Hallo Kloaner_Schütz,
ich ergänze mal die schon gemachten Aussagen.
Match 54 ist im Prinzip der Überbegriff für die besseren Anschütz Systeme und geht auf das erste Baujahr zurück. Es gibt auch noch das Match 64 System, welches einfacher gehalten ist und in den Gewehren mit XX03 verbaut wurde bzw. wohl auch noch wird.
Match 54 steht aber auch (enger gefasst) für die besseren Systeme bis Ende der Siebziger Jahre. Dazu gehören auch die 14XX und die offiziell nicht so genannten 16XX der letzten Modellreihe. Bei diesen Modellen steht immer Match 54 oder Super Match 54 auf dem Lauf. Super Match sind die Teile mit dem etwas dickeren Lauf und/oder Super Match Schaft. Sie wurden auch durch die Nummer 13 am Ende statt der 07 gekennzeichnet.
Im Laufe der Zeit wurden die Schäfte immer wieder etwas modifiziert und bei den ganz alten aus den Sechzigern passen auch der Korntunnel und die UIT-Schiene nicht mehr zu den heutigen Zubehörteilen.
Ende der Siebziger zum Übergang zur Modellreihe 18XX gab es dann schon Systeme mit neuem Schloss ohne die Flügelsicherung und mit neuem Abzug. Manchmal sieht man sogar welche, die schon das neue Schloss haben, aber noch den geraden Kammerstengel. Die mittlerweile berühmten Modelle mit X hinter der Seriennummer hatten das Schloss unten geschlitzt. Das sollte eine noch schnellere Auslösezeit bewirken, war aber auch etwas (dreck)anfälliger. Es gab auch noch das 1411 mit schwerem System und dem langen Liegend-Schaft.
Die Modellreihe 18XX wurde dann so bis Ende der Achtziger gebaut. Das Modell 1807 hatte den neuen Schaft mit der verstellbaren Backe (meistens aus Kunststoff) und die markanten Ausfräsungen am Vorderschaft. Die ersten Super Match der Modellreihe hatten zwar schon die neuen Schäfte, aber noch die starre Hakenkappe (normalerweise nur für die Tonne) und alle Modelle hatten schon das neue Schloss und den neuen Abzug. Auch hier gab es noch die Modell 1810 und 1811. 11 war wieder für Liegend und 10 hatte den Lochschaft mit schrägem Vorderschaft ohne Handstütze.
Die Modellreihe 19XX brachte dann für das Standardgewehr auch den neuen hellen Buchenschaft, wie er auch für das LG 2001 verwendet wurde. Gab es aber auch in Dunkel. An den Systemen gab es keine wirklichen Veränderungen mehr, nur wurde die Halterung vom Korntunnel von Klötzchen in Nut geändert und ist daher nicht austauschbar. Die Schäfte wurden im Laufe der Jahre bis heute etwas modifiziert und irgendwann gab es dann auch den Alu-Schaft. Es gab oder gibt auch noch das Modell 1912 als Sportgewehr (leichtes System, aber so eine Art Super Match Schaft) und Modelle mit Auflageschaft.
Das System 20XX ist eine Neukonstruktion um das alte Schloss herum. Es kennzeichnet sich durch die eckige Form aus und wird im Gegensatz zum alten runden System (2 Schrauben) mit 4 Schrauben am Schaft befestigt. Es gibt die Modelle wieder analog zu den alten Modellreihen als Modelle 2007 und 2013. 2007 ist das leichtere System und wurde noch in die Standard-Schäfte eingebaut. Es gibt aber auch beide Systeme mit Alu-Lauf oder als klassische Super Match im Holzschaft. Es gab auch Modelle mit Kurzlauf und Hülse. Manche waren etwas umstritten wegen der Schussleistung, aber einige davon schossen auch saugut.
Bei den Zwanziger-Systemen kann man den Lauf sehr einfach wechseln, was Dir aber in Deutschland ohne Genehmigung nichts nützt.. Dagegen kann die Befestigung im Schaft in Bezug auf die Schussleistung wegen der 4 Schrauben manchmal etwas kritischer sein. Das ist auch mit ein Grund, warum immer noch viele Schützen das runde System bevorzugen.
Die leichteren Systeme mit 07 am Ende sind von der Schussleistung her in der Regel nicht schlechter als die schwereren Systeme mit 13 am Ende. Aber die schweren Systeme (kann man immer am besten am Übergang System-Lauf erkennen, bei 07 ist da ein konischer Adapter) sind halt etwas äh schwerer und damit auch kopflastiger. Kann im jeweiligen Anschlag gut sein, aber auch nicht immer.
Zu den Läufen: Es gab und gibt immer kleine Unterschiede in Bezug auf die Schussleistung. Es gab und gibt einige wenige Spitzen-Läufe, die mit fast jeder Munitionsserie überdurchschnittliche Schussbilder erzielen, es gibt normale Läufe, wo man auch schon mal wegen der Munitionsserie etwas mehr testen und suchen muss und es gibt auch manchmal Gurkenläufe, auch aus dem Laden.
KK-Läufe können auch ausgeschossen werden. Bei guter Pflege können die aber auch nach über 100 000 Schüssen noch Spitzenergebnisse bringen, sagt z. Bsp. Warren Potent. Eric Uptagrafft sagt aber auch, dass in den neueren Patronen wohl mehr Glasanteile im Pulver bzw. in den Rückständen davon sein sollen, die die Läufe (wieder) eher altern lassen. Da soll dann wohl auch schon so nach 50 000 Schuss ein Abfall der Leistung bemerkbar sein. Putzen oder nicht ist auch fast eine Glaubensfrage. Die meisten guten Leute putzen aber, einige auch wirklich akribisch.
Noch eine Anmerkung: Die These von Barbara Lechner ist sicher nicht verkehrt, aber manchmal will auch ein guter Schütze sein Gewehr verkaufen, weil es eben gerade nicht so gut schießt oder andere Macken hat.
Ja, ich weiß, die Welt ist schlecht. Nur die Schützen nicht.
Ich habe meine Anmerkungen hier jetzt so aus dem Kopf geschrieben. Kann also sein, dass da noch kleine Unkorrektheiten drin sind, aber die grobe Richtung müsste so schon stimmen.
Bei Bedarf kann ich Dir vielleicht auch noch bei Detailfragen weiterhelfen. Ich schieße bis auf meine ersten zwei Diana nur Anschütz und im Verein haben wir auch satt davon, was aber jetzt nicht heißen soll, dass andere Firmen nicht auch schöne Modelle hätten.
Na, war doch wieder ganz besonnen, oder? 
Mit bestem Schützengruß
Frank