Hallo,
also, zur Grundsatzfrage, stirbt die Jugend aus...
Ich selber war 10 Jahre Jugendleiter bei uns in unserem Dorfverein.
Das war so zw. 1994 und 2004, dann ist leider beruflich und familiär
einiges dazwischen gekommen, so dass ich mich nun v.a. um den
normalen Vereinsablauf (EDV, Beiträge, Auswerten ect.) kümmere.
Was ich sagen kann - es wurde auch schon mal geschrieben - ein Jungschütze
kommt nur sehr selten, man muss eine Gruppe - wenn vorhanden - gewinnen,
ansonsten wird es schwer, einzelne zu halten. Ausserdem sind die Chancen v.a.
bei Kindern groß, bei denen die Eltern auch hin und wieder zum Schießen - oder
zumindest zu Veranstaltungen - kommen.
Wir haben auch nur ein kleines Vereinsheim mit 6 10m-Ständen auf 2 Stockwerken
verteilt, sprich es gibt keine "exotischen" Disziplinen bei uns... Das bedeutet auch,
wenn alle Jugendlichen (ca. 8...10) zur selben Zeit sich einfinden, kann nicht jeder
sofort losschießen. Wobei wir mittlerweile für jedes Alter mehrere Pressluftgewehre,
Schießjacken und Handschuhe bereitstellen können, da waren wir einer der ersten
Vereine (obwohl wir einer der kleinsten im Gau sind).
Also, wie bekomme ich und v.a. wie halte ich Jugendliche und gibt es Möglichkeiten,
einen Mitgliederschwund aufzuhalten ?
Hier meine Meinung:
- Ein Verein muss zuallererst seine Identität haben, bewahren, Traditionen pflegen,
Feste feiern usw. - wenn ich sehe, wie hochmotivierte Jugendleiter schon fast wie
Animateure neben Training und Wettkämpfen auch noch fast jedes Wochenende
Zelten, in irgendwelche Bäder fahren, Freizeitparks besuchen ect., das konkurriert
dann schon mit irgendwelchen "Fun-Sportarten" allerdings habe ich nur ganz wenige
Vereine erlebt, bei denen es ein Jugendleiter mehr als 2 Jahre in der Form durchgehalten
hat. Denn das ist - bei normalem Beruf und evtl. familiären Verpflichtungen - kaum zu
schaffen.
Mir ist lieber, es wird trainiert, gekämpft, die Ostereier-, Nikolaus- und Königsschießen
durchgeführt, gemeinsam z.B. auf ein Gauschießen gefahren und dann von mir aus noch
ein Sommerfest veranstaltet, dazu kommt im Winter der Nikolaus, wir haben dann noch
das Jahresabschlussschießen, da bestehen dann die Preise aus Sekt und Raketen...
- Was für mich auch wichtig ist, dass die Jungen und Alten an einem Tisch sitzen, über
Ergebnisse philosophieren (das ist meist der Anfang), dann Kartenspielen zusammen und
so nach und nach zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen. Was ich nicht so sonderlich
gut finde, ist, wenn ein Jugendlicher kommt, schießt, geht.
- Dann ist auch wichtig, wenn geeignete Charaktäre da sind, die Jugend so früh wie möglich
in die Vorstandschaft mit reinzunehmen. Ich war drin als Beisitzer mit 16 Jahren (wahrscheinlich
hängt das an der jeweiligen Vereinssatzung) und bin da noch fast 23 Jahre später. Mittlerweile
bin ich einer von den Alten in der Vorstandschaft. Da ist sehr wichtig, dass die Jugend bei Fest-
und z.B. bei Faschingsball-Planung ein richtiges Mitspracherecht hat. Bei uns entscheidet die
"Jugend" (ist egal ob in der Vorstandschaft, oder nicht) z.B. bei der Musik- und Getränkeauswahl,
unser Faschingsball wäre schon längst tod, wenn es da nicht so viele "Auswärtige" Jugendliche gäbe,
die nur dadurch angezogen werden, dass deren Kumpels die "Veranstalter" sind.
- Des weiteren ist wichtig, dass die Kosten nicht zu hoch sind. Wer 50 Euros Vereinsbeitrag verlangt
(bzw. verlangen muss wenn Zuschüsse angestrebt werden), dann die Getränkepreise, Bänder und
Munitionskosten hoch sind, dann wird das bei vielen auch plötzlich ein Thema. Wir zahlen als Verein
"drauf" bei den Kids, da sind die Getränke am Jugendschießen quasi zum Selbstkostenpreis, Vereinsbeitrag
ist weniger, als wir weiterüberweisen (bei Schülern 5 Euro) Munition wird gestellt und das Band kostet 15 Ct.
D.h. wenn ein Kind ca. 1,50 Euros mit zum Schießen bringt, ist Sport und Getränk bezahlt...
- Was mir immer wichtig war, war einerseits, die Talente zu fördern, aber auch die "Gesellschaftsschützen"
nicht zu vergraulen. Ich denke, da wird häufig bei verschiedenen Vereinen spezialisiert, v.a. wenn es 1...2
richtig gute Schützen gibt, fühlen sich die anderen wie Schützen 2. Klasse und driften kaum merklich zu
Beginn, aber später - spätestens mit eigenem Führerschein - ab. Wir haben bei uns eine junge Dame, die
jetzt über 390 schießt, die wurde dann aber zusätzlich zum Vereinsschießen noch überregional trainiert,
da waren dann Eltern gefordert, die abwechselnd unsere 2..3 besten in so ein Training gefahren haben. Auch
haben wir schon einen Trainer zu uns eingeladen ect. so dass auch die "normalen" Schützen die Chance haben,
zu sehen, auf was es ankommt. Aber wichtig für ich ist/war, dass es egal ist, ob ich 300 oder 390 schieße,
man ist immer willkommen, solange man sich am Schießstand anstrengt.
- Ich könnte noch so viel mehr schreiben, z.B. Disziplin am Schießstand, Aufgelegt-Schiessen bei den
ganz kleinen ect. was alles so wichtig wird, aber ich glaube, es ist jetzt schon ein Graus, das alles zu lesen...
Darum mache ich ein hartes Ende.
PS: wir haben eine Lupi, aber keinen, der diese vernünftig trainieren könnte, Caracho, hast Du nicht Zeit ?
Wir sind in Schwaben daheim... (was ich damit sagen möchte, Du bist in mehreren Threads recht aktiv, v.a.
sehr belehrend, allerdings sehe ich immer nur sehr hochtrabendes, mir wäre z.B. wichtig zu wissen, bist Du
Schütze ? Begleitest Du irgendeine aktive Funktion ? Nimmst Du das Vereinsleben wahr bzw. daran teil ? )