Ich habe Felix Einstiegstrainingskonzept für mich zum besseren Verständnis in eine andere Form gebracht und hoffe, dass ich inhaltlich die Vorgaben von Felix richtig wiedergegeben habe: Einstieg Sportschiessen nach Felix.pdf
Ich habe aus dem Konzept 30 Trainingstermine (TT) mit entweder 1-2 TE ermittelt. Unterstelle ich 2 Termine pro Woche, wären das die Trainingsvorgaben für etwa 15 Wochen. Damit lägen wir im Grenzbereich zwischen einem Mesozyklus (4-12 Wochen) und einem Makrozyklus (3-6 Monate). Im ersten Schritt würde den Umfang des Einführungszyklus auf 12 Wochen (24 TT) reduzieren.
Im Konzept sind m.E. die richtigen methodischen Grundsätze erkennbar. Begonnen wird mit dem Anschlag aufgelegt im Sitzen, dieser wird weiterentwickelt zum Stehendanschlag aufgelegt und endet mit dem freistehenden Stehendanschlag. Was mir auch gefällt ist die schrittweise Einführung der Technikelemente Abziehen, Zielen und Atmung.
Das Konzept hat seine Schwächen aus meiner Sicht in der Durchmischung einer Trainingsplanung für einzelene TE und eben der Planung für einen Mesozyklus. Für eine Zyklusplanung sind zuviele Detailhinweise enthalten. Für eine TE-Planung bleibt das Konzept zu oberflächlich. Ich würde die Zyklusplanung in den Vordergrund stellen und dann anschließend schrittweise die einzelnen TE für die jeweiligen TT aufbereiten.
Dazu eignet sich nach meinem Dafürhalten das Didaktische Raster sehr gut. Eine älterere aber grds. noch gültige Version findet sich hier: http://web141.server7.webplus24.de/phpwcms/Trainingsplan-vordruck.pdf
Der Umgang mit einer solchen Planungshilfe ist Bestandteil jeder Trainerausbildung. Auf der Ebene TE-Planung finden sich dann auch die Detailhinweise wieder.
Nun aber noch was zu den inhaltlichen Planungsüberlegungen:
Aus meiner bisherigen Erfahrung im Pistolenbereich kann ich sagen, dass der vorgeschlagene Zeitraum sowohl im Kinder-/Jugendbereich als auch im Erwachsenenbereich zu kleinteilig geplant ist. 20 Trainingsabende nur aufgelegt halte ich nicht für sinnvoll und auch für wenig attraktiv. Für die Technikelemente Abziehen und eingeschränkt auch für das Zielen ist Auflageschießen sehr sinnvoll. Ich würde eher mit Benchmarks arbeiten, die die TN erreichen müssen, bevor die nächste Stufe genommen werden darf. Denkbar ist da z.B.: Leistungskontrolle: 2x 10 Schuss: Alle ins Schwarze an zwei Terminen und wir verlassen die Auflage und nehmen nur noch den Galgen zu Hilfe. Über die Benchmarks kann man die TN nach meiner Erfahrung sehr gut motivieren bei der Sache zu bleiben. Zum anderen bieten diese Leistungskontrollen auch die Möglichkeit das bloße Techniktraining zu verlassen und erste Schritte in Richtung Leistungstraining zu unternehmen. Wettkampftraining wie z.B. Finaltraining ist nichts für Anfänger.
Zum Thema Verwendung von größeren Zielscheiben: Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Nachteil aus meiner Sicht ist das falsche Zielbild was sich bei Verwendung von zu großen Scheiben ergibt. Bei der Pistole passt die Visiereinstellung nicht zum Halteraum nicht. Ich vermute das es auch beim Gewehr Probleme mit dem Ringkorn gibt, wenn die Scheibe das Schwarze zu groß abbildet. Der Vorteil ist nur vorhanden bei Schützen, die am Anfang so gar nicht treffen können. Das sind aber dann meist gravierende Zielfehler, die sich mit größeren Scheiben nur besser sichtbar machen lassen. Ich würde von abweichenden Scheiben daher erher abraten.
Eine Anmerkung zur Vorgaben beim Technikelement Zielen. Hier soll der TN von oben in die Mitte kommen. Dies soll aber kein Zwang sein. Ich kenne das Technikleitbild für den Stehendanschlag nicht. Aber hier dürfte es nur einen Weg geben, wie der Halteraum erreicht wird. Ich war Anfangs bei den Vorgaben durch die Technikleitbilder auch recht locker. Das ist aber aus meiner Sicht keine gute Empfehlung. Wenn man die Technikleitbilder grds. für richtig hält, wüsste ich nur wenig Gründe meinen TN was anderes beizubringen. Anatomische begründete Ausnahmen sind in Ordnung. Änderungen im Nachhinein sind nur aufwändig zu realisieren. Im Hinblick darauf, dass man vielleicht mal einen Nachwuchsschützen in einem Kader vorstellen möchte, sollte man sich im wesentlichen an den Technikleitbilder orientieren. Spätestens die Kadertrainer werden es so machen, oder sollten es zumindest.
Natürlich gibt es TN, die von mir gar nicht wissen wollen, wie sie die Technik ausführen sollen. Da bleibe ich mir dann aber treu: Wenn der Schütze es besser weiß, wie ich, dann braucht er mich auch nicht als Trainer. Ich trainiere ihn dann nicht weiter.
Zusammenfassend hat das Konzept gute Ansätze, aber noch inhaltliche Schwächen. Ich empfehle dazu zum einen an der weiteren Trainerausbildung teilzunehmen als auch entsprechende Fachliteratur zu Rate zu ziehen.
Ob hier im Forum ein entsprechende Weiterentwicklung des Konzepts hin zur Ausführungsreife stattfindet, bezweifle ich.