„go4hundred“ // Tagebuch eines Neueinsteigers // Kapitel 2

  • Liebes Tagebuch, Liebe Mitleser,

    willkommen im 2. Kapitel meines Tagebuchs…

    für alle die mich nicht kennen ein kurzes „Was bisher geschah“:
    Ich bin ein später Neueinsteiger an der Luftpistole. So habe ich vor 3 Jahren als einsamer Hobby-LP-Schütze in einem Großkaliberverein angefangen. Dort war ich immer alleine und habe versucht die Mitte zu treffen. Vor fast genau einem Jahr habe ich dann mal in diesem Forum unter dem Beitrag (Orientierungswerte (Ringe) 10m LP freistehend) die Frage gestellt ob es Sinn macht dass ich mit meinen Ergebnissen mal an einem Kreis-Liga-Wettkampf teilnehmen sollte. Darauf wurde ich recht schnell in einem Verein in die Landes-Oberliga-NRW als Stammschütze rekrutiert. Meine Leidenschaft war geweckt und ich wollte mehr erreichen… Musst aber viel lernen, konnte erste Erfolge feiern und musste die ein oder andere Enttäuschung wegstecken.

    Wer Lust hat „den ersten Teil meines Wege“ zu verfolgen - hier ist der Link: Orientierungswerte (Ringe) 10m LP freistehend

    So, nun beginnt der 2. Teil meiner Reise: Ich werde ab diesem Jahr mit meiner Mannschaft Pier 2000 an der Rheinlandliga teilnehmen. Zudem wurde ich vor 3 Wochen als Ersatzschütze unserer ersten Bundesliga-Mannschaft gemeldet.
    Welch eine Ehre!!!

    Nun startet also mein zweites Jahr in einer Liga und es wird Zeit noch ein Schippe Ehrgeiz draufzulegen… Ich freue mich über jeden der Lust hat mich und meine Reise hier zu begleiten. Das Ziel der Reise ist nun klar: in einem Wettkampf 400x die Mitte zu treffen….



    Mal sehen wie nah ich an dieses Ziel kommen werde…

    Nun gilt es aber erstmal nach fast 4 Wochen Urlaub (fast ohne Training) die Kraft wieder aufzubauen. Es ist unglaublich wie schnell die Haltekraft und Griffkraft aus dem Körper entschwindet, wenn man nicht konsequent am Ball bleibt. Ich war am Donnerstag so frustriert, wie schnell die Konzentration, die Kraft und die Disziplin entschwunden ist. Da gilt es erstmal wieder das Training zu intensivieren.

    In dem Sinne! Rock & Roll! Die Saison startet bald!
    Habt ein schönes Wochenende!

  • Wird eine lange Reise, eine Vereinskollegin hat mal 392 Ringe im RWK geschafft und das hat trotz Talent schon ein paar Jahre gedauert 🥱

  • Wird eine lange Reise, eine Vereinskollegin hat mal 392 Ringe im RWK geschafft und das hat trotz Talent schon ein paar Jahre gedauert 🥱

    Früher war die Rede davon, dass es sechs bis acht Jahre braucht, um auf Nationalmannschaftsniveau zu kommen.

  • Gestern konnte ich die Bundesliga-Mannschaft aus Pier das erste Mal zu einem Wettkampf begleiten. Was ein cooles Erlebnis vor Ort. Leider haben wir gestern gegen Kriftel verloren, aber dafür heute das Duell gewonnen.

    Für mich war es dennoch ein cooler Tag mal Live dabei zu sein. Ist doch ein wenig mehr Zuschauer und Tamtam, als in der Landes-Oberliga-West was der Kopf da so verdauen muss :) Aber bis dahin ist es ja noch etwas hin. War aber sehr cool auch andere Schützen von den DSB-Workshops und auch Margit Höller selbst wieder zu sehen.

    Leider war gestern Abend schon wieder die Rückfahrt für mich geplant, aber so konnte ich heute morgen ins Früh-Training gehen. Und die letzten 2 Wochen mit hartem Kraft und Haltetraining scheinen sich auszuzahlen. Die Ruhe und die Kraft kommt zurück und die Streukreise werden wieder enger. So kann’s weiter gehen.
    Schon schlimm was 4 Wochen Urlaub da so anrichten…



    Dazu habe ich doch nochmal mein Tec-HRO Abzugszüngel gegen den Lottes Puter getauscht und der längere Hebel hilft mir das Druckpunktgewicht weniger zu spüren.
    Die 135g Untergrenze von Walther führt bei mir zu Wacklern beim Abzug. Gefällt mir ehrlicherweise garnicht mehr. Mit dem neuen Züngel geht es besser, aber das ist auch noch nicht optimal. Schade eigentlich, denn ich finde die Walther LP500 Optisch echt ein Highlight. Aber das der eAbzug nicht weiter runter geht… eigentlich unvorstellbar.

    Daher habe ich mir nun die Steyr LP10Evo SX bestellt. Zum einen da ich an dieser das Abzugsgewicht endlich unter diese Grenze bekomme. Zum anderen auf Grund des Drucksensors. Mals sehen ob und was mir das bringt. Aber bevor ich das dann testen kann muss ich erstmal meinen Griff von Meshpro auch für die Steyr anfertigen lassen.

    Wird also noch etwas dauern, aber ich glaube dass auch dieser der Weg sich lohnen wird.

    Jetzt muss ich erstmal schauen wie ich so viel wie möglich Technik und Krafttraining in meine Woche bekomme, ohne dass ich die Sehnen zu sehr überreize, da es nächste Woche ja schon mit den ersten Liga-Duellen losgeht.

    Aber es geht immer mehr in die richtige Richtung… also näher an die 400 ;)
    Habt ein schönes Wochenende!

  • Liebes Tagebuch, Liebe Mitleser,

    es gibt Fortschritte zu vermelden. Ich arbeite seit dem Urlaub unfassbar hart an meinem ehrgeizigen Ziel der 400 Ringe und meiner Vorbereitung für die kommende Liga-Saison. Und: die Dinge kommen nun langsam aber sicher zusammen.

    Die Jungs von Meshpro waren haben mir meinen angepassten Griff eingescannt und daraus ein echtes Schmuckstück gefertigt und haben mir sogar noch Sonder-Individualisierungen eingearbeitet. Wirklich der Hammer! Im Bereich der Finger (vorallem dem Mittelfinger) habe ich aber nochmal mit MDF-Kit perfektionieren müssen. Die Mesh-Struktur war mir persönlich hier zu grob und ich hab nun eine perfekte Fingerlage. Der steilere Griffwinkel und die ganzen Optimierungen machen das echt zu einem perfekten Griff (für mich). Auch die nun noch bessere passende Handkantenauflage gibt deutlich mehr Stabilität. Und verhindert nun mein durchsacken des Kornes beim Schuss. Fühlt sich einfach toll an!

    Die Kraft in den Armen, Handgelenken und Fingern, die ich durch den Urlaub etwas abgebaut habe ist nun wieder da. Das gibt Stabilität & Vertrauen. Quäle mich hier aber auch jeden Tag mit diversen Folterinstrumenten. Aber: Es hilft spürbar. Man darf es nur nicht übertreiben…

    Die Schießbrille/Sehschärfe ist nach wie vor mein Schwachpunkt. Ich habe nun 1 Woche versucht mir die Irisblende abzutrainieren. Zu erst mit tollen Erstergebnissen, die wurden dann aber schnell wieder schlechter, da mir es mir nicht möglich war so scharf Kimme und Korn zu sehen, dass ich den Focus-Lock hinbekommen könnte. Also Irisblende wieder dran und nicht ganz geschlossen und es wird deutlich besser. Aber: auch weil ich nun lerne meiner Kimme/Korn/Spiegelkoordination immer mehr zu vertrauen. Nicht jedes Mal (dann wird es eine 9) aber immer öfter, dann wird es eine 10. Das Gefühl dabei ist aber wirklich irre, wenn man weiß dass das so gut abläuft dass man darauf vertrauen kann. Es ist nocht nicht automatisch und komplett unterbewusst… Aber langsam auf dem Weg dahin, bzw. in die Richtung.

    Zudem lerne ich die Spannungen in meinem Körper im Anschlag besser wahrzunehmen und weniger gegen die eigenen Muskeln und Sehnen zu arbeiten. Das klappt immer besser und die Korrekturen von mir werden immer präziser und kleiner.
    Noch nicht perfekt, da ich mir leider ein paar Sachen falsch antrainiert habe, aber ich merke was ich besser anpassen sollte. Geht also auch seinen Weg.

    Bleibt noch die mentale Lernkurve: Ich schaffe es nun wirklich immer öfter fokussiert von Anfang bis Ende des Schusses (langes Nachzielen/schießen und abgesetzte LP auf dem Tisch) fokussiert zu bleiben. Und bleibe auch mehr bei mir und dem Moment.
    Es wird besser. Mal sehen wie sich das dann im nächsten Wettkampf verhält.

    Und in Summe sahen dann die letzten 60 Schuss heute (von ca. 250) so aus: erste 40 = 378 und bei erreichen der vollen 60 = 568. Und das beste daran war… bei den meisten Schüssen konnte ich spüren was noch nicht ganz rund war. Die beiden 8er waren meine Freude über die vorherigen guten 10er Runden. Habe ich nicht aus dem Kopf bekommen. Genauso wie ich bei Schuss 30-40 nur noch dachte: hey, das gibt heute mal >380… Hätte es ja auch fast, wenn ich nicht so viel darüber nachgedacht hätte.


    Ich muss noch etwas an der Vertikalstreuung arbeiten. Aber das klappt schon noch. Aber das beste am ganzen Training heute war wie ich spüren kann dass die Dinge zusammenwachsen und ich zu 100% weiß: das geht noch besser… wenn ich dran bleibe.

    Daher an alle die Mitlesen und vielleicht selber eine Reise zu einem Trainings- oder Wettkampf-Ziel haben: bleibt dran! Es lohnt sich und all die harte Arbeit und Disziplin wird sich auszahlen.

    400 Ringe bei 40 Schuss sind verdammt schwer zu erreichen. Aber unmöglich ist das nicht. Und wie immer gilt: der Weg dahin ist das Ziel :)

    Ich wünsche Euch viele 10er!

    Ach ja, und bevor es mal wieder einer schreibt: ich weiß, dass die nächste Lern- und Entwicklungsetappe für mich darin liegt das 400er Ziel nicht mehr zu verfolgen um es überhaupt erreichen zu können :) Also unnötig es zu schreiben ;)

  • Deine Fortschritte sind beeindruckend und eine Motivation für jeden Anfänger und Fortgeschrittenen, sich intensiv diesem Sport zu widmen und die Früchte harten Trainings zu ernten. Danke und weiter so!

    Der Bundesligarekord liegt bei fabelhafen 399 Ringen. Da geht noch was :D

  • Hallo Hawkeyes.177,

    Ich muss wirklich sagrn so wie du das ganze Thema angegangen bist, grosse Klasse und ich bewundere deinen Ehrgeiz und Disziplin sehr.

    Du bist tatsächlich mit der Grund warum ich dieses Jahr im Mai mir eine Lupi gekauft habe und angefangrn habe mit 52 Lupi zu schiessen.

    Bin seit dem ehrgeizig dran und es läuft auch recht gut. Virlleicht schreibe ich msl was darüber. Jedenfalls vielen Dank dafür, ohne deine Berichte wäre ich nur beim Grosskaliber geblieben und hätte nie mit der Lupi angefangen.

    LG Grollbringer

    Steyr EVO10e :successful:

    Walther LP500 Expert E:)

    Walther GSP Expert:/

    CZ Taipan^^

    Walther Q5SF 8)

  • Hi zusammen,
    danke für Euer tolles Feedback und mich freut es wirklich sehr, wenn ich mit meinen Erlebnissen und Erfahrungen jemandem Lust mache die Luftpistole zu entdecken. Oder auch wenn ihr mich anschreibt und ich meine Erfahrungen weitergeben kann. Das freut mich wirklich sehr!!! Unser Sport hat viel zu wenig Beachtung! Das sollten wir ändern!

    Ich hab nur heute dafür nicht wirklich beitragen können, sondern meinen ersten Auftritt im Rahmen der Bundesliga mit einem satten Bauchklatscher erlebt. Wow, war das mies… :) Detailbericht folgt gleich…
    Ganz lieben Dank für das tolle Feedback! Das freut mich wirklich sehr!
    VG

  • Liebes Tagebuch, Liebe Mitleser,

    heute hat mein Höhenflug mal eine ordentliche Bauchlandung gemacht. Hochmut kommt bekanntlich ja immer vor dem Fall und ich glaube das die Reise zur 400 eine deutlich längere werden wird. Es war schmerzhaft aber lehrreich…

    Aber der Reihe nach: Am Donnerstag haben wir das letzte Training vor dem Bundesliga-Wochenende absolviert und Probeduelle gemacht. Es lief ganz passabel und auch wenn ich den Duell-Druck gespürt habe konnte ich mich ganz gut halten und gewinnen. Das hat in so fern Mut gemacht, da ich für dieses BL-Wochenende als Ersatzschütze benannt wurde mit einer durch aus realistischen Chance einspringen zu dürfen / zu müssen.

    Also hab ich dann gestern mein Equipment gepackt, die Kartuschen aufgeladen und meinem neuen Meshpro-Griff nochmal eine intensive Bearbeitung der Fingerauflagen unterzogen um besser greifen zu können (Achtung: Spoiler: das war eine sau dumme Idee!!!). Dann alles eingepackt fertig für den ersten Einsatz gemacht.

    Heute Mittag war dann der Bundesliga-Wettkampf in meinem Verein (Pier). Wir haben uns vor dem Mannschaftstraining getroffen und ich konnte heute endlich meine neue Vereinskleidung stolz in Empfang nehmen. Endlich :)

    Um 13 Uhr ging es zum Training. Ich hab mich vorher aufgewärmt, etwas isoliert um die Gedanken zu beruhigen und den Puls unten zu lassen. Hat soweit ganz gut geklappt. Am Schießstand dann alles ausgepackt, den Stand eingenommen und eine runde Trockenabzüge gemacht. Aufregung war da, aber noch im Rahmen.

    Dann der erste scharfe Schuss. Ablauf war recht ruhig und auch das Visierbild war ruhig. Abzug fühlte sich gut an und nachgezielt hatte ich auch. Dann der Blick auf den Monitor: eine tiefe 4 (mittig)! Ob wohl ich richtig im Halteraum war.

    Zack sofortig Verunsicherung und Panik im Kopf. Puls ging rauf, die Gedanken rasen und die Hand zitterte. Den nächsten Schuss aus Reflex dann zu hoch angesetzt und es wurde eine hohe 3. Danach ging es wieder runter unter den Spiegel. Egal was sich gemacht habe, die Schüsse waren zu tief. Ergebnis der ersten 10 Schuss: 55 Ringe. Von der Ruhe, der Atmung, der Steuerung der Gedanken keine Spur mehr. Alle Ablaufdisziplin war im Eimer.



    Nach kurzes Austausch mit dem Coach und durchatmen wieder mit neuem Mut an den Stand. Wieder zu tief. Und ich war total verunsichert, da die Hand zwar sehr unruhig war und auch zitterte. Aber nicht so schlimm wie es die Schussergebnisse waren. Daher hab ich dann am Griff an der Handauflage verstellt, da ich dachte dass mir beim Schuss das Handgelenk durchsackt. Ergebnis der zweiten 10er Serie: 57 Ringe. Jeder Funken Selbstvertrauen war nun komplett im Eimer. Alles weg.



    Wieder versucht mich zu beruhigen. Und mit neuen Mut zur dritten Serie: wieder 5 tief! Dann eine 3 tief! Danach folgte ein 5 und eine 6…Was zu Hölle war das los…? Dass ich durch das zittern der Hand eine Streuung im 7er Raum haben musste… OK. Aber 3er und 5er?

    In meiner totalen Verzweiflung habe ich wie ein verrückter die Visierung verstellt. Der Gedanke war: egal was ich gerade falsch mache… Es scheint sich nicht zu ändern, dann lieber alles verstellen und dadurch weiter oben streuen. Erst 10 Klicks und dann noch weitere Male. Und ich hab das erste mal den Spiegel getroffen. Erst eine 8, dann eine 9.

    Dritte Serie wurde dann eine 69. Aber immerhin mit ersten Treffern im Spiegel.

    Die erste 10 kam mit dem 34. Schuss und es wurde etwas besser. Zwar haben meine Schüsse immer noch gestreut ohne Ende, aber im Spiegel und es wurde etwas besser. Ergebnisse der Serien 4+5 = 84 und 86. Mehr hätte ich nach meinen Mentalen Höllenqualen der ersten 3 Serien auch nicht erwarten können.



    In der letzte Runde habe ich mich dann fast wieder gefangen. Mit den ersten 4 Schuss habe ich 39 Ringe getroffen. Endlich… ENDLICH! Leider war die Zeit dann schon fast rum und es wurde zum Ende hektisch und wackliger. Aber 74 Ringe bei 8 Schuss. Dh. Es wäre vielleicht über 90 ausgegangen.

    360-366 Ringe im Training, das hätte ich mir für heute erhofft. Aber leider hab ich mir das selbst so gründlich vermiest. Warum? Erinnert Ihr Euch noch an den keinen Spoiler mit dem Griff, den ich gestern Abend noch intensiv verarbeitet habe? Da habe ich den Meshpro Griff vom System getrennt und das erfolgt über eine seitliche Schraube, die die Hülse fixiert. Das kann aber dann in der Höhe variieren und vermutlich hab ich mir auch die Kimme bei der Bearbeitung auch verstellt. Erst mit >15 Klicks bin ich überhaupt auf dem Spiegel gelandet.

    Ich hätte heute so aufgeregt bestimmt keine Meisterleistung abgelegt, aber meinen ersten Bundesliga-Auftritt (auch wenn es nur ein Training war) hab ich mir ehrlicherweise anders vorgestellt. :(

    Naja, was lernen wir daraus:

    01. Training und Wettkampf sind eben doch mental stark unterschiedlich und ich habe meine Dämonen leider immer noch nicht besiegt.

    02. Niemals, niemals, niemals vor dem Wettkampf etwas an der Waffe, Brille oder Ausstattung ändern, wenn man das nicht ausgiebig erproben kann. Niemals!!!

    03. Selbst in der größten Verzweiflung sollte man nicht seinen Schuss-Rhythmus verlassen und sich von der Verzweiflung treiben lassen

    04. Mut nicht verlieren, Krone richten, weiter an sich arbeiten

    Klar, so ein Bauchklatscher tut weh, aber so langer das Bein oder der Hals nicht gebrochen ist… Kann’s beim nächsten mal nur besser werden. Nächsten Sonntag ist die nächste Chance… Rheinland-Liga. Da verstell ich dann nix mehr vorher.

    Ich geh mich jetzt in den Schlaf jammern… Gute Nacht Euch :)

  • Hi Hawkeyes.177,

    Ich hatte gestern die Gelegenheit, mir das Training und die Matches auf Sport Deutschland TV anzuschauen. Da habe ich doch beim Training der Pierer auf Stand 11, das beobachtet was Du geschildert hast. Wuste nur nicht das Du das bist. Ist sehr interessant, jetzt mit deinem Bericht das gesehene zu ergänzen. Da wird doch einiges klarer.

    Danke und ich bin gespannt wie die Geschichte weitergeht

    LG Grolli

    Steyr EVO10e :successful:

    Walther LP500 Expert E:)

    Walther GSP Expert:/

    CZ Taipan^^

    Walther Q5SF 8)

  • Dann der erste scharfe Schuss.

    Hi Hawkeys,

    Das war Probe?
    Es ist natürlich überhaupt nichts rund gelaufen, von den maximalen negativen Möglichkeiten hast glaub alle probiert.
    Das hat jeder am Anfang erfahren müssen in irgend einem Stadium.
    Du hattest es jetzt einmal gekostet, nächstes Mal brauchst das nicht nochmal, ist abgehakt.
    Deine Erkenntnisse 1-4 zeigen das Du auf dem richtigen Weg bist.
    Ich denke man sollte auch gedanklich schon in die Probe rein gehen, weniger mit Erwartungen sondern mit dem Analyse Gedanken. So nach dem Motto jetzt erstmal Probe die nutze ich jetzt…..

    Man hat bei Wettkämpfen meist eine andere fremde Umgebung, Grundanspannung, also äußere und innere andere Gegebenheiten je nach Örtlichkeit und Wertigkeit des Wettkampfes.
    Man kann auf Wettkampfstätten treffen wo die Bedingungen weit ab von den eigenen bevorzugten Bedingungen liegen, dann muss man da souverän mit umgehen und nicht im Frust ertrinken.
    Du musst Dich so Programmiert bekommen das eine Probe ausreicht um klare Verhältnisse herzustellen in diesen Bedingungen die jetzt und hier herrschen. Man hat in der Regel die Zeit und die Schüsse dazu.
    Schuss für Schuss zu schauen wie nähere ich mich an MEINE gewollten Voraussetzungen.
    Die letzten 2-3 Probeschüsse bestätigen den Weg.
    Ist manchmal leichter gesagt als getan.
    Frage an der Stelle warum bist Du gleich so hoch eingestiegen, und hast nicht ein zwei Liegen darunter Erfahrung gesammelt, oder hast Du?

    No.limits

    Steyr EVO/E
    Match Gun MG2E / MG5E
    Felix Team 45 ACP
    SIG 210/6 Full Race Gun, Oschatz

    Ich habe Ecken und Kanten nur eine Null hat keine!

  • Hi zusammen,

    ja, in der Übertragung aus Pier ist mein Leidensweg auf Stand 11 ab 1h 50 zu sehen.

    Werde ich mir als persönlichen Horrorfilm gut abspeichern. :)

    Bin letztes Jahr mit der Landesoberliga-West gestartet. mit einem anfangs recht deutlichem Training/Wettkampf-Delta, das ich aber nach und nach etwas schließen konnte.

    Durch den Wechsel zu Pier und stetig steigende Ergebnisse starte ich dieses Jahr in der Rheinlandliga. In der BL bin ich als Ersatzschütze, daher auch das Training gestern.

    Heute Morgen beim (Einzel)Training lief es nach einen Verstellungen der Visierung wieder rund.



    Das Traurige ist nur, dass ich spüre wie mein frisch gewonnenes Selbstvertrauen im Halteraum unter der Nummer gelitten hat und ich wieder die Unterkante des Spiegels suche und ich wieder mehr Aufmerksamkeit auf der Kimme Korn Ausrichtung habe, als auf dem Abzug. Das hat es spürbar gelitten und ich hoffe das schnell wieder aufzubauen.

    Naja, ich werde mich schon wieder gefangen bekommen.

    Schönen Sonntag Euch :)

  • Werde ich mir als persönlichen Horrorfilm gut abspeichern. :)

    Nein……..

    Abhaken und die Dinge speichern die funktioniert haben und mit welchen Maßnahmen.
    Diese Gedanken und Erinnerungen müssen der Nährboden für positives Denken sein.
    Damit die Gedanken einen positiven Fluss bekommen haben oder bekommen werden.

    Nicht an das Rosarote Schwein im Vorgarten denken.
    Das Unterbewusstsein kennt das Wörtchen NICHT, nicht.
    Du kannst NICHT nicht ausblenden, das ist eine Grundlage von diesem ominösen positiven Denken von dem alle reden aber die wenigsten es verstehen und damit umgehen können.

    No.limits

    Steyr EVO/E
    Match Gun MG2E / MG5E
    Felix Team 45 ACP
    SIG 210/6 Full Race Gun, Oschatz

    Ich habe Ecken und Kanten nur eine Null hat keine!

  • So ein persönliches Waterloo muss man abhaken und nach vorne schauen.

    Ich glaube solche Erlebnisse hat jeder hinter sich. Der erste hochklassige Wettkampf, das erste mal auf einer großen Meisterschaft usw.

    Immer dran denken, du kannst es. Du musst „nur“ schießen, Wunder kannst du nicht bewirken. Aber manchmal passieren die, da läuft es fast von alleine.

    Die schlechtesten Schützen haben die besten Ausreden.:sobbing: ^^

  • An meiner ersten LM war ich total überrascht und überfordert von dem Trubel und dem ganzen Bohai, so dass ich untergegangen bin wie die Titanic - nur wesentlich schneller :D. Die Eindrücke konnte ich gar nicht verarbeiten und so war ein konzentriertes Schießen für mich gar nicht umsetzbar.

    Aber auch sowas gehört zu den Erfahrungen die man auch mal machen muss, auch wenn man es gerne vermeiden würde. Im Endeffekt kommt es immer drauf an was man mit so einer Erfahrung macht. Lässt man sich davon herunterziehen, oder zieht man seine Lehren, wertet aus und nimmt daraus das Positive und setzt es gewinnbringend für sich ein.

    Und ich denke, dass Du der Typ bist, der durchaus in der Lage ist sein Waterloo als positiven Schub für das kommende umzusetzen. Weiter so :clapping:

    Wenn früher alles besser war, dürfte morgen heute also gut gewesen sein.

  • Naja, was lernen wir daraus:

    01. Training und Wettkampf sind eben doch mental stark unterschiedlich und ich habe meine Dämonen leider immer noch nicht besiegt.

    Hallo Hawkeyes,
    ich möchte einmal mit einer Frage antworten: was genau hast Du denn unternommen, um Deine Dämonen zu besiegen?

    Ich lese hier nur sporadisch mit, weil mich die Flut Deiner Texte zu viel Zeit kosten würde.
    Aber ich kann mich nur an Inhalte zur Schießtechnik erinnern.
    Und da baust Du meiner Meinung nach voll und ganz auf Deiner überragenden Halteruhe auf.
    Noch engerer Visierspalt, noch mehr Gewicht auf den Vorzug und und und.

    Und, ist Dir diese Halteruhe ein Fundament im Wettkampf?

    Eher nicht.

    Du musst Dir eine Schießtechnik erarbeiten, die auf Dingen basiert, die Du auch unter großem Stress noch kontrollieren kannst. Die Halteruhe ist aber das erste, was unter Stress leidet.

    Um zur Eingangsfrage zurück zu kommen: was hast Du gegen Deine Dämonen unternommen?
    Ich sehe nur, dass Du sie hegst und pflegst.

  • Hi zusammen,

    ich habe mir gestern dazu viele Gedanken gemacht. Der Auslöser für die Misere war vermutlich der verstellte Griff-Winkel und das damit, egal was ich an Atem/Fokus-Übung versucht habe, wieder zu tief und daneben geschossen habe. Ich denke wäre der erste Schuss eine 9 gewesen wäre es vielleicht anders verlaufen. Wer weiß.

    Aber das eigentliche Problem ist die Panik, Angst, Unruhe und das daher kommende Muskelzittern als die unerwartete schlechte Leistung kam. Hätte ich das nicht gehabt, oder schneller unter Kontrolle bekommen können, wäre mir vielleicht schon nach 5 Schuss klar geworden wo das Problem liegt. Und nicht erst nach 25 Schuss. Das Problem der Unruhe und der daher kommenden Muskelbewehunge habe ich nach wie vor nicht im Griff.

    Aber erstmal was hat gut funktioniert:

    • Isolation vor dem Wettkampf und versuch der ruhigen mentalen Vorbereitung
    • Aufwärmen und Trockenübungen
    • Aufbau am Stand
    • Erster Aufbau äußerer Anschlag und innerer Anschlag
    • Trockenklicks am Stand bis Ruhe in den Gedanken eingekehrt war
    • Erkennen des Problemes (leider spät)
    • Sich wieder zu fangen und die letzten Schüsse auf akzeptablem Niveau zu halten (bis auf Ausreißer)

    Was hat nicht gut funktioniert und braucht noch mehr Zuwendung:

    • Keine Änderungen an der LP vor dem Wettkampf ohne ausgiebiges Training
    • Training in Entspannungstechniken: Progressive-Muskel-Relaxation, autogenes Training Atemtechniken
    • Einbau der PMR in die Aufwärmphase und beim Standaufbau
    • Mantra-Übung
    • Mentale Stop Techniken üben
    • Visueller Reminder (Diabolo Dose)
    • Keine schwachen Schüsse im Training mehr resetten / keine Neustarts.

    Nullinger: ja du hast mit 2 Dingen recht:

    01. dass ich meine Technik gerne in „entspannter“ Umgebung optimiere die dann unter Druck scheitern kann.
    02. dass ich die Dämonen noch nicht besiegt habe.

    Womit du Unrecht hast, ist das ich diese nur hege und pflege. Ich habe den Verein gewechselt um mehr Coaching zu bekommen. Im Verein trainieren wir neben Technik auch immer auf Duelle und Wettkampf. Also auch stressigere Situationen (Ergebnis, Sieg, Zeitdruck) simulieren. Dazu war ich bei 2 DSB Lehrgängen (allgemein/mental), habe mehr auf Technik als Ergebnis geschossen und mich mich mit Entspannungstechniken beschäftigt. Gerade mache ich ein Fernstudium mit einem Coach aus Indien und versuche meine ganze Technik von Kontrolle auf Vertrauen und Fluss umzustellen um dann vielleicht von zählen und messen ganz weg zu kommen. Hier bin ich aber noch ganz am Anfang.

    Aber ja, ich bin damit noch lange nicht am Ende der Reise. Das stimmt natürlich…