Das mit Endoskopkamera gewonnenes Wissen ist meistens unnötiges.
Ja, mit der deutlich leichteren Verfügbarkeit und vor allem angesichts der starken Preissenkungen von Endoskopen und Endoskopie-Kameras werden diese viel häufiger nun auch von Durchschnitts-Sportschützen erworben. Bis vor vielleicht einem Jahrzehnt war das ja besonders ambitionierten Büchsenmachern, Benchrestern oder Long-Range-Schützen vorbehalten, oder Menschen, die ärztliche Praxisausrüstung auch privat nutzen konnten … und natürlich militärischen Instandsetzungseinheiten (insbesondere für die regel- und turnusmäßige Überprüfung von MG-Läufen).
Von Bedeutung sind die Feststellungen an Endoskopiekameras also vorrangig in den genannten Anwendungsbereichen bei Langwaffen, und zwar insbesondere, soweit es die Frage von Hitzeschäden (Krokodilhaut, Verschuppungen des Laufinneren, netzförmige Mikrorisse, Erosion im Übergangskegel) betrifft. Das betrifft mithin die Anwendung durch Benchrester und durch Long-Range-Schützen, wo derartige Abnutzungs- und Schadspuren ja, je nach den verwendeten Patronen, schon nach einigen 100 Schüssen auftauchen können.
Für Zentralfeuer-Kurzwaffen (mit Ausnahme von Silhouettenpistolen) und generell für alle KK-Waffen (lang und kurz) sind Endoskopiekameras eigentlich wenig sinnvoll. Es mag zwar Spaß machen, den Lauf von innen durchspazieren zu können, man kann sich auch darüber informieren, wie sehr ein Übergangskonus des Revolverlaufs inzwischen durch Blei fett zugesetzt ist, aber schießsportlich nennenswerte Erkenntnisse kann man daraus wenig gewinnen. Vor allem ist es absolut nicht notwendig, dass ein Kurzwaffenlauf und ein normaler Jagdlauf blank und frei von jeder noch so kleinen Ablagerung wäre. Es ist aus den bekannten und hier schon vielfach erörterten Gründen letztlich sogar eher problematisch und präzisionsnachteilig, dies anzustreben. Benchrest ist eine Ausnahme.
Falls eine Jagdwaffe gar nicht trifft, braucht sie erst einmal keine Endoskopie, sondern eine gründliche Reinigung, wobei statt starker ammoniakhaltiger Reiniger, die für gewisse Anwendung auch ihre - sehr beschränkte Berechtigung - haben mögen, hier gerade bei Jagdwaffen die tüchtige mechanische (!) Arbeit und die Verwendung eines guten Carbonlösers (Hauptbestandteil Ethanolamin) wesentlich wichtiger wäre.
Man verwendet dann ja auch keine Messingbürsten, sondern Phosphorbronze-Bürsten, und nur im total verrosteten und zugesetzten Extremfall durchaus auch einmal (Büchsenmacher tun dies aus Faulheit und der Schnelligkeit halber allerdings öfters) Stahldrahtbürsten. Mit den letzteren ist allerdings erhebliche Zurückhaltung angezeigt.
Carcano