Regeländerungen der ISSF

  • Für mich ist eher vorstellbar das einige bis viele dieser Schützen doch mal bei anderen Verbänden die gerade mit der Kleidung einen wesentlich geringeren Aufwand treiben vorbeischauen und sich dort sicher bald heimisch fühlen.

    Also, selten eine so guten Vorschlag von dir gehört. :thumbup:

    Naja, wenn man sich mal in Erinnerung ruft, dass selbst bei der Oberbayerischen oder der Bayerischen das Gewehr eigentlich nur gewogen und die Schießbekleidung zumindest in der Schüler- und Jugendklasse überhaupt nicht kontrolliert wird, dann sind die Auswirkungen solcher Änderungen doch überschaubar.

    Na, da würde ich aber mal gespannt auf einen (begründeten) Einspruch warten, sollte jemand mal da eine ernstzunehmende Platzierung erreichen.

    BBF

  • @ Geronimo:

    Ist ja auch logisch, dass in der Schüler- und Jugendklasse keine Bekleidungskontrollen durchgeführt werden: Diese gibt es lt. Sportordnung nur in der Junioren-, Schützen- und Damenklasse. In allen anderen wird die Kleidung nicht kontrolliert.

  • Ich will eure Freude ja nur ungern trüben, aber auch ohne explizite Bekleidungskontrollen (Dicken- und Steifigkeitsmessung) müssen die Bekleidungen den Regeln entsprechen, auch im Schüler- oder Jugendbereich. Und die Poflecken, die nicht gerundeten Schuhsohlen und selbst verdächtige Nähte kann jeder auch ohne spezielle Kontrollen sehen, im Zweifel auch die Konkurrenz. Auch für die zukünftig geforderten 25mm bei den Hakenkappen genügt bei vielen jetzigen Ausführungen nur ein halbwegs geschulter Blick.

    Generell, dieses Genöle an bestimmten Ausrüstungsdetails ist ja nichts Neues. Das geht schon seit Jahrzehnten so. Mal sind es irgendwelche Kanten an den Schäften, mal die Handschuhe, mal Taschen auf den Jacken und mit schöner Regelmäßigkeit die Schaftkappen. Und es gab und es wird immer auch genügend Kontrolleure gerade auch auf den unteren Meisterschaften geben, welche sich sogar mit sichtbarer Freude auf diese Details stürzen, inklusive der kostenlosen Bereitstellung von Werkzeugen zur Behebung der vermeintlichen Mängel. Und das nennt man dann Service.

    Auf der anderen Seite werden aber auch seit Jahrzehnten wirklich wichtige Dinge, die tatsächlich Vorteile bringen können, überhaupt nicht beachtet oder beanstandet. Beispiel: Bei nicht wenigen Schützen sitzen die Schießhosen deutlich zu hoch, sprich der Bund geht deutlich über die erlaubte Höhe von 5cm über den Hüftknochen. Obwohl das regelmäßig ganz offensichtlich ist, wird es scheinbar nie beanstandet. Dabei kann dadurch, in Gegensatz zu den jetzt beanstandeten Nähten, insbesondere in Verbindung mit einem Gürtel wirklich eine Art Stütze für den Stützarm gebildet werden, abgesehen mal von dem zusätzlichen Halt speziell im Rückenbereich.

    Ich hoffe, jetzt wirft mir hier keiner vor, ich wäre eine Petze oder wolle den Schützen etwas. Auch mir geht es um faire und sportlich gerechte Regeln. Ich bin auch der Meinung, dass bestehende Regeln beachtet und eingehalten werden müssen. Nur wenn man schon ständig irgendwelche Regeln ändert, dann ist es auch wichtig, diese auch auf ihre Verhältnismäßigkeit hin zu untersuchen und zu überlegen, welche Folgen daraus entstehen, auch und gerade auch im Hinblick auf die Entwertung bestehender Ausrüstungen. Wenn es aber schon jetzt ganz offensichtliche Mängel bei der Umsetzung und Einhaltung bestehender Regeln gibt, welche zu Teil wirklichen Einfluss auf die Leistung haben und so bei Nichtbeachtung auch zu Vorteilen führen können, dann sollte man sich doch zuerst fragen, wie man diese Defizite abstellen kann, statt ständig neue weitere im Prinzip unwichtige Gängelreglungen zu erfinden. Wir haben doch jetzt schon einen Wust an Regeln, die kaum noch einer wirklich alle kennt. Auf die Einhaltung bestimmter oft eher unwichtiger Details wird immer gepocht, bei anderen teils gravierenden Dingen hängt es sehr stark davon ab, ob die jeweiligen Aufsichten, Schießleiter und Kampfrichter diese Regeln überhaupt kennen und verstehen und auch für ahndungswürdig erachten. Hinzu kommen dann noch etliche Regeln, bei denen überhaupt nicht klar ist, wie sie gemeint sind und wie sie überhaupt eindeutig ausgelegt werden sollen. Das kann so auf Dauer nicht im Sinne unseres Sports sein.

    Nur meine Meinung, und das ist jetzt tatsächlich mal eine Meinung, aber wie immer auch begründet.


    Mit bestem Schützengruß

    Frank

  • @ Murmelchen:

    Ich geb dir nur zum Teil Recht. Klar muss die Bekleidung auch in der Schüler- und Jugendklasse den Regeln, nur darf sie da nicht kontrolliert werden, d.h. es kann keine Überlappung, Dicke der Nähte, Steifigkeit oder sonstiges geprüft werden. Du kannst hier nur nach Offensichtlichem gehen, z.B. Jeans unter der Hose oder Poflecken.

  • @ Murmelchen:
    Klar muss die Bekleidung auch in der Schüler- und Jugendklasse den Regeln, nur darf sie da nicht kontrolliert werden, d.h. es kann keine Überlappung, Dicke der Nähte, Steifigkeit oder sonstiges geprüft werden. Du kannst hier nur nach Offensichtlichem gehen, z.B. Jeans unter der Hose oder Poflecken.

    Na, da würde ich mal sehen wollen was passiert wenn offiziell Beschwerde/Einspruch erhoben würde.

    BBF

  • Hallo Benmaster,

    7.5.4.5 The construction of the side panel may not place any horizontal
    seam or seams under the elbow of the support arm in the standing
    position.

    Also etwas frei übersetzt, an dem Seitenteil der Jacke, wo sich der Stützarm befindet, darf keine horizontal verlaufende Naht (Saum, Abnäher) unter dem Ellenbogen sein. Wobei offen bleibt, was genau mit "unter dem Ellenbogen" gemeint ist.


    Die neue Regel bezüglich der Hakenkappe verdeutlicht am besten das Bild im neuen Regelwerk der ISSF:

    Von der oberen Spitze aus darf die Kappe zukünftig nicht stärker als diese eingezeichneten 25mm gekrümmt sein. Also so ähnlich wie die 20mm beim LG, wobei dort die Bezugslinie von Spitze zu Spitze verläuft und nicht wie hier senkrecht.


    @MichaelB

    Woran willst Du anhand der Sportordnung festmachen, dass bei den Schülern und Jugendlichen keine Bekleidungskontrollen erlaubt sein sollen?


    Mit bestem Schützengruß

    Frank

  • Murmelchen:

    Das war von mir etwas überspitzt formuliert. In der Ausschreibung zur Deutschen Meisterschaft steht, dass Bekleidungskontrollen in den olympischen Disziplinen für alle Teilnehmer verpflichtend sind. Für alle anderen sind sie nicht verpflichtend und es können stichprobenartig Kontrollen durchgeführt werden, was ich bisher noch nicht erlebt habe und auch schlecht möglich ist. Die Wettbewerbe in der Schüler- und Jugendklasse finden am zweiten Wochenende statt, nachdem die "Große Deutsche" bereits vorbei ist und neben Pistole nur noch laufende Scheibe geschossen wird. Ob dann noch qualifiziertes Personal und die Prüfgeräte vor Ort sind ist eine andere Frage.

    Kleine Anmerkung: In diesen beiden Klassen wird aus meiner Sicht auch kaum ein Betreuer Protest gegen die Bekleidung eines anderen einlegen, weil bei den meisten Punkte wie Jackenlänge und Überlappen nicht passt und ein Protest nur einen Gegenprotest nach sich ziehen würde.


  • Ob dann noch qualifiziertes Personal und die Prüfgeräte vor Ort sind ist eine andere Frage.


    1. Qualifiziertes Personal (ehrenamtliche Kampfrichter) sind sehrwohl vor Ort (für 18.- € Tagespauschale).

    2. Die Prüfgeräte übrigens auch.

    3. Die Kampfrichter wissen sehr wohl, dass die Kleidung a) sehr Teuer und b) nicht mit den Kindern mitwächst. Daher wird im Jugendbereich auch nicht so sehr darauf geachtet. Nur wenn einer zu sehr über die Stränge schlägt, wird er angesprochen bzw. kontrolliert.

  • In der Ausschreibung zur Deutschen Meisterschaft steht, dass Bekleidungskontrollen in den olympischen Disziplinen für alle Teilnehmer verpflichtend sind. Für alle anderen sind sie nicht verpflichtend und es können stichprobenartig Kontrollen durchgeführt werden...

    Zu den Olympischen Disziplinen gehören:
    LG Herren, LG Damen, LG Junioren m/w
    LP Herren, LP Damen, LP Junioren m/w
    KK 3x40 Herren/Junioren
    KK 3x20 Damen/Juniorinnen
    FP Herren/Junioren
    OSP Herren/Junioren
    Kk Liegend Herren/Junioren
    SpoPi Damen/Juniorinnen

    Alle anderen Klassen in diesen Disziplinen gelten nicht als Olympisch, wenn ich nix vergessen habe, und da finden so gut wie keine bekleidungskontrollen statt.


  • 1. Qualifiziertes Personal (ehrenamtliche Kampfrichter) sind sehrwohl vor Ort (für 18.- € Tagespauschale).

    2. Die Prüfgeräte übrigens auch.

    3. Die Kampfrichter wissen sehr wohl, dass die Kleidung a) sehr Teuer und b) nicht mit den Kindern mitwächst. Daher wird im Jugendbereich auch nicht so sehr darauf geachtet. Nur wenn einer zu sehr über die Stränge schlägt, wird er angesprochen bzw. kontrolliert.


    Was die Kampfrichter kosten weiß ich selbst, war ja bei der Bayerischen auch schon im Einsatz =)

    Bei Punkt 2 und 3 stimm ich dir voll zu. Bei 1 nur zum Teil, weil nicht jeder der Kampfrichter weiß wie er zum Beispiel das Prüfgerät für die Jackensteifigkeit kontrolliert.

  • Nun verbeißt euch doch nicht so in diese Dicken- und Steifigkeitsmessungen.

    Ob ein Flecken an der Hose ist oder nicht, kann doch auch jeder mit bloßem Auge erkennen.

    Und das Problem geht doch nicht erst bei den Deutschen los. Spätesten ab den Bezirksmeisterschaften wird es genügend Übereifrige geben, die diese Dinge beanstanden werden.

    Und im Prinzip ist das ja auch richtig so, denn wenn bei jeder offiziellen Meisterschaft die Regeln nur nach Laune, Plan oder Nase usw. angewandt werden, ist das ja auch nicht gerade das, was wir wollen. Ich zumindest nicht.

    Und dann wären wir wieder am Anfang. Regeln und noch wichtiger, Regeländerungen, müssen und sollten immer mit Bedacht formuliert werden. Sie sollten für alle gelten, auch eingehalten und auch kontrolliert werden. Dafür dürfen sie aber auch nicht völlig überzogen oder unverhältnismäßig sein. Überzogene Regeln, die inoffiziell nur zu bestimmten Anlässen und bei bestimmten Klassen genau auf Einhaltung kontrolliert werden, auf die im Zweifel aber immer gepocht werden kann, sind ziemlich nah an der Willkür und auch alles andere als fair.

    Wie soll der arme Schießleiter und dessen Aufsichten bei der Kreis- oder Bezirksmeisterschaft denn entscheiden, welche Regeln nun genau beachtet werden müssen und welche nicht so genau? Macht er es streng nach SpO, ist er für fast alle der Riesenarsch, macht er es etwas lockerer, kommt garantiert ein Schütze angeschissen, dem das dann auch wieder nicht passt und der meckert dann über das angeblich nicht zulässige Ausrüstungsteil seines Standnachbarn und legt im schlimmsten Fall förmlich Protest ein.

    Wir haben ganz scharfe Regeln für fast jedes Detail, aber wir wenden sie nur manchmal (und bei Bedarf) auch so scharf an, kann auf Dauer also keine saubere Lösung sein. Denkt mal über meine Anmerkung bezüglich der Höhe der Schießhosen nach. Aus meiner Sicht ist das so, wie es zur Zeit gehandhabt wird, auch nicht wirklich fair. Im Zweifel sind da zur Zeit nur diejenigen, welche die Regeln genau einhalten, etwas gekniffen.


    Mit bestem Schützengruß

    Frank

  • Na über die Dicken und Steifigkeitsmessungen kann ich seit der DM 2012 nicht mehr lachen.....

    Jugendklasse, ein Jungschütze von mir.
    Jacke vor 1 Jahr neu gekauft.... Durchgefallen bei der Dicken und Steifigkeitsmessung.
    Danach zu Sauer auf den Stand und eine ZULÄSSIGE Jacke des gleichen Herstellers statt für 500 für 400 Euro (vor der Meisterschaft) gekauft. Soviel zum Verständnis für Jungschützen. Und der ganze Zirkus vor der Deutschen... Dann trotzdem noch 577 Ringe im LG. Das nervt....
    Dieter

  • Jacke vor 1 Jahr neu gekauft.... Durchgefallen bei der Dicken und Steifigkeitsmessung.


    Hallo zusammen!

    Da bei mir auch mal eine neue Jacke/Hose ansteht, würde mich interessieren, welche (neuen) Modelle da kritisch sind.

    Gibt es dazu evtl. sowas wie eine (informelle) "Negativliste"?


    Gruß
    Tobi

  • Da bei mir auch mal eine neue Jacke/Hose ansteht, würde mich interessieren, welche (neuen) Modelle da kritisch sind.

    Gibt es dazu evtl. sowas wie eine (informelle) "Negativliste"?

    Würd mal nachfragen ob die Kleidung nun nach gültiger Deutscher Sportordnung oder den ISSF-Regeln gemacht wird. Je nachdem für welche Regel du kaufen willst fragst du einfach mal um ein Prüfprotokoll wo die Werte vermerkt sind ob in Ordnung oder nicht. wenn nicht in Ordnung einfach nicht kaufen. Machen das dann gleich mehrere Kunden werden sich die Händler und Hersteller mal was überlegen müssen.

    Wenn dann trotzdem noch einer regelwidrige Kleidung kauft sind die Regeln dann aber wirklich nicht schuld sondern nur der Käufer!

    Ein "Prüfprotokoll" kann natürlich auch gefaked sein. Es ist aber zumindest mal ein Anfang.

    Nicht alle seine Fähigkeiten und Kräfte soll man sogleich und bei jeder Gelegenheit anwenden. - Baltasar Gracián

  • Machen das dann gleich mehrere Kunden werden sich die Händler und Hersteller mal was überlegen müssen.

    Ne "Zertifizierung" wäre doch evtl. mal eine schöne Sache...? Bei der ganzen Bürokratie käm es darauf ja auch nicht mehr an... :D
    Dann müsste bei der Kleidungskontrolle auch nur noch geprüft werden, ob unzulässige Veränderungen vorgenommen wurden...? Wobei das ja dann evtl. auch wieder die gleichen Kontrollen wie jetzt erfordern würde...? ;(

    Falls das bei den Klamotten zu aufwendig ist, evtl. die Händler zertifizieren...?
    Hab vor einigen Jahren mal vom Fachhändler ein von ihm als "Topmodell" beworbenen Handschuh gekauft. Wirklich klasse Teil. Nur leider mit Klettverschluß, der zu der Zeit gerade verboten wurde... :(
    O.k., auch meine eigene Dumm(/Unwissen)heit, aber vom Fachhändler (der sonst einen sehr guten Ruf hat) hätte ich da eine bessere Beratung erwartet...

    Aber naja, Verantwortung wird wohl beim Schützen bleiben; zwar wird das sonst ja auch selbst gefordert... :whistling:

  • Beim rumstöbern gefunden.

    ahg-Schuh


    Die ersten Hersteller fangen an, nach den neuen ISSF-Regeln Top-Produkte anzubieten.

    Vermutlich wirft die kommende DSB-Sportordnung schon ihre ersten Schatten voraus.


    Grüße aus dem Allgäu
    Frank