Stell dir vor, es gibt Schießsport und keiner geht hin

  • Nun ich bezog mich auf:

    Zitat

    Diese Einlassung zeigt, daß Du zumindest die ostdeutschen DSB-Landesverbände nicht kennst, denn das ist hierzulande definitiv nicht der Fall.

    Zitat

    Mit Verlaub, aber ist bei Dir im Oberstübchen noch alles in Ordnung?

    Soll ich dies als Beleidigung verstehen? Ich habe jetzt mal den Thread mal gesichert.

    BBF

  • Können wir diese Diskussion bitte wieder auf ein vernünftiges Level zurückführen und mit gegenseitigen Beschuldigungen und Zurechtweisungen aufhören? In den letzten Wochen sinkt das Niveau bei den Meisterschützen täglich und ich frage mich langsam, ob hier überhaupt noch ein normaler Gedankenaustausch möglich ist oder ob nur noch aufeinander eingedroschen wird, wenn man nicht die Meinung des anderen sofort annimmt.

  • So, ich hab mir das jetzt lange genug angeschaut.

    Kommt zurück zu einer vernünftigen Diskussionsgrundlage und diskutiert vernünftig.
    KEINE BELEIDIGUNGEN ODER KINDISCHE AUSWÜCHSE

    Ansonsten mache ich dieser Diskussion so wie sie ist ein ende.

  • Ist heute irgendwie Föhn oder was?


    Lieber BBF,

    wenn Du dich auch so im Real Live aufführst, wie hier, dann darfst Du dich nicht wundern, wenn Du auch mal auf etwas "säckischere" Funktionäre stößt.

    Ich denke, wir haben jetzt hier alle deine Anschichten vernommen, wir können es jetzt auch dabei belassen.


    Mit bestem Schützengruß

    Frank

  • Nun ich bezog mich auf:
    Zitat Diese Einlassung zeigt, daß Du zumindest die ostdeutschen DSB-Landesverbände nicht kennst, denn das ist hierzulande definitiv nicht der Fall.

    Dies zeigt erneut, daß Du dringend an Deinen Lesefähigkeiten arbeiten mußt. In Beitrag 32 kann jeder durchschnittlich begabte Deutsche lesen, daß sich der Satz, den Du soeben von mir zitiert hast, auf einen Satz aus Deiner Feder bezog:

    Zitat

    Auch wird doch wohl niemand abstreiten, dass die GK Schützen die ungeliebten Schmuddel-Kinder des DSB sind ...

    Du hast den Thread ja "gesichert", da kannst Du den Sachverhalt sicher in Ruhe noch einmal nachlesen. ;)

    Doch diese Richtigstellung nur fürs Protokoll. Du hast es hier und heute geschafft, ein wichtiges Diskussionsthema zu zerschießen. :( Du kannst stolz auf Dich sein und Deinen Freunden bei WO melden, daß Du den DSB-Heinis ordentlich den Marsch geblasen hast. Pardon, aber auf solch eine "Lobbyarbeit" kann ich gerne verzichten.

  • Also im NSSV sind ähnliche Ausfallquoten wie von Wihlem beschrieben zu beobachten.
    Auch von uns sind dieses Jahre einige Starts nicht wahrgenommen worden, dies hat aber auch Gründe.

    Beim NSSV sehe ich aber folgende zwei Hauptgründe:

    Bei der Schützenklasse (kann nur den Gewehrbereich beurteilen) ist nur ein Wettkampf am Wochenende. Der Rest ist unter der Woche und Arbeit wird nicht als Grund zum Vorschießen angesehen und bei den Schützen steht die Arbeit vor dem Schießen. Da nimmt sich keiner eine Woche frei um die LM zu schießen.

    Ein weiterer Grund ist in meinen Augen die nicht Beachtung der Ferien. Gerade in den Jugendklassen ist das unbedingt erforderlich. Die wenigsten Eltern nehmen bei der Urlaubsplanung Rüccksicht auf soetwas, bzw. haben ihren Urlaub lange geplant bevor die LM ansteht.

    Das sind in meinen Augen zwei gravierende Gründe für viele nicht Antritte (zumindest beim NSSV).


    Hallo,

    ich musste im NSSV jahrelang auf Grund von Klausuren vorschießen. Ich habe immer ein Schreiben der Hochschule bekommen und beim NSSV eingereicht.

    Letztes Jahr wurde meinem Bruder der Urlaub verwehrt. Auch hier bekam er mit einem Schreiben seines Arbeitgebers einen Vorschießtermin.

    Das Problem besteht nur in den Terminfristen zur Einreichung des Vorschießtermins. Dieser steht in der Ausschreibung und ist ziemlich weit vor der Landesmeisterschaft.

    Also muss regelmäßig im Internet nach Ausschreibungen und Limitzahlen geschaut werden und dann sofort reagiert werden. Bis die Startkarte ankommt ist es unter Umständen schon zu spät. Bewährt hat sich eine sofortige Mail oder ein Anruf beim Landesverband.

    Der Vorschießtermin ist immer in der Woche vor der Landesmeisterschaft. Was allerdings auch wieder zu Problemen mit dem Urlaubsantrag führen kann.

    Von uns haben sich dieses Jahr zwei Schützen gerade so zur Landesmeisterschaft qualifiziert. Diese hatten dann Startzeiten die teilweise mehrere Stunden nach unseren lagen. Früh aufstehen, den ganzen Tag in Hannover herum sitzen oder 100km pro Strecke selbst fahren wollten die Schützen nicht für einen Platz im hinteren Drittel. Also sind sie nicht gestartet. Beide Schützen hatten aber trotzdem noch 80 ihrer Starts wahrgenommen.

    Im NSSV gibt es mitunter Überschneidungen in den Gewehrdisziplinen (LG, KK) mit den Wurftauben.

    Ich bin selbst Mannschaftsführer in mehreren Mannschaften und auch Vereinsschießsportleiter.

    Ich mache immer mehr die Erfahrung dass jeder nur noch für seine Ziele eintritt und teilweise keine Rücksicht auf die Mannschaften nimmt. Da fehlt das Wirgefühl. Schießen scheint, abgesehen vom Rundenwettkampf LG, LP, Bogen, immer mehr zur Einzelsportart zu werden.

    Wir sind dieses Jahr trotz guter Leistungen aus der KK Landesliga abgestiegen. Zwei Schützen haben Platzierungen unter den ersten zehn erreicht. Leider haben wir keinen dritten Schützen gefunden. In der anderen Disziplin hat uns ein Schütze bei der Kreismeisterschaft und den ersten beiden Rundenwettkämpfen versetzt weil er lieber zum Fußball nach Hamburg gefahren ist.

    Insgesamt nimmt bei uns das Wettkampfschießen immer mehr ab. Trotz moderner DISAG Anlagen wollen viele nur LG sitzend auf Sandsack schießen. Damit trainieren die für die ganzen Schweinepreisschießen. An Trainingsmaßnahmen mit Anschauung und vielleicht auch Trainern vom Kreisverband oder Landesverband besteht kein Interesse. Wenn das nur bei den älteren so wäre hätte ich kein Problem. Nur hatte ich auch schon Jugendliche denen ich über stehend aufgelegt und in der Schlinge das freihändig schießen und anschließend liegend und kniend beibringen wollte. Wenn ich das zu oft versucht habe sind die erst mal nicht mehr gekommen. Da haben auch schießen auf Glücksscheiben, messen mit anderen oder gute erfahrene Schützen als Vorbild nichts geholfen.

    Auf ein Ziel hin trainieren und Einsatz zeigen wird immer weniger. Dann wird auch kein Urlaub für die Landesmeisterschaft aufgehoben.

    Das ist wohl auch ein Grund warum die Starter bei Kreismeisterschaften und Landesmeisterschaften immer weniger werden.

    Grüße!

    griese001

  • Hallo griese001,

    danke für deinen sachlichen und guten Beitrag und dass du dich von dem Geplänkel davor nicht abbringen hast lassen, hier trotzdem deine Meinung kund zu tun!!

    Ist das Aufgelegt-Schießen bei euch wirklich schon so ein großes Problem? Wie schaut es dann bei euch mit den Aufgelegt-Meisterschaften aus?

    Ich kann dich nur bewundern, dass du trotzdem noch so durchhältst, trotz der ganzen Widrigkeiten, die du hier beschreibst! Weiter so, vielleicht kommen auch wieder andere Zeiten!!

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo

  • Auf ein Ziel hin trainieren und Einsatz zeigen wird immer weniger. Dann wird auch kein Urlaub für die Landesmeisterschaft aufgehoben. Das ist wohl auch ein Grund warum die Starter bei Kreismeisterschaften und Landesmeisterschaften immer weniger werden.

    Nun, insgesamt könnte man doch sagen, den Leuten sind einfach andere Ding wichtiger als schießen. Es fehlt an ausreichender Begeisterung. Wobei dies ja eigendlich "nur" dazu führen sollte, dass abgemeldet wird. Warum dies aber nicht passiert und 20 Prozent der gemeldeten und qualifizierten Schützen nicht antreten? So wie ich es herausgehört habe, werden bei einigen Vereinen die Startgelder vom Verein bezahlt, ohne dass der Schütze diese beim nicht antreten erstatten muss. Vielleicht solle man dies einmal ändern. Dies könnte natürlich dazu führen, dass immer mehr Schützen abmelden und die Limitzahlen deutlich nach unten gehen. In meinen Augen müssen die Schützen einfach Spaß an der Sache haben, dass es ihnen wichtig genug wird. Seit ich IPSC schieße hat sich meine komplettes Leben verändert. Meine komplette Jahresplanung inklusive Urlaub und Familienunternehmungen richtet sich nach dem IPSC Terminplan.

    BBF

  • Hallo,

    die älteren Vereinskollegen nehmen nicht an Meisterschaften und Rundenwettkämpfen teil. Da können sie erst ab 72 Jahren sitzend aufgelegt schießen. Das wollen die aber nicht.

    Seit kürzerem wird auch die Disziplin 1.19 angeboten. Dabei wollte aber auch niemand teilnehmen.

    Bei uns in der Gegend finden von September bis April viele große Schweinepreisschießen statt. Dabei wird sitzend aufgelegt auf Sandsack geschossen. Das Gewehr darf komplett aufliegen. Sollten die Ergebnisse nicht so gut sein kann mit dem entsprechenden Kleingeld nachgelöst werden. In die Wertung kommen dann die besten beiden Teiler. Als Preis gibt es Fleisch und Wurstpreise. Bei der Preisverteilung gibt es ein kostenloses Schlachteessen mit Freibier. Bei uns ist der erste Preis ein großes Wildschwein. Bei anderen Vereinen gibt es Geldbeträge bis zu 1000€. Unser Preisschießen war letztes Jahr mit 422 Teilnehmern das größte Preisschießen in der Umgebung.

    Zu solchen Veranstaltungen fahren immer 15 bis 25 Vereinskollegen.

    Außerdem wurde vor einigen Jahren ein Vergleichsrundenwettkampf mit mehreren anderen Vereinen ins Leben gerufen. Den organisieren mehrere Vereine ohne den Kreisverband. Dabei darf jeder Altersschütze/ Damen Alt und älter dran teilnehmen. Es wird nach der Regel 1.19 geschossen. Dabei sind die Vereinskollegen recht aktiv. Letztes Jahr wurden wegen der elektronischen Anlagen drei Durchgänge bei uns geschossen.

    Ich meine unser größtes Problem ist die Dorfgröße. Wir haben nur ca. 180 Einwohner und eine Vereinsstärke von ca. 85 Personen. Ich wohne 20 km entfernt. Die 2. Vorsitzende sogar 35 km entfernt. Ein Nachbarverein wird gerade abgewickelt. Der andere konnte sich nach mehreren Sitzungen gerade noch mal retten.

    Früher waren mein Bruder und die Aushängeschilder und haben so andere in unserem Alter heran gezogen. Wir sind aber auch inzwischen 30 Jahre und es sind fast alle aus alten Zeiten weg gezogen. In dem Ort gab es sehr lange kein Baugebiet.

    Genau das Gegenteil gibt es ca. 10 km entfernt. Die haben durch elektronische Anlagen und erfolgreiche Jugendliche sehr viel Zuspruch.

    Jammern nützt nichts und so kämpfen wir weiter. Vielleicht kommen ja Jugendliche aus den Nachbardörfern.

    Grüße!

    griese001

  • Das ist wohl auch ein Grund warum die Starter bei Kreismeisterschaften und Landesmeisterschaften immer weniger werden.

    Bei uns im NWDSB werden die Starterzahlen auf der LM durch Anpassungen/Herabsetzungen der Limitzahlen "künstlich" hochgehalten.
    In den LG-Disziplinen 1.10./1.20. gab es nach 1726 Starts 2010 in 2011 1690 Starts (- 36). Alleine 63 Starts weniger hatten die Damen, deren Limit entgegen dem Trend um 7 Ringe, auf 344 heraufgesetzt wurde. Dagegen wurden die Limitwerte in den Juniorenwertungen zwischen 14 und 19 Ringe reduziert, so dass man sich dort mit einem "Leistungsniveau zwischen 308 und 314 ringe auf den Bezirksmeisterschaften für die LM qualifizieren konnte.

  • Nun, insgesamt könnte man doch sagen, den Leuten sind einfach andere Ding wichtiger als schießen. Es fehlt an ausreichender Begeisterung. Wobei dies ja eigendlich "nur" dazu führen sollte, dass abgemeldet wird. Warum dies aber nicht passiert und 20 Prozent der gemeldeten und qualifizierten Schützen nicht antreten? So wie ich es herausgehört habe, werden bei einigen Vereinen die Startgelder vom Verein bezahlt, ohne dass der Schütze diese beim nicht antreten erstatten muss. Vielleicht solle man dies einmal ändern. Dies könnte natürlich dazu führen, dass immer mehr Schützen abmelden und die Limitzahlen deutlich nach unten gehen. In meinen Augen müssen die Schützen einfach Spaß an der Sache haben, dass es ihnen wichtig genug wird. Seit ich IPSC schieße hat sich meine komplettes Leben verändert. Meine komplette Jahresplanung inklusive Urlaub und Familienunternehmungen richtet sich nach dem IPSC Terminplan.

    BBF

    Hallo,

    ich habe auch den Eindruck dass es noch einige wenige gibt denen das Schießen etwas bedeutet. Auch bei uns im Verein gibt es sicherlich einige die nur zur Kreismeisterschaft fahren weil ich die nett frage und damit die Mannschaften voll werden.

    Dann wird der Haken zur Nichtteilnahme an der Landesmeisterschaft nicht gesetzt weil die Leute die Landesmeisterschaft nicht interessiert. Durch starke Mannschaftsmitglieder kommen die dann doch weiter und nehmen, nehmen keinen Urlaub und der Start verfällt.

    Sicherlich könnte dem Einhalt geboten werden in dem die Startgelder selbst bezahlt werden müssen.

    Ein anderer Weg ist vielleicht dass der Schießsportleiter bei solchen Leuten den Haken auf Nichtteilnahme an der Landesmeisterschaft setzt. Man kennt ja seine Schützen. Wenn diese sich dann durch ihr Ergebnis doch qualifizieren würden haben sie vielleicht das nächste Jahr mehr Ergeiz, bereiten sich vernünftig vor, qualifizieren sich und starten dann auch bei der Landesmeisterschaft.

    Eine drastische Möglichkeit wäre in den Vereinen nicht auf biegen und brechen Mannschaften voll machen zu wollen und nur die zu melden die auch Einsatz zeigen. Allerdings besteht so auch die Gefahr dass der Schießsport total einschläft.

    Im Übrigen sind bei uns auch die Starterzahlen zu den Kreismeisterschaften rückläufig.

    Grüße!

    griese001

  • Die Fragen von Wilhelm sind reizvoll, weil sie einen dazu bewegen, die Struktur von Wettkämpfen und Meisterschaften einmal grundsätzlich zu durchdenken, und eigene Erfahrungen (oder eigene Illusionen) mit den Statistiken zu konfrontieren. Auf die unterschiedlichen Aspekte werden allerdings auch die Antworten verschieden ausfallen.

    1. Zu der Teilnahme an Rundenwettkämpfen und Aufstiegsschießen zum nächsten Niveau:

    Die ganz überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer an den Rundenwettkämpfen sieht dies als eine Möglichkeit des (auch auswärtigen) regelmäßigen Trainings mit und gegen andere an, aber nicht primär als hochleistungsorientierten "Wettkampf". Natürlich freut man sich, wenn die eigene Mannschaft gewonnen hat, und wenn man in der Teilnehmerstatistik mit dem eigenen Einzelergebnisdurchschnitt eher oben als unten zu finden ist. Aber der Hauptaspekt ist für 90 % der TeilnehmerInnen die Überwindung des eigenenen inneren Schweinehundes, um in regelmäßigem Abstand zu üben bzw. üben zu müssen (Sonntagmorgen 9.00 Uhr - ins Auto - loszockeln in die tiefe Provinz, wo um alles in der Welt ist nochmal dieses komische Schützenhaus Kleinoberkroitzschendorf bei Niedergesäß?).

    Aufstiege in die nächstobere Klasse / Liga sind dort für die Mehrzahl kein *Ziel*, sondern unbeliebt. Es bedeutet nämlich durchweg weitere Fahrerei und mehr Mühen. Das ist der Grund für das geringe Interesse an Aufstiegswettkämpfen.

    Bundesliga ist wieder eine andere Baustelle, das ist die Domäne von entlegenen Dorfvereinen ohne andere Infrastruktur, aber mit Sponsoren und eingekauften Spitzenschützen. In der Regel findet man weder die "alten traditionellen" Gilden, noch die großen städtischen Vereine in der Bundesliga, oft sind es kleine Dörflein ohne sonst viel Abwechslung. Für Spitzenschützen ist sie eine wichtige und dringend notwendige zusätzliche Einnahmequelle.


    2. Abstinenzquote:

    a) Die ist höher in den populären und weit verbreiteten Disziplinen (Luftdruck, KK-Gewehr, Sportpistole), und gering in den Nischendisziplinen. In Standardpistole wird du maximal 1-3 fehlende Schützen wahrnehmen, in laufender Scheibe gar keinen, außer es wäre jemand plötzlich krank geworden. Es ist - glaube ich - aber auch je nach Landesverband sehr verschieden.

    b) Der sportliche oder olympische Geist "Dabeisein ist alles" nimmt stark ab. Jedenfalls oberhalb der Kreisebene überlegen es sich SchützInnen zunehmend, ob es sich für sie die wahrgenommene Relation Aufwand <-> Ergebnis "lohnt", und ob man für einen 18. Platz von 30 und das Bewusstsein der eigenen Mittelmäßigkeit wirklich 2 x 200 km weit fahren will. Bei den DM ist das freilich wieder anders: für viele (auch für den Schreiber dieser Zeilen) ist es ja schon ein Ziel und ein Erfolg, sich überhaupt einmal für die Deutschen qualifiziert zu haben und bei dem großen Ereignis dabei gewesen zu sein.

    c) Für die Verbände ist es *wichtig*, viele angemeldete (und damit gezählte) Teilnehmer und eingetragene Startplätze aufweisen zu können, und zwar gerade auch sportpolitisch und waffenrechtlich wichtig. Jedem Verband wäre es deshalb lieb, keine oder möglichst niedrige Limits zu haben, wenn das ginge. Die Grenze sind zunächst die Standkapazitäten (daran hapert es vor allem, weil es m.W. nirgendwo im DSB einen geplanten und koordinierten, die Fläche erfassenden Schießstättenausbau nach gesamtverbandlichen Plänen gibt), sodann die Anzahl der verfügbaren Ehrenamtlichen, und letztlich die Anzahl der Termine (Wochentage sind für viele Teilnehmer nicht machbar).

    d) Viele Teilnehmer bei den Veranstaltungen zu haben, ist sportlich wichtig und dient die Legitimation nach außen. Dafür muss man aber den Teilnehmern etwas Interessantes in und mit dem Wettkampf zusätzlich bieten. Nur um 60 Schuss mit dem Luftgewehr zu machen (was man bequemer zu Hause haben kann), geben heute zunehmend weniger Menschen ihr Wochenende auf, fahren weite Strecken, und machen Auslagen. Eigene Medaillen können auf großen Meisterschaften aber nur wenige mitnehmen, auch das ist klar. Breitensport gegen Leistungssport. Ein indirekt für die Verbände nützlicher Aspekt sind hier die Teilnahmepflichten nach dem WaffG, um das Fortbestehen des Bedürfnisses glaubhaft machen zu können; das ist auch der Grund, warum gegen die Regelungen von verbandlicher Seite kaum protestiert wurde.

    e) Der HAUPTGRUND aber ist die automatische Weitermeldung von Teilnehmern. Sobald du geschossen hast, bist du auch schon sogleich weitergemeldet, wenn Du Dich nicht am gleichen Tag ausdrücklich im Wettkampfbüro persönlich abmeldest (was nur sehr wenige tun, jedenfalls bei uns). Das bringt viele Leute auf Meisterschaftslisten, die sich gar nicht angemeldet hätten, wenn sie das ausdrücklich hätten tun müssen. Und leider sagen dann etliche nicht ausdrücklich ab (wie es fair wäre) sondern erscheinen einfach nicht.

    f) Die Übernahme von Startgeldern durch die Vereine kann ein weiterer Grund sein. Wer selber zahlen muss, überlegt sich eher, ob er sich meldet bzw. nicht abmeldet. Und da Startgelder "Reugeld" sind, also keine Rückzahlung stattfindet, gibt auch dies kein Ersparnis-Motiv, um sich ausdrücklich abzumelden bzw. den Rücktritt zu erklären. Allerdings sollte dann zumindest der Schütze dem Verein die unnötigen Auslagen ersetzen, das versteht sich.
    Ob ein Verein es sich leisten kann und will, Startgelder (alle? manche?) zu tragen, muss die Vereinskasse entscheiden. Für manche ist es Ehrensache (und der Stolz darauf, den eigenen Verein vertreten zu sehen), andere finden, es sei Privatinteresse des jeweiligen Schützen. Jedenfalls bei Jugendlichen ist die Übernahme der Startgelder weithin üblich, da sind eher die Reisekosten gewichtig.

    g) Es gibt immer ein paar Prozent von SchützInnen, die verspätet kommen. Die Organisatoren bemühen sich i.d.R., die dann noch irgendwie einzuschieben. Da helfen freigewordene Plätze natürlich schon.


    3. Allgemeines zur Organisation von Wettkämpfen:

    a) Wettkämpfe an Wochentagen sind bei uns *undenkbar*. Da käme überhaupt keiner, na ja, vielleicht ein paar Rentner, deren Anteil nimmt ja jedes Jahr zu. Dass die Schützen das dem NSSV überhaupt durchgehen lassen, wie DanielF schildert, ist mir nicht nachvollziehbar. Gleiches gilt für Ferien bei Jugendlichen.

    b) Soweit es die Startzeiten angeht, machen sich die Organisatoren in unserem Bezirk und Landesverband (SBSV, also Südbaden) wirklich und ersichtlich die - erhebliche! - schützenfreundliche Mühe, die näher wohnenden Schützen nach Möglichkeit in die frühen Startzeiten zu legen, und die weiter entfernten später. Das klappt nicht immer, aber oft. In großen Flächenverbänden (etwa im RSB !) wäre das noch viel wichtiger, aber verursacht u.U. hohen manuellen Aufwand. Ich denke aber, dass ein vernünftig geschriebenes Vereinsprogramm eine solche Sortier- und Zuordnungsfunktion anbieten könnte, wenn, ja wenn, es tatsächlich mehrere geeignete Schießstände und entsprechend viele Helfer gäbe...

    c) Ich frage mich, ob man bei Kleindisziplinen, die eh' nur von wenigen motivierten Spezialisten geschossen werden, die Kreis- und Bezirks- (bzw. Gau-) Ebenen wirklich braucht; so z.B. in den 300-m-Gewehrdisziplinen. Als Gegenbeispiel: Feuerstutzen wird in Bayern ja auch als offene Landesmeisterschaft angeboren, und gerade das macht es beliebt.

    d) Es sollte auf LM ruhig mehr Rahmenprogramme (Rahmenwettkämpfe, aber auch anderes) geben. Das wird von den Verbänden zu wenig gesehen und kaum angeboten. Man hat wohl geradezu Angst, Schießen könnte auch Spaß machen.
    Ich weiß auch nicht, warum man bei BM und LM so selten Büchsenmacher-, Händler- und Herstellerstände sieht, die ihre Chancen nutzen.

    Carcano

    2 Mal editiert, zuletzt von Carcano (18. Juli 2011 um 15:47)

  • genau dieses Rahmenprogramm macht die Meisterschaften ab der Bayerischen Meisterschaft bei uns interessant. Das ist wie eine kleine Messe, die Bayerische Schützenjugend bietet ein Rahmenprogramm, etc. Das ist wirklich für jeden interessant. Und egal ob 1. Oder letzter, wer bei uns zur bayerischen oder deutschen Meisterschaft kommt, wird gefeiert (denn die Limits der bayr. Meisterschaft sind nicht einfach!)
    Bei uns lebt dieser "Ehrengedanken" beim Großteil gott sei dank noch.

    Deine Aussage zur Bundesliga stimmt aber nur teilweise. Mit der "Haupt" und dem "Bund" sind gleich 2 Südbundesligisten aus München, einer aus Coburg, einer aus Fürth. Das sind alles größere Städte. Und auch Waldkraiburg ist kein Dorf, sondern eine Stadt. Somit gibts die "Bundesligadorfvereine" nur in der Minderheit im Süden!

    Mit bestem Schützengruß aus Niederbayern

    dingo


  • ...c) Ich frage mich, ob man bei Kleindisziplinen, die eh' nur von wenigen motivierten Spezialisten geschossen werden, die Kreis- und Bezirks- (bzw. Gau-) Ebenen wirklich braucht; so z.B. in den 300-m-Gewehrdisziplinen. Als Gegenbeispiel: Feuerstutzen wird in Bayern ja auch als offene Landesmeisterschaft angeboren, und gerade das macht es beliebt.
    ...

    Genau dies wird bei uns in Hessen schon praktziert.
    Die von dir angesprochenen 300 m Disziplinen werden mangels Teilnehmern überhaupt nicht als Kreis- und Gaumeisterschaft durchgeführt, zumindest in meinem Kreis und Gau nicht.

  • Das ist auch bei uns im WSB so Usus. Vorgeschoben ist allerdings noch ein Qualifikationswettkampf, über dessen Sinn man aber auch wieder trefflich streiten kann.


    Mit bestem Schützengruß

    Frank