Beiträge von Carcano

    Was bei SK (Schönbeck) und Lapua auffiel und weiter auffällt, ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Herstellern im Bereich von Haltbarkeit und Konsistenz über die Zeit hinweg.
    Viele KK-Patronen sind über Jahrzehnte hinweg gut nutzbar, mit nur geringen Einschränkungen. Ich schoss neulich sehr alte gelbe US-Winchester in Standardqualität (nicht , nicht die bekannte gelbe Winchester T22, die ist ja vergleichsweise sehr jung, auch nicht etwa Mark III oder Mark IV, sondern kleine gelbe 50-Packungen aus den 1960er oder allenfalls sehr frühen 1970er Jahren), und die hatte nach 55-60 Jahren eine erstaunliche Top-Präzision behalten. Auch alte Eley trotzt gut dem Zahn der Zeit.

    Die irgendwann in den 1990ern eingestellte blaue Schönebeck S 50, die damals ganz frisch sehr präzise war und ohne weiteres mit der RWS R 50 mithalten konnte, zeigte dagegen schon wenige Jahre nach Herstellung erhebliche Präzisionseinbußen, wohl auf Pulverinstabilität zurückzuführen. Und wer heute die S 50 schießt, bekommt größere Gruppen als mit billigster Magtech.

    Ähnlich war es jüngst mit einer Lapua Club als 500er Dose , und mit so etwa 15-20 Jahre alter SK Standard gold-gelb. Während die gute alte RWS Standard (ursprünglich mit Hauptfarbe rot, dann mal ziegelrot bis orange) heute immer noch gute Pistolen-Trainingsmunition ist, soweit die Geschosse nicht zu oxidiert sind, und wärend die sehr recht berühmte noch ältere blau-gelbe Lapua Master mit ihren massiv talggefetteten Geschossen heute durchweg immer noch sehr gute Präzision erbringt, hielten die vorgenannten etwas älteren Einstiegsqualitäten von SK Lapua heute aufgelegt aus der Kurzwaffe nicht einmal mehr den Neunerring (!!) der Pistolenscheibe auf 25 m, sondern blieben so halbwegs im Achterring.

    Da liegt also bei der Pulverbehandlung- und -fertigung seit Jahrzehnten etwas im Argen; eventuell auch bei der Zündmasse.

    Carcano

    Ich habe da mal eine Verständnisfrage.

    Die Sportordnung 2025 des DSB ist vom Bundesverwaltungamt genehmigt und veröffentlicht.

    Ich glaube nicht, daß die TK des DSB die Sportordnung einfach so ergänzen oder ändern kann, zumal es sich hier nicht um eine sicherheitsrelevante Änderung handelt.

    Dem Verständnis kann geholfen werden, hier sogar ohne eine Beratungsgebühr. Der entsprechende Vorschriftenkomplex in § 15a WaffG ist schon von Reihe von Jahren abgeändert worden, im Interesse der praktischen Handhabung

    Zunächst einmal gilt die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsamtes nur noch für die erstmalige Genehmigung einer Sportordnung, und dann nur noch für die Änderung bestimmter Teile des Sportordnung, und das ist hier nicht betroffen. Es handelt sich dabei nämlich um "Teile, die für die Ausführung dieses Gesetzes und der auf seiner Grundlage erlassenen Rechtsverordnungen erheblich sind". Die Quisquilien und Details zum Auflageschießen sind waffenrechtlich nicht relevant. Das heißt, das Bundesverwaltungsamt hat da schon einmal nichts zu entscheiden.

    Und zweitens gibt es auch für diese (wenigen) Teile inzwischen die Möglichkeit der schlichten Umsetzung einer Änderung durch stillschweigende Genehmigung, nach § 15a Abs. 2 S. 3 WaffG. Das ist heute die gängige Praxis bei allen Verbänden.
    Änderungen werden dem BVA zur Kenntnis mitgeteilt, dort wird stillschweigend genickt, und dann treten die nach drei Monaten in Kraft. Nur wenn das BVA erhebliche Bedenken hätte, müsste es sich melden, oder müsste seinerseits den Verband darauf hinweisen, dass eine Prüfung noch anhängig ist.
    Derartige erhebliche Bedenken wird z.B. dann geben können, wenn Waffen ins sportliche Schießen übernommen werden sollen, die aus Sicht der Bedenkenträger ganz und gar gefährlich oder unzulässig werden wären, oder eben bei Disziplinen, gerade welche Waffen erfassen sollen, die an für sich sonst erst einmal vom sportlichen Schießen ausgenommen wären (§ 6 Abs. 3 AWaffV). Der BDMP hat da zum Beispiel eine Revolver-Ausnahme, die SASS (unter dem Dach des BDS) könnte für side matches wohl auch eine erwägen.

    Carcano

    Das mit Endoskopkamera gewonnenes Wissen ist meistens unnötiges.

    Ja, mit der deutlich leichteren Verfügbarkeit und vor allem angesichts der starken Preissenkungen von Endoskopen und Endoskopie-Kameras werden diese viel häufiger nun auch von Durchschnitts-Sportschützen erworben. Bis vor vielleicht einem Jahrzehnt war das ja besonders ambitionierten Büchsenmachern, Benchrestern oder Long-Range-Schützen vorbehalten, oder Menschen, die ärztliche Praxisausrüstung auch privat nutzen konnten … und natürlich militärischen Instandsetzungseinheiten (insbesondere für die regel- und turnusmäßige Überprüfung von MG-Läufen).

    Von Bedeutung sind die Feststellungen an Endoskopiekameras also vorrangig in den genannten Anwendungsbereichen bei Langwaffen, und zwar insbesondere, soweit es die Frage von Hitzeschäden (Krokodilhaut, Verschuppungen des Laufinneren, netzförmige Mikrorisse, Erosion im Übergangskegel) betrifft. Das betrifft mithin die Anwendung durch Benchrester und durch Long-Range-Schützen, wo derartige Abnutzungs- und Schadspuren ja, je nach den verwendeten Patronen, schon nach einigen 100 Schüssen auftauchen können.

    Für Zentralfeuer-Kurzwaffen (mit Ausnahme von Silhouettenpistolen) und generell für alle KK-Waffen (lang und kurz) sind Endoskopiekameras eigentlich wenig sinnvoll. Es mag zwar Spaß machen, den Lauf von innen durchspazieren zu können, man kann sich auch darüber informieren, wie sehr ein Übergangskonus des Revolverlaufs inzwischen durch Blei fett zugesetzt ist, aber schießsportlich nennenswerte Erkenntnisse kann man daraus wenig gewinnen. Vor allem ist es absolut nicht notwendig, dass ein Kurzwaffenlauf und ein normaler Jagdlauf blank und frei von jeder noch so kleinen Ablagerung wäre. Es ist aus den bekannten und hier schon vielfach erörterten Gründen letztlich sogar eher problematisch und präzisionsnachteilig, dies anzustreben. Benchrest ist eine Ausnahme.

    Falls eine Jagdwaffe gar nicht trifft, braucht sie erst einmal keine Endoskopie, sondern eine gründliche Reinigung, wobei statt starker ammoniakhaltiger Reiniger, die für gewisse Anwendung auch ihre - sehr beschränkte Berechtigung - haben mögen, hier gerade bei Jagdwaffen die tüchtige mechanische (!) Arbeit und die Verwendung eines guten Carbonlösers (Hauptbestandteil Ethanolamin) wesentlich wichtiger wäre.

    Man verwendet dann ja auch keine Messingbürsten, sondern Phosphorbronze-Bürsten, und nur im total verrosteten und zugesetzten Extremfall durchaus auch einmal (Büchsenmacher tun dies aus Faulheit und der Schnelligkeit halber allerdings öfters) Stahldrahtbürsten. Mit den letzteren ist allerdings erhebliche Zurückhaltung angezeigt.

    Carcano

    Seit der Zulassung von echten Zylinderverschluss-Systemen für Silhouettenpistolen durch die IHMSA irgendwann in den 1980ern ist die starke und dominierende Stellung der Thompson-Center Contender zwar durch einige Mitbewerber erweitert worden. Aber die Waffe ist immer noch viel im Gebrauch und wegen ihrer leichten Laufaustauschbarkeit nach wie vor beliebt. Und selbstverständlich wird sie für Entfernungen von 50, 100 und 200 m weiterhin eingesetzt.

    Nur gibt es für die größere Entfernungen natürlich besser geeignete Patronen als gerade die .30-30 Win. Beliebt ist z.B. die 7-30 Waters, und viele neuere Benchrestpatronen.

    Carcano

    Deshalb herrscht ja so viel Unklarheit, was dann auch zu unsäglichen Diskussionen bei Wettkämpfen und Waffenkontrollen führt.

    Na jaaaaaa, aaaalso...

    also für "unsäglich" im Sinne deines Sprachgebrauchs halte ich eher die sich in diesem Thread zu Hauf tummelnden Auflageschützen und -schützinnen, deren Einstellung zum SchießSPORT sich zu 50 % aus Regelquerulanz, zu 40 % aus Materialhuberei, und zu 10 % aus aktuellem sportlichen Schießen zusammensetzt.

    Gut Schuss und so,

    Carcano

    ich teste jedes Jahr anlässlich der DM in Dortmund bei MEC. (...) Zur Auswahl stehen ca. 80 Lose der führenden Hersteller
    (...)
    bin ich zu RWS nach Nürnberg gefahren. Das war für mich etwas ernüchternd. Die Auswahl umfassten keine 20 Lose in unterschiedlicher Kopfgröße.

    Hm. Also wirklich hm.
    Es mag ja manche etwas überraschen (insbesondere einen ganz bestimmten Foristen hier), dass ich hier etwas zu Gunsten oder zur Verteidigung von RWS sage. Es sollte aber auch nicht verwundern.

    Bei MCE hat man also Losnummern verschiedener Diabolos-Hersteller vorrätig. Da es um die Spitze geht, dürfte sich dabei um 4 Unternehmen handeln. 4x20 = 80.

    RWS hatte dagegen 1x20 Lose vorrätig. Es ist auch nachvollziehbar, dass ein Hersteller nicht etwa andere Hersteller mit vorrätig hat. Ein hier jüngst im Forum unternommener Vergleich hat gezeigt, dass es dem interessierten Schützen sann durchaus möglich war, auch unter der RWS-Produktion ein Spitzenlos auszusortieren, was allerdings einige Anstrengung gekostet hatte.

    Ich kann gut verstehen, dass es jemandem lieber ist, eine noch größere Auswahl zu haben, aber das spricht eben nicht gegen RWS und muss niemanden "ernüchtern". Wer auf den Testschießständen von SK oder von Eley Deutschland schießt, bekommt ja auch nicht die Konkurrenz-Randfeuermunition zum Vergleich gestellt.

    Carcano