... finde ich's trotzdem sehr auffallend, dass sowohl die emotionalen Prophezeiungen eines Verschwindens unserer Sportart ... vor allem von Schützenvereinen kommen die selbst sehr großes Verbesserungspotential besitzen und aktuell nicht nutzen.
Ich würde hier differenzieren zwischen denjenigen, die versuchen zu sensibilisieren und ihren jeweiligen Vereinen. Zwischen den Einschätzungen der Einzelpersonen und derjenigen der Vereinen (resp. den dortigen Verantwortlichen) liegen manchmal Welten. Dies mag erklären, warum zwischen artikulierten Bedürfnissen und Handlungen scheinbar und manchmal auch real Welten liegen.
Aus meiner Sicht geht es in keinster Weise darum, Dinge zu beklagen, ohne selbst etwas zu unternehmen. Die implizit gestellte Frage lautet doch "Wie bringe ich meinem Verein zu einem bestimmten Handeln?". Davor steht die Frage "Wie bringe ich meinem Verein bei, welche Konsequenzen ein Nichthandeln hat?".
Zitat von Murmelchen
Der Rückgang der aktiven Schützen und hier insbesondere der Bereich der 20 bis 40-jährigen ist real, belegt und stellt mittlerweile für viele Vereine eine existenzielle Bedrohung dar.
Beiliegende Grafik habe ich seinerzeit im Rahmen einer Mitgliederversammlung vorgestellt. Die blauen Zahlen und Balken repräsentierten die seinerzeit vorhandenen Mitglieder, die roten Zahlen die tatsächlich sportlich aktiven Schützen. Ich weiß, dass eine solche Altersverteilung zumindest qualitativ repräsentativ für viele Vereine ist. Für mich stellte und stellt sich die Frage, wer solche Vereine in 10 Jahren trägt. Die heutigen Jugendlichen werden es in den seltensten Fällen sein, weil diese - rein statistisch - mehrheitlich genau dann ausbildungs- und berufsbedingt in einer Auszeit sind oder sich endgültig aus dem Sport verabschiedet haben. Leider habe ich es bislang nicht geschafft, ein Problembewusstsein zu schaffen.
Wir brauchen heute(!) die derzeit fehlende Altersgruppe, um aus dieser in ein paar Jahren die Träger des Feuers zu rekrutieren. Die Bewahrer der Asche werden dann auf dem Altenteil oder selbst zu Asche geworden sein.
Zitat von Karl
... wenn wir die allgemeine Entwicklung als solche und nicht als persönlichen Angriff auf uns Waffenbesitzer sehen würden.
d'accord. Allerdings sollten wir uns nicht darauf ausruhen, sondern Lösungen entwickeln, um den daraus resultierenden Problemen zu begegnen.
Zitat von Geronimo
Die lokalen Maßnahmen sind abhängig vom eigenen Engagment des lokalen Schützenvereins, ...
In der Tat. Lasst uns überlegen, wie wir sensibilisieren können, welche Handlungen wohl erfolgreich sein können und wie wir sie am Besten in die Tat umsetzen. Es ist hoffentlich noch nicht hoffnungslos.
In Wiesbaden gibt es einen Verein, der einen Kurs bei der VHS anbietet. Schießen, eine laute Form der Meditation.
Der Kurs platzt aus allen Nähten und der Verein hat dadurch einen regen Zuwachs an Mitgliedern erhalten. Das ist sehr positive PR für den Sport und den Verein.
Eine der besten PR-Ideen, die mir bislang untergekommen ist. Durch die Kooperation mit der VHS wird über einen langen Zeitraum eine Zielgruppe angesprochen, die über die hergebrachte Vereinsarbeit niemals zu erreichen wäre. O-Ton von Teilnehmern: "Wäre das nicht über die VHS angeboten worden, wäre ich niemals zu einem Schützenverein gegangen.". Auch inhaltlich unterscheidet sich diese Maßnahme sehr nachhaltig von den typischen Einführungen neuer Interessenten in den Schützenvereinen. Es gibt einen Seminarplan für die 10 Abende, der zunächst von Theorie, Handling und Sicherheit geprägt ist. Erst wenn diese Aspekte hinreichend behandelt sind, fängt das praktische Schießen an - ausgehend von LP über KK bis GK. Gänzlich anders, als das in manchen Vereinen gehandhabt wird - dort heißt es teilweise "die Leute wollen doch schießen, lass sie doch" (und faktisch bedeutet dies tw. "gib ihnen ein/e ... und lass sie damit alleine").
Interessanterweise haben nach meinen Beobachtungen alle Teilnehmer des VHS-Kurses sehr gut verdaut, nicht gleich an den ersten Abenden schießen zu dürfen. Es war ihnen gut zu vermitteln, dass zunächst der theoretische Hintergrund geschaffen werden muss. Alle sind nach meinen Beobachtungen mit Interesse und Spaß dabei. In meinem beschränkten Weltbild liegt das daran, dass sich jemand um die Interessenten kümmert - persönlich, umfänglich und verlässlich.
Danke für die herausragende Idee, die sich evtl. auch andernorts umsetzen lässt. Danke für die gute Umsetzung. Danke, dass ich dabei sein kann.