Gut,
dann „schiesse“ ich mal auf meine langweiligste Wand
- mal sehen was mir das bringt.
Gut. Achte darauf, dass sich beim Abziehen nichts an der Lage des Korns in der Kimme verändert.
Das schöne beim Training vor dem weißen Hintergrund: Du musst nicht mehr erzwingen, dass der Schuss im richtigen Moment bricht ("Ich bin im Halteraum, jetzt aber schnell"), sondern kannst Dich ganz auf die saubere Ausführung konzentrieren.
Natürlich ist Trockentraining mental fordernder als scharfes Schießen, weil die sofortige Belohnung fehlt.
Aber die Belohnung kommt später in Form der Leistungssteigerung beim Schießen.
Beide Trainingsformen ergänzen sich.
Du bist jetzt stolz darauf, dass Du Dich von anfänglichen 310? Ringen auf 330 Ringe hochgearbeitet hast.
Durch Schießen alleine. Das ist tatsächlich eine bemerkenswerte Leistungssteigerung.
Was wir aber alle nicht wissen ist, wie weit Du jetzt schon wärst bei systematischem Training.
Meine Vermutung wäre: deutlich weiter, da Dich eine saubere Technik immer weiter bringen wird.
Ansonsten sind alle Tipps, die wir hier geben, auch ein Stück weit Kaffeesatzleserei.
Keiner hat Dich gesehen und kann Deinen äußeren Anschlag bewerten. Geschweige denn Deinen inneren.
Niemand kennt Deine Vorstellung des idealen Ablaufs. Kannst Du den selber in Worte fassen? Wie sieht aus Deiner Sicht der perfekte Schuss aus?
Und niemand kennt Dein Zielbild, wie sieht also die Stellung der Visierung zum Spiegel aus, um eine Zehn zu treffen?
Meine Erfahrung mit Anfängern ist, dass oft bei den elementarsten Dingen große Fehler gemacht werden.
Jetzt kann ich durchaus mitreden, wenn es darum geht, welche Ergebnisse ein Anfänger erzielen kann.
Vor vielen Jahren musste ich wegen eines Tennisellenbogens von rechts auf links umstellen.
Nach Jahren durchaus intensiven und systematischen Trainings.
Ich bin mit 360 eingestiegen, obwohl ich wie ein Anfänger null Bewegungskoordination und Haltevermögen hatte.
Meine Erklärung: mein Gehirn hatte eine klare Vorstellung davon, wie die Bewegung aussehen muss.
Das hat ein reiner Anfänger natürlich nicht.
Wie ging's weiter? Es hat mich fast ein Jahr vor der weißen Wand gekostet, bis ich die ersten 370er Ergebnisse hatte.
Nach einem weiteren Jahr war ich nicht mehr unter 370.
Klar ist, Trockentraining ist selten so spannend, wie der scharfe Schuss.
Wenn aber beim scharfen Schießen merkt, wie es bergauf geht durch das Trockentraining, das ist ein starkes Gefühl.
Probier es aus!
Aber jetzt genieße erst einmal Deinen ersten Wettkampf.
Nimm Dir etwas vor, was nichts mit dem Ergebnis zu tun hat.
Beispielsweise die Abkommensanalyse.
Jeder Schuss, bei dem Du vorher weißt, wo er sitzt, ist ein guter Schuss. Unabhängig vom Ergebnis in Ringen.