Alleine schaffst Du das nicht. Du brauchst ein sehr engagiertes Team, mit viel Zeit. Langfristig.
Das beschrieb Califax bereits.
Der Vereinszweck, der Schießsport, muss im Vordergrund stehen. Die Aktiven und der Nachwuchs müssen verbindlich und intensiv betreut werden.
Kaum ein Mensch würde sich bei einem Fußballclub anmelden, der nur "Geselligkeit" pflegt. Wieso soll das bei einem Schützenverein anders sein?
Macht gute, sportliche Jugendarbeit. Meldet so viel Schützen wie möglich zu Rundenwettkämpfen und Meisterschaften an. Das schweisst zusammen und es kommen Leute nach.
Die Erfahrung, so ähnlich, haben wir vor 20 Jahren auch gemacht. Inzwischen bringen wir, auch über die letzte C-Zeit, 15 Rundenwettkampfmannschaften an den Start. Von der D-Klasse bis in die Bundesliga. In einem Ort mit knapp 2000 Einwohnern. Trainiert haben wir, wie Califax, so oft und intensiv, wie es die Situation zugelassen hat. Aber wir haben inzwischen auch eine große Gruppe Betreuer/Trainer.
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@ Daniel Kulzer
Alleine kann man einen Verein nicht wiederbeleben.
Ein vitales, ganzheitliches Vereinsleben hängt jedoch wesentlich von der Qualität, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit der "Macher", die nicht unbedingt
sog. Führungspositionen innehaben müssen, ab. (siehe die Beiträge von Califax).
Tokei-Ihto und dunkelbunt teilen m. E. auch zielführende Ideen und Gedanken mit, wie man einen Verein vor der Austragung im Vereinsregister bewahren kann.
Ich bin seit 1971 Mitglied in dem eingangs beschriebenen Traditionsverein, der aus drei Ortsteilen mit ca. 650 Einwohnern besteht. Zusammen mit fünf Freunden sind wir schon 1971 zu sportlichen Erfolgen gekommen. Die haben motiviert und dazu geführt, dass der Verein fortan von uns als Sportschützen sprach. Mit zunehmendem Alter und Meinungsbildungen der auf 45 Jugendliche angewachsenen Jugendgruppe, entstanden mehr oder wenig hohe Sozialisierungs- und Verständnisprobleme bezüglich der aktuellen und zukünftigen Ausrichtung des Vereins mit damals 115 Mitgliedern.
Uns gelang es zumindest einmal 1976 im Schützenfestablauf eine Rocknacht mit drei Bands und einem Überschuss von 67 Mark durchzuführen.
Mit dem Hinweis, 67 Mark seien ja viel zu wenig Überschuss und überhaupt würde die gespielte Musik der jungen Leute nicht ins Gesamtbild eines Schützenfestes passen, habe ich dann meine Energie der Schule und Berufsausbildung gewidmet, eine Distanz zum Verein aufgebaut, lediglich meine Aufgabe als Pressewart wahrgenommen.
Bereits in den 80er Jahren war zu beobachten, dass das Interesse selbst der Dorfbewohner am Schützenfest bzw. am Verein stark nachließ. Allein das Kinderschützenfest mit schönen Preisen für die Teilnehmer/innen am Umzug durch die drei Dörfer und beim Kinderkönigsschießen hatte noch einen gewissen Stellenwert.
Die Euphorie der Grenzöffnung 1989/90 mit dem folgenden Besuch von zwei wiederbelebten Vereinen östlich der Elbe, sorgte bei den Mitglieder noch einmal für Tatendrang bei Bier und Blasmusik.
Der aus älteren, gestandenen Persönlichkeiten bestehende Vorstand hat nach seinem Selbstverständnis immer gut gearbeitet, Die Tatsache, dass viele jüngere Vereinsmitglieder eine außerordentliche Mitgliederversammlung einforderten, um nach dem Stand von durchzuführenden Baumaßnahmen Informationen zu erhalten, wurde 1992 als Misstrauensvotum ausgelegt. Der Vorstand trat geschlossen zurück, was im Ergebnis zur Auflösung des Vereins führen sollte.
Ich habe davon erst erfahren, als ich von einigen "Aufrührern" um meine Zustimmung für die ao Mitgliederversammlung gebeten wurde. Die folgende Versammlung war fürchterlich, zeigte Generationenkonflikte auf, persönliche Abrechnungen von einzelnen Mitgliedern. Nur wenige Mitglieder wiesen auf die Inhalte/Traditionen des Vereins der drei Dörfer hin.
Letztere Gruppe sprach mich nach der Versammlung an, ob ich nicht wieder mehr Zeit (zwischenzeitlich erfolgreich im Beruf, Familie mit zwei Kindern) für den Verein aufbringen könnte.
Mein Leben hätte ruhiger verlaufen können, wenn ich damals abgelehnt hätte. Unter der Bedingung, dass sich der Verein mit seinen Mitgliedern Gedanken über seine Zukunft macht, sich eine Neuausrichtung mit klaren Strukturen zu Sport, Tradition und gesellschaftlicher Verantwortung gibt und mit Freunden, auf deren Meinung und Tatkraft ich mich verlassen konnte, habe ich dann zugestimmt als Schatzmeister im Vorstand mitzuarbeiten.
Der erste Meilenstein für die Neuausrichtung war die Beantwortung eines Fragebogens (siehe Anhang) durch alle Vereinsmitglieder. Die Antworten ergaben ein ehrliches, erstes Meinungsbild der Gesamtheit aller (90%) Mitglieder.
Die Bestandsaufnahme führte dazu, dass den Mitgliedern klar wurde, dass sie zu viele Traditionsveranstaltungen besuchten, der Zeit- und Kostenaufwand einfach zu hoch waren - ebenso der eigene Aufwand für drei Tage Schützenfest. Die daraus resultierenden Beschlüsse
zur Reduktion der Aufwände wurden nach umfassenden Diskussionen gefasst und umgesetzt. In den folgenden Jahren wurden die anderen Themen bearbeitet und der Verein wuchs in der Mitgliederzahl in der Spitze auf 167 an.
Der Bruch dieser positiven Entwicklung erfolgte, als eine geplante Baumaßnahme zur Erweiterung und Verstetigung der Vereinsangebote von einer Mitgliederversammlung abgelehnt wurde. Die Fraktion der "Feierschützen" lehnte es ab, 100 Euro Baukosten-Beitrag und 100 Euro Arbeitsleistung (Stunde für 5 Euro) zu investieren.
Mit der Vorstellung, dass die Investitionen auch mit einer Kreditaufnahme verbunden, aber unerlässlich sind, um sich für die Zukunft zu positionieren, habe ich dann keine Mehrheit gefunden. Meine Vorhersage zur Abwärtsspirale bei Ablehnung des Bauprojektes ist durch die vorliegende Einladung zur Mitgliederversammlung mit der Ankündigung einer bevorstehenden Vereinsauflösung nun dokumentiert worden.
Die Auswirkungen der Pandemie haben diese Entwicklung sicherlich befördert.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass m. E. den aktuellen Vorstandsmitgliedern keine direkte Schuld an der aktuellen Situation des Vereins trifft.