Beiträge von Carcano

    Ich glaube auch gar nicht, dass es am "bösen Willen" der DSB-Landesverbände liegt; die Verschwörungsmentalität ist hier bei einigen etwas hypertrophiert, worauf auch Sobigrufti in einem anderen Thread gerade hingewiesen hat. (Um pedantisch zu sein: außer im NWDSB, NSSB, HSV und vielleicht noch W[estfälischen]SB, da liegt es tatsächlich am bösen Willen. :P ).

    Wer im RSB beispielsweise in einem Verein Interesse an einem Lehrgang DSB-Gebrauchspistole hätte, der sollte mit seinem Vorstand sprechen, die Verfügbarkeit des Schießstandes dafür sichern, dann kurz mit Evelyn Höller telefonieren, und dann dem Geschäftsführer des RSB einen Vorschlag für einen solchen Lehrgang machen: und Ihr werdet sehen, er wird dann auch angeboten :-).

    Ein ganz anderer Punkt ist die Engführung der bestehenden Landesleistungszentren. Man sollte sich einmal Gedanken machen; will man eine rein olympische Kaderschmiede, andere Nutzer der misera contribuens plebs kommen erst gar nicht rein, oder will man einen breit aufgestellten, umfassend anbietenden und abdeckenden "Landeshauptschießstand"? Hier hat sich m.E. aufbauend auf Entscheidungen der Vergangenheit einiges falsch entwickelt, was damals durchaus sinnvoll erschien.
    Auch das jetzige LLZ-Neubauprojekt des NWDSB in Bassum verdient es, einmal unter diesem Licht betrachtet zu werden.

    Gruß, Carcano

    Zum Thema Sporthilfe und warum diese Stiftung so nötig ist. Hier einmal ein aktuelles Beispiel gerade mal auf den Schießsport angewendet:

    Zitat

    Vor diesem Hintergrund bezeichnet Bundestrainer Peter Kraneis den aktuellen Status seiner Athletin, die im April dieses Jahres beim Weltcup in Korea dem Deutschen Schützen-Bund (DSB) das erste olympische Ticket für 2012 gesichert hatte, knapp mit „arbeitslos“. In ihrer derzeitigen Situation sei das erstmals vergebene Stipendium „Elite Plus“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) für sie „Gold wert“, gesteht die Mutter einer 17-jährigen Tochter. „Mir fiel ein großer Stein vom Herzen. Die Sporthilfe ist meine Rettung. Bis London ist die Stiftung praktisch mein Arbeitgeber, der monatlich mein Gehalt bezahlt“. Anderthalb Jahre lang, so sieht es die Fördervariante „Elite Plus“ für mehr als 30 deutsche Medaillenanwärter vor, erhalten sie bis zu den nächsten Sommerspielen pro Monat zusätzlich 1500 Euro.
    „Für Munkhbayar ist das ein Segen. Für dieses Programm muss man der Sporthilfe sowieso ein dickes Lob zollen und wenn ein Sportler oder eine Sportlerin beruflich in einer solch verzwickten Lage ist, erst recht“, meint Peter Kraneis mit Blick auf seine erfahrene Athletin, die 2002 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt (...).


    (Quelle: Meisterschützin Munkhbayar Dorjsuren wechselt die Luftpistole - Deutsche Sporthilfe )

    Wie sieht es mit anderen Spitzenschützinnen und Schützen aus? Die Sportförderung durch die Sportkompanien etc. von Bundeswehr, Bundespolizei und (partiell?) Landespolizei ist in der Regel ein zeitlich begrenztes Profitum mit bescheidener beruflicher Nebenbelastung. Manche Schützen arbeiten danach als Trainer. Ganz wenige werden Vollzeitfunktionäre irgendwo (anders) im Sport. Manche arbeiten in der oder für die Waffenbranche, z.B. Ralf Schumann.

    Carcano

    Soll ich's positiv oder negativ formulieren:

    1. Schnelle Ladezeit (was Flash und automatisch abrollende Slideshows ausschließt).

    2. Sofortiger Einstieg (keine blöden Vorschaltbilder, durch die ich mich erst weiterklicken muß, indem ich zielgenau den Fliegenpilz unten links oder die Zielscheibe in der Mitte mit dem Mauspfeil ansteuere : wenn man mal älter ist als 5 Jahre, ist das nicht mehr so prall).

    3. Klarer und sofort übersichtlicher Aufbau, wo ich gleich (idealerweisen mit 1 Klick) zu dem kommen kann, was mich im Moment des Besuches interessiert (wenn ich auf Schatzsuche gehen und Abenteuer bestehen will, lade ich mir ein Computerspiel). NB: Ein Verweis auf eine "Sitemap" ist kein Ersatz für übersichtlichen Aufbau.

    4. Orientierung zunächst an dem, was der Besucher sucht bzw. erfahren möchte (Websites sind außenorientiert, nicht primär innenorientiert, sonst hießen sie Intranet, und wären am Schwarzen Brett des Vereinsheims ausgehängt).

    5. Daten und Fakten. Klare Orts- und Zeitangaben (bei 70 % der Websites ist kaum rauszufinden, wo überhaupt das Schützenhaus ist, und die Öffnungszeiten sind eh' irgendwo in der Tiefe des Raumes versteckt).

    6. Klares, attraktives Layout (das heißt: simpel und erfassbar; wenn ich Spielereien sehen will, gehe ich woanders hin, Augenkrebs von Geblinke und Geschummere möchte ich auch nicht, und eleganteste neue Mode gibt's in der Online-Beilage der ZEIT).

    7. Geschmack (nicht dieser oder jener Geschmack, meiner oder deiner. Sondern einfach Geschmack. Überhaupt. Man hat ihn, oder man hat ihn nicht. Katastrophal z.B. die Website des PSSB; ganz okay inzwischen der DSB).

    8. Eine gewisse Konstanz (ich will nicht alle 6 Monate die Sachen neu suchen müssen, bloß weil der Webdesigner ja mit dauerndem Revamping Geld verdienen möchte).

    Carcano

    Hervorragende Sache - da ist der BSSB wieder einmal vorbildlich für andere DSB-Landesverbände. :thumbup:

    Ach, und was das erwartbare Gemeckere von der peanut gallery betrifft:
    "Hast Du schon gehört, der ADAC bietet hier bei uns wieder Sicherheitskurse für junge Autofahrer an!" - "Na toll, wieder mal werden die Senioren und die Kutschenfahrer ausgegrenzt!"
    :rolleyes:
    Carcano

    Zitat von Geronimo


    Und dabei zeigen doch gerade die Meisterschützen, dass flächendeckende „Befunde“ im Schießsport und vermutlich auch anderen Sportarten meistens falsch sind. Es gibt nicht DEN Sportverein und es gibt nicht DEN Schützenverein.

    Wie ich es schon sagte, was Du aber geflissentlich überlasest, also lies es freundlicherweise jetzt: :) Es gibt Amische, und es gibt orthodoxe Juden. Aber es gibt flächendeckend Säkularisierung und Verlust von organisierter Religiosität.

    In gleicher Weise gibt es sicherlich auch Vereine, die alle ihre Ämter leicht besetzen können, und wo es schon genug willige Kandidaten gibt, wenn sich endlich einmal die große Chance ergibt, das freiwerdende hochehrenvolle Amt des 2. Schatzmeisters oder Rundenwettkampfwarts neu zu besetzen, worauf man jahrelang geduldig und eifrig hingearbeitet hat. :P

    Doch der Gesamtbefund, von Schleswig-Holstein bis an den Bodensee, ist flächendeckend derselbe. Dazu muss man aber einen entsprechend weiten Blick haben. Und sich Sachen weder schön noch hässlich reden (beides sieht man hier), sondern sie so analysieren und ansprechen, wie sie sind.

    Zitat von Geronimo

    Was genau sind allerdings diese Alternativen? Die lokalen Sportvereine setzen erfolgreich auf ehrenamtliches Engagement.

    Habe ich schon ausführlich geschrieben. Möchtest Du es noch einmal, als Privatvorstellung in diesem Thread? :D

    Carcano

    Wär's nicht sinnvoller, anstatt das baldige Ende des Ehrenamts heraufzubeschwören, auch einmal nach den Gründen zu fragen? Die verschiedenen Beiträge zeigen eines deutlich: Das Interesse und auch die Motivation für ehrenamtliches Engagement hängt ganz massiv vom Umfeld ab. Die teilweise sehr drastischen Probleme sind offenbar schlicht hausgemacht. Und genau das dürfte die Ursache sein, dass es in vielen Vereinen läuft und in einigen nicht.

    Nun, "hausgemacht" sind sie natürlich nicht, auch wenn man das noch so verzweifelt zu beschwören sucht, weil man die Realität... ach, das hatten wir ja schon.
    Weder Demographie noch soziale Verschiebungen werden in den Vereinen hausgemacht. Natürlich gibt es immer kleine Inseln der zeitvergessenen Seligen. Die Amischen fahren ja auch noch in der Kutsche, und die orthodoxen Juden laufen mit Peijes und Strejmel durch die Gegend. Beides ändert nichts am allgemeinen flächendeckenden (!) Befund.

    Was es aber weiterhin gibt, ist die Bereitschaft von Menschen (und zwar nicht nur von einigen,sonden von vielen !), sich einzubringen. Sich zu engagieren, Zeit und Mühe zu opfern; und anderen entweder das besondere kleine eigene Talent, oder einfach allgemein Arbeitskraft und guten Willen zur Verfügung zu stellen, unentgeltlich. Und diese Bereitschaft gibt es nicht nur bei Alten, sondern auch bei Jungen. Nur, sie verwirklicht sich nicht mehr in Form des sterbenden "Ehrenamtes"; und wer dies ignoriert, und borniert-blind am Überlebten festhält, der geht nicht mit der Zeit, sondern wird von der Zeit bald gegangen. Die Umweltverbände haben es begriffen; die Landessportbünde haben es begriffen. Aber die Schützen stecken den Kopf in den Sand. :)

    Carcano

    Und welche LP hat sie nun gewählt? Steht das nicht im Text oder habe ich das überlesen?

    Das lag weder an Dir, noch an mir, noch an Geronimo. :) Und warum die Sporthilfe sich so darüber ausschwieg, weiß nur sie. Jedenfalls sprang sie ein, und finanziert Munkhbayar jetzt mit einem bescheidenen Basis-Salär. Hinzu kommt noch das Einkommen aus der Bundesliga. Reich wird sie damit jedenfalls nicht.

    Vielleicht ein Detail am Rande, aber doch nicht uninteressant: eine der besten deutschen Pistolenschützinen wechselt die Waffe(n), nämlich Munkhbayar Dorjsuren. Früher schoss sie mit und für Walther (LP 300 XT, SSP), doch die Luftpistole hat sie jetzt schon gewechselt und ihren Vertrag gekündigt:
    Meisterschützin Munkhbayar Dorjsuren wechselt die Luftpistole - Deutsche Sporthilfe

    Zitat

    Nach ihrem verpatzten EM-Auftritt am vergangenen Wochenende mit einem ernüchternden 24. Platz in Belgrad/Serbien hat Munkhbayar Dorjsuren mit ihrem bisherigen Sportpistolenhersteller wohl endgültig abgeschlossen. Für die Olympia-Dritte von Peking, die seit 2003 von jeder EM eine Einzel oder Team-Medaille mitbrachte, bedeutet dieser Abschied einen historischen Einschnitt. In der Disziplin Luftpistole hat sie den Wechsel bereits vollzogen. In mehr als 20 Jahren ihrer aktiven sportlichen Karriere, die einst zuhause in der Mongolei begann, hielt sie den Sportwaffen der Firma die Treue. Zuletzt war die 42-Jährige jährige Wahl-Münchnerin bei dem Hersteller sogar als PR-Referentin und Repräsentantin beruflich unter Vertrag. [...]


    Carcano

    Das Beispiel finde ich aber rechtlich etwas schief, Zebo, wegen der anderen Ausgangslage.
    Übrigens gibt es auch (!) im Deutschen Schützenbund eine Parallele, nämlich die ERA als kooptiertes oder assoziiertes Mitglied. Das ging damals wegen der stark international (nicht national) ausgerichteten Aktivität der winzig kleinen ERA; und auch als bewusster Tort :P gegen den damaligen BDMP.

    Carcano

    Meine Erfahrung ist, dass häufig die besten Schützen/innen bei der Präsentation des Sports und des Vereinslebens bei sich selbst "hängen bleiben". Das schreckt Interessierte ab. Niemand will als Anfänger wissen, wo die Vereinsrekorde stehen und wer wieviel Kilo Orden und Urkunden zu Hause aufbewahrt.

    Stimmt. Insbesondere die Mehrzahl der Websites sind schlecht bis katastrophal. Was übrigens - in der Tat - nichts über die innere schießsportliche Qualität eines Vereins aussagt; eine der furchtbarsten und nachhaltig abschreckendsten Vereinswebsites, die ich je gesehen haben, ist von einem sehr erfolgreichen und verbandsweit hoch geschätzten südbadischen Verein. Die zweitschlechteste ist von einem ebenfalls starken Pistolenverein mit viel Kompetenz und guter Jugend.
    Übrigens macht es für die Qualität nach meinen Beobachtungen auch keinen Unterschied, ob ein total überbezahlter "professioneller" (muahahaha !) Webdesigner und aufgeplusterter Kommunikationskompetenzler die Site lackiert und mit Glöckchen und viel javageskriptetem Trullala versehen hat hat, oder ob sie mit anno-Domini-1999-Anmutung und HTML 3.0 von einem Vereinsrentner oder Vereinsschüler selbst gestrickt ist.

    Carcano

    Dass der BDS Mitglied im DOSB wird, kannst Du vergessen. Selbst wenn der BDS das wollte, wird das wohl nicht passieren. Für jede Sportart nur ein Spitzenverband. (...)
    In Hessen versucht der Bogensport-Verband Hessen seit Jahren Mitglied im Landessportbund Hessen zu werden und ist bisher gescheitert. Bogenschießen wird im Landessportbund bereits vom Hessischen Schützenverband (HSV) vertreten.

    Inzwischen ist das rechtlich durchaus möglich, worauf Zebo schon hinwies. Das weiß auch der DOSB sehr gut. Ich hatte das mal rechtlich-gutachtlich geprüft, und mich auch mit dem zuständigen DOSB-Juristen unterhalten, dem das ebenfalls völlig klar ist. Es sind halt nur die Bedingungen recht hoch gesetzt und schwierig gemacht, und es wird ein längerer Kampf werden, wenn man es versuchen wollte.

    Auf Landesebene im jeweiligen Landessportbund könnte es etwas leichter sein. Ein Ringen würde es aber so oder so.

    Carcano

    Dass Breitensport und Spitzensport einander gegenseitig unterstützen, ist ja erst einmal kein falscher Ansatz. Es entspricht sogar eher dem Ideal des Sports, als die inzwischen üblichen vollbezahlten (naja, wenn wir ehrlich sind, im Schießsport recht mäßig bezahlten) Profisportler mit und ohne pro-forma-Uniform, was nämlich die deutschen, amerikanischen, japanischen, chinesischen, russsischen Spitzenschützen fast alle sind. Unsere Top-Pistolera Munkhbayar Dorjsuren blickt jetzt mit über 40 Jahren Lebensalter auf ziemlich wenig zurück, u.a. eine sehr bescheidene Bundeswehr-Pension und etwas Übergangsgeld; das ist eigentlich traurig. Und sie ist auch etwas traurig darüber, obwohl sie keine Weinerin ist.

    Ob man individuell etwas spenden möchte, ist noch einmal etwas Anderes; viele mögen ja sagen "ich gebe lieber meinem Verein, auf grassroots-level". Umgekehrt ist es auch gut, wenn Spitzenathleten etwas an die Basis zurückgeben, z.B. durch Wochenendkurse, Trainingshilfen, Mitwirkung bei Nachwuchs- und Breitensport-Veranstaltungen (und damit meine ich nicht die bezahlten Bundesliga-Engagements). Einige wenige (!!) tun das auch schon. In Bayern z.B. Das liegt aber nicht an Egozentrik, ich denke eher, dass die meisten gar nie gefragt worden sind.

    Carcano

    Zentralfeuerpistole nach den Regeln der Standardpistole, sprich Standardpistole mit Kaliber >= .30, eventuell sogar mit MIP, wäre doch nett. (...)
    Ein Vorschlag wie der von Carcano, vielleicht sogar noch kombiniert mit meiner Ergänzung, könnte da wirklich auf mehreren Ebenen hilfreich sein.

    Deinen Vorschlag finde ich sehr reizvoll. Das könnte doch eigentlich ein Verein mal als interessanten Wettkampf ausschreiben.

    Die Einschränkung ist dabei, dass ein Revolver (immerhin wird der Co-Weltrekord ISSF Centre Fire Pistol mit einem Revolver gehalten, TOZ-49 in 7,62x25) für die "CF Standard Pistol" nicht konkurrenzfähig wäre, und ich könnte mangels Waffe nicht mitschießen... ;-).

    Hier übrigens ein vergleichbarer Vorschlag von Mika aus Finnland für den Schnellfeuerbereich (stammt aus dem Targettalk board):
    "Just a wandering thought, which may reveal that
    I'm more of an IPSC shooter than olympic style shooter. What about an RF
    event with the traditional CF target pistols and a minimum momentum for
    the bullet, say something like the current factory loads that you can
    actually feel going off? Lapua 6,35 g and 240 m/s comes to my mind. No
    recoil buffering etc, so that the current CF guns would be competitive.
    There would be at least some need for recoil management, which is almost
    trivial in the 30+30."

    Quelle: TargetTalk :: View topic - Rambling thoughts on the new olympic final format

    Carcano