Ich halte es für recht schwierig, junge Leute für den Schießsport zu begeistern, die vorher keinen Kontakt dazu hatte. Der Sport ist weder hipp, noch cool noch angesagt und fristet bei der Jugend neben Sportarten wie Fußball, Handball, Tennis eher ein Schattendasein. Bei uns läuft die Mitgliederwerbung (unabhängig vom Alter) über die nächsten Verwandten und Freunde ab. Der Vater bringt den Sohn mit, der Opa den Enkel, der Mann die Frau, der Freund seinen Kumpel etc.
Gezielte Aktionen zur Mitgliederwerbung haben wir nicht, es läuft eher nebenbei ab. So gibt es bei uns z.B. eine Osterschießwoche, in der jeder über 12 Jahre mit dem Luftgewehr schießen darf. Hierfür wird Werbung gemacht, viele Vereine kommen und am Ende der Woche werden die Sieger gekürt, inklusive Presseartikel. Für jede 10 bekommt man einen Schokohasen, für jeden Schuss auf der Scheibe ein Osterei. In manchen Jahren kommen dann mal 1-2 neue Mitglieder, in anderen keine. Ist aber nicht explizit auf Jugendliche und Kinder ausgerichtet, aber die schießen natürlich auch mit wenn ihre Eltern oder Vereine da sind.
Ansonsten noch die Ferienspiele, aber das Konzept dürfte dir wohl bekannt sein. Auch hier geht es eher um die Bespaßung der Kids als um neue Mitglieder. Wenn im Nachgang davon mal 2 in die Schützenjugend kommen, wäre es viel.
Eine Idee wäre eine Art Sommerbiathlon im kleinen, vielleicht im Rahmen der Bundesjugendspiele oder sonst irgendeiner Ortsveranstaltung (der Kerb vielleicht?).
Aber ich bin immer noch der Meinung, dass bei so einer speziellen Sportart wie dem Schießsport der größte Erfolg über die persönliche Empfehlung kommt. Da kannst du ja im Alltag mal die Augen offen halten, wie andere um neue Mitglieder werben, zum Beispiel Fitnessstudios. Dieses "Bring a friend"-Konzept halte ich in dem Bereich für am vielversprechendsten. Könnte dann so aussehen, dass diejenigen belohnt werden, die ein Mitglied werben oder eines 5x mitbringen oder oder oder.
Ansonsten gehe ich mit der allgemeinen Meinung hier d'accord. Es mag sein, dass du die Zielgruppe der -ich hoffe, ich drücke mich damit so diplomatisch wie möglich aus ohne jemandem auf den Schlips zu treten- Spaßschützen nicht in deinem Verein haben willst, sondern ganz klar die ambitionierten und ergebnisorientierten Leistungsschützen. Das halte ich persönlich für einen nicht falschen, aber suboptimalen Ansatz. In diesem Fall wäre es vielleicht zielführender, seine Aktionen mit dem Nachbarverein, welcher wohl die Möglichkeiten für KK und GK hat, zu koordinieren. Wenn der Vater beim Nachbarverein eintritt und seinen Sohn zu euch schickt, ist das eine win-win-win-win-Situation.
Priorität sollte es erst einmal sein, die entsprechende Zielgruppe für das Schießen im Allgemeinen zu begeistern. Egal ob leistungsorientiertes Schießen oder Spaßschießen. Und erst im Nachhinein zum Leistungsschießen zu führen. Ich bin der Meinung, dass das Spaßschießen einem irgendwann zu langweilig wird, spätestens, wenn man alle möglichen Waffen mal geschossen hat. Und spätestens wenn man zum 3. Mal bei der Vereinsmeisterschaft im hinteren Mittelfeld gelandet ist, wird man sich fragen, wie man sich selbst verbessern kann.
Und bevor sich doch wieder jemand beleidigt fühlt oder ich mich vielleicht auch unglücklich ausgedrückt habe:
Spaßschießen/Spaßschützen: Schießen ohne Jagd auf Ringe, ohne Leistungsorientierung, ohne zielgerichtetes Training, ohne Plan
Leistungsschießen/Leistungsschützen: Schießen mit dem Fokus besser zu werden, eventuell im Kader oder einer höheren Klasse zu schießen.
EDIT: Und über welchen Weg ist Justus zu euch gekommen?