Spannende und angenehm sachliche Diskussion um ein wichtiges Thema. Weiter so!
Die Motivation, die C-Trainer-Ausbildung zu machen, ist mir bei den Teilnehmern nicht immer ganz klar. Ganz gering dürfte sie aber nicht sein, wenn man den zeitlichen und finanziellen Aufwand bedenkt. Da ist zwar sicherlich der ein oder andere dabei, der das eher für sich und vielleicht auch für sein Ego macht. Die meisten dürften da aber schon einen Antrieb haben, der mit der Situation im Verein zu tun hat und die irgendeine Perspektive auf eine Trainertätigkeit beinhaltet. Da habe ich ja schon mal die Motivierten und Willigen zusammen. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass nur wenigste davon hinterher auch eine Trainertätigkeit ausüben. Das sagen die Quoten in meinen Fortbildungen wo ich entweder als Ausbilder oder auch als Teilnehmer mitmache. Da ist viel verschenktes Potential. Leider gibt es kein System, das die frisch ausgebildeten Trainer abholt, ggf. auffängt und evt. auch vermittelt. Frisch nach der Ausbildung sind die meisten doch motiviert auch was zu machen.
Der Hessischen Schützenverband hat für 2018 erstmals Honorartrainer für regionale Jugend-Bezirkskader als Unterstützung für die Trainer in diesen Bezirkskadern zur Verfügung zu stellen. Nur wenige der 27 Bezirke haben Bedarf angemeldet. Für den Bereich Pistole waren es 5 Meldungen und 4 Bezirke, die dann tatsächlich einen Bezirkskader eingerichtet haben. Die Kader sollten 5-6 Termine p.a. Training anbieten, zu denen 3-4 mal ein Honorartrainer aus dem Pool, der bis dato unter Vertrag stehenden Honorartrainer abgedeckt werden sollte. Bisher gab es Honorartrainer aber nur für die Abdeckung der Landeskadermaßnahmen. Im Hinblick auf die zusätzlichen Maßnahmen wurde noch der ein oder andere landeskadernahe Trainer in den Honorartrainerpool aufgenommen.
Am Ende des Jahres gab es eine Auswertungsveranstaltung, bei der festgestellt wurde, dass der HSV nicht genügend Honorartrainerkapazitäten hatte, um die Bezirkskadermaßnahmen zu begleiten. Im wesentlich war das auf das Nichtvorhandensein entsprechend qualifizierter Trainer zurückzuführen. Nicht mal für die Maßnahmen im Pistolenbereich gab es genügend Kapazitäten. Eine bittere Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass der HSV jedes Jahr wie bereits erwähnt 6-10 C-Trainer Basis und alle 2 Jahre etwa 6 C-Trainer Leistung ausbildet.
Die Bezirkskadermaßnahmen sollen weiter unterstützt werden. Als Konsequenz soll die Ausbildung und die anschließende Entwicklung der Trainer überarbeitet werden. Unter anderem soll es eine starke Vernetzung zum Landeskader- und auch den Bezirkskader geben. Frisch ausgebildete Trainer haben damit die Möglichkeit/Pflicht der Hospitation in diesem Umfeld. Darüberhinaus sollen ehemalige Landeskader eine verkürzte Trainerausbildung durchlaufen können. Wenn das sinnvoll umgesetzt wird, dürfte die Basis der gut ausgebildeten und auch vernetzten Trainer deutlich zunehmen. Geht aus meiner Sicht in die richtige Richtung. Im übrigen ist es wohl auch nicht eben einfach geeignete Trainer für den Landeskader und den Bundeskader zu bekommen.
Zum Thema angeleitetes Training im Verein
Ob Sportler es normal finden, dass im Verein das Training von einem Trainer angeleitet wird, ist doch eine Frage der Prägung. Wenn der Schütze von Anfang an nicht anderes kennt, als das man den Schießsport in einem durch einen Trainer angeleiteten Umfeld ausübt, dann steht das als "Normalität" gar nicht mehr zur Debatte. Das kann ich aus den Erfahrungen in meinem Verein so deutlich sagen. Ich hatte es anderer Stelle im Forum schon mal erwähnt, dass jeder neue Schütze bei uns verpflichtend an einem Schießkurs teilnehmen muss, so er noch nicht ausreichend schießen kann. Das ganze geht über mehrere Wochen und kostet 250 EUR. Danach nimmt er am normalen Trainingsbetrieb teil, bei dem im Regelfall 2x im Monat angeleitetes Training stattfindet. Diese Stunden sind im Mitgliedsbeitrag einkalkuliert. Dazu können und sollen die Schützen nach persönlichem Bedarf Trainerstunden dazubuchen, die dann separat zu zahlen sind. Außerdem bieten wir regelmäßig Tagesworkshops an, die auch separat zu zahlen sind. Das ist für unsere Schützen völlig normal. Sie kennen es nicht anders. weil wir das schon eine ganze Weile in dieser Richtung praktizieren. Nicht jeder nimmt am angeleiteten Training teil. Das ist auch völlig in Ordnung. Jeder kann, keiner muss, viele wollen aber. Diese Entwicklung hat etwa 6 Jahre gedauert. Ändern kann man nach meiner Erfahrung nur die neuen Mitglieder, die kennen es im Zweifel nicht anders. Unsere Mitglieder "neuerer" Art sind gelegentlich etwas irritiert, wenn sie beim Austausch bei Rundenwettkämpfen oder Meisterschaften erfahren, dass das was bei uns normal ist, in anderen Vereinen nicht vorhanden ist. Wir kooperieren was das Thema Ausbildung neuer Schützen angeht, auch bereits mit dem ein oder anderen Verein, die entweder ihre Sportler zur Ausbildung zu uns schicken oder sich mit uns über das Konzept austauschen, weil sie etwas ähnliches bei sich implementieren wollen oder bereits haben.
Es gibt bei uns auch kein Akzeptanzproblem hinsichtlich der Trainer und ihren Trainingsgruppen. Dazu folgendes Beispiel. Einer unserer ehemaliger Jugendtrainer (22 Jahre) ist gebeten worden, ob er sich vorstellen könnte, unsere 2. Mannschaft Luftpistole zu übernehmen und sie als "Spielertrainer" nach Möglichkeit in die Hessenliga zu führen. Die 2. Mannschaft hat bisher eher ohne klare Ambitionen in der Bezirksliga geschossen. Sie ist daraufhin neu aufgestellt worden. Dazu haben wir die Zielstellung Aufstieg Hessenliga über Bezirksliga und Oberliga und den Trainer bekannt gegeben und gefragt, wer sich als Mannschaftsschütze zur Verfügung stellen würde. Es haben sich 10 Schützen gemeldet, die dann über mehrere Trainingsmaßnahmen gesichtet wurden. Daraus hat neu ernannte Trainer der 2. Mannschaft dann ein Team aus 6 Schützen zusammengestellt. In dem Pool waren einige Schützen dabei, die der Vater des Trainers hätten sein können. Niemand hatte da ein Akzeptanzproblem. Er hat die Vorgaben gemacht und die Teilnehmer haben umgesetzt (oder es in meinem Falle zumindest versucht). Zumindest die Bezirksliga ist geschafft und der Aufstiegskampf ist terminiert. Da ist eine sehr motivierte Truppe bei herausgekommen.
Ich gebe aber zu, dass solche Veränderungsprozesse Zeit brauchen und es passende treibende Kräfte dazu geben muss. Selbst ein hochmotivierter Trainer kann sich nicht entfalten, wenn er von seinem Vorstand ausgebremst wird. In diesem Verein ist die Zeit dann noch nicht reif. Der motivierte Trainer muss erhalten werden, ein passendes förderndes Umfeld wäre jetzt gut. Ohne entsprechendes Trainernetzwerk wird das aber schwer.
Ich glaube, dass wir in der Trainer- und damit auch Ausbildung und Anleitung der Schützen noch einiges Potential haben. Die Vereine sollten begreifen, dass das Heranführen und Begleiten ihrer Sportler durch Trainer ein Mittel zur Alleinstellung und Abgrenzung ist, dass ihnen das Überleben sichern kann. Neue aktive Mitglieder wollen betreut werden und das darf auch ruhig was kosten. Wer davor die Augen verschließt, stellt sich nicht gut für die Zukunft auf.