Beiträge von Carcano

    Wie man in den vorstehenden anderthalb Seiten lesen und nachvollziehen kann, verstehen verschiedene Schützen unter "Öffentlichkeitsarbeit" ganz etwas Anderes.

    - Zum einen gibt es Öffentlichkeitsarbeit nach innen hin, also die Ermöglichung einer besseren Kommunikation und einer größeren Transparenz innerhalb der Verbände, was natürlich in beide Richtungen gehen muss. Die Basis muss in der Lage sein, Entscheidungsträger und auskunftswillige Mitarbeiter leicht zu erreichen und schnell mit diesem zu kommunizieren (manche Schützen sind freilich auch schon damit überfordert, ein so ultramodernes Instrument wie das Telefon in einer vernünftigen und sozialverträglichen Weise zu nutzen), und umgekehrt muss eine Verbandsleitung der Lage sein, die Schützen vor Ort (und nicht nur den Vereinsvorstand) schnell und gut zu erreichen.

    Im Augenblick haben wir in allen (!!) Verbänden z.B. die Lage, dass es gar nicht möglich ist, auf Anfrage hin zu sagen, wie viel Trainer welcher Qualifikationsstufe man wo genau hat, und wie viele davon aktiv auch als Trainer tätig sind. Schon bei diesem doch ganz natürlichen und sinnvollen Begehren sind alle Verbände total überfordert.

    - Zum anderen gibt es Öffentlichkeitsarbeit nach außen hin, woran auch etliche hier denken, also gewissermaßen positive Lobbyarbeit und Propaganda und Medienbeeinflussung (echte Medien, keine Channels und Podcasts). Und da fängt schon das Problem damit an, dass die Verbände selber überhaupt nicht wissen was sie wollen, oder dass sie dasjenige, was eigentlich wollen, nicht schaffen.
    Ich erinnere an die grandios gescheiterte, mit so viel Engagement und solchen Mitteln verfolgte, über mehrere Jahre hinweggehende Aktion des Deutschen Schützenbundes "Ziel im Visier", die wohl eines der größten und peinlichsten Scheitern der neueren Sportgeschichte in Deutschland war. Das muss man leider so deutlich sagen.
    Das Problem an dieser Aktion war nicht etwa, dass der DSB dies nicht engagiert unterstützt hätte, oder dass man den Vereinen nicht geholfen hätte. Das Problem war, dass bereits ganz zu Anfang, ab initio, die Weiche völlig falsch gestellt worden war, und danach fuhr der Zug zwangsläufig in den Sumpf. Das habe ich schon ab den ersten Tagen vorhergesagt, aber natürlich wollte sich niemand eingestehen, was der Kardinalfehler gewesen war. Das Ergebnis war vorhersehbar.

    - Und drittens gibt es da noch die Öffentlichkeitsarbeit um ihrer selbst willen, wenn nämlich einige begeisterte Nerds sich verspielen und total tolle Sachen machen wollen, die aber außer ihnen selbst niemanden interessieren, weder die meisten Schützen der Basis, noch den Vorstand, noch die nichtschießende Außenwelt. ;(

    Carcano

    Es gibt drei mögliche Ursachen. Zu hartes Hülsenmaterial zählt NICHT dazu. In genau *dieser* Reihenfolge wären das:

    1. Zu geringer Schlagbolzenvorstand über den Stoßboden hinaus.
    (1a. Unvorteilhafte Schlagbolzenspitzenausformung)

    2. Zu großer Verschlussabstand.

    3. Zu schwache Schlagbolzen- bzw. Hahnfeder.
    (3a. Verschluß beim Abschlagen nicht voll geschlossen)


    Carcano

    Apropos die Jugend wehrfähig machen: Der gute alte Turnvater Jahn hat ja den Jugendsport zwar nicht erfunden (das waren, glaube ich, die Griechen), aber für Deutschland neu entdeckt

    Ne ne.

    Das war GuthsMuths. 1793. Von ihm allein hat der Jahn das.

    Iss so. Lies nach. ;)

    Ich verwende eine Centra Bürste https://shop.mec-shot.com/zubehoer/alle/…entra/big-brush

    Ja, schon teuer für eine blöde Bürste.

    Hm. Danke für diesen Hinweis. Ich empfinde ihn als sehr erbaulich, weil ich weiß, dass die gängigen Spiraldrahlbürsten im großen Versandhandel (Ballistolshop, AKAH) zwischen 1,89 und 2,67 € kosten, beim Freiburger Büchsenmacher vor Ort 2,- €, und bei den billigsten Online-Anbietern zwischen 1,10 und 1,50 €.

    Die Dreistigkeit von MEC ist schon bewunderungswürdig. 🤪🤑

    Das es Eisenhülsen gegeben haben sollte, hat mich auch gewundert.

    Wenn das vernünftig funktioniert, hätten z.B. die Munitionshersteller in den RGW-Staaten so etwas sicherlich herstellen müssen, um Buntmetall zu sparen, aber auch da kenne ich nur Messinghülsen mit mehr oder weniger Zinkanteil.

    Bei dem vergleichsweise geringen Gasdruck einer .22 lfB würde die Hülse wahrscheinlich nicht ausreichend lidern und zu viel Druck ungleichmäßig verloren gehen.

    Damit bist Du dann auch schon ganz nahe an der Wahrheit, um ihr in letzter Minute auszuweichen. ;-).

    In der Tat, ganz genau so wie von Dir den ersten beiden Sätzen beschrieben, war und ist es. Möglicherweise hast Du selbst nur die Spitzenmunition Olimp, Temp Pistol, Vostok Extra geschossen (diese dann - in der Tat - alle mit relativ weichen Messingshülsen), aber die russische KK-Munition mit Eisenhülsen ist an sich bestens bekannt und ist auch vielfach im Netz beschrieben. Natürlich habe ich sie auch selbst geschossen.
    Deine Annahme im Schlußsatz ist dagegen unrichtig. Antwort darauf also "nein".

    Soweit es die von mir beschriebenen (und in der Tat m.E.n. außen vernickelten) Eisenhülsen mit RWS-Bodenstempel betrifft, so verwunderte es mich nicht, wenn diese nach einer Reihe von Jahrzehnten im kollektiven Gedächtnis des Unternehmens längst nicht mehr präsent wären. Das passiert bei Waffenherstellern übrigens häufig.
    Dazu lässt sich die damalige alte DWJ-Meldung über angeblich (gut) "gefälschte" RWS-Munition entweder über die gedruckten Indices oder über die Online-Suchfunktion nicht schwer wieder auffinden. Interessanterweise wurde dann der ganze Vorgang sehr schnell und sehr gründlich unter den Teppich gekehrt und es wurde nie mehr darüber gesprochen. Offenbar hatte die DWJ-Redaktion damals geglaubt, durch Veröffentlichung eines solchen Hinweises RWS einen Dienst zu erweisen, und die damalige RWS-Geschäftsführung sah das dann aber (wieso, wieso denn bloß) ganz anders…

    Grüße,
    Carcano

    Und wenn du jetzt etwa behaupten wolltest, das sei ja alles inzwischen Vergangenheit, und inzwischen würde nun doch alles wieder bei RWS gefertigt, dann bitte Butter bei die Fische:

    Von wann bis wann wurden bei welchen Fremdherstellern Geco-Patronen (und welche genau) gefertigt? Und dann wurden die jeweiligen Verträge beendet?
    Und wenn wir schon einmal dabei sind, bei wem wurden eigentlich die RWS-KK-Patronen mit Eisenhülse gefertigt, denn die gab es ja tatsächlich, was aber nie offen kommuniziert wurde? Es dürfte sich um Patronen der End-1970er oder 1980er Jahre gehandelt haben, so schätze ich. War aber alles ziemlich verdeckt. Die Patronenhülsen habe ich allerdings noch. Oder war das eine Produktfälschung, und wer war dann der böse Fälscher? Lass hören.

    Carcano

    Die Geco KK Patronen werden alle in Fürth gefertigt.

    Schwätz nicht solchen kenntnislosen - oder die Leser bewusst verarschenden, und damit vorsätzlich unehrlichen - Blödsinn.

    In Fürth gefertigte Patronen erhielten und erhalten keine Federal-Gummistempel für die Charge. Und keine in den USA gravierte Bodenprägung des RWS-Logos. Und auch nicht die anders dimensionierte Federal-Randauslegung. Und auch kein Federal-Pulver.

    Mannomann. Was für eine Dreistigkeit. Für wie blöd hältst du hier die Leser eigentlich ?!

    Carcano

    Wo genau liegt das Problem? Wir haben mehrere Schützen im Verein, bei denen die Munitionsart noch lange keine Rolle spielen wird...vielleicht für immer. Man denke auch an die ganzen Anfänger.

    Es ist interessant, einmal den Blick nach rückwärts zu richten und die vergangene Zeit so ein wenig Revue passieren zu lassen.

    Bevor ich den Schießsport begann, war die häufigste Vereinsmunition wohl die RWS Standard, manchmal auch ergänzt um Sellier & Bellot Rex (häufiger als S&B Club) und die wohl preiswerteste, nämlich die jugoslawische gelb-magentafarbene Pobeda (Ende 1970er auch zeitweise als "Lignose" gebrandet). Das kann ich rückschließend aus einer ganzen Reihe von Munitionsnachlässen ablesen.

    Als ich damals als Jugendlicher mit dem Pistolenschießen begann, war unsere Vereinsmunition einerseits die (australische) Winchester Xpert in Rot und Gelb (ernsthafte Leistungsunterschiede zwischen beiden waren aber nicht auszumachen) sowie die billige Remington in den 100er Plastikboxen.
    Die Remington blieb auch lange Zeit die in meiner Sicht häufigere Vereinsmunition bei uns und anderswo, wobei der gefühlte Rückschluss immer ein bisschen kurzer, trockener und stärker war als bei den beiden Winchester-Varianten. Nur am Rande sei bemerkt, dass es inzwischen Winchester Australien (leider) nicht mehr gibt.

    Die erwähnte Remington blieb über viele Jahre hinweg die billigste Munition (auch bei Frankonia), wobei allerdings deren Qualität auf dem deutschen Markt sich in den 1990er und anfänglichen 2000er Jahren extrem verschlechtert. Im neuen Jahrtausend gab es teilweise Chargen, wo etwa 8-10 % der Schüsse Versager waren. Offenbar hat Remington die gesamte Ausschussware billigst nach Europa geliefert, und Frankonia hatte sie entsprechend billig weiterverkauft. Jedenfalls war die Qualität katastrophal.

    Vielleicht seit dem Jahr 2000, möglicherweise auch etwas früher, ist die Remington, wohl auch vor den oben geschilderten Erfahrungen vieler Schützen, denn stark verdrängt worden durch die CCI SV. Diese wurde direkt unter ihrem Namen verkauft, teilweise auch unter der Frankonia Hausmarke Topshot.

    Für die Pistolenschützen spielte die RWS Pistol Match auch noch eine gewisse Rolle in Vereinen als Vereinsmunition, gelegentlich dann ergänzt (ich glaube ab den frühen 1980er Jahren) auch durch die Geco Pistol. Während die Geco-Patronen ganz anfänglich noch von RWS selbst gefertigt wurden, hat man dann fremdfertigen lassen, in weitem Umfang bei Federal (teilweise mit extrem schlechter Qualität und starken Unregelmäßigkeiten, und vor allem mit einer Rauchentwicklung, die schon an Schwarzpulver grenzte).

    Gegenwärtig haben sowohl Sellier & Bellot als auch Magtech eine neue Offensive auf dem deutschen Markt unternommen, um das untere Segment abzudecken. Als Wettkampfmunition sieht man beide aber nur selten bei den Veranstaltungen, auch nicht auf den KM, so mein persönlicher Eindruck im deutschen Südwesten.

    Carcano

    Danke an Rabe74 für den guten Rat, den ich voll unterstreichen möchte. Insbesondere dann, wenn es sich nicht um ein sehr massives Dreieckskorn handelt, sondern um ein eher schmales Balkenkorn, ist ein solches Verbiegen ein durchaus realistisches Risiko, welches man vermeiden sollte.

    Was auch schon zu einer weiteren Anmerkung Anlass gibt:
    Wenn man, wie es richtig ist, den Treiber an der flachen Basis des Korns ansetzt, und wenn dann auch noch (bei Achtkantläufen und auch sonst bei Vorderladern nicht selten, bei Patronenwaffen ungewöhnlich) die Basisplatte des Korns links und rechts seitlich etwas über die oberste Facette des Achtkants hinausreicht, dann besteht natürlich ein nicht ganz winziges Risiko, dass der Korntreiber abrutscht und den Lauf trifft, und dann gibt es eben eine Messing Verfärbung am Lauf oder schlimmstenfalls (bei einem Korntreiber aus Stahl) einen kleinen Kratzer.

    Wer das also ganz lege artis machen will, der spannt den Lauf in einen guten stabilen Schraubstock ein und legt den Korntreiber gleich neben dessen Spitze auf eine weitere Unterlage so auf, dass er ganz gerade gegen die Basisplatte des Korns treibt und (wegen der Auflage) nicht etwa nach unten abrutschen könnte. Wer einfach nur mal halb schräg freihändig dagegen dengelt, könnte der schon einmal abrutschen. Und feinsinnige und penible Gemüter stören sich dann vielleicht an der leichten Spuren an der Waffe.

    Carcano

    Polizeiliches Führungszeugnis Jubali und Standaufsicht muss vorgelegt werden und je nach können der Kids sollten mehrere Aufsichten vorhanden sein.

    Das bekannte "Führungszeugnis", das schon seit zwei Ewigkeiten kein "polizeiliches" mehr ist, sondern von dem das BZR verwaltenden Bundesamt für Justiz stammt, spielt keine Rolle;
    wichtig ist das vor dreizehn Jahren durch das sogenannte "Bundeskinderschutzgesetz" (ein Artikelgesetz, mit dem ganz verschiedene Gesetze geändert und ergänzt wurden, hier in concreto § 72a SGB-VIII) neu eingeführte "Erweiterte Führungszeugnis".

    Das ist tatsächlich für den ehrenamtlichen Bereich allgemein und für den Kinder- und Jugendsport insbesondere wichtig, wie die Praxis - leider - gelehrt hat.

    Carcano

    Den VÜL gibt es nur in eurem alpinen Freistaat

    Es gab ihn auch im SBSV (Südbaden) und im Saarland, als "Trainer D". Das ist eine sehr sinnvolle Sache und praktisch ein kurz beschulter "Vereinstrainer", während der Trainer C wesentlich darüber liegt. Der DSB ist zu dumm und borniert, um das zu verstehen, die Franzosen haben das aber längst und ziemlich flächendeckend. Ist auch sehr nötig.

    Übrigens bzgl. der Überlegung von Geronimo: mit der Jubali hat der sogenannte VÜL oder auch der "Trainer-D" nichts zu tun. Das sind verschiedene Sachen und Anforderungen.

    Carcano

    Der Schießsport ist wohl der Sport mit den meisten Facetten und Möglichkeiten.
    (...)

    Wer also sagt, nur SEINE Sportausübung wäre "echter Schießsport", der hat ein Wahrnehmungsproblem, aber kein kleines.


    Das stimmt ja auch. Und was mich an Califax' Postings nachhaltig über die Jahre hinweg immer wieder beeindruckt hat, ist seine Toleranz und seine Offenheit gegenüber ganz verschiedenen Spielarten des Schießsports. :successful:

    Damit stellt er allerdings unter den Schützen auch keineswegs die Regel dar, sondern eine – sehr rühmliche – Ausnahme.

    Carcano