Großkaliber.45 ACP. Qual der Wahl!

  • Beitrag von Snowpatrol ()

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  • Ich habe den Eindruck, daß bei Oschatz der Fertigungs- Schwerpunkt auf der CZ 75 Sport liegt. Die dauert zwar auch, aber ist immerhin gelegentlich zu bekommen. Unlängst hatte ich ein paar Kleinteile bestellt und relativ lange ohne Rückantwort gewartet. Als ich anrief, wurde mir sehr freundlich beschieden, daß das Geschäft ständig von Kunden "gestürmt" würde und man sich bemühe, den Ansturm abzuarbeiten. Kein schlechtes Zeichen für den Laden.


    Das wollen Viele. Aber es stellt sich doch öfter als gedacht heraus, daß die eine oder andere Nacharbeit sein muß. Selbst bei den teuersten, hochwertigsten 1911- Luxus Manufakturprodukten kann so etwas vorkommen. Und es kann sogar sein, daß es Fehler gibt, die sich nicht nacharbeiten lassen. So gesehen ist eine Waffe aus heimischer Fertigung deshalb angenehm, weil man beim Hersteller direkt vorstellig werden kann.


    So was habe ich auch in Betrieb. Vorteil bei Les Baer ist, daß diese Waffen normalerweise keinerlei "Zurechtbasteln" benötigen und schon aus der Schachtel störungsfrei laufen. Allerdings ist beim Abzug meist Nacharbeit nötig, um auf das zulässige Mindest- Abzugsgewicht herunterzukommen. Dazu braucht man wieder mal den berühmten "Fachmann vor Ort". Und die sind äußerst selten. Oder bauen gleich selbst Neuwaffen - siehe oben.

    Hallo CoolMint.

    Danke für die freundliche und präzise Antwort. Die Les Baer Waffe wurde mir schon von anderer Seite empfohlen.

    Aller Dings mit dem Hinweis das man Ca. 1000 Schuss für das "Einschießen " braucht!

    Und das wichtigste: Hast du deinem Fachmann vor Ort die Waffe zu der Nacharbeit anvertraut?

    Dann würde ich es evtl.auch bei Ihm machen lassen.Gute heute sind selten,wie du ja selbst schreibst!

  • Hallo CoolMint.

    Danke für die freundliche und präzise Antwort.

    Bitte gerne.

    Die Les Baer Waffe wurde mir schon von anderer Seite empfohlen.

    Aller Dings mit dem Hinweis das man Ca. 1000 Schuss für das "Einschießen " braucht!

    Also zu Les Baer: Die darf man sich nicht als Waffenfabrik im "deutschen" Sinn vorstellen. Das ist eine große Wellblechhalle mit etlichen Werkbänken und Handwerkern, wo jede Waffe in Handarbeit aus Zulieferteilen zusammengepasst wird. Der Chef ist stolz darauf, daß das noch genau so "wie in den 30er Jahren" erfolgt. Dazu ist die 1911- Uralt- Konstruktion auch perfekt geeignet.


    Was die Qualität dieser Waffen ausmacht, ist die sehr sorgfältige Handarbeit und daß jede Waffe ausführlich probegeschossen wird. Wenn es Probleme mit der Funktion oder Genauigkeit gibt, wird nachgearbeitet oder aussortiert. Auch viele Kleinigkeiten wie die Länge des Übergangskegels sind so ausgelegt, daß die Waffe auf der problemlosen Seite ist.


    Das mit dem Einschießen habe ich nicht erlebt. Wichtig ist aber, daß die Waffe besonders zu Beginn nie ganz trocken läuft. Die Passungen sind wirklich eng. Ich bin da ein sparsamer Ballistol- Anwender.

    Und das wichtigste: Hast du deinem Fachmann vor Ort die Waffe zu der Nacharbeit anvertraut?

    DAS ist das große Problem. Der Abzug einer 1911 ist nur mühsam zu optimieren. Und je geringer das Abzugsgewicht, desto kürzer die Gebrauchsdauer des Abzugs. Bei 1.200 g und .45ACP wird immer wieder mal ein Abzug fällig. Also hängt man wie ein Junkie am Abzugsfachmann.


    Meine Lösung: Die CZ97B, bei der ich bezüglich Abzugsoptimierung auf eigenen Beinen stehe. Das Faszinierende: Mit ein wenig Nacharbeit meinerseits ist sie genau so präzise wie die super- teure Spitzen- LesBaer. Und weil die Führungen ganz anders gearbeitet sind, erwarte ich auch, daß die Genauigkeit viel länger erhalten bleibt.


    Womit ich selbst keine Erfahrung habe, wäre die Pardini. Nur ist dort der Griff etwas dick und wie ein Kantholz. Aber wenn man persönlich mit dem Griff zu Rande kommt, wäre der Abzug und seine Einstellbarkeit für mich ausschlaggebend. Ich werde zusehen, so eine Waffe mal in die Finger zu kriegen. Verglichen mit einer LesBaer Premier II mit Schußbild ist die Waffe fast schon ein Sonderangebot, wenn man die Abzugsbearbeitung und Wartung mit einrechnet.

    Früher standen die Menschen einander näher. Was blieb ihnen auch übrig, so ganz ohne Feuerwaffen.

  • Um die Auswahl noch etwas zu erweitern:


    Tanfoglio Limited Custom (5 Zoll) und Tanfoglio Goldmatch (6 Zoll).

    (Wechsel)Systeme gibt es in 9mm, .45ACP und.40S&W

    Ich selbst habe eine Tanfoglio Gold Match Combo (6 Zoll, Kaliber .45 mit 9mm Wechselsystem (ebenfalls 6 Zoll), hat mich mit einem 20%-Gutschein von Frankonia alles zusammen um 1950,- gekostet). Für diese Waffe gibt es außerdem ein 5 Zoll .22er Wechselsystem für ca. 400,- EUR. Alles was man von Tanfoglio aus den 90ern und vielleicht noch von Anfang der 2000er-Jahre kennt (miese Verarbeitung, Störungen etc.) kann man bei diesem Modell getrost vergessen! Der Büchsenmacher bei Frankonia dachte zuerst, er hätte eine SIG Sauer P220 X-Six in der Hand, als er den Koffer aufmachte und sie begutachtete! Die Passungen sind sehr genau, die Qualität der Verarbeitung ist top! Darüber hinaus schießt und trifft sie aus den beiden Polygonläufen hervorragend!

    Mir liegen die hier angepriesenen 1911er-Verschnitte i.d.R. nicht so. Dies liegt an der wenig anatomischen Handlage im Bereich des Übergangs von Abzugsbügel zum Griffstück (da, wo der Mittelfinger aufliegt). Dieser ist bei den 1911er-Nachbauten i.d.R. gerade, wie bei Original.

    SIG Sauer P220 X-Six, CZ, Pardini und Tanfoglio haben hier eine rundliche Aussparung für den Mittelfinger konstruiert, die sofort eine ganz andere Handlage entstehen lässt (damit: Visierlinie tiefer, Rückstoß geht viel gerade in den Arm, Waffe schlägt nicht so) . Und dass ist einer der entscheidenden Faktoren für mich bei der Auswahl: man muss das Gefühl haben, dass die Waffe quasi mit Hand und Arm "verwächst" und nicht ein gehaltener Fremdkörper ist!

    Womit ich selbst keine Erfahrung habe, wäre die Pardini. Nur ist dort der Griff etwas dick und wie ein Kantholz. Aber wenn man persönlich mit dem Griff zu Rande kommt, wäre der Abzug und seine Einstellbarkeit für mich ausschlaggebend.

    Die beste Handlage hatte übrigens die Pardini. Das liegt auch am flacheren Griffwinkel und eben an der (bei Pardini sehr markanten) Konstruktion des Übergangs von Abzugsbügel zum Griffstück. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie diese Einschätzung ("Kantholz") zustande kommt. Alleine schon wenn man die äußere Form mit ihren Abrundungen betrachtet, kann diese Einschätzung m.E. nicht zustande kommen! Ich habe übrigens nur Handschuhgröße 9,5 und damit eher mittelgroße Hände für einen Mann. Kleinere Hände kommen mit dem etwas voluminöseren Griffstück, welches aufgrund des doppelreihigen Magazins entsteht, natürlich nicht so gut zurecht. Wenn das gemeint sein sollte, sollte man es auch so ausdrücken...

    Ich habe die Pardini nicht genommen, weil sie a) viel teurer war und b) ein Alu-Griffstück hat, welches die Waffe leichter macht. Das geringere Gewicht hat Nachteile: Es führt dazu, dass die Waffe stärker schlägt und damit deutlich stärker aus dem Ziel springt. Dies wiederum kostet bei der 20-Sek.-Serie Zeit, die mir beim Zielen fehlt! Pardini bietet einen Rückstoßdämpfer - als Zubehör!!! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Aber wieso konstruiere ich eine leichtere Waffe mit o.g. Nachteilen, um diese Nachteile über (teures) Zubehör wieder auszugleichen?! Im Übrigen ist es Zubehör, welches von Zeit zu Zeit ersetzt werden muss.

    Daneben ist Alu ein spröderes Material mit weniger Abriebfestigkeit. Dauerhaltbarkeit??? Außerdem gibt es keine Wechselsystem-Möglichkeit, damit kosten mich zwei Waffen in den Kalibern 9mm und .45 AUTO knapp 6300,- Tacken + den zweiten, dann aber sicherlich zu verschmerzenden Voreintrag (ca. 50,-) und teurer Bescheinigung (70,-) vom Landesverband. Ja, die Hessen langen mittlerweile unverschämt hin!

  • Bzgl. der Wechselsysteme bei Pardini habe ich mich vertan, es gibt doch welche. Habe ich gerade erst gesehen, allerdings sind 1400,- auch nicht gerade wenig Geld, wenn man noch den Preis der Grundwaffe dazu nimmt.

  • Ich würde hier noch die Frage einwerfen wollen, für welchen Verband und welche Disziplin die Waffe verwendet werden soll und ob ggf. die Nutzung in einem anderen Verband (z.B. für IPSC oder andere dynamische Disziplinen) vorgesehen ist.


    Am Ende können Dir hier nur Vorschläge gemacht werden, diese bedeuten aber nicht, dass die vorgeschlagenen Waffen Dir auch liegen werden. Bedeutet Testen, Testen, Testen

  • Grundsätzlich ist es so, dass man nur schwer eine Waffe empfehlen kann.


    Unterschiedliche Verbände und Disziplinen haben unterschiedliche Anforderungen an die Waffe. Größe, Gewicht, Abzugsgewicht, Triggerstop Ja oder Nein, Matchabzug Ja oder Nein, Starre oder verstellbare Visierung, Optic Ready oder rein offene Visierung, Single oder Doublestack Magazine (wegen Griffgröße), etc.


    Nehmen wir die ZPW Raptor 9, die von Lanfaer und mir vorgschlagen wurde. Das ist eine Spitzenwaffe bei der der Büchsenmacher aber auch friemeln musste, um sie z.B. für den BDS fereigegeben zu bekommen, da sie zu schwer war. Der Lauf musste entsprechend bearbeitet werden, um Gewicht zu sparen.

    Diese Pistole ist mit unterschiedlichen Visierungen erhältlich. Aristokrat Visierung optional möglich, wie auch eine Hybridlösung die eine offene Visierung ist und zeitgleich eine Montagebasis für ein Holosight wie das Docter darstellt.


    http://zindel-praezisionswaffen.de/zpw-raptor/


    Ultraleichte Carbonfaser Federführungsstange, um wiederum Gewicht zu sparen, etc.


    Aber maßgeblich ist der Einsatzzweck der Sportwaffe und Deine persönliche Ergonomie

  • Die beste Handlage hatte übrigens die Pardini. Das liegt auch am flacheren Griffwinkel und eben an der (bei Pardini sehr markanten) Konstruktion des Übergangs von Abzugsbügel zum Griffstück. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie diese Einschätzung ("Kantholz") zustande kommt. Alleine schon wenn man die äußere Form mit ihren Abrundungen betrachtet, kann diese Einschätzung m.E. nicht zustande kommen! Ich habe übrigens nur Handschuhgröße 9,5 und damit eher mittelgroße Hände für einen Mann. Kleinere Hände kommen mit dem etwas voluminöseren Griffstück, welches aufgrund des doppelreihigen Magazins entsteht, natürlich nicht so gut zurecht.

    Hi Snowpatrol,


    das ist insgesamt eine sehr gute Analyse, und eine hervorragende Herangehensweise........

    Ich habe die Pardini nicht genommen, weil sie a) viel teurer war und b) ein Alu-Griffstück hat, welches die Waffe leichter macht. Das geringere Gewicht hat Nachteile: Es führt dazu, dass die Waffe stärker schlägt und damit deutlich stärker aus dem Ziel springt. Dies wiederum kostet bei der 20-Sek.-Serie Zeit, die mir beim Zielen fehlt! Pardini bietet einen Rückstoßdämpfer - als Zubehör!!! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    sehr gut für diese Disziplin und die Anforderungen beurteilt, das ist ne Beschreibung die Hand und Fuss hat......


    Mir liegen die hier angepriesenen 1911er-Verschnitte i.d.R. nicht so. Dies liegt an der wenig anatomischen Handlage im Bereich des Übergangs von Abzugsbügel zum Griffstück (da, wo der Mittelfinger aufliegt). Dieser ist bei den 1911er-Nachbauten i.d.R. gerade, wie bei Original.

    Die begrenzten Abzugsmöglichkeiten kommen noch hinzu, und man muss es mögen das man das Züngel schiebt, und es nicht kippt.

    Wenn es nicht zu indiskret ist, in welchem Bereich sind Deine Ergebnisse?


    no.limits

    Steyr EVO/E
    Match Gun MG2E / MG5E
    Felix Team 45 ACP
    SIG 210/6 Full Race Gun, Oschatz

  • Danke für soviel Lob, bin richtig verlegen... ;)

    Ich schieße sowohl mit Pistole und Revolver bei den 150 Sek i.d.R. über 190. Da ich die 20-Sek.-Serien nur mal so zum Spaß mitschieße und nicht wirklich trainiere, versaue ich es mir dort meistens etwas, so dass meistens nur um 180 rauskommen. Da ich bei Revolver mit ungetunten Serienwaffen schieße (beide 1993 gekauft), und die zu allem Überfluss noch die rote Einlage in einem Dachkorn haben, welches nicht wechselbar ist, kommt es hier noch ziemlich auf die Lichtverhältnisse an. Sind die "zu gut" und sehe ich dann die Einlage als rot oder etwas gräulich, wird es selbst mit dem Präzisionsschießen schwieriger. Denn oberhalb der roten Einlage sieht man beim Blick durch die Visierung noch einen winzigen Teil des Dachkorns, welches auch zunehmend blanke Stellen aufweist. Diese Stelle bewusst wahrzunehmen, ist dann bei diesen Lichtverhältnissen sehr schwierig und so kommen dann auch Höhenabweichungen zustande , die dann eine 9 oder gar eine 8 nach sich ziehen. Bei "schlechteren" Lichtverhältnissen erscheint dagegen alles schwarz, da läuft es dann richtig gut, so dass auch mal eine 98er oder 99er Serie herauskommt. Bin schon recht lange am Überlegen, ob ich mir neue Waffen anschaffe oder die Korne durch einen versierten BüMa austauschen lasse und gleich auch vernünftige Kimmen montieren lasse. Pro Waffe sind das auch etwa 350,- EUR...

    Das war jetzt ein wenig Off Topic, aber es führt mich dennoch zur Tangfoglio:

    Die Visierung der Tangfoglio ist dagegen nämlich sehr gut. Die zeichnet sich hervorragend bei allen Lichtverhältnissen ab. Man kann sie notfalls mit dem Feuerzeug nachschwärzen, anders als bei meinen Revolvern mit der roten Plastikeinlage. Mittlerweile für mich etwas schwieriger ist es dagegen, die Verstellrichtung an der Kimme zu erkennen. Die hätten die Konstrukteure etwas lesbarer aufbringen können. Ist aber auch der einzige wirkliche Kritikpunkt. Dass eine Waffe sich erst einlaufen muss, dass man sie an den Gleitflächen besser fettet und nicht ölt (auch das Fetten erhöht ein wenig die Präzision, weil quasi das Spiel der einzelnen Teile verringert wird und sie besser geführt werden) sollte bekannt sein.

  • Danke für soviel Lob, bin richtig verlegen... ;)

    Ach was. Nur keine Hemmungen- Weiter so und frisch heraus!

    Früher standen die Menschen einander näher. Was blieb ihnen auch übrig, so ganz ohne Feuerwaffen.