Hallo dingo,
es ist sicher richtig, dass die Berichterstattung diesmal etwas weniger heftig ausfiel, weil die Täterin nicht in das von sogenannten Experten immer wieder postulierte Profil passte. Eine gebildete Frau und Mutter mittleren Alters, bei der die Schusswaffe nur ein Werkzeug von mehreren war, dass passt einfach nicht. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass, wenn die Frau keine Schusswaffe eingesetzt hätte, der Fall nur eine kleine Kurzmeldung "wert" gewesen wäre. Erst die legale Schusswaffe einer ehemaligen Sportschützin machte die Taten für die Presse interessant. "Nur" mit Messer und Brandbeschleuniger wäre es eine Beziehungstat gewesen, so aber war es wieder Amok. Zynisch, aber ich vermute leider wahr.
Womit ich aber Schwierigkeiten habe, ist die These vom vermeintlichen Versagen der Behörden. Vor 2003 bestand für die Vereine keine Pflicht zur Meldung ausgetretener Schützen. Die Behörde konnte also gar nicht so ohne weiteres wissen, dass kein Bedürfnis mehr bestand. Außerdem bestand die gesetzliche Forderung zur permanenten Bedürfnisprüfung so noch nicht. Selbst bei Kenntnis des Umzugs und Nachfrage hätte die Frau auch weiterhin die Möglichkeit gehabt, ihr Bedürfnis nachzuweisen, z. Bsp. durch eine Neumitgliedschaft oder aber als Gastschützin. Auch heute noch ist das Bedürfnis nicht unbedingt an einen Verein gebunden. Siehe § 8 WaffG. Wer also hier vom Versagen der Behörden spricht, der fordert damit (indirekt) eine totale Überwachung der Schützen. So eine Überwachung ist aber aufgrund der nur minimalen Missbrauchsrate bei den besonders gesetzestreuen Schützen völlig unverhältnismäßig und verhindert letztendlich solche Taten doch nicht.
Das die Täterin im vorliegenden Fall im Besitz einer legalen Schusswaffe war, spielt meiner Meinung nach auch für die Taten überhaupt keine Rolle. Sie hat nicht nur diese Schusswaffe eingesetzt, sondern auch andere Tatwerkzeuge. Sie hätte ihre Taten mit großer Wahrscheinlichkeit auch ohne diese Schusswaffe ausgeführt. Mit den vorhandenen Brandbeschleunigern hätte sie sogar die reelle Möglichkeit gehabt, in dem Krankenhaus ein Inferno anzurichten, ganz ohne Schusswaffe.
Auch hier wieder, die vorhandene Schusswaffe war nicht die Ursache für die Taten und das Nichtvorhandensein dieser Waffe hätte die Tat mit großer Wahrscheinlichkeit weder verhindert, noch wären die Taten unbedingt weniger folgenschwer gewesen.
Mit bestem Schützengruß
Frank