Mitgliederentwicklung im Deutschen Schützenbund

  • Ich habe auch am 22. September schon mal darauf hingewiesen:

    "Übrigens ist das Mantra der "frühzeitigen Talentförderung" eine der heiligen Kühe im Spitzensport, in vielen Sportarten - aber eine Kuh aus Pappe. Neue Erkenntnisse der Sportwissenschaft haben sie umgeschmissen, das haben nur viele noch nicht gemerkt. Jetzt liegt sie auf dem Boden und ist flach, wie eine Pappkulisse nun einmal ist, wenn sie nicht mehr steht. Milchleistung: Fehlanzeige.

    Carcano"

  • Das war ein sehr anregender Vortrag, der kürzlich auf einer BMI-gesponsorten Veranstaltung gehalten wurde (Veröffentlichungsfassung dann mit allen Fußnoten). Ausgehend primär von Leichtathletik, ist sein Ansatz doch überaus anregend und klug, und auf den Schießsport sehr übertragbar. Im Prinzip zeigt er auf, dass das bisherige System der Frühförderung und Kaderung wenig bringt, teils sogar kontraproduktiv sein mag, und dass bisherige Evaluierungen immer vom falschen Ende her angefangen haben, nämlich rückschauend von den aktuellen Spitzensportlern.

  • Der DSB hat die Mitgliederentwicklungen auf den 31.12.2011 veröffentlicht.

    Nach -1,6 % Mitgliederrückgang in 2010 ist der DSB-Mitgliederrückgang in 2011 mit -1,5% marginal „besser“ verlaufen.

    Auffällig ist die negative Entwicklung insbesondere in Westfalen mit -5,3% bei den Mitgliedern und -2,3% bei den Vereinen.

    Der seit 1998 anhaltende Mitgliederschwund im DSB erreicht jetzt offenbar auch die Vereine selbst in ihrer Existenz, deren Zahl in 2011 um 0,5% von 14.986 auf 14.914 gefallen ist. Besonders deutlich wird dies anhand des Norddeutschen Landesverbandes (-3,5%, von 425 auf 419).

    Positiv fallen durch Mitgliederzuwächse die Landesverbände Berlin (+1,18%) und Oberpfalz (+0,1%) auf.

    Alleine in der Jugendklasse (14 - 17 Jahre) gelang es den Berliner Schützen in 2011 die Mitgliederzahl von 143 um 69% (+99) auf 242 zu steigern. In der Hoffnung, dass es sich nicht um einen Schreibfehler handelt, wäre es bestimmt als „Mutmacher zum Erhalt des Schützenwesens“ interessant zu erfahren, wodurch dieser Erfolg zustande gekommen ist.


    Mitgliederstatistik.pdf

    Mitgliederbewegung.pdf

    Mitgliedsvereine.pdf

    Mitglieder_ab_51.pdf

  • Mal ehrlich Leute,

    uns sterben wesentlich mehr Mitglieder weg, als wir jemals wieder in Form von Nachwuchs reinbekommen können.

    Es wird immer Phasen geben, wo ein leichter Zuwachs zu verzeichnen ist, was aber nichts daran ändert, dass die Majorität der DSB lastigen Mitglieder aussterben werden.

    Viel interessanter und wichtiger als die reine Anzahl der Mitglieder, die im großen und ganzen nichts über den Sport aussagt, ist die Frage nach der Anzahl aktiver Schützen im Verband.
    Aber wenn man diese Zahl ergründen würde, würde der DSB wohl kaum noch aus dem heulen rauskommen.

    Auch wird es immer Regionen geben, in denen die welt noch halbwegs in Ordnung ist, in denen die Behörden nicht so diskriminierend gegenüber den Waffenbesitzern eingestellt sind und die schützen weitestgehend in Frieden lassen oder sogar mit ihnen zusammenarbeiten.
    Das ist aber nicht Flächendeckend, sondern eher die Minderheit.

    Diese ganzen Zahlen und Statistiken sind für die Katz, weil sie meist die Realität nicht wiederspiegeln, sondern eher verwaschen.

  • Ich bin einmal auf die Zahlen für 2012 und 2013 gespannt. Im Bereich Rheinischer Schützenbund (Rheinland Pfalz) sollte es dann ja eine größere Veränderung geben.

    Zur Zeit ist ja alles sehr Ruhig in der Region, aber ich Frage mich: "Ist das die Ruhe vor dem Sturm!".

  • Aus meiner Sicht trifft das Problem der Überalterung nru auf die Vereine zu, die sich in den letzten Jahren, zum Teil auch Jahrzehnten gegenüber den Entwicklungen außerhalb des Schützenhauses verschlossen haben. Auch bei uns im Verein war früher die Meinung:

    Wir sind wir und uns gibt es schon seit über 500 Jahren, also wird es uns auch in Zukunft geben.

    Dies ist natürlich Quatsch und hilft nicht bei der Mitgliederwerbung. Man muss an sich zweigleisig fahren, um den Mitgliederschwund zu stoppen. Zum einen muss sich der Verein über den Sport präsentieren. Dafür sind aus meiner Sicht Erfolge und eine moderne Schießanlage mit zeitgemäßer Ausrüstung nötig. Knicklaufgewehre und Kurbelstände ins Freie sind nicht mehr aktuell. Aus der Jugendarbeit habe ich gelernt, dass es schwierig ist Schützen nur über den Sport zu halten und an den Verein zu binden. Deshalb müssen die Vereine versuchen im überfachlichen Bereich zu punkten, indem sie den aktuellen und potentiellen Mitgliedern einen Mehrwert suggerieren, den diese durch ihre Mitgliedschaft haben.

    Diese Punkte sind kostenintensiv, aber effektiv. Wenn ich bei uns in der Gegend in manche Schützenhäuser reingehe und sehe, dass diese in den letzten 30 Jahren nicht mehr modernisiert wurden, nur alte Waffen da sind und sich keiner zuständig fühlt andere zu trainieren und erst recht nicht neue, dann wundert mich gar nicht. Alles nur auf den demographischen Wandel zu schieben ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn ich sehe wie viele Mädchen in den letzten Jahren mit Fußball angefangen haben. Diese (und andere) Jugendliche haben wir an Trendsportarten verloren und müssen nun versuchen sie zurückzuholen.

  • Alles nur auf den demographischen Wandel zu schieben ...

    - gerne auch verstärkt durch den Hinweis, dass es 'allen' Vereinen so gehe X(

    Deshalb müssen die Vereine versuchen im überfachlichen Bereich zu punkten, indem sie den aktuellen und potentiellen Mitgliedern einen Mehrwert suggerieren, ...

    - suggerieren => anbieten

    Ansonsten full ack. Interessenten / potentielle Neumitglieder sollten spüren, dass sie dem Verein wichtig sind. Licht einschalten und Gerät in die Hand drücken sind notwendig, aber nicht hinreichend.

    Jede Schießsport-Disziplin hat ihre Existenzberechtigung. Zusammenhalt ist wichtig - über die Grenzen von Disziplinen und Verbänden hinweg.

  • - gerne auch verstärkt durch den Hinweis, dass es 'allen' Vereinen so gehe X(

    - suggerieren => anbieten

    Ansonsten full ack. Interessenten / potentielle Neumitglieder sollten spüren, dass sie dem Verein wichtig sind. Licht einschalten und Gerät in die Hand drücken sind notwendig, aber nicht hinreichend.


    Es geht nicht allen Vereinen so. Wir haben seit 1995 rund 65 % Mitgliederzuwachs und haben uns seitdem von der Mitgliederstruktur starkt verjüngt. Ca. 100 Mitglieder haben wir in diesem Zeitraum durch Tod oder Austritt verloren. Gleichzeitig haben wir aber rund 200 neue hinzugewonnen.

    Bei dem letzten Punkt sprichst du etwas ganz wichtiges an. Es fehlt aus meiner Sicht in vielen Vereinen (nicht nur Schützenvereinen) an geeigneten Übungsleitern, die sowohl für Anfänger, als auch für Altmitglieder ein regelmäßiges Training anbieten und sich dafür auch verantwortlich fühlen. Es gibt auch Übungsleiter, die zwar den Schein haben, sich aber zu fein sind mit Neuen an den Stand zu gehen und lieber im Vereinslokal sitzen bleiben. So was sollte nicht passieren!

  • Hallo Michael,

    leider gibt es m. E. in vielen Vereinen und Verbänden neben den Übungsleistern auch etliche andere Funktioner die mehr Schein als Sein hervorbringen und ihre Wertvorstellungen ausschließlich auf sich beziehen und es damit unmöglich machen in der Außenwirkung einen attraktiven Mehrwert für gegenwärtige und zukünftige Vereins- und Verbandsmitglieder zu generieren.

    Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen. Toll wäre es, wenn die Entwicklungen in Deinem Verein im Detail auch als "ein Beispiel" für erfolgreiche Vereinsarbeit in "Ziel im Visier" auftauchen würde, als Mutmacher und vielleciht auch "zum Nachahmen geeignet".

  • Was die Mitgliederzuwächse angeht ist unser Sportschützengau mit 8 Prozent oft Spitzenreiter in Oberbayern. Was machen wir anders? Ich vermute die größten Pluspunkte sind sicherlich perfekt organisierte Wettkämpfe (Rundenwettkampf mit 119 Mannschaften und Nachwuchsrunde mit 48 Mannschaften, Sommerbiathlon mit 26 Mannschaften, Gauschießen mit 1000 Teilnehmern, Gaumeisterschaft mit 549 Teilnehmern, etc.) und generell eine ziemlich straff organisierte Verwaltung.

    Gerhard Seemüller

    „Great minds discuss ideas;
    average minds discuss events;
    small minds discuss people.“

  • " ... unser Sportschützengau ..." = ???

    8% Zuwachs = in welchem Zeitraum?

    Ich vermute, dass die Steigerung im Wesentlichen durch die Sommerbiathleten und Bogenschützen begründet ist. Ist die Annahme richtig?

  • Ich zitiere mal einfach den Originaltext: „Bei der Jahresversammlung des Bezirkes Oberbayern wurde der Gau Schrobenhausen zudem für die erfolgreiche Jugendarbeit positiv erwähnt und konnte nach 2009 erneut den Mitgliederpreis des Ehrenbezirksschützenmeisters Niedermeier erringen. Hier kommt es darauf an im Geschäftsjahr, in diesem Falle 2009, sowie in den letzten drei Jahren die größten Zuwächse bei den Mitgliedern verzeichnen zu können. Während zwei Drittel der 30 Gaue, bei den Schützenmitgliedern teilweise drastische Rückgänge hinnehmen mussten, zeigte der Sportschützengau Schrobenhausen mit 8,01 Prozent Zuwachs aus den genannten Zeiträumen die mit Abstand beste Mitgliederentwicklung. Der Zweitplatzierte, der Gau Weilheim, lag mit 4,11 Prozent Zuwachs schon deutlich zurück.“

    Das bedeutet bei 8 Prozent / 3 Jahren wohl einen Mitgliederzuwachs von 2,7 Prozent / 1 Jahr. Wir haben hier zwar einen sehr aktiven Bogensportverein, der allerdings mit ingesamt 59 Mitgliedern (Erst- und Zweitmitglieder) nicht wirklich ins Gewicht fällt, beim Sommerbiathlon starten die gleichen Schützen wie auch bei Nachwuchsrunde oder Rundenwettkampf.

    Gerhard Seemüller

    „Great minds discuss ideas;
    average minds discuss events;
    small minds discuss people.“


  • Nicht nur in Deutschland taugt der Sportentwicklungsbericht nicht viel und weist schwere und schwerste methodische Mängel auf.
    Interessanterweise gibt es ähnliche Kritik auch in Großbritannien am dortigen Bericht (was vielleicht etwas über den akademischen Zustand der Sportwissenschaft, verglichen mit den Standards und Anforderungen in anderen Gesellschaftswissenschaften, aussagen könnte). Niemand anders als der BBC Sports Editor David Bond formulierte gerade erst:
    "Then there is the difficulty of measuring the country's sporting habits.
    The existing Active People survey is deeply flawed. Data is collected by researchers who call people on their home landlines. I don't know about you but every time my home phone rings I ignore it, fearing it will be someone trying to sell me something.
    How accurate is the information being gathered and should ministers be basing such critical spending decisions on it?
    And even if the information is reliable, how do you measure if someone is sporty? Does playing football once a week compare with three half-hour sessions at the gym? Is walking a sport?"
    Quelle: BBC - David Bond: Securing Olympic legacy proves tricky task

    Carcano

  • Hallo Carcano,

    die Überschrift in diesem Thread lautet "Mitgliederentwicklung im Deutschen Schützenbund".

    Hier würde eher eine Aussage zur Statistik Entwicklung des Mitgliederbestandes von Schützen/innen in Großbritanien passen.

    Kannst Du uns dazu vielleicht eine verständliche Information (egal ob wissenschaftlich oder eher unwissensaftlich) anbieten?

    Geht es den britischen Sportschützen/innen und deren öffentliche Wahrnehmung noch schlechter als uns?

    Werden die olympischen Spiele in London mit den schießsportlichen Disziplinen das öffentliche Bild vom Schießsport positiv beeinflussen?

  • Die Internetpräsenz "Ziel im Visier" stellt einen Bereich "Themen und Tipps. - Von Vereinen für Vereine." bereit. Bislang ist das dortige Angebot noch sehr übersichtlich :S. Evt. mag das daran liegen, dass diese Seite noch nicht lange online ist (lt. Quellcode wurde sie am 21.06.2012 erst generiert oder letztmalig angepasst)?
    Wenn es aus Euren Vereinen etwas Berichtenswertes gibt - regt doch bitte an, es dort einzureichen.

    Jede Schießsport-Disziplin hat ihre Existenzberechtigung. Zusammenhalt ist wichtig - über die Grenzen von Disziplinen und Verbänden hinweg.

  • Hallo Miteinander,

    wenn ich das hier so durchlese von wegen Mitgliederentwicklung und sowas - da braucht man sich nicht wundern.

    Als ich vor 32 Jahren angefangen habe mit Schiessen hatten wir bei uns im Verein so zwischen 70 und 80 Mitglieder, davon eine ziemlich starke Jugend mit 15 Jugendlichen.

    In den Jahren danach ist die Mitgliederzahl sukzessive zurückgegangen, vor etwa 12 Jahren hatten wir den Tiefpunkt erreicht mit 30 Mitgliedern! Da war unsere Existenz als Verein bedroht, da gibt es nichts zu beschönigen.

    Der Hauptgrund dürfte darin liegen, daß wir keine wirkliche Jugendwerbung und Jugendarbeit betrieben haben.

    Seit ich vor ca. 12 Jahren das Amt des Jugendleiters übernommen habe, geht es bei uns stetig bergauf. Wir hatten Anfang dieses Jahres etwa 50 Vereinsmitglieder, 3 neue sind dieses Jahr bereits dazugekommen, 2 sind in der "Pipeline", davon tritt eine definitiv ein nächsten Mittwoch.

    Warum? Weil ich mir den Hintern aufreise für die Jugend. Unterstützung von anderen älteren Schützen bekomme ich nur von unserem Wirtschaftsführer. Meinen Vorstand kann man in der Pfeife rauchen, wir haben aber niemand, der das Amt übernehmen würde und deshalb belassen wir ihn im Amt als Repräsentant und mehr eigentlich auch nicht.

    Ich habe uns dieses Jahr für 3 Tage Sommerferienprogramm angemeldet, der erste Tag war sehr schlecht besucht mit 2 Jugendlichen und ich habe das Programm trotzdem durchgezogen. Beim zweiten Tag habe ich bisher noch keine Anmeldung, für den dritten Tag haben sich bereits 6 Interessten (!) angemeldet und der Unkostenbeitrag wurde auch bezahlt!

    Ob da welche hängenbleiben? Keine Ahnung. Wenn nicht habe ich halt Geld verpulvert, aber ich habe Werbung gemacht. Wenn wir dadurch schon keine Mitglieder bekommen kann ich wenigstens sagen, daß ich den Schiesssport positiv dargestellt habe in der Öffentlichkeit.

    Und viele meiner jetzt zum Großteil 20-22jährigen laden Bekannte mal zum Probeschiessen ein und fast jeder ist begeistert. Negative Worte? So gut wie keine.

    Verlasst Euch nicht auf Verbände - macht selber was.

    Und ich bin der festen Überzeugung, daß jeder Schützenverein, der Mitgliederprobleme hat, selber schuld ist.

    Gruß

    Andreas

  • Warum? Weil ich mir den Hintern aufreise für die Jugend. Unterstützung von anderen älteren Schützen bekomme ich nur von unserem Wirtschaftsführer. Meinen Vorstand kann man in der Pfeife rauchen, wir haben aber niemand, der das Amt übernehmen würde und deshalb belassen wir ihn im Amt als Repräsentant und mehr eigentlich auch nicht.

    Hallo,
    als ich 1978 als Jugendsportleiter anfing ging es mir ähnlich wie dir. Ab 1985 änderte ich die Sache, die Feriepassaktion wurde eingeführt und ich fragte einige Mitglieder ob sie mich unterstützen.
    Die Gelder die den Helfern zu stand, bekam ich für unsere Jugendabteilung zur Verfügung. Es ging sehr schnell ich hatte im Schnitt 20 Jugendliche. Ab 1991 wurde ich 1. Vorsitzender des Vereins, bei mir stand und steht bis heute die Jugendarbeit an erster Stelle. Dieses Amt fülle ich heute noch aus mit dreijähriger Unterbrechung. Wir haben gute Sportleiter die sich um den Nachwuchs im Jugend und Erwachsenenbereich kümmern und ich trainiere unsere jungen Leute im Sportschießen nach wie vor. Natürlich hatten auch wir im laufe der Jahre die Eine oder andere Durststrecke, aber zur Zeit läuft es sehr gut, ich habe 14 Jugendliche und zwei auf Warteschleife. Dann 52 Erwachsene ebenfalls zwei auf Warteschleife. Das Schöne ist, wir kriegen auch im Erwachsenenbereich wieder junge Leute und
    der Trend der Überalterung geht langsam zurück. Ich finde deinen Einsatz große Klasse mach weiter so, aber such dir Verbündete, Du bist auf den richtigen Weg.

    Gruß Kogge