Beiträge von Carcano

    Wir haben hier ja einige gute und engagierte Mitglieder / Poster, die sich sehr engagiert und sehr erfolgreich der "Jugendarbeit" im Schießsport widmen. Man darf diesen Begriff freilich nicht mit Nachwuchsgewinnung gleichsetzen, dss wäre falsch. Grundfalsch sogar !

    Zu diesen postern gehören zum Beispiel Califax, Lanfear, no.limits, früher auch sobigrufti (der leider seit Jahren nicht mehr hier schreibt). Die machen alle einen tollen Job, in vielerlei Beziehung. Und das ist oft ein Job, der nicht genügend emotional gewürdigt wird, und von den Verbänden zumindest in materieller Hinsicht oft nicht genügend anerkannt wird.

    Aber eine intensive, auf (Hoch)leistungssport zielende Vereins- und Trainingsarbeit, kann auch recht problematisch sein. Dazu habe ich früher mehrfach ausführlich hier geschrieben, insbesondere zu der Problemen und der nicht seltenen Dysfunktionalität des alterhergebrachten "Kadersystems" früherer Prägung. Der Schießsport hat teilweise ja auch schon darauf reagiert, nämlich mit flexibleren, jugendgerechteren und niederschwelligeren Angeboten.

    Hier ist nun ein Link, gerade auch für die oben von mir Angesprochenen, zu einem recht anregenden und wie immer bei diesem Autor erfrischend gedachten und geschriebenen Artikel zum Komplex "Jugend - Freizeit - Sport":

    https://sport-nachgedacht.de/wiss_beitrag/f…keit/#more-4683

    Carcano

    Was habe ich verpasst?

    Gehäufte Peinlichkeiten und einen intensiven Anlass zum Fremdschämen. Zudem einen beachtlichen Haufen von dreisten Lügen.

    In der vom DSB geflissentlich ignorierten Realität hingegen war Lisin einer der ersten Sportverbandspräsidenten weltweit (!), die sofort nach dem russischen Überfall auf die Ukraine vom Selbstherrscher aller Reußen abgerückt sind und vorbildlich klar reagiert haben.

    Nun, diese Prognose (oder besser: dieser Wunsch) wurde vor einem Jahr geäußert.
    Seither hat es weder eine "Erneuerung" gegeben, noch ist eine "andere Kultur" eingezogen. Ganz wertfrei und sachlich festgestellt.

    Andererseits hat einer der besten und überverbandlich solidarischsten Vizepräsidenten des DSB seither (Alters halber) sein Amt aufgegeben. Ich vermisse ihn an dieser wichtigen Stelle. Drücken wir seinem Nachfolger die Daumen !

    Nun, es sind jetzt vier (4) Jahre vergangen. Es ist in dieser Zeit nicht besser geworden, sondern schlechter.
    Und das stimmt mich eher besorgt.
    Vor allem der jetzige Versuch, von tief unten nach weit oben die ISSF mit schwachem Strahl anzupinkeln (allein um der großen Kopie des kleinen Berlusconi gefällig zu sein), ist so etwas von peinlich, verfehlt und selbstschädigend... schlimm.

    Carcano

    Danach kann man darüber diskutieren, wie viel Beitrag pro Mitglied angemessen wäre. (...) eine entsprechende Leistung wäre mir auch mehr wert, aber ob die wirklich durch mehr Beitrag zustande kommt? Im übrigen ist das Preis-Leistungsverhältnis beim Landesverband noch deutlich schlechter….

    Wenn Du damit meinst: "man zahlt als Mitglied deutlich mehr an den jeweiligen Landesverband als an den Deutschen Schützenbund, erhält aber gefühlt weniger an Gegenwert", dann kann ich das erst einmal gefühlt gut nachvollziehen.
    Ob es tatsächlich objektivierbar stimmt, müsste man untersuchen und nüchtern ermitteln.

    Und das führt dann auch zum immer interessanten Thema "Strukturreformen". Die beiden Reformen in Hessen und in Südbaden waren jedenfalls ein Erfolg: ich denke, das lässt sich inzwischen in der Rückschau so sagen. Man hat artifizielle Mittelebenen, die keine wirklich historische Verwurzelung und Dignität hatten (wie es beispielsweise ein Harzer Schützenbund hätte), weggeschnitten, und im Nachhinein sind alle erleichtert. Finanziell hat das en passant vermutlich auch einige Einsparungen ermöglicht, aber wesentlich war Anderes.

    User "Perfekte10" hatte am 18.10.2020 sich schon einmal in gleicher Weise geäußert, und zwar damals in dem Thread "10191-verbandsabgaben". Ich möchte beide Fragen in einen Kontext setzen und zitieren. Vorangehend schrieb er damals:


    "Meine Frage war tatsächlich rein informativer Art, damit wir uns im Verein ein klares Bild machen können, ob es uns die Höhe der Verbandsabgaben beim gegebenen Service (oder eben nicht) wert sind"

    Und daran anknüpfend am 30.03.2021:

    Man soll ja nicht alle über einen Kamm scheren....aber Landesverbände mit Leistungen für ihre Mitglieder in Verbindung zu bringen... ist überwiegend schon recht gewagt.

    Interessant wäre mal das Verhältnis Verwaltungskosten (Personal-/Sachkosten) pro Mitglied der einzelnen Landesverbände.....könnte ein aufschlussreicher Benchmark sein ;)

    Das hat mir sehr gut gefallen und scheint mir auch ein sehr nützlicher Ansatz zu sein. Wäre mal ein gutes Studienelement für eine sportwissenschaftliche Bachelorarbeit; und zum Behufe erhöhter wissenschaftlicher Dignität mag man dann noch andere Sportverbände dazunehmen und kombinieren. In dieser Art arbeitet auch Digel.

    Ich frage mich (und Perfekte10, und andere, die sich auskennen) also:

    Was leistet ein Landesverband einer Fachsportart (bei uns Sportschießen) für seine Mitglieder, und was kostet das je Mitglied?
    Vieles davon ist ja nicht auf den ersten Blick sichtbar.

    Die Antwort würde dann natürlich sich auch damit auseinanderzusetzen haben, wie unterschiedliche Faktoren (etwa die räumliche Ausdehnung des Verbandsgebiets, und die Größe eines selbst betriebenen Schießstandes bzw. eines Leistungszentrums, Anzahl der Trainer) sich auswirken.

    Carcano

    Den Karl habe ich immer gerne gelesen. Sein Nickname taucht jetzt nicht mehr auf, aber dann möchte ich gerne noch auf den einen oder anderen seiner Beiträge eingehen, die immer kundig waren und mit denen auseinanderzusetzen sich lohnte.

    Vor fünfeinhalb Jahren schrieb er in diesem Thread:

    Vorangehendes Zitat von Ritter:
    Die Hessische Liste B ist weitaus kleiner als die anderer Landesverbände, was den Mitgliedern das Schießen verschiedener Disziplinen verwehrt.

    Was bringt einem DSB Verband die dicke Liste B, wenn es sich nicht auf Interesse der Allgemeinheit trifft.

    Beide Diskutierenden haben m.E.auf ihre Art recht.

    a) Die Landesschützenverbände haben weitgehend ein Schießstandmonopol, und sind für alle ihre Mitglieder da; also sowohl für die Hochleistungssportler, wie für die Traditionsschützen, für die Bogen- und die Druckluftfraktion ebenso wie für die Ordonnanzwaffen- und GK-Freunde. Das heißt, eine bewusste Engstirnigkeit und Intoleranz (für die in der Vergangenheit immer ein Axel Rott im NSSV als negatives Markenzeichen stand), und ein intensives und missgünstiges Bemühen, die "Liste B" möglichst nahe an Null zu halten, entspricht weder ihrem Auftrag, noch gelebter Schützenbrüderlichkeit (um den archaischen Ausdruck wieder aus dem Museum zu holen), sondern ist einfach nur destruktive Kleinkariertheit.

    b) Umgekehrt aber, und hat der Karl völlig recht, kann und soll eine Liste B kein Selbstzweck sein. Wer halt unbedingt eine Pistole in 8mm Nambu (also die Typen 14 und 94) sein eigen nennen will, weil er sie so schön findet und unbedingt haben will, der muss eben einen anderen Dachverband bemühen, das geht ja auch.
    Aber wenn ein Verband sich eine schöne und sehr bunte und reichhaltig den Tisch deckende Liste B leisten will, was er erst einmal gut ist, dann muss er die Liste auch mit Leben füllen. Das heißt, es muss dann auch sportliche Angebote und Wettkämpfe in solchen Disziplinen geben. Und wenn es daran fehlt, dann liegt Kritik nahe, und dann sind die Disziplinen auch gefährdet und vom Wieder-Verschwinden bedroht.

    Carcano

    Heinz-Helmut Fischer (NSSV) übernahm 2012 das Amt des verstorbenen Präsidenten Josef Ambacher und wurde 2013 bestätigt.

    Und jetzt schon wieder ein neuer, ebenfalls aus einem der eher konservativen (Carcano würde wahrscheinlich schreiben: schützenfeindlichen) Landesverbände...

    Man musste Ambacher - der durchaus das bayerische Urviech geben konnte - nicht mögen. Aber er war gescheit, energisch und solidarisch. Welche dieser Eigenschaften trifft auf den jetzigen DSB-Präsidenten zu?

    Lieber Califax,

    Dein durchdachter und wertvoller Einwurf verdient auf jeden Fall eine Antwort, eigentlich sogar zwei Antworten. Denn du sprichst in deinem Posting zwei zwar miteinander in Zusammenhang stehende, aber doch durchaus verschiedene Aspekte an.

    1.
    Soweit es die Rolle der Athletensprecher oder Athletenkomitees innerhalb der sportlichen Dachverbände betrifft, so gibt es gewiss eine Reihe von Sporthistorikern und Sportwissenschaftlern, die deren Entstehung und Entwicklung besser nachzeichnen können als ich, sogar viel besser. Das ist ein interessantes Thema der Sportsoziologie und zu einem gewissen Grad der Sportpolitik.
    Und da ja nicht alle Sportwissenschaftler Deppen oder praktizierende Doping-Experten sind, würde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass es über die Entstehung und die Wandlung solcher Athletenvertretungen bereits mindestens Bachelorarbeiten, vermutlich aber auch Masterarbeiten gibt, vielleicht auch schon Dissertationen.

    Soweit ich das überblicke, war der Grund der Entstehung derjenige, dass nach der Aufgabe des ohnehin immer schon tief verlogen und heuchlerisch gewesenen, und genau genommen auch insgesamt in der Menschheitsgeschichte nicht länger als 50 Jahre bestehenden Amateur-Paradigma, sodann die professionellen Sportler, die auch von ihrem Sport leben mussten, von den Spitzensportverbänden häufig als eine Art botmäßige Leibeigene oder gierige und gebührend zu knechtende Bittsteller behandelt worden waren und nicht etwa als zu respektierende und autonome Subjekte.
    Der autoritäre und manchmal brutale Gestus der Funktionäre alten Schlages gegenüber den Athleten, die doch von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung und Popularität des Sportes geworden waren und auch weiterhin sind, war wohl der Ausschlag für die Gründung derartiger Athletenkomitees oder -Vertretungen.

    Das mag erklären, warum sich dies im Bereich des Leistungssports abbildete. Die normalen vereinsangehörigen BreitensportlerInnen waren und sind ja theoretisch (nicht wirklich in der Praxis) im Rahmen der Vereins- und Verbandsdemokratie wahlberechtigt und hätten so natürlich über 4-5-6 Instanzen homöopathisch verdünnt irgendwie auch einen Einfluss auf die Verbandsleitungen ausüben können, was freilich weit mehr politiktheoretische Illusion als gelebte Realität war, das wissen wir beide. Darüber hat auch insbesondere Helmut Digel vor kurzer Zeit einmal ebenso knackig wie wahrheitsliebend geschrieben.
    Aber das könnte es erklären, warum etwa auf der Ebene der Landesschützenverbände kein eigenständiger „Sportler-Vertreter" in einem Präsidium sitzt. Und wer weiß, vielleicht ist dies auch schon in irgend einem Landesschießsportverband der Fall, und ich weiß davon nur noch nichts.

    2.
    Davon zu trennen ist die Frage nach der Sportförderung, und die ist ja sehr oft und auch schon sehr tiefschürfend und kontrovers diskutiert worden. Sie sollte auch hier im Forum immer wieder einmal gestellt werden. Sowohl einige Sportwissenschaftler, als auch insbesondere SportjournalistInnen haben die Sportförderung und ihre strukturellen Irrwege und Schwächen immer wieder öffentlich erörtert und auch zum Gegenstand des Medieninteresses gemacht.

    Zur der fatalen früheren Medaillen-Fixiertheit, welche du immer noch diagnostizierst (ich glaube aber, dass die eigentlichen heutigen Entscheidungsträger da schon etwas weiter sind und nicht allein auf irgendwelche runden Blechstücke an einem Bande schauen, sondern eher auf die ersten 8 oder 10 Plätze) und die fatale Fehlentwicklung, dass Mittel der öffentlichen Hand vor allem an die Spitzensportförderung gehen, wo sie aber eigentlich gerade nicht hingehören, während der Breitensport und Vereinssport, der viel eher aus öffentlicher Hand unterstützt und gefördert zu werden verdient, praktisch den Vereinen und Verbänden selbst überlassen wird. Gleiches gilt für die alberne und dumme Fixiertheit auf die "olympischen" Disziplinen. Aber da öffnet sich inzwischen sogar das IOK.
    Jeder nüchtern-neutrale außerirdische Besucher würde sich nach dem Aussteigen aus dem Raumschiff nur fassungslos die Tentakel raufen, und würde fragen, warum die Erdlinge so verquer und eigentlich kontrafaktisch agieren. Dazu kann und sollte man auf jeden Fall noch einmal separat etwas schreiben, denn in der Sache stimme ich dir da durchaus zu.

    3.
    In einem Punkte stimme ich Dir allerdings nicht so leicht bei. Es gibt ja eine ganz beliebte und gerne gepflegte Illusion, nämlich die Version von der Pyramide des Breitensports, von der aus sich dann immer schmaler zulaufend der Spitzensport systematisch aufbaut, wobei der Spitzensport diesen Unterbau der Massen also gut marxistisch gesehen als "Produktionsgrundlage" brauche.
    Aber in der Realität ist das Gegenteil der Fall. Ob das nun gut oder schlecht ist, habe ich nicht zu beurteilen, aber es ist einfach nicht so. Das ist eine brave Traumwelt aus Turnvater Jahns Zeiten.

    In Wahrheit kann man überall der Welt auf der grünen Wiese oder in der blanken Wüste mit genügend Geld sofort Spitzensport betreiben und kann innerhalb einer relativ kurzen Zeit, mit genügend Aufwand, Höchstleistungsathleten produzieren und zu bald internationalen Wettkämpfen entsenden. Das geht. Erforderlich ist ein autoritäres Regime einerseits, eine staatlich gelenkte Sportverwaltung andererseits (wobei die Objekte - sportelnde Menschen werden dort ja nicht als Subjekte gesehen – eben dorthin geschoben werden, wo die Talentdiagnostik sie verortet), und schließlich auch die Bereitschaft, viel Geld und nicht wenig Medikamente fließen zu lassen.

    Das gilt nicht nur für Bobfahrer, sondern auch und sogar vor allem für den Schießsport. Weniger das Doping, das ist bei uns relativ selten und wenn, dann sind es eher Beta-Blocker, aber sportliche Spitzenleistung gibt es auch dort, wo es kaum privaten Waffenbesitz gibt, oder wo aus anderen Gründen es praktisch keinen vereinsmäßigen Unterbau gibt.

    Ich kann dir innerhalb von zwei Jahren von 10 auf 100 z.B. in Kenia eine Reihe von Medaillen - und damit auch olympische Quotenplatzgewinner - bei den Afrikanischen Kontinentalmeisterschaften produzieren, das ist überhaupt kein Problem. Das Potential ist überall da, und es kann kurzfristig entwickelt werden. Wenn man das denn will.
    [Und wenn die Politik dafür das Geld hat, und nicht für andere Protzprojekte, etwa für eine wahnsinnig teure neue Normalspurbahn mit veraltetem chinesischem rollenden Material auf dem Stand der Siebzigerjahre (so in Kenia).]

    Bis zum nächsten Posting,
    herzliche Grüße,

    Carcano

    Ich glaube, dass sowohl im IOC als auch in den Sportfachverbänden die Athletensprecher bzw. Athletenkomitees nur aus Vertretern des Leistungssports bestehen, i.d.R. also aktuelle und ehemalige Kadermitglieder. Natürlich kann man das auch hinterfragen.

    Übrigens gibt es eine starke Überdeckung zwischen offiziellen Athletensprechern in den Verbänden, z.B. im DOSB, und dem privaten Verein "Athleten Deutschland", der m.E. tolle Arbeit leistet.

    Gruß, Carcano

    Den Zusammenhang zum Thema muss man nicht verstehen, macht aber nichts.

    Der Zusammenhang ist offenkundig, aber dennoch bemühe ich mich gerne, ihn auch noch einmal breitzutreten ;)

    Es geht um die menschlichste und gleichzeitig ekelhafteste aller menschlichen Eigenschaften, nämlich DUMMHEIT in Verbindung mit Selbst- und Fremdschädigung.
    Hauptzweck eines Schützenvereins ist i.d.R. der Betrieb des Schießsports. Den zu reduzieren, um vielleicht insgesamt 5 Euro in den Wintermonaten zu sparen - denn man muss für diese Vereinsklitsche ja kein Atomkraftwerk hochfahren, oder Pumpspeicherkraftwerk anwerfen - ist so etwas von blöde, borniert und selbstschädigend, das fasst man gar nicht.

    Nun zur kontrastierenden Bierkühlung: die meisten Vereine haben auch eine Theke und in diesem Zusammenhang einen Getränkekühlschrank. Dieser Kühlschrank ist in den meisten Vereinen Tag und Nacht eingestöpselt und brummt vor sich hin, ich kenne es nirgendwo anders. Und so alt wie dieses Gebrauchtgerät meistens ist (25 Jahre ist noch eher jung!), zieht der enorm viel Strom. Rund um die Uhr, jeden Tag. Nicht nur während des Trainings.

    Carcano

    Wie viele Sportverbände hat auch die ISSF ein Athletenkomitee. Bisher waren die 7 Mitglieder (die alles aktive oder ehemalige Kaderathleten sein müssen) jeweils anlässlich der Weltmeisterschaften von den TeilnehmerInnen geheim gewählt worden, da gab's irgendwo halbversteckt eine Urne (i.d.R. im Organisationsbüro) und wer wollte - es war immer nur eine Minderheit der SportlerInnen, denen die Vertretung ihrer eigenen Interessen wichtig war - konnte da hingehen, einen Stimmzettel in Empfang nehmen, ausfüllen und einwerfen.

    Die bisherigen Vertreter repräsentierten bereits einigermaßen die drei Hauptdisziplingruppen (2x Pistole, 2x Gewehr, 3x Wurfscheiben), einigermaßen die Geschlechter (4 Mäner, 3 Frauen, 0 erkennbar divers oder nicht-binär) und gar nicht die Erdteile (5x Europa, 2x die Amerikas, das war's). Der althergebrachte, jetzt aber energisch abgebaute Eurozentrismus der ISSF - der schon längst nicht mehr den tatsächlichen Leistungsverteilungen, und erst recht nicht den Potentialen des Sports entspricht - schimmerte da noch einmal auf. Vor den jetzigen war allerdings Abhinav Bindra im Komitee gewesen.

    Jetzt hatte eigentlich eine Neuwahl nach neuem (2022) und verändertem und ziemlich klugen ISSF-Wahl- und Besetzungsreglement stattfinden sollen;

    https://www.issf-sports.org/getfile.aspx?m…s-Committee.pdf

    Lisin und Ratner haben sich da Mühe gegeben, und demgegenüber schäumen die alten Tanten natürlich wie immer, wenn es etwas besser wird. Sobald mir "unser" deutscher Athletenvertreter auf meine Anfragemail geantwortet hat, gibt's ein Update.

    Carcano

    So, ich mache mich jetzt an das Follow-up Posting, denn die verschiedenen Aspekte konnte ich heute morgen nur kurz anreißen.
    Zunächst einmal in Antwort an RainerE : ja, und das ist beschämend. Es ist ja nicht so, dass dieses Geld für Paläste, Dienstwagen und Marmor-Wellnessbereiche in Wiesbaden verprasst würde, wir sind ja nicht im Bistum Limburg. Und auch die Personalausstattung des DSB beträgt z.B. etwa ein Drittel oder weniger gegenüber der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, die erheblich weniger Mitglieder hat (nachzulesen in meinem Link im WM-Thread, zu dem schönen Aufsatz von Helmut Digel).
    Vergleicht man unter SchützInnen den Bundesanteil etwa mit den Sätzen der anderen (Großkaliber-)Schießsportverbände in Deutschland, so sind dort die Bundesverbandsbeiträge wesentlich höher.

    Eigentlich sollte jedes mittelbare DSB-Mitglied einen bescheidenen Bundesverbandsbeitrag von 10 Euro jährlich ( nur JÄHRLICH, Leute - nicht etwa monatlich !) leisten können. Und das gilt auch für Traditionsschützen. Dieses Getue seit vielen Jahrzehnten und der jedesmal aufpoppende missgünstig-giftige Spießbürgerwiderstand auf den Bundesdelegiertenversammlungen seit ich weiß nicht wie lange ist einfach nur kleinstbürgerlich, vulgär und gehässig. Denn schließlich sollen die Landesschützenverbände (eine Runde Mitleid !) das ja nicht aus eigener Verbandskasse zahlen, sondern das ist dort ein reiner Durchlaufposten.

    Der DSB braucht dieses Geld für vernünftige Trainerausstattung (Quantität und Qualität), für Leistungszentren, angemessen moderne Zentralschießstände (wo wir im armen armen Deutschland noch lange nicht auf ägyptischem, russischen oder französischem Niveau sind), für gute Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit - Medienarbeit und Waffenrecht kosten Geld - und nicht zuletzt auch dafür, dass man begabte Schützinnen und Schützen überhaupt auf Wettkämpfe schicken kann und nicht wie der DSB und wie etliche andere Länder sagen muss:
    "Tja, wir haben jetzt gerade einmal oder nicht einmal die Hälfte der zur Verfügung stehenden Slots und Starts gefüllt (!!!), weil erstens sind Leistungssport und Sammlung von Wettkampferfahrung ja nicht so wichtig und eher Privatvergnügen dieser komischen Athleten, gelle, und zweitens haben wir halt auch kein Geld für so viel Flug, Hotels, Transfer, Startgelder" (bei der WM in Kairo betrug das Startgeld jeweils 170,- Euro, dann gab's noch Spesen für Waffeneinfuhrgehmigungen., Waffenkammergebühren, früh und spät Anreisende etc.).

    Tatsächlich wurde bei diesen WM - und wer sich die Mühe macht und die Starterlisten und die Ergebnislisten miteinander abgleicht, der sieht das - ganz bewusst auf mögliche und erringbare Medaillen VERZICHTET. Ist ja nicht so bedeutend, ist bei diesne Starts ja nur eine popelige Weltmeisterschaft, und nicht etwa ein olympischer Quotenplatz. Aber so denken die Bundestrainer allen Ernstes, und diese Denke dürfte nun wieder vom Sportdirektor ausgehen und nach unten ausstrahlen.
    Armheit mag ja sexy sein (zumindest war das mal so im Lande Berlin), aber Ambitionslosigkeit ist es eher für mich nicht. Ich kann ja verstehen, wenn irgendwo im Lande ein älterer Schütze sagt: "ach, ich starte bei den Kreismeisterschaften diesmal nur noch in 2 Disziplinen, ich habe über die Jahre genug Urkunden gesammelt, was soll das denn, da können jetzt auch andere und jüngere mal was ernten." Aber bei Weltmeisterschaften??!! Lieber Himmel.

    Und gleichzeitig so etwas von kurzsichtig. Dem Sportförderungsmittel verteilenden Ministerialdirektor oder der Staatssekretärin im BMI - und ebenso allen Medien ! - ist es nämlich völlig wurst, ob die Medaillen in OSP und KK-Dreistellungskampf errungen wurde, oder in Target Sprint und Zentralfeuerpistole Frauen, oder 300m Standardgewehr offene Klasse (die Anmeldungen waren noch gegendert, wegen zu wenig TeilnehmerInnen wurde das das zusammengelegt). Für den zählt nur, dass wir im heiligen Medailllenspiegel ggf. vor allen anderen europäischen Ländern und vor den USA lägen (oder so ähnlich; Platz 1 und 2 machen Indien und China unter sich aus, das ist eh' klar).

    Und was die Höhe betrifft: ich kann mir keinerlei Rechtfertigung für dann auch noch gespaltene Bundesbeiträge zwischen Junioren und Schützen denken. Immerhin ganze 25 Cent Unterschied im Jahr, wow - welche Vergünstigung! Was soll denn der Quatsch?! Leute, macht einen einheitlichen Beitrag für Kinder und Jugendliche, und einen einheitlichen für Volljährige ab 18 Jahren. Normal, rational, für jeden einsichtig - und fertig. Was ist denn das für ein Gekaspere?

    Carcano

    In einem anderen Thread (Weltmeisterschaften 2022) wurde auch die seit 2015/2017 unveränderte Höhe des DSB-Bundesbeitrags angesprochen, den jedes Mitglied zahlt. Das geschah im Zusammenhang einer Erörterung, wie stark und wie schwach die Weltmeisterschaften dieses Jahr besucht worden waren (Lanfear spricht da eher von Entsendung), und warum "man" nicht mehr Schützen dorthin entsendet. Aus Trainersicht war das mit einigen nachvollziehbaren Aspekten erläutert worden, "begründet" würde ich es vielleicht noch nicht nennen. Denn ein "isshaltso" kann zwar manchmal auch genügen, ist mir persönlich aber hier nicht genug.

    Zitieren wir zu der katastrophalen und in der Tat beschämenden Finanzlage des Deutschen Schützenbundes als immerhin viertgrößten deutschen Fachsportverbandes (zwischen 1,3 und 1,4 Millionen Mitglieder, darunter auch einige Sportler) mit glaube ich 45 Angestellten / fest Beschäftigten:

    "Der Jahresbeitrag für den Deutschen Schützenbund beträgt nach dem Beschluss der Delegiertenversammlung vom 02.05.2015 in Hamburg, bei dem eine Erhöhung von 50 Cent beschlossen wurde, in der bisherigen Abstufung ab dem 01.01.2017:

    - Mitglieder ab Beginn des Kalenderjahres, in dem sie das 21. Lebensjahr vollenden = 3,80 Euro

    (Schützen/Damen/Altersklasse/Senioren)
    - Mitglieder ab Beginn des Kalenderjahres, in dem sie das 18. Lebensjahr vollenden = 3,55 Euro

    (Junioren weiblich/männlich)
    - Mitglieder bis zum Ende des Kalenderjahres, in dem sie das 17. Lebensjahr vollenden = 2,80 Euro

    (Schüler/Jugend weiblich/männlich)"

    Quelle: https://www.dsb.de/der-verband/ue…itgliedsbeitrag

    Und dieses ausgesprochen wenige Geld fließt ganz überwiegend nicht in die Leistungssportförderung, worauf Lanfear nachdrücklich und zutreffend hingewiesen hat (in die Talentsichtung natürlich auch kaum). Insoweit hängt der DSB nämlich ganz stark am Tropf der öffentlichen Hand und ist vom vermeintlichen "Wohlwollen" der Politik und der öffentlichen Hand in fast schon obszöner Weise abhängig.

    Ich vertiefe das gleich noch in einem Follow-Up.

    Carcano

    Ich bin pessimistisch. Wer so wild entschlossen wie der DSB an einer Sprach- und Geisteswelt des 19. Jhdt begrifflich und gedanklich klebt (das "Ehrenamt" - zweiter Fahnenträger im Landwehr- und Kriegerverein "Furchtlos und Treu"; oder Geselligkeits- und Festwart des Sparvereins "Güldener Groschen"), der kann sich nur schwer zukunftsgerecht aufstellen.

    Auf der DSB-Gesamtvorstandssitzung am 15.10.22 in Wiesbaden hat sich DSB-Präsident Hans-Heinrich Schönfels auch zu dem Thema ISSF geäußert - lt. DSB-Seite:

    "Große Besorgnis äußerte von Schönfels auch über den Schießsport-Weltverband ISSF. Ende November stehen Wahlen an und der DSB-Präsident hofft, „dass eine neue Richtung eingeschlagen wird, und der internationale Schießsport wieder ruhigeren und erfolgreicheren Zeiten entgegensteuert.“

    Das ISSF-Welt-Cup-Finale findet ebenfalls in Ägypten statt. ISSF-Chef Lisin wird dort sicherlich auch wiedergewählt werden. Es heißt: "Geld regiert die Welt". Warum nicht auch in Ägypten, dem Gastgeberland für die ebenfalls chaotisch verlaufene Welt-Klima-Konferenz.

    Zu dem Herrn von Schönfeld schreibe ich nichts. Jeder, der die Reformen der ISSF seit 2019 kennt (und die schon vorangegangene Umgestaltung der ESC) und andererseits weiß, wer die Gegner der Reformen sind, kann sich leicht ein eigenes Bild machen.

    Was die Repräsentation des DSB in den Gremien und Komitees der ISSF betrifft, so haben sich erstens nur zwei der deutschen Leute zurückgezogen, und keineswegs etwa alle.
    Zweitens geschieht dieser scheinbare "Protest", um durch strategischen Rückzug eine bereits seit einiger Zeit absehbare Wahlniederlage zu vermeiden. Dazu muss man freilich die neuen Wahlregeln und insbesondere das äußerst feinausgeklügelte nunmehrige Proporzsystem in der geänderten ISSF-Satzung gut gelesen haben, was hier im Forum vielleicht nicht so sehr der Fall ist.

    Zu einer Wahlprognose für Ende November: in der Tat scheint Wilhelm hier seine Kristallkugel gut poliert zu haben. Bei anderen hängen wohl noch 70 Jahren Staub und Spinnweben über deren Divinationsgeräten. Wer eine Wette wagen will, wie die Wahl wohl ausgehen mag, anders als früher, der schaut einfach auf die neue Fassung von Ziffer 6.14 der Satzung der ISSF:
    "6.4. Jeder Mitgliedsverband, der ein Land vertritt, hat zwei (2) Stimmen. Jeder Mitgliedsverband, der ein (1) Land zusammen mit einem zweiten Mitgliedsverband vertritt, hat eine (1) Stimme. Vertretung von Mitgliedern durch Stimmrechtsvertretung ist nicht gestattet. Die ISSF übernimmt die Kosten
    der Teilnahme an der Mitgliederversammlung für einen Delegierten pro Mitgliedsverband."

    Grüße,

    Carcano

    Ab ca 300 Befragten aufwärts wird die Wahrscheinlichkeit, daß die Stichprobe mit der Grundgesamtheit übereinstimmt, schon sehr brauchbar. Bei 3.000 sind wir schon in einem sehr verläßliche Bereich, wo sich noch 10tel Prozentpunkte ändern können.

    Willst Du uns an der Nase herumführen oder Dich selbst?

    Lies erst einmal nach, wer Civey sind, als wie unseriös sie gelten, und warum man ihre "Umfragen" in der Pfeife rauchen kann !