Bürokratische Hürden im Ehrenamt

  • Was fällt euch zu dem Thema "Bürokratische Hürden im Ehrenamt ein"?


    Mir wurde die Möglichkeit eröffnet, Meinungen an dafür zuständige Stellen in Bayern heranzutragen. Mit landesspezifischen Sachen aus anderen Bundesländern kann ich leider nicht viel anfangen.
    Gemeint sind wohl Dinge, die mit Behörden geregelt werden müssen.


    Beispiel: Organisation von Veranstaltungen. Was funktioniert gut, was weniger?


    Bitte mal das Waffenrecht und Sprengstoffrecht ausklammern.

    Mein Trainingsmotto:
    Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. (Philip Rosenthal, Unternehmer, *1916)

  • Hallo Ludwig,


    bevor erneut die sog. bürokratischen Hürden zusammengetragen werden, von denen es schon seit Jahren immer weniger geben soll, diese in der Praxis allerdings ständig zunehmen, ist mein Vorschlag, ehrenamtliches Engagement in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung mit mehr Anerkennung und Wertschätzung auszustatten. Dazu gehört m. E. auch die Verwendung zeitgemäßer Begriffe wie „Freiwilligenarbeit“, „Bürgerschaftliches Engagement“, die dem Strukturwandel des Ehrenamts eine zeitgemäße Hülle in unterschiedlichen Beschreibungen geben:


      • von der langfristigen Bindung hin zum zeitlich befristeten Engagement für Projekte/Aktivitäten;
      • von einer diffusen, ideellen Aufgabenstruktur hin zu eher thematisch strukturierten konkreten Aufgaben;
      • von der Anbindung an eine Organisation hin zu selbst organisierten Gruppierungen.
      • Ehrenamtliche Tätigkeiten sind zunehmend als anspruchsvolle, spezielle Qualifikationen voraussetzende Tätigkeiten zu charakterisieren, - also "Wie geht etwas!"
      • Erhöhung des Anspruchsniveaus der Ehrenamtlichen selber.
      • Ausweitung selbstbestimmter Tätigkeitsanteile.
      • Individualisierung der Entscheidung für ehrenamtliches Engagement
  • Wilhelm,


    Dein Beitrag erweckt den Eindruck als würden die Hürden für das Ehrenamt schon bei dem Verein liegen.


    Karl

  • Und ganz genau so ist es ja auch.Carcano


    Aber genau das kann man ja problemlos innerhalb des Vereins regeln und sehr viele Vereine scheinen auch nur noch zu existieren weil niemand in den dortigen Gremien von diesem holen Gewäsch das da teilweise abgelassen wird gehört hat bzw. daran glaubt.


    Karl

  • Stimmt. Ich glaube mit dem krassen Gegenteil würde man ziemlich gut fahren. Warum muss denn heute immer alles professioneller werden? Wir reden hier schließlich von unserer Freizeit! Die Vereine die gut laufen das sind die Vereine die gemeinsam Spaß bei den vielfältigen Aktivitäten aus Sport- und Vereinsleben haben und sich eben nicht durch hausgemachte Bürokratie und übertriebenes Anspruchsdenken selbst auf dem Fuß stehen.

    Gerhard Seemüller


    „Great minds discuss ideas;

    average minds discuss events;

    small minds discuss people.“

  • Sagt mal Freunde,


    habt ihr euch überhaupt mal die Mühe gemacht, den Beitrag von @Wilhelm auch mal richtig zu lesen und zu versuchen, die darin aufgeführten Arbeitspunkte auch zu verstehen und richtig einzuordnen? Auch wenn diese Punkte sicher (und auch sinnvollerweise) etwas verkopft formuliert wurden, so kann ich darin trotz größter Mühe nun wirklich keinen Ansatz erkennen, der dazu angetan wäre, weitere bürokratische Hürden zu schaffen. Eher ist das genaue Gegenteil der Fall.


    Wer mit offen Augen unsere (sicher nicht homogene) Vereinswelt betrachtet, der sollte eigentlich auch feststellen, dass ein großer Teil der heutigen Probleme in den Vereinen darauf zurückzuführen ist, dass wir nicht mehr genug fähige Menschen finden und motivieren können, bestimmte Aufgaben in den Vereinen zu übernehmen. Blickt man dann zurück, so stellt man fest, dass es auch früher oft nur wenige Menschen waren, die bereit waren, etwas zu tun, die dann oft als Einzelkämpfer nahezu alle Aufgaben in einem Verein, in einer Abteilung, übernahmen. Diese Leute brannten dann aber auch und fanden für sich auch die nötige Bestätigung, wohl auch durch ihre Alleinstellung und Machtposition und deshalb waren sie auch bereit, ein oft erhebliches Arbeitspensum zu leisten. Sie lieferten aber oft auch wirklich gute Arbeit, was wohl auch mit den damaligen (noch vorhandenen) Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft zu tun hatte.


    Diese Strukturen, die Wertvorstellungen und auch dieser Typus Mensch sterben aber langsam aus. Und wenn sich dann doch jüngere Menschen bereit finden, in die (vorgegebenen und ausgetretenen) Fußstapfen der Altvorderen zu treten, dann sind sie zwar für die erste Zeit oft auch sehr motiviert, sie bringen aber nur ganz selten auch die nötigen Fähigkeiten mit und wenn sie dann auch noch feststellen, mit wie viel Arbeit die Aufgabe, die Position, wirklich verbunden ist, dann wird entweder ganz schnell das Handtuch geworfen oder aber man sitzt die Sache einfach aus mit dann immer weiter abnehmender Qualität und oft bis hin zum bitteren Ende.



    Und hier kommen jetzt die Thesen und Arbeitspunkte von @Wilhelm ins Spiel. Sie zeigen einen gangbaren und nach meinen Erfahrungen auch Erfolg versprechenden Weg auf, wie Vereine aus dem oben aufgezeigten Dilemma kommen können.


    Aber um das zu erkennen, muss man sich natürlich, wie weiter oben schon geschrieben, erst mal die Mühe machen, zu verstehen, was diese Punkt überhaupt bedeuten und was sie bezwecken sollen. Einen weiteren Bürokratieaufbau jedenfalls ganz sicher nicht.



    Mit bestem Schützengruß


    Frank - mag auch kein Pseudogeschwätz, aber Dummschwatz noch viel weniger

  • Genau deshalb wär's vielleicht viel sinnvoller dieses altbackene Postendenken abzuschaffen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Da braucht's kein selbstgefälliges Egostreicheln und kein antrainiertes Durchhaltevermögen, sondern einfach nur Spaß am Sport-und Vereinsleben, wer alleine kämpft wird verlieren bzw. hat schon verloren. Aber wenn sich dann noch einzelne aufspielen, sie würden ja erst die Bedingungen schaffen, dass andere sich engagieren, dann ist das Problem vermutlich tiefer verwurzelt. Auflösen und neu anfangen wäre vielleicht eine Lösung.

    Gerhard Seemüller


    „Great minds discuss ideas;

    average minds discuss events;

    small minds discuss people.“

  • Um noch mal zum Thema zurück zu finden. Ich meinte nicht die selbst geschaffenen Hürden im Verein (sicherlich auch ein interessantes Thema). Sondern es geht um bürokratische Hürden, die man als Verein bzw. Funktionär überwinden muss, wenn man z.B. ein Schützenfest organisiert und dabei dieses und jenes Dokument bei den Behörden abliefern muss, gesetzliche Regelungen, Verischerungen, Haftung, Genehmigungen, Belehrungen etc.
    Wir sind in Deutschland ja sozusagen "zugeschissen" mit Gesetzen und Regelungen wo man in einem Sumpf von Fristen, Anträgen und Genehmigungen unter geht, sobald man nur einen Finger rühren will und am Ende wird man als Vereinsvorsitzender von irgend einem Hirni abgemahnt und verklagt.


    Die Politik hat verstanden, dass das Ehrenamt eine wichtige Säule in unserer Gesellschaft ist und dass diese Säule dabei ist wegzubrechen. Deshalb will man scheinbar helfen. Ein Abbau von Bürokratie führt zu einer Entlastung für alle, die ehrenamtlich tätig sind.

    Mein Trainingsmotto:
    Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. (Philip Rosenthal, Unternehmer, *1916)

  • Sagt mal Freunde,habt ihr euch überhaupt mal die Mühe gemacht, den Beitrag von @Wilhelm auch mal richtig zu lesen und zu versuchen, die darin aufgeführten Arbeitspunkte auch zu verstehen und richtig einzuordnen?


    Sich verständlich auszudrücken ist in einem Forum nun mal nicht einfach, das hat sogar der Karl schon gemerkt nur kann er es noch nicht umsetzen.

    Quote

    Auch wenn diese Punkte sicher (und auch sinnvollerweise) etwas verkopft formuliert wurden, so kann ich darin trotz größter Mühe nun wirklich keinen Ansatz erkennen, der dazu angetan wäre, weitere bürokratische Hürden zu schaffen.


    Präzise erkannt, keine bürokratichen sondern schlicht und einfach Hürden.


    Quote

    Eher ist das genaue Gegenteil der Fall.Wer mit offen Augen unsere (sicher nicht homogene) Vereinswelt betrachtet, der sollte eigentlich auch feststellen, dass ein großer Teil der heutigen Probleme in den Vereinen darauf zurückzuführen ist, dass wir nicht mehr genug fähige Menschen finden und motivieren können, bestimmte Aufgaben in den Vereinen zu übernehmen.


    Richtig erkannt auch wenn es kein Problem der heutigen Zeit ist, nur früher hat man sich auch um viele Sachen die heute Probleme darstellen einfach nicht gekümmert. Nach dem Motto das war schon immer so.


    Quote

    Und wenn sich dann doch jüngere Menschen bereit finden, in die (vorgegebenen und ausgetretenen) Fußstapfen der Altvorderen zu treten, dann sind sie zwar für die erste Zeit oft auch sehr motiviert, sie bringen aber nur ganz selten auch die nötigen Fähigkeiten


    Das hat einer unserer früheren Helden auch gemeint als er Abgewählt wurde. Und der Verein konnte problemlos auch mit uns unfähigen Milchbubis überleben.


    Quote

    ......... noch feststellen, mit wie viel Arbeit die Aufgabe, die Position, wirklich verbunden ist, dann wird entweder ganz schnell das Handtuch geworfen oder aber man sitzt die Sache einfach aus mit dann immer weiter abnehmender Qualität und oft bis hin zum bitteren Ende.


    Auch kein Problem der Gegenwart.


    Quote

    Und hier kommen jetzt die Thesen und Arbeitspunkte von @Wilhelm ins Spiel. Sie zeigen einen gangbaren und nach meinen Erfahrungen auch Erfolg versprechenden Weg auf, wie Vereine aus dem oben aufgezeigten Dilemma kommen können.Aber um das zu erkennen, muss man sich natürlich, wie weiter oben schon geschrieben, erst mal die Mühe machen, zu verstehen, was diese Punkt überhaupt bedeuten und was sie bezwecken sollen. Einen weiteren Bürokratieaufbau jedenfalls ganz sicher nicht.Mit bestem SchützengrußFrank - mag auch kein Pseudogeschwätz, aber Dummschwatz noch viel weniger


    Wäre es da nicht sinnvoller einen Neuling im Amt dort wo es möglich ist erstmal an die Hand zu nehmen anstatt Ihn mit einer schwer zu bewältigenden "Arbeitplatzbeschreibung" im Vorfeld zu verprellen.

  • Sondern es geht um bürokratische Hürden, die man als Verein bzw. Funktionär überwinden muss, wenn man z.B. ein Schützenfest organisiert und dabei dieses und jenes Dokument bei den Behörden abliefern muss, gesetzliche Regelungen, Verischerungen, Haftung, Genehmigungen, Belehrungen etc.


    Wenigstens mal eine konkrete Frage, da kann ein schlichteres Gemüt wie ich besser mit umgehen.


    Nachdem wir mit dem Verein jetzt auch schon an verschiedenen Veranstaltungen als Gewerbetreibender teilgenommen haben kann ich Dir versichern das den Ehrenamtlichen von Behördenseite doch mit Verständnis und Nachsicht gegenübergetreten wird.


    Ich verstehe aber auch die Gastwirte die sich über die kostenlose "Gaststättenlizenz" für Vereine und Pfarrer aufregen.


    Allerdings hat es mich überrascht wie unterschiedlich selbst im gleichen Bundesland die Bestimmungen angewandt werden.


    Man sollte auch mal versuchen sich die Sache von der anderen Seite des Tisches anzuschauen, wenn ich teileweise erlebe wie es in der überwachten Gastronomie und Lebensmittelbranche trotz Kontrolle und Bußgeldern zugeht.
    Es sind auch die Ansprüche der Gäste/Kunden die eben diesen Aufwand erfordern.


    Karl

  • Um noch mal zum Thema zurück zu finden. Ich meinte nicht die selbst geschaffenen Hürden im Verein (sicherlich auch ein interessantes Thema). Sondern es geht um bürokratische Hürden, die man als Verein bzw. Funktionär überwinden muss, wenn man z.B. ein Schützenfest organisiert und dabei dieses und jenes Dokument bei den Behörden abliefern muss, gesetzliche Regelungen, Verischerungen, Haftung, Genehmigungen, Belehrungen etc.

    Ich glaube gar nicht, dass das so ein arg großes Problem ist, denn diese Regelugen haben ja durchaus ihren guten Grund. Gerade in Vereinen hat man es mit Leuten zu tun, die das nicht täglich machen und sich an diesen Regelungen orientieren und Probleme vermeiden können. Wenn ein Verein bspw. als Gastronom auftritt, dann muss er halt auch die Regeln einhalten und wenn er das nicht kann oder möchte auf externe Dienstleister zurückgreifen.

    Gerhard Seemüller


    „Great minds discuss ideas;

    average minds discuss events;

    small minds discuss people.“

  • Allerdings hat es mich überrascht wie unterschiedlich selbst im gleichen Bundesland die Bestimmungen angewandt werden.

    Na da haben wir doch schon etwas, das es sich zu verbessern lohnt. Eine unterschiedliche Auslegung von Bestimmungen kann ungerecht sein.


    Hättest du da vielleicht ein konkretes Beispiel zur Hand?

    Mein Trainingsmotto:
    Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. (Philip Rosenthal, Unternehmer, *1916)

  • Hallo Ludwig, das beste Beispiel unsinniger Bürokratie für die Vereine hast du doch in der Umsetztung des § 72a SGB VIII bei uns im Landkreis.


    Für alle außerhalb des LDK Augsburg:
    Der Verein hat eine Vereinbarung mit dem Jugendamt zu treffen, dass er für alle regelmäßig in der Jugnedarbeit eingesetzten Leuten ein EFZ nach §§ 30 Abs. 5, 30a Abs. 1 BZRG, ein zu holen hat. Dazu bekommst du die Vereinbarung zweifach, unterschreibst sie zweifach, schickst zwiefach ans Jugendamt und bekommst dann eins gegengezeichnet wieder zurück, falls gewollt.
    Dann teilst du allen diesen Leuten eine Vereinsbestätigung für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Jugendarbeit aus.
    Mit diesem gehen sie dann zur Gemeinde und können kostenlos ihr EFZ beantragen.
    Das bekommen sie dann zugeschickt.
    Mit ihm gehen sie dann wieder zur Gemeinde und lassen es dem zuständigen Menschen (Geheimnisträger) lesen, der wiederum dem Vorstand einen Weißbrief schickt.
    Alles glatt gelaufen? Mitnichten!
    Der Vorstand trägt dies dann in seine Mitgliederverwaltung ein und setzt sich eine Erinnerung, dass das Spiel in 5 Jahren von vorn anfängt.


    Meine Frage, warum ich die Leute nicht einfach melde und das Landratsamt dann die Überprüfung macht, wurde mit einem läppischen "nicht machbar" abgetan.
    Wieso kann bei einer WBK Erteilung und danach die Zuverlässigkeit überprüft werden?


    Die Parallelen zum Waffengesetz sind offensichtlich. Legislative verabschiedet etwas und überlässt es der Exekutive es aus zu baden und sich über die Umsetzung den Kopf zu zerbrechen.


    Ich habe lange die Vereinbarung wieder weggeschoben, aber die zu erwartende Anbindung an die Jugendzuschüsse haben mich dann doch klein bei geben lassen.

    Mit freundlichstem Schützengruß
    Johann

  • Na da haben wir doch schon etwas, das es sich zu verbessern lohnt. Eine unterschiedliche Auslegung von Bestimmungen kann ungerecht sein.Hättest du da vielleicht ein konkretes Beispiel zur Hand?


    Waffenbesitzer und Gerechtigkeit, das wird noch lustig.


    Ludwig,


    ich befürchte Du meinst mit Gerechtigkeit die absolute Gleichbehandlung vergleichbarer Sachverhalte. Das bedeutet aber in diesem Zusammenhang hier auch den einzelnen Leuten jegliche Möglichkeit der eigenen Entscheidung zu nehmen.


    Eine Verbesserung kann ich da nicht sehen. Eine einheitliche Regelung führt ja geradezu zwangsläufig zum schlechtesten gemeinsamen Nenner.


    Karl

  • @Johann: Danke. Bin davon nur indirekt betroffen aber werde das anbringen.


    Allerdings hat das bei uns in der Gemeinde etwas einfacher funktioniert, den ersten Gang zur Gemeinde konnten wir uns sparen. Das wurde über eine Liste abgearbeitet. Aber da sieht man schon (wie auch @Karl sagt), dass die Auslegung sehr unterschiedlich sein kann. Das ist dann sehr verwirrend und eine echte bürokratische Hürde, die nicht erst nach 5 Jahren wieder hochpoppt, sondern bei jedem neuen Betreuer.

    Mein Trainingsmotto:
    Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. (Philip Rosenthal, Unternehmer, *1916)