehen kann, sollte sich das französische "Cibles couleur"-Programm der FFTir ansehen.

    Carcano