Ende Aus und Vorbei für einen Schützenverein?

  • Hallo zusammen.


    Bereits seit Jahren absehbar, wird mir jetzt mit der Einladung zu einer ordentlichen Mitgliederversammlung meines Vereins am 31.03.2022 mitgeteilt: „Sollte auf der Mitgliederversammlung kein neuer Vorstand gewählt werden können, werden wir nach § 17 der Vereinssatzung eine außerordentliche Mitgliederversammlung zum Zwecke der Vereinsauflösung erneut einladen“.


    Laut dem TOP Wahlen muss der gesamte geschäftsführende Vorstand neu gewählt werden. Seitens des noch einladenden Vorstandes gibt es keine Vorschläge für die Neubesetzung eines der Vorstandsposten.


    Da bereits in der Vergangenheit kaum Bereitschaft vorhanden war, Vorstandsarbeit zu leisten, zuletzt drei der sieben Stellen aus einer Familie besetzt waren, ist auch nicht zu vermuten, dass sich jetzt weitere Mitglieder wählen lassen werden. Die aktuelle Situation deutet somit auf das Ende des 1926 gegründeten Schützenvereins hin.


    Uns Mitgliedern wird mit der Einladung bereits eine Erläuterung aus der Satzung zur Auflösung- bzw. Verschmelzung des Vereins mitgeliefert, wonach diese auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit einer Mehrheit von 9/10 der abgegebenen Stimmen beschlossen werden kann.




    Gibt es in diesem Forum User, die bereits Erfahrungen aus einer Auflösung bzw. Verschmelzung eines Vereins mitteilen können?

  • Echte Vereinsverschmelzungen sind rechtlich und faktisch aufwendig.

    Häufiger sind die Optionen von kollektivem Beitritt in einem anderen Verein (ggf. mit Namens- und Satzungsänderung) oder Auflösung und Neugründung.

  • Man möge mir als Laien rechtliche Unschärfen nachsehen, aber meine Erfahrungen damit kann ich mitteilen.


    Bei uns war es vor einigen Jahren soweit. Die Auflösung und Liquidierung des Vereinseigentums und die Übertragung des Standes auf einen anderen Verein. Auch wegen mangelnden Bewerbern für den Vorstand. Es kann halt niemand gegen seinen Willen verpflichtet werden.


    Es lief recht reibungslos. Ein Problem hätte es wohl gegeben, wenn sich für den Weiterbetrieb des Standes kein neuer Verein gefunden hätte. Der Vereinsübergang durch Aus- bzw. Eintritt der Mitglieder wäre recht problemlos nach den jeweiligen Satzungen (Fristen usw.) gelaufen. In letzter Konsequenz wäre wohl der Verein von Rechts wegen aufgelöst worden. Kein Vorstand=kein Verein, ungefähr so wurde es den Mitgliedern in Kurzform erklärt.


    Die Vorbereitungszeit bis zu den Unterschriften dauerte ungefähr 2 Jahre, solange blieb der scheidende Vorstand im Amt und kümmerte sich um die Abwicklung. Die Alternative wäre ein externer Verwalter gewesen.


    Für die Mitglieder ist es durch den Vereinszwang natürlich eine Zwickmühle. Einige gaben den Sport auf.

  • Vielen Dank für die Antworten!


    Carcano

    Da ein Nachbarverein den Schießstand auch nutzt - nachdem es dieser Verein in mehr als 50 Jahren nicht geschafft hat, für die von ihm auf einem fremden Grundstück eingerichteten LG-/KK-Sportanlagen entsprechende Nutzungsrechte eintragen zu lassen - und unlängst vom Eigentümer vor die Tür gesetzt wurde, besteht aus meiner Sicht die Chance, dass dieser Nachbarverein "meinen Verein" mit Übertragung der Vermögenswerte "aufnimmt". Das ganze sollte dann wohl juristisch begleitet werden,

    Problem könnte dabei u. a. der Pachtvertrag mit der Realgemeinde sein,


    ottokar

    Hat man in der Zeit der langen Abwicklungsdauer auch noch Versuche unternommen, die Auflösung abzuwenden?

    Es haben vermutlich zwangsweise die Schützen/innen sich im Folgeverein angemeldet, die sonst ihre in Waffenbesitzkarten eingetragene Waffen hätten abgeben müssen - oder?

  • Richtig. Für die einzelnen Schützen ging es um die Aufrechterhaltung des Bedürfnisses. Wir hatten in dieser Zeit 4x Wahlen angesetzt und 2 ordentliche und 3 außerordentliche Hauptversammlungen. Für die Stadt war wichtig, dass sich ein Nachfolger für den Betrieb der Sportstätte findet.

  • Der alte Verein sollte sein Vermögen zum Tag der Auflösung auf faktisch 0 reduziert und vor der Auflösung - natürlich satzungskonform - alles Wertvolle (incl. Pachtvertäge etc.) dem aufnehmenden Verein übertragen haben.


    Und dann kommt es drauf an, ob alle Beteiligten ehrlich spielen.


    Bessere Alternative: Dem alten Verein wieder frisches Leben einhauchen.

    Jeden Tag ´ne grüne Tat: Verbieten, was ein andrer mag!

    "Das Scheibenbild zeigt zum Schützen." (DSB Sportordnung 0.4.1.1)

  • Spasswettkämpfe einführen...Flyer erstellen und alle Supermarkt aufkleben auch Schwimmbad , Fussballplatz usw..


    spasswettkämpfe = eierschiessen , blechdosen umwerfen , vogelschiessen usw mit lukrativen preisen wie kochschinken kaffe ,usw ehren..



    :peaceful:

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  • Aber wie macht man das? Ich fühle mich allein auf weiter Flur...

    Als Theologe weißt du ja, dass der Teufel immer auf den größten Haufen schei*t.

    Man muss also eine "kritische Masse" Aktiver zusammenbekommen.


    Als wir in unserem jetzigen Verein angefangen haben, waren unsere Kinder noch klein.

    Wir haben Lehrgänge besucht - JuBaLi bis zum Trainer, um unsere Kinder und noch 2 Kinder von Vereinsmitgliedern zu trainieren.

    Die holten dann aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis neue hinzu.

    Wir veranstalten jedes Jahr einen "Sporttag" mit unserem Gymnasium, seit einigen Jahren ausschließlich für die 5. Klassen.

    So bleiben immer mal wieder junge Schießsportler "kleben" - aktuell besteht die Kinder-Jugend-Junioren-Truppe aus ca. 18 Mitgliedern zwischen 9 und 20 Jahren. Inzwischen arbeiten zwei von unseren ehemaligen Schützlingen im Vereinsvorstand mit, einer ist stellvertretender Schriftwart, der zweite Sportwart.


    Wir trainieren die Kinder/Jugendlichen mit LP, MLP und SpoPi in der Regel bis zum DM-Niveau (DSB, München).

    Wir bieten aber ebenso die KK-Wettbewerbe des BDS an: Pistole Kombi, Fallscheibe, Speed, SpeedSteel ... - als Spaß- und Kontrastprogramm.

    Das heißt aber auch, bis zu 3x pro Woche als Trainer auf dem Stand zu sein und dann noch WE zu Matches zu fahren.


    Während der Corona-Zeit haben wir immer genau das noch angeboten, was gerade noch erlaubt war. Somit hielten sich die Verluste in Grenzen.


    Um so das Ruder rumzureißen, muss man gehörig verrückt sein. Das ist Voraussetzung.

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  • Aber wie macht man das? Ich fühle mich allein auf weiter Flur...

    Alleine schaffst Du das nicht. Du brauchst ein sehr engagiertes Team, mit viel Zeit. Langfristig.

    Das beschrieb Califax bereits.

    Der Vereinszweck, der Schießsport, muss im Vordergrund stehen. Die Aktiven und der Nachwuchs müssen verbindlich und intensiv betreut werden.

    Kaum ein Mensch würde sich bei einem Fußballclub anmelden, der nur "Geselligkeit" pflegt. Wieso soll das bei einem Schützenverein anders sein?

    Macht gute, sportliche Jugendarbeit. Meldet so viel Schützen wie möglich zu Rundenwettkämpfen und Meisterschaften an. Das schweisst zusammen und es kommen Leute nach.

    Die Erfahrung, so ähnlich, haben wir vor 20 Jahren auch gemacht. Inzwischen bringen wir, auch über die letzte C-Zeit, 15 Rundenwettkampfmannschaften an den Start. Von der D-Klasse bis in die Bundesliga. In einem Ort mit knapp 2000 Einwohnern. Trainiert haben wir, wie Califax, so oft und intensiv, wie es die Situation zugelassen hat. Aber wir haben inzwischen auch eine große Gruppe Betreuer/Trainer.

  • @ Daniel Kulzer

    Alleine kann man einen Verein nicht wiederbeleben.

    Ein vitales, ganzheitliches Vereinsleben hängt jedoch wesentlich von der Qualität, Zuverlässigkeit und Belastbarkeit der "Macher", die nicht unbedingt
    sog. Führungspositionen innehaben müssen, ab. (siehe die Beiträge von Califax).


    Tokei-Ihto und dunkelbunt teilen m. E. auch zielführende Ideen und Gedanken mit, wie man einen Verein vor der Austragung im Vereinsregister bewahren kann.


    Ich bin seit 1971 Mitglied in dem eingangs beschriebenen Traditionsverein, der aus drei Ortsteilen mit ca. 650 Einwohnern besteht. Zusammen mit fünf Freunden sind wir schon 1971 zu sportlichen Erfolgen gekommen. Die haben motiviert und dazu geführt, dass der Verein fortan von uns als Sportschützen sprach. Mit zunehmendem Alter und Meinungsbildungen der auf 45 Jugendliche angewachsenen Jugendgruppe, entstanden mehr oder wenig hohe Sozialisierungs- und Verständnisprobleme bezüglich der aktuellen und zukünftigen Ausrichtung des Vereins mit damals 115 Mitgliedern.


    Uns gelang es zumindest einmal 1976 im Schützenfestablauf eine Rocknacht mit drei Bands und einem Überschuss von 67 Mark durchzuführen.

    Mit dem Hinweis, 67 Mark seien ja viel zu wenig Überschuss und überhaupt würde die gespielte Musik der jungen Leute nicht ins Gesamtbild eines Schützenfestes passen, habe ich dann meine Energie der Schule und Berufsausbildung gewidmet, eine Distanz zum Verein aufgebaut, lediglich meine Aufgabe als Pressewart wahrgenommen.

    Bereits in den 80er Jahren war zu beobachten, dass das Interesse selbst der Dorfbewohner am Schützenfest bzw. am Verein stark nachließ. Allein das Kinderschützenfest mit schönen Preisen für die Teilnehmer/innen am Umzug durch die drei Dörfer und beim Kinderkönigsschießen hatte noch einen gewissen Stellenwert.


    Die Euphorie der Grenzöffnung 1989/90 mit dem folgenden Besuch von zwei wiederbelebten Vereinen östlich der Elbe, sorgte bei den Mitglieder noch einmal für Tatendrang bei Bier und Blasmusik.


    Der aus älteren, gestandenen Persönlichkeiten bestehende Vorstand hat nach seinem Selbstverständnis immer gut gearbeitet, Die Tatsache, dass viele jüngere Vereinsmitglieder eine außerordentliche Mitgliederversammlung einforderten, um nach dem Stand von durchzuführenden Baumaßnahmen Informationen zu erhalten, wurde 1992 als Misstrauensvotum ausgelegt. Der Vorstand trat geschlossen zurück, was im Ergebnis zur Auflösung des Vereins führen sollte.


    Ich habe davon erst erfahren, als ich von einigen "Aufrührern" um meine Zustimmung für die ao Mitgliederversammlung gebeten wurde. Die folgende Versammlung war fürchterlich, zeigte Generationenkonflikte auf, persönliche Abrechnungen von einzelnen Mitgliedern. Nur wenige Mitglieder wiesen auf die Inhalte/Traditionen des Vereins der drei Dörfer hin.


    Letztere Gruppe sprach mich nach der Versammlung an, ob ich nicht wieder mehr Zeit (zwischenzeitlich erfolgreich im Beruf, Familie mit zwei Kindern) für den Verein aufbringen könnte.


    Mein Leben hätte ruhiger verlaufen können, wenn ich damals abgelehnt hätte. Unter der Bedingung, dass sich der Verein mit seinen Mitgliedern Gedanken über seine Zukunft macht, sich eine Neuausrichtung mit klaren Strukturen zu Sport, Tradition und gesellschaftlicher Verantwortung gibt und mit Freunden, auf deren Meinung und Tatkraft ich mich verlassen konnte, habe ich dann zugestimmt als Schatzmeister im Vorstand mitzuarbeiten.


    Der erste Meilenstein für die Neuausrichtung war die Beantwortung eines Fragebogens (siehe Anhang) durch alle Vereinsmitglieder. Die Antworten ergaben ein ehrliches, erstes Meinungsbild der Gesamtheit aller (90%) Mitglieder.


    Die Bestandsaufnahme führte dazu, dass den Mitgliedern klar wurde, dass sie zu viele Traditionsveranstaltungen besuchten, der Zeit- und Kostenaufwand einfach zu hoch waren - ebenso der eigene Aufwand für drei Tage Schützenfest. Die daraus resultierenden Beschlüsse
    zur Reduktion der Aufwände wurden nach umfassenden Diskussionen gefasst und umgesetzt. In den folgenden Jahren wurden die anderen Themen bearbeitet und der Verein wuchs in der Mitgliederzahl in der Spitze auf 167 an.


    Der Bruch dieser positiven Entwicklung erfolgte, als eine geplante Baumaßnahme zur Erweiterung und Verstetigung der Vereinsangebote von einer Mitgliederversammlung abgelehnt wurde. Die Fraktion der "Feierschützen" lehnte es ab, 100 Euro Baukosten-Beitrag und 100 Euro Arbeitsleistung (Stunde für 5 Euro) zu investieren.


    Mit der Vorstellung, dass die Investitionen auch mit einer Kreditaufnahme verbunden, aber unerlässlich sind, um sich für die Zukunft zu positionieren, habe ich dann keine Mehrheit gefunden. Meine Vorhersage zur Abwärtsspirale bei Ablehnung des Bauprojektes ist durch die vorliegende Einladung zur Mitgliederversammlung mit der Ankündigung einer bevorstehenden Vereinsauflösung nun dokumentiert worden.


    Die Auswirkungen der Pandemie haben diese Entwicklung sicherlich befördert.


    Ich möchte ausdrücklich betonen, dass m. E. den aktuellen Vorstandsmitgliedern keine direkte Schuld an der aktuellen Situation des Vereins trifft.

  • was soll ich sagen , wir haben aber auch nur eine kern von 16 mitglieder mit einen schützenhaus die wir pflegen unfd trainieren..und das nur Luft.

    Mit KK schiesse ich im anderen verein die umgekehrt ohne luft schiessen. Stände stellen wir anderen Vereine auch zur Verfügung weil die keinen haben.


    ja damit trainingsplätze erhalten bleiben..



    :peaceful:

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  • Das heißt, Ihr seid ausschließlich sportlich unterwegs?

  • im sinne Ja ....feiern geht auch anders ohne verein.. :peaceful:

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  • Tradition wird irgendwann aussterben.. weil die Jugend nicht draufgepickt ist mit Uniformen...mit der digitalen Zeitalter ist auch eine neue Zeitenwende angebrochen wie die Sportschützen für sich staturieren..im sinne die beste schütze zu sein.. Shooting Duell Arena ..so wie Tennis muss doch die neue Reform sein..alles noch zu futurisch...aber wenn man die weltcup anschaut ist doch alles modern...sehe da keine traditionen drin ..schon bei DM sehe Abend gar kein Feste .... Königschiessen sind ja nicht die Besten nur mal die perfekte 10 ..sagt schon alles .. König spielen ist Adel und Monarchie aus alte Seiten..


    Es ist alles ein kommen und gehen. alte Kulturen werde von neuen Kulturen eingeholt.. :/ :peaceful:

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  • Lauter Auslassungspunkte sind kein Ersatz für fehlenden Inhalt und fehlende Ausdrucksfähigkeit, sondern machen beides nur um so offensichtlicher.

  • Wilhelm:
    Was ist denn aktuell Euer jährlicher Mitgliederbeitrag für Erwachsene ?

    Der Jahresbeitrag beläuft sich aktuell auf 80 Euro und ist damit immer noch zu niedrig, bzw. ist gerade ausreichend um gestiegene laufende Kosten für das dann doch gebaute kleine Schützenhaus in Stein - als Ersatz für die alte Holzhütte - zu decken.


    An der Beitragszahlung scheiden sich die Geister. In meinem Zweitverein, der mit über 400 Mitgliedern vier mal so groß ist, zahle ich auch nur 85 Euro. Dafür hat der Verein jedoch gepflegte und intakte Sportanlagen und Veranstaltungsräume, die zur Innenfinanzierung beitragen.,

  • Es ist schwierig. Bei uns gab es damals auch eine kleine Gruppe bierseeliger Nörgler und notorischer Querulanten. Über drei Viertel des Vereins waren aber vernünftige Menschen. Ein neuer Vorstand hätte sich auch gefunden, aber die Bedingung war, dass die Aufrührer den Verein verlassen. Haben sie nicht getan und der Rest ist Geschichte.

    Leider sah die Satzung keinen Ausschluss wegen Doofheit und fehlender Manieren vor.


    Letztendlich hilft nur der Ausschluss. Meinethalben wegen Störung des Vereinsfriedens.

  • Bei einem Ausschluss von "Quertreibern" sollte man nicht davon ausgehen, dass dann Ruhe in den Verein einkehrt. Die Möglichkeiten von außen negativ auf den Verein zu wirken bleiben bestehen.