An dieser Stelle muss ich dir leider ein wenig widersprechen. Zunächst einmal ist klarzustellen, dass die Trainer-C-Lizenz sich mittlerweile in 2 Teile aufgliedert, die Basis- und die Leistungslizenz.
Die letzten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte (ich habe Mitte der 80er Jahre meine Lizenz, damals noch Fachübungsleiter genannt, gemacht und auch da war das schon so) haben gezeigt, dass sehr viele Teilnehmer die Grundlizenz sehr stark eigenmotiviert (für eigene Zwecke) machen und später wonirgends mehr als Trainer auftauchen. Der eine oder andere mag im stillen Kämmerlein des Vereins als "Hinweisgeber" noch zur Verfügung stehen, in der Jugendarbeit als Trainer tauchen sie aber sehr oft nicht mehr auf. Insofern erscheint hier eine angepasste Gebühr an die Kosten durchaus angemessen, zumal oftmals auch noch andere Zuschussmöglichkeiten für den Einzelnen bestehen, falls man wirklich aktiv mitarbeitet. Beim Trainer-C-Leistung bestehen, zumindest bei Verbandsmitarbeit, auch Zuschussmöglichkeiten von dieser Seite.
Zumindest eigentlich freue ich mich natürlich über diesen Widerspruch, gibt er doch die Chance, die Sache im Diskurs und auch im Austausch noch etwas weiter zu vertiefen.
Ich hoffe, dass man als Ausgangspunkt von einem Wunsch oder einem Leitbild aus gemeinsam starten kann:
Nämlich von der Überlegung ausgehend, dass an und für jeder Verein einen zumindest "kleinen" Instruktor (Vereinstrainer, Vereinsübungsleiter, Trainer-D, wie immer man ihn regional auch nennt) haben sollte, der Interessierte begrüßen kann, sie ins Schießen einführen kann, und auch aktiven Schützen jeenfalls bis zu einer gewissen Leistungsklasse mit Rat und Anleitung zur Seite stehen kann.
Das ist eine Erwartung, die jeder Fußballverein und jeder Turnverein hegt (mit vollem Recht!), nur bei uns Schützen ist das bisher noch eher selten der Fall. Und das geht eigentlich gar nicht. Die FFTir hat das im übrigen wesentlich besser erkannt und umgesetzt als der DSB.
Der Trainer-C (ganz GLEICH, ob Basis oder Leistung !) ist für diese Anforderung eigentlich, wenn wir ehrlich sind, bereits deutlich überkalibrig. Es ist gewiss schön, wenn ein Verein einen Trainer-C hat, und noch schöner und ja auch vom Konzept her wünschenswert (darauf komme ich gleich noch zurück), wenn dieser dann auch in gewissem Maße genau als ein solcher zur Verfügung stünde. Aber das kann für die große Mehrzahl unserer Vereine, zumal der Traditions- und Sozialvereine, nicht die Grundforderung sein; die steht einen Absatz höher umschrieben.
Die meisten schießsportlichen Vereine, die ich kenne, mit Ausnahme reiner Geldmaschinen (die nennen sich dann "Shooting Club" oder "Lassen Sie's knallen", oder so ähnlich), kennen mit Selbstverständlichkeit Arbeits- und Vereinsdienste, welche die Mitglieder nach einem bestimmten Schlüssel zu erbringen haben. Genug zu tun ist immer, und meist bleibt dann immer noch ein erheblicher (zu hoher) Anteil an den immergleichen Ehren"AMT"lichen hängen, das ist bekannt.
So. Wenn also ein Vereinsmitglied eine Trainerausbildung (gleich ob Trainer-D oder Trainer-C) durchlaufen hat, das wäre es doch eine pure Selbstverständlichkeit im Verein, wenn er in der Folge im Rahmen seiner ohnehin bestehenden satzungsmäßigen Mitarbeitsverpflichtungen (NB eine ganz typische Mitgliederpflicht auch in einer Menge anderer Vereine) dann eben eine bestimmte Anzahl von Trainer- oder Anleitungsstunden erbringt - dazu gehört auch das betreute Schießen für Newbies, interessierte Gäste, ebenso wie die Anleitung von Neumitgliedern. Das kann und sollte aber jeder Verein selbst regeln und ggf. einfordern; es ist NICHT die Aufgabe des Verbandes, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Nur hierin liegt mein Gegen-Widerspruch zu Deinem obigen Einwand.
Nur am Rande: die Hauptaufgabe des Trainers ist heute keineswegs allein oder ganz vorrangig die "Jugendarbeit"; wer immer noch so denkt, verwechselt den Schießsport mit anderen Sportarten. Was nicht heißt, dass wir nicht auch hier im Forum Trainer hätten, die hervorragende und engagierte Jugendarbeit leisten und geichzeitig auch den (zumindest anscheinend ;-)) Erwachsenen zur Verfügung stehen. Lanfear und Califax würde ich hier nennen.
Letztens: die bescheuerte DSB-Ausbildungstrennung zwischen "Schießsportleiter" und "Trainer" habe ich noch nie eingesehen. Sie ist in der Praxis Quatsch.
Insgesamt handelt es sich beim Mitgliedsbeitrag, wie von Carcano zutreffend gesagt, um einen Solidarbeitrag, den ALLE zu zahlen haben, unabhängig davon, wie intensiv sie die Verbandsangebote nutzen oder auch nicht.
Gleichwohl muss man aber ggf. im Auge behalten, dass diejenigen, die diese Angebote weniger nutzen, mit steigenden Beiträgen natürlich unzufriedener werden. Das Problem kennt jeder Verein. Da der RSB einen relativ hohen Anteil an Traditionsschützen hat, die bei weitem nicht alle Angebote nutzen, kann man natürlich versuchen, an der einen oder anderen "Gebührenschraube" zu drehen, die mehr auf die aktiven Sportschützen denn die passiveren Traditionsschützen abzielt. Damit verhindert man ggf. ein Abwandern der Traditionsschützen in alternative (Traditions-)Verbände, die es gerade in NRW ja gibt.
Die Westfalen z.B. haben einen unterschiedlichen Beitrag für "aktive Schützen" und "passive Schützen", was aber an vielen Stellen auch wieder Möglichkeiten zur "unehrlichen Meldung" bietet, die man kaum in der Griff bekommt.
Insofern hat man immer wieder die Schwierigkeit, auf einen angemessenen Beitrag (für alle) zu kommen.
Ja. Also erst einmal dankeschön, dass Du das so eingehend erläuternd hast, mit einem realistisch-kritischen Blick auf und in die Verbandspraxis. Ich bin zwar aufgewachsen in einer Gegend (Weserbergland), wo der Schießsport ein mehr lästiges Anhängsel für die Fülle der "Schützenvereine" war und tlw. noch ist, aber mich hat immer nur die erste Option interessiert und nie die zweite, daher gerät mir jene Gruppe manchmal etwas aus dem Blick.
Die von Dir gesehene Möglichkeit, Option oder Gefahr, dass unzufriedene Traditions- und Schützenrockträgervereine bei Euch dann eben zu den Historischen oder zum Kyffhäuser abwandern, mag schon realistisch sein. Auch diese beiden bieten ihren Mitgliedern ja eine Möglichkeit zum Bedürfnisfortbestand, diesen denkbaren Hebel für "Bleibeverhandungen" habt Ihr also nicht. Wie häufig oder wie selten sind denn bisher solche Austritte REAL gewesen? Das dürften dann doch eh' oft schon überalterte Cliquen sein?
Letztlich: es ist zutreffend, dass so manche (und nicht geringe) Verbandsaufgaben vor allem den sportlich aktiven Mitgliedern der Verbände zugute kommen. Das betrifft vor allem Dinge wie Landesleistungszentren, Vollzeit- und Honorartrainer, Ausgaben für Wettkämpfe und Meisterschaften (diese werden ja nur zum Teil durch Startgelder abgedeckt), Bedürfnisbescheinigungen (kostet in den meisten Verbandsgeschäftsstelle mindestens 1/2 wenn nicht 1 volle Arbeitsstelle) , sportpolitische und waffenrechtliche Arbeit etc. Ich denke und empfinde hier aber tatsächlich, worauf Du ja Bezug genommen hast, in Begriffen einer "Solidargemeinschaft unter Schützen".
Vielleicht ist das auch durch meinen persönlichen schießsportlichen Werdegang geprägt. Mein erster Verein, dem ich bis zum Studium angehörte, und in dem ich als Schüler engagiert bis zur LM geschossen habe (LP und SpoPi .22), war ein klassischer Traditionsverein aus den 1860er Jahren, dem auch die Kleinstadthonoratioren angehört. Er "leistete" sich aber eine damals sehr aktive und auch sehr erfolgreiche Pistolenabteilung (einschließlich GK und Vorderlader), die auch DM-Medaillen einbrachte, und war mächtig stolz darauf. Umgekehrt respektierten wir die "Bierschützen" in ihren Uniformen (keiner von uns hatte die natürlich) und waren ihnen dankbar. Das finde ich auch heute noch einen gut gangbaren Weg.
Beste Grüße,
Carcano