Zunächst einmal vielen Dank, dass zu diesem Thema doch noch ein Gedankenaustausch zustande gekommen ist.
So neu ist das Nachwuchsleistungssportkonzept nun auch wieder nicht. Es gab ein im Wesentlichen zuvor gleiches Konzept. Neu ist eben der Teil der Talentsichtung, der mein Interesse geweckt hat.
Die im Konzept vorgesehen Ansätze mit einer Sichtung auf der sportartübergreifenden und auch vereinsübergreifenden Ebene gefolgt von sportartspezifischen Sichtung halte ich grds. für sinnvoll. Auch für die sportartspezifische Sichtung sollen zukünftig "Sichtungstrainer" nach von den Spitzenverbänden erarbeiteten Standards Talente sichten.
Eine Verbesserung der Sichtungsmechanismen zumindest in Hessen für Pistole erscheint mir sinnvoll. Hier ist es viel zu sehr vom Zufall abhängig, ob ein Schütze gesichtet wird.
Ob das Nachwuchsleistungsportkonzept des DOSB insgesamt als sinnvoll angesehen wird, ist durchaus ein lohneswertes Diskussionsthema, war aber von mir hier nicht indendiert.
Auch das Thema Mitgliedergewinnung ist spannend. Ich würde das aber gerne hier heraushalten und mich auf die Frage der Talentsichtung beschränken.
Das Konzept hatte mich dazu veranlasst beim DSB nachzufragen. Die Antwort war nicht so ganz wie erhofft. Es gibt keinen offiziellen Talenttests im Sinne des DOSB-Konzepts. Allerdings gibt es durchaus Überlegungen, welche Voraussetzungen leistungsbestimmend für das Sportschießen sind. Ich konnte in diesem Zusammenhang an einer Schulung für STEPS (Sportpsychologische Trainings- und Erfassung Programm Sportschießen) teilnehmen. Am STEPS-Projekt und seinen Vorgängerprojekte SensoControl ist wesentlich der Leipziger Sportspsychologe Hannes Kratzer beteiligt. STEPS lässt sich auch für Sichtungszwecke nutzen. Es kann z.B. Reaktionsgeschwindigkeiten messen. Mehr zu STEPS gibt es hier: http://www.iat.uni-leipzig.de/aktuelles/mit-…itzenleistungen
Dr. Kratzer mahnte aber zu Vorsicht bei allen Talenttests, ob nun physischer oder psychischer Natur. Nicht der ist-Zustand sei allein entscheidet, sondern sehr stark auch die Fähigkeit den Ist-Zustand entwickeln zu können.
Viel schlauer als vorher bin ich nun also noch nicht. Mithilfe von STEPS kann ich nun die sportpsychologischen Faktoren testen. Ich kann auch die allgemeine Athletik testen. Ob das bei einem einmaligen Test sinnvolle Aussagen zum Talent für das Sportschießen zulässt, darf bezweifelt werden.
Mein Grundproblem ist damit nicht gelöst. Wir haben nur wenige Plätze für Neuzugänge im Nachwuchsbereich. Da die Talentsichtung wohl eben nicht so einfach ist, muss ich das Risiko eingehen, diese wenigen Plätze an Kinder zu vergeben, die sich dann als wenig begabt erweisen. Das ist unbefriedigend.
Was die Sichtung auf Landeskaderebene angeht, haben wir zumindest im Pistolenbereich in Hessen ein Problem. Zur Sichtung müssen die Vereine die Nachwuchsschützen anmelden. Viele Vereine wissen gar nichts davon, weil der Ablauf sehr gut auf der Internetseite des Verbands versteckt ist. Nur die auf diesem Weg angemeldeten Schützen werden zur Sichtung eingeladen. Es gibt keinen aktiven Sichtungsprozeß im Verband, sondern nur diesen passiven durch die Meldung der Vereine. Nachwuchsschützen mit guten Leistungen auf der Landesmeisterschaft oder Deutschen Meisterschaft ohne entsprechende Meldung zur Sichtung bleiben so außen vor. Das ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Wer also als vielversprechender Nachwuchspistolero im falschen Verein ist, der kommt nicht in den Landeskader.
Das wäre nur hinzunehmen, wenn sich soviele Bewerber finden würden, dass der Verband sich die besten herauspicken können. Die Realität sieht anders aus. Bei Freie Pistole gibt es meist nicht mal soviel Bewerber wie Plätze. Im Schülerbereich deckt sich die Bewerberzahl geradeso mit den freien Plätzen. Selten mehr. Selbst bei Schnellfeuer lagen die Bewerberzahlen dieses Jahr gerade bei 4 für 3 freie Plätze.
Bei den Mädchen gabs dieses Jahr für die 3 freien Plätze immerhin 5 Bewerberinnen. Bei dieser Situation wäre die im DOSB-Konzept vorgesehe Sichtungabwicklung aus meiner Sicht zu begrüßen.