Beiträge von Carcano

    Es ist halt immer die Frage wie Schützenvereine lokal wahrgenommen werden: Gesellschaftspflege, Faschingsgesellschaft, Traditionspflege oder halt auch Sportverein mit Brauchtum. Wenn lokal bereits ein Schützenverein vor allem als Faschingsgesellschaft (nicht negativ gemeint) mit phantastischen Uniformen und militärischem Gehabe sehr präsent ist, dann ist auch der Begriff Schützenverein damit bereits besetzt und Sportvereine - und bereits eine Sportgruppe - haben's nicht leicht diese „Begriffsprägung“ zu verändern bzw. zu korrigieren.


    Womit Du bereits eine der Kardinalschwächen des an sich sehr vernünftigen DSB-Projekts zutreffend angesprochen hat. Nämlich den Umstand, dass bevölkerungsmehrheitlich mit dem _Wort_ "Schützenverein" eben nicht Schießsport verbunden wird - bei weitem nicht - sondern Tschingderassabum, grüne Jacken, Umzüge, Schützenfest und Gesaufe. Ist so. Braucht einem nicht zu passen. Ist aber Fakt in der Außenwelt.

    Wenn man die Sache richtigerweise "Wochenende des Schießsports" genannt hätte, wäre der Start für die beabsichtigte Öffentlichkeitsarbeit wesentlich besser. Woanders unter Normalos nennt man's ja auch nicht "Woche der Schwimmvereine", sondern z.B. "Woche des Schwimmsports".

    Carcano

    Auch habe ich nie vor jedem Schuss wirklich kontrolliert ob der rechte Arm jetzt wirklich richtig aufliegt oder nicht. Ich glaube das, zu langes Visieren und innere Anschlagsveränderungen sind mein größtes Problem.


    Sehr gut möglich.
    Du schreibst in Deiner kurzen Selbstcharakterisierung, Du seiest klein. Gerade wenn Du eine größere und daher auch weitere Schießjacke enger schnürst, hast Du dann im Ellenbogenbereich nicht immer einen hundertprozentig stabilen und konstant bleibenden Auflagepunkt / -fläche.

    Zitat

    Und danke für das Lob, aber das kann ich alles meinem Knieend und Stehenden verdanken


    Frau sollte in allen Stellungen gut sein. 8o
    [Jaja. Mann auch...]

    Carcano

    Wie wichtig gerade dieses Thema ist, zeigen auch die Fragen des CDU-Manns Grindel in der Anhörung des Innenausschusses. Wahrscheinlich bezieht sich Carcanos Hinweis mit der vermeintlich hohen Sachkundigkeit der Abgeordneten auch auf den


    1. Die MdBs Grindel, Fograscher (diese gut informiert und vorbereitet durch Sylvia Merkle) und Tören sind alle deutlich sachkundiger als der Durchschnittsschütze und -jäger.
    Das mag einem nicht passen, ist aber so.

    2. Du beziehst Dich vielleicht auf einen törichten Spontankommentar von ihm nach einer Schießerei in Landshut (2009, endgültige Erledigung eines Erbstreits im Landgerichtssaal durch tödliche Revolverschüsse). Ja, der Kommentar war daneben. Andererseits:
    Grindel 2008: "Ich hätte gerne auch die grundsätzliche Altersgrenze von 12 auf 10 Jahre gesenkt, um den deutschen Schützen einen besseren Trainingsstart für internationale Wettkämpfe zu ermöglichen. An dieser Stelle war die SPD aber nicht kompromissbereit, obwohl die Mehrzahl der Sachverständigen bei der Anhörung diesen Schritt unterstützt hat." (Quelle: Reinhard Grindel)
    Und am 18.06.2009: "Wir müssen als Innenpolitiker auch die Kraft aufbringen, zu sagen: In Sachen Waffenrecht ist jetzt alles getan. Wir sehen keinen weiteren Verbesserungsbedarf. Wir sehen nicht, welche weiteren Änderungen in dieses Gesetz eingebracht werden könnten, die zu einem zusätzlichen Sicherheitsgewinn führen würden." (Quelle: Reinhard Grindel)

    Carcano

    Es gibt Übungen für Fortgeschrittene, die dazu dienen, die Stabilität und Sicherheit eines grundsätzlich bereits erworbenen guten Anschlages weiter zu trainieren und insbesondere das Körpergefühl und die korrigierende Reaktion gegen Abweichungen zu sensibilisieren. Das ist beim Gewehrschießen deshalb wichtig, weil sich nicht nur Anfänger (die sogar eher nicht, denn da wackelt und verschiebt sich eh' noch alles dauernd), sondern auch und gerade mittlere bis "unten gute" SchützInnen leicht zu sehr auf die ihnen eine nur scheinbare "Sicherheit" gewährende Ritterrüstung verlassen, und sich zusätzlich noch in den festgezurrten Schießriemen legen / stemmen. Und dann muss es doch eigentlich klappen, nicht wahr? 8)

    Aber irgendwie verrutscht und verlagert es sich dann doch, und zwar heimtückisch unmerklich, so dass mensch erst einmal gar keine großen Abweichungen oder Einbußen auf der Scheibe sieht - es wird nur alles schwerer und mühseliger, und die Zehn entwischt einem zunehmend häufiger, so wie das Schnitzel, das auf dem Teller der Gabel ausweicht. Frank hat den Effekt oben sehr gut beschreiben, lies das noch mal.

    Aber mach' bitte erst einmal das Eine (s.o.), bevor wir als Nächstes zu solchen Übungen kommen.

    Carcano

    Und was kann ich dagegen machen? Habe nächste Woche nämlich DSB Rangliste und will da möglichst 580 oder mehr haben.


    In einer Woche Rat *und* deutliche Verbesserung - anspruchsvoll ist sie ja gar nicht. :thumbup:

    Also, ich bin Pistolenschütze. Das passiert aber häufig auch sonst bei Trainern, dass sie von einem anderen Disziplinhintergrund kommen als die SchützInnen, die sie trainieren. Und das ist kein Hindernis. Daher:

    a) Wie sehen Deine Scheiben wirklich aus? Schieß' mal als Kontrolle zwei relativ schnelle 20-Schuss-Aggregate. Einholen oder Einsehen erst jeweils nach 5 Schuss. Zwei Scheiben übereinander, die vordere wird getauscht, hintere bleibt immer hängen. Dann siehst Du sehr genau die Tendenz, die Du jetzt eher erinnerungshaft wiedergibst; ob Du also _wirklich_ regelrecht "um die Zehn herum" schiesst, oder ob die Gruppen doch insgesamt andere Tendenzen aufweisen.

    b) Mach mal einen aufschlußreichen Test, um Deine Lagestabilität zu prüfen und (!) Dein Abzugsverhalten zu trainieren. Schieße zwei Zehnerserien schnell (!), ohne Einholen bzw. Anzeige, mit der besten Munition für Dein Gewehr, die Du hast (keine Trainingsmumpeln) und zwar mit der folgenden Maßgabe:
    Ins Ziel gehen, Haltebereich stabilisieren, dann sofort Augen zu (!!) und Schuss. Von dem Moment des Augenschließens sollte es nicht mehr als 0,5-0,7 Sekunden zum Schuss dauern.
    Wer stabil liegt, und sauber abzieht, sollte auch dann in der Zehn bleiben können. Wer gravierend weit streut, dessen Anschlag stimmt nicht. Wer in bestimmte Richtungen die Gruppe öffnet, der hat Abzugsfehler. Und wer noch besser schießt als sonst, der verreißt sonst normalerweise minimal, im Bestreben, den "besonders perfekten Moment zu erwischen".
    Wie gesagt, dieser Test kann sehr aufschlussreich sein.

    Carcano

    Wer begabt ist, und willens + fähig, intensiv zu trainieren, der kann es im Schießsport - auch und gerade beim Einstieg als Erwachsener - innerhalb eines Jahres von Null auf Nationallevel schaffen und in zwei-drei Jahren auf Kontinentalniveau. Das ist in unserem Sport deutlich anders als in vielen anderen Sportarten. :thumbup:

    (Wer nicht besonders begabt ist, und dennoch trainiert, sollte in 2-3 Jahren einen Neunerschnitt in den meisten Pistolendisziplinen erreichen können).

    Carcano

    Habe heute mein OSP-Training auf fünf weiße Scheiben gemacht. Ob das lege artis ist, weiß ich nicht; ich fand es aber vernünftig und aufschlussreich.

    Ergebnisse und Erkenntnisse:
    - die erste Scheibe der Serie ist erschreckend schlecht, alle Schüsse deutlich nach rechts oben verzogen; kein Vergleich zu meinen ganz guten Duellscheiben;
    - die fünf Scheiben tragen jeweils ganz unterschiedliche und sehr indivuelle Gruppen "für sich"; manche Scheiben insgesamt breiter gestreut, andere mit allen Schüssen erfreulich eng beieinander; das ist sehr seltsam;
    - die acht-Sekunden-Serien schieße ich viel zu schnell; nämlich in 5-6 Sekunden :( ;
    - die vier-Sekunden-Serie geht zeitlich mit wachsender Übung besser und sicherer; viele Schüsse sind durchs schnelle Abziehen aber noch grob verrissen.

    PS: Standardpistole gestern war 531, also knapp unterm DM-Limit und noch nicht scher genug im Medaillenbereich "meiner" Landesmeisterschaften; SpoPi Leistungskontrolle heute 273 (vorher 15 Schuss weiße Scheibe, die nicht gut waren, aber mich warmschossen). Beides soweit gut, aber nicht doll.

    Carcano

    Der begleitende Artikel von Ulrich Eichstädt in Visier-Online ist sehr kurz und eigentlich nur der Anreißer für den Link zur eigentlichen DSB-Meldung. Er hat weder Bildzeitungsniveau noch ist er auch nur entfernt diffamierend.
    Im Gegenteil wirkt er Diffamierungen entgegen; und er nimmt Vorwürfe zurück (guter journalistischer Stil), die zuvor spontan erhoben wurden, und die durch meine Veranlassung jetzt schließlich doch lege artis nachrecherchiert wurden. Diese Modifikation ist sportlich fair und gerecht. :thumbup:

    Carcano

    Nicht nur alle Wettkämpfe für die olympischen Quotenplätze sind gelaufen, sondern die Tripartite Commission hat auch ihre Einladungsplätze vergeben, und ungenutzte Plätze sind neu zugewiesen worden.

    Hier ist der aktuelle Stand nach Ländern:

    ISSF - International Shooting Sport Federation - issf-sports.org

    Man sieht z.B., dass Deutschland Plätze in jeder Disziplin errungen hat, außer in Doppeltrap.
    Einige sehr gute aufstrebende Schießsportnationen sind - zwangsläufig durch das System - unterrepräsentiert.

    Carcano

    Solange Herr Schumann (...) sich nicht äußert, steht er einfach auf der Seite der Anti-Gunner - zusammen mit Dirk Eisenberg.


    Das mit Dirk Eisenberg ist eine medial perpetuierte Fehlwahrnehmung. War es auch schon früher. Es gibt zwar im DSB durchaus noch einige Waffenfeinde in zwei bis drei der 20 Landesverbände, aber Eisenberg gehört eben nicht dazu; vielmehr steht er verbandspolitisch eher in Opposition zu ihnen. Was ich Ulrich anderswo geantwortet habe, gilt auch hier:

    Aber schließlich hat nicht der DSB zunächst Unsinn erzählt, sondern Schumann und sein Landespräsident Eisenberg, letzterer weiterhin unkorrigiert (..."Eisenberg hatte Anfang April in der TA geäußert ...).


    Ach. Hat er? Oder hat er nicht?
    Schauen wir doch mal, was Dirk Eisenberg genau damals, in jenem diffus in Bezug genommenen Interview wirklich gesagt hatte. Im Zusammenhang:

    https://meisterschuetzen.org/"http%3A/…581062288"

    Tja, da isses im Volltext. Dann prüfen wir also ruhig. Welche der folgenden Aussagen Eisenbergs ist denn 'unkorrigierter Unsinn'?

    - Amokläufe hat es schon immer gegeben und wird es wohl leider auch weiterhin geben. Die Tendenz zu Schulmassakern ist dagegen eine relativ junge Entwicklung, die mir Sorgen macht. Die Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen und ein gewisser moralischer Verfall könnten dazu beigetragen haben. Ich wehre mich aber gegen einseitige Schuldzuweisungen gegenüber den Schützenverbänden. Die Ursachen sind zu komplex.

    - F: "Initiativen wie "Keine Mordwaffen als Sportwaffen" fordern das Verbot tödlicher Waffen für Schützenvereine, wäre das Land nicht mit weniger Waffen sicherer?"

    A: Ohne privaten Waffenbesitz hätte es die Amokläufe von Erfurt oder Winnenden vermutlich nicht gegeben oder sie wären zumindest erheblich erschwert worden beziehungsweise anders verlaufen. Aber unter streng reglementierten Bedingungen wie hierzulande ist an dem Recht, in einem Schützenverein seinem Hobby nachzugehen oder als Sportschütze professionell Training und Wettkämpfe durchzuführen, nichts auszusetzen. Die Assoziation von Sportschützen als potenziellen Mördern ist für die betroffenen Athleten eine enorme Kränkung und schlichtweg Unsinn.

    - F: Die Fünfkämpfer schießen seit 2010 mit Laserpistolen. Warum nehmen Sie Ihren Kritikern nicht den Wind aus den Segeln und ziehen mit?

    A: Nein, das wäre ein völlig anderer Sport und würde viel von seinem Reiz einbüßen. Es ist einfach nicht das Gleiche wie das Schießen mit einer richtigen Waffe - nicht, weil es nicht mehr knallen würde, sondern weil sich kein Projektil auf das Ziel zubewegt, welches dem Wind und anderen Einflüssen ausgesetzt ist. Zudem wäre die Bandbreite der Disziplinen nicht mehr gewährleistet.

    - F: Hat Schießen mit Macht- und Machogehabe zu tun?

    A: Das ist vielleicht bei einigen wenigen der Hobby-Schützen so. Aber sehen Sie sich die Sportschützen, die für nationale oder internationale Wettbewerbe hart trainieren, genau an. Das sind ruhige Gemüter, die zu ihrem Sportgerät ein völlig entspanntes Verhältnis haben.

    - F: Welche Lehren hat der Thüringer Schützenbund aus Gutenberg gezogen?

    A: Für uns als Verband war die Tat ein trauriger Anlass, die Mitglieder weiter für den Umgang mit Waffen und Munition zu sensibilisieren und mehr auf das soziale Gefüge in den Vereinen zu achten. Da gab es auch bei uns Verbesserungsbedarf.

    - F: Und die Gesellschaft?

    A: Auch dort plädiere ich für ein stärkeres Miteinander und dafür, den jungen Leuten eine Perspektive zu bieten. Das wird zukünftige Amokläufe nicht verhindern können. Aber ein Patentrezept gibt es ohnehin leider nicht.

    - F: Befürchten Sie eine Verschärfung des Waffenrechts?

    A: Von der Politik erwartet man nach solchen Taten Reaktionen. Deswegen mache ich mir natürlich Sorgen, was nach dem nächsten Amoklauf passieren könnte. Die Waffengesetze sind streng genug, das Problem ist eher deren mangelnde Einhaltung.

    * * *

    Nun ja. Verglichen damit ist der tägliche selbstschädigende Unsinnsanteil in Waffen-Online deutlich höher.
    Muss man schon feststellen. :)

    Carcano

    dort entscheiden letztlich Abgeordnete, welche in den meisten Fällen nicht den Hauch einer Ahnung von der Sache haben. Aber gerade bei diesen Entscheidern dürften solche Aussagen, wenn sie denn so gefallen sein sollten, von dem Vorzeigeschützen, dem Jahrhundertschützen, dem dreifachen Olympiasieger, auf offene Ohren treffen. Wie wird sich wohl jemand, der kleinen Plan hat und sich bisher noch unschlüssig ist, entscheiden, wenn er solche Aussagen aus vermeintlich so berufenen Mund hört?


    Und wenn Du die ganze Anhörung sorgfältig verfolgt hättest, dann hättest Du festgestellt, dass die dort sprechenden und fragenden Abgeordneten teilweise ausgesprochen VIEL Plan von der Sache hatte, und speziell zu DSB-Strukturproblemen - die erörtert wurden - sogar erkennbar mehr Ahnung als so manche fleißige Poster hier.
    Ich muss zugeben, ich war auch positiv überrascht von der Sachkunde bei den drei klassischen Parteien.

    Carcano