Also darf ich die Treffer gar nicht sehen wenn ich auf die weiße Scheibe schieße? 
Sorry, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Du darfst die Treffer sehen. Ist auch nur schwer zu verhindern. Man sieht die Treffer auf der Scheibe ja recht deutlich, wenn man hinschaut.
Was ich meinte, bezog sich auf die Wahrnehmung einer entstehenden Schussgruppe nach ca. 20-30 Schuss. Je nach Verteilung der Gruppe und Anzahl der Schüsse, kann die Schussgruppe wie der Spiegel auf der normalen Scheibe beim Schießen wahrgenommen werden. Dann hast Du wieder den Bezugspunkt, den Du auf der weißen Scheibe nicht willst. Daher sollte man die weiße Scheibe auswechseln, bevor dieser Effekt zum tragen kommt.
Ansonsten ist die Frage: "Darf ich mir die Treffer ansehen?" völlig berechtigt. Schaut man sich die Treffer nicht an, dass nennt man das Schießen ohne Beobachtung. Das Gegenstück ist "mit Beobachtung". Grundsätzlich gilt: Je früher in der Saison, desto eher trainiert man ohne Beobachtung. Den Einstieg in die jeweiligen Trainingsinhalte im Techniktraining sollte man lieber ohne Beobachtung schießen. Training ohne Beobachtung erleichtert das Bewegungslernen. Ich entkopple das Ergebnis von meiner Bewegung/Handlung. Auch eine Art Reduzierung der Freiheitsgrade. Besonders bei größeren Technikanpassungen kann es frustrierend sein zu sehen, dass der Umstieg nicht sofort zu verbesserten Ergebnissen führt. Der gesundere Menschenverstand legt einem das nahe: Ich brauche eine substanzielle Anzahl von Wiederholungen, um einen Bewegungsablauf zu automatisieren. Bevor diese Automatisierung zu wirken beginnt, würde ich eher bei Schießen ohne Beobachtung bleiben.
Als Orientierung haben sich bei mir 1.000 Schuss bewährt, um einen Grad an Automatisierung zu erreichen, an dem man dann das nächste Thema aufgreifen kann. Kann man sich wie Blocktraining vorstellen. Ein bis wenige Themen in hoher Intensität. Die Intensität wird nicht über die Schusszahl, sondern über die Qualität der Ausführung gesteuert.
Das würde ich als Grundsatz für das Techniktraining immer empfehlen: Qualität geht vor Quantität. Bei Erarbeitung der Automatisierung ist Techniktraining auch mental sehr fordernd. Gerade weil der Ablauf bisher nicht automatisiert ist, muss der Schütze sich sehr konzentrieren und viel Aufmerksamkeit auf den neuen Ablauf legen. Das ist mental anstrengend. Die Pausen zwischen den Schüssen werden größer, es muss öfter abgesetzt werden, die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Es wird immer schwieriger, den Ablauf wie geplant umzusetzen. Auch wenn die körperliche Kondition weiteres Trainings zulassen würde, ist es nicht zu empfehlen, das Training dann noch fortzusetzen. Die Kompromisse im Ablauf werden zu groß, automatisierte Muster gewinnen die Oberhand. Jetzt würde es kontraproduktiv werden. Das muss man eine Pause machen oder das Training beenden. Im Techniktraining gilt dann: Lieber öfter trainieren als lange am Stück trainieren.
Training mit "Beobachtung" kann auch in einer frühen Phase des Techniktrainings zielführend sein. Allerdings beobachtet man da nicht sein Trefferergebnis, sondern Messdaten, die Auskunft über den Teil der Bewegung geben, die man trainieren will. Man benutzt ein Messsystem als Feedbackgeber im Training. Das kann die Druckverlaufskurve einer Steyr evo 10 E SX sein oder auch die Zielwegskurve eines Scattsystems. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das insbesondere bei Anpassungen des Bewegungsablaufs den Einstieg erleichtert. Als Schütze bekommt man sofort eine Rückmeldung über die Wirksamkeit des eigenen Handels. Der Schütze kann eigenes Handeln und Steuern mit dem gewünschten Ablauf koppeln. In visuell leicht erkennbarer Form, liefern diese Systeme das, was ein Trainer ansonsten an Feedback gegen müsste. Beim Training von Zielen, kann z. B. Scatt Daten liefern, die auch ein guter Trainer nicht rückmelden könnte.
Auch hier gilt: Die richtige Dosis erhöht die Wirkung. Ausschließliches Trainieren an Messystemen führt im Wettkampf zu nicht erreichbaren Perfektionismusansprüchen oder bereits zu Verzweiflung im Techniktraining.
Sorry, bin inhaltlich ein wenig abgedriftet.