Beiträge von Zebo

    Hallo!

    Die Wahlergebnisse aus Baden-Württemberg sind bestürzend. Wollen unsere Mitbürger wirklich so bevormundet werden? Zumal die Landesregierungen im Atomrecht nur marginale Einflußmöglichkeiten haben. :wacko:

    Man hört immer wieder, die Grünen in BW seien mittlerweile eine wahrhaft bürgerliche Partei geworden. Stimmt das? :rolleyes: Gestern wurde einer ihrer Vertreter im Fernsehen interviewt und er äußerte sich ganz im 68er Stil: "Heute ist unser Land weniger reaktionär geworden". In meinen Ohren klingt das keineswegs bürgerlich.


    ich denke, dass der neue grüne Ministerpräsident weniger Grün ist, als die meisten seiner Parteikollegen und daher hoffe ich, dass er vernünftiger arbeitet als seine Konsorten, wie z.B. die ganzen Quotenleute Claudia Roth, Renate Künast oder Cem Özdemir.
    Er ist nicht nur im Schützenverein Mitglied, sondern wurde sogar auch einmal schon Schützenkönig. Ich hoffe, dass er sein Gehirn benutzt und so den anderen grünen Fröschen mal sagt, was wirklich in Schützenvereinen los ist.

    Ich befürchte, daß diese Hoffnung nicht aufgehen wird. Der Mann hat sich schon für ein noch schärferes Waffenrecht eingesetzt:

    Glückwunsch, lieber Schützenbruder ! - WAFFEN-online Foren

    Schober spricht bei den Grünen - WAFFEN-online Foren


    Aber eines Gute haben die beiden Wahlen auch gebracht: Die linksextreme Kommunistennachfolgepartei bleibt wenigstens vor der Tür, denn diese sind uns Schützen wohl noch feindlicher gesinnt. Das ist die wahre "Dagegen-Partei".

    Hier in den ehemals neuen Ländern würde ich das nicht sagen. Für die Linkspartei ist das Waffenrecht nur ein peripheres Thema, für die Grünen hingegen steht es mit im Zentrum.

    Vielleicht kann Zebo das ja so bestätigen und eventuell sogar auch noch etwas ergänzen bzw. deaillierter ausführen.

    Ja, das kann ich bestätigen. Ab den 1960er Jahren hatte die Förderung des Leistungssports - nicht nur im Schießen - höchste Priorität. Schließlich war die DDR international noch wenig anerkannt und der Sport sollte helfen, ihr Renommée in der Welt zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden unheimlich viele Ressourcen (ökonomisch gesehen zu viele) in den Sport gesteckt. Es begann bei der Sichtung von Talenten im Kindesalter, das Training von Kindern und Jugendlichen in speziellen Internaten bis hin zur Förderung der erwachsenen Profisportler. Dazu gehörte auch eine intensive sportwissenschaftliche Forschung und Betreuung der Athleten - bis hin zum berüchtigten Doping. Die Auslese geeigneter "Kader" war sehr rigide, schon im Jugendbereich: Wer die erwarteten Leistungen nicht brachte, flog raus - nicht nur aus dem umfangreichen Sportförderprogramm, sondern auch aus dem Internat, der besonderen sozialen Absicherung usw. Er konnte froh sein, wenn er im Breitensport weitermachen durfte.

    Damit schaffte es die kleine DDR, im Sport weltweit in die Spitzenklasse aufzusteigen. Bei den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo führte die DDR sogar den Medaillenspiegel an, noch vor der UdSSR und den USA (die BRD lag auf Platz 8).

    Im Schießsport führte das, wie ich dieser Tage hier schon einmal geschrieben hatte, später zu der bizarren Situation, daß es sogar zwei räumlich und zeitlich getrennte DDR-Meisterschaften gab. Einmal für die Leistungssportler mit den UIT-Disziplinen und einmal für die Breitensportler mit dem nationalen "Sparprogramm".

    Ausführlicher nachlesen kann man das bei Hans-Joachim Beck: Sportschießen in der DDR - Von den Anfängen bis 1990, Wiesbaden 2002 sowie hier.

    Wie war es denn um den Schießsport und Schützenvereine in der DDR bestellt? Das würde mich schon noch interessieren.

    Gute Frage. Darüber sind schon Bücher geschrieben worden. Deshalb will ich eine Kurzfassung versuchen. ;)

    Auch in der DDR wurde selbstverständlich Schießsport betrieben, aber ohne Schützenvereine im klassischen Sinne. D.h. Traditionspflege wurde nur lokal von ein paar Enthusiasten betrieben. Im großen und ganzen war hierzulande jedoch zwischen etwa 1939 und 1990 ein schwarzes Loch, was diese Seite des Schützenwesens angeht. (Deshalb empfinde ich auch die nach der Wiedervereinigung begonnenen Brauchtumsveranstaltungen wie Schützenfeste etc. als oftmals künstlich aufgepfropft.)

    Den eigentlichen Schießsport muß man in Breiten- und Leistungssport teilen, die ab ewta 1970 recht strikt getrennt waren.
    Der Leistungssport wurde in einem halben Dutzend Klubs für Sportschießen betrieben, die zur Gesellschaft für Sport und Technik (GST), dem Armeesportklub und der Sportvereinigung Dynamo gehörten. Hier tranierten die de facto Berufssportler. Zur Nachwuchsgewinnung für diese Klubs dienten zahlreiche Zentren, die über die ganze DDR verteilt waren. Dort wurden vor allem Kinder und Jugendliche trainiert und herangezogen. Im Leistungssport wurden die international üblichen Disziplinen geschossen.

    Das war im Breitensport anders. Hier gab es starke Restriktionen, sowohl waffen- als auch disziplinmäßig. LG, KK-Gewehr liegend und Dreistellung (3x5) sowie ein wenig KK-Pistole, manchmal wohl auch Flinte. Das wars. Für den Breitensport war fast ausschließlich die GST zuständig. In vielen Orten gab es eine Sektion Sportschießen, die jedoch oft nur über einen improvisierten LG-Stand verfügte. Ansonsten konnten die Breitensportler noch so gut sein, sie hatten kaum eine Chance, in den Leistungssportbereich zu wechseln.
    Neben dem rein sportlichen hatte der Breitensport auch die Aufgabe der allgemeinen Wehrertüchtigung der Bevölkerung zu erfüllen. Hier sind denn auch Veranstaltungen wie der Fernwettkampf "Goldene Fahrkarte" einzuordnen.

    Ansonsten möchte ich noch auf einige Beiträge in meinem Blog verweisen, die das Thema ebenfalls streifen und z.T. auf weiterführende Literatur verweisen:

    Sportschießen in der DDR

    Suhler Sportwaffen

    Der Beginn des Sportschießens mit Luftgewehren

    Druckluftwaffen in der frühen DDR

    "Das Schießen erzieht geistesgegenwärtige überlegene Menschen"

    Das Schützenduell

    Dokumente zum Waffenrecht der DDR

    Jagdwaffenvergabe in der DDR

    Schön, daß man sich hier Gedanken über die zukünftige Entwicklung macht. :) Soweit bin ich noch nicht, möchte aber mit einer kurzen Lagebeschreibung aus dem Osten Deutschlands das hier gezeichnete Bild noch ein wenig bunter machen. (Ein Süd-Nord-Gefälle innerhalb des DSB wurde ja bereits konstatiert.) Allerdings verfüge ich über keinen Einblick in Verbandsinterna, weshalb ich mich auf eine Beschreibung meiner Eindrücke und Erfahrungen beschränken muß.
    Dabei ist zu beachten, daß es hierzulande kaum reine oder überwiegende „Traditionsvereine“ gibt. D.h. in nahezu allen Schützenvereinen wird – mehr oder minder intensiv – der Schießsport gepflegt.

    Mitgliederentwicklung

    Der Landesschützenverband Sachsen-Anhalt hatte im Jahr 2010 nur noch 18.440 Mitglieder in 475 Vereinen. Damit setzte sich ein seit Jahren bestehender negativer Trend fort. (Zwei Zahlen zum Vergleich: 2002 waren im LSV noch 21.559 Schützen organisiert; das Land ST hat derzeit rund 2,34 Mio. Einwohner.)
    Dieselbe Entwicklung ist auch innerhalb der einzelnen Vereine festzustellen. Die Zahl der Mitglieder sinkt und das Durchschnittsalter der verbliebenen steigt. Im Jugendbereich gibt es zumeist erhebliche Defizite – ganz anders, als es wohl in Süddeutschland zu sein scheint.
    Mein Verein, der nur über einen 10-m-Schießstand verfügt, hatte in den 1990er Jahren etwa 80 Mitglieder und konnte mehrere LG-Mannschaften aufstellen. Das geht heute nicht mehr, denn es sind nur noch ca. 40 Mitglieder. Davon 2 Schüler, 2 Jugendliche und ca. 6 jüngere Erwachsene. Die übrigen Schützen haben die 45 schon überschritten.
    Diese Entwicklung – weniger Mitglieder, die immer älter werden – wirkt sich vielfältig aus.

    Wettkampfbetrieb

    Insgesamt sieht es hier im Kreisschützenverband (wie auch in der Umgebung) mit den Wettkämpfen ein wenig mau aus. Nur wenige Vereine sind in dieser Hinsicht wirklich aktiv. Grob kann ich für meine Region sagen, daß es jeweils einmal pro Jahr Vereinsmeisterschaften, Kreismeisterschaften und ein Pokalschießen pro Disziplin gibt. Hinzu kommen hin und wieder noch Sonderveranstaltungen (z.B. jagdliches Schießen, Gaudischießen). In anderen Gegenden des Landes sieht es insofern allerdings besser aus.
    Leider mußte ich in den letzten Monaten hin und wieder auf Vereinswebseiten lesen, daß bereits angekündigte Wettkämpfe kurzfristig wegen Teilnehmermangels abgesagt wurden.
    Rundenwettkämpfe oder ähnliche Veranstaltungen unterhalb der Ebene Verbandsliga gibt es nicht.

    Disziplinen

    Leider wird auch nur ein kleiner Teil der möglichen Disziplinen geschossen. Bei den hiesigen Kreismeisterschaften Kleinkaliber wird z.B. kein Dreistellungskampf (3x20 oder 3x40) ausgetragen. (Man kann und soll die älteren Herren auch nicht damit ärgern. ;) ) Gut nachgefragt wird hingegen English Match. Auch die GK- und insbesondere die Schwarzpulverdisziplinen erfreuen sich großer Beliebtheit; Druckluft sowieso.
    Von einzelnen Schützen abgesehen (ein über 60jähriger LP-Schütze schießt z.B. in der Verbandsliga noch regelmäßig 365 Ringe) scheint mir das Leistungsniveau generell nicht allzu hoch zu sein – wenn man die erreichten Ringzahlen etwa mit Wettkampfprotokollen aus Bayern vergleicht.

    Aussagefähig ist m.E. auch folgender Vergleich: In der Disziplin LP (Schützenklasse) erhält man schon ab 320 Ringen das goldene (!) Leistungsabzeichen des LSV. Um an der LM 2011 teilnehmen zu dürfen, mußte man auf der KM jedoch mindestens 340 geschossen haben. BTW: Mit 320 erfüllt man gerade einmal die Bedingungen für das bronzene Leistungsabzeichen des DSB.

    Auflageschießen

    Die Aufgelegtdisziplinen werden auch hier im Land sehr gut angenommen; es gibt eigene Kreis- und Landesmeisterschaften dafür. Allerdings beschränkt sich die Teilnehmerschaft auf die älteren Semester (welche ja reichlich vorhanden sind ;-)). Ich habe bisher noch keinen jüngeren Schützen gesehen, der Auflage geschossen hätte; auch in den Ausschreibungen ist mir nichts dergleichen aufgefallen. Insofern sind wir Sachsen-Anhalter im positiven Sinne konservativ. ;)

    Finanzen

    Verglichen mit den Zahlen aus anderen Teilen Deutschlands sind die Mitgliedsbeiträge hier relativ hoch. Sie betragen bei Vereinen mit eigenem Schießstand oft zwischen 100 und 150 Euro pro Jahr. Hinzu kommt die einmalige Aufnahmegebühr für Neumitglieder, die meist in einer Spanne zwischen 50 und 150 € liegt. Für Jugendliche u.a. gelten günstigere Konditionen.

    Öffentlichkeitsarbeit

    Die Öffentlichkeitsarbeit ist naturgemäß von Ort zu Ort verschieden. Hier in meiner Gegend ist sie leider schwach aufgestellt. Zumeist finden sich nur Berichte aus dem „Traditionsbereich“ in der Zeitung wieder – Ordensverleihungen, Schützenfest, kurzum alles, wo nicht Trainingsanzug oder Schießjacke, sondern Uniform getragen wird. Dies prägt natürlich ein bestimmtes „Image“ der Schützen in der lokalen Gesellschaft. Dazu gehört auch der Irrglaube, daß der Schützenkönig der beste Schütze des Vereins sei. Der eigentliche Schießsport ist leider unterrepräsentiert. :(
    Auch die Internetpräsenz ist oft recht mager, wobei die größeren und bedeutenderen Vereine i.d.R. besser sind und somit de facto zusätzlich Öffentlichkeitsarbeit auch für die kleineren Klubs leisten, etwa durch das Publizieren von Ausschreibungen und Protokollen. (Ich arbeite in meinem Verein insoweit gerade an einer Verbesserung.)

    So stellt sich für mich die Lage hier in Sachsen-Anhalt dar.

    Dein Stichwort "hauptamtlich" war gut

    Inwiefern?

    Ich will hier kein Ambacher-Bashing betreiben. Im DWJ ist anläßlich seines 70. Geburtstages eine ausführliche Würdigung erschienen. Dem kann man z.B. entnehmen, daß J.A. aus der Finanzbranche kommt und den Haushalt des DSB in Ordnung gebracht hat. Schön! Dort steht auch, daß er ehrenamtlicher Kirchenpfleger ist. Ebenfalls nett. Möge er sich doch bitte um Sachen kümmern, von denen er etwas versteht. Die Öffentlichkeitsarbeit zählt nachweislich nicht dazu. Wozu hat der DSB einen Bundesgeschäftsführer und eine Pressestelle?


    PS: Ich kann mir nicht vorstellen, daß Ambacher in Politik und Ministerien ein geachteter Gesprächspartner sein soll. Die SZ kolportierte vor einiger Zeit die Geschichte, daß J.A. während einer Beratung im BMI mit einem Aktenordner nach dem seinerzeitigen Leiter des Waffenrechtsreferats Jürgen Brennecke geworfen haben soll. Nun ist Brennecke eine von vielen Waffenbesitzern aus gutem Grund verachtete Person - aber man darf doch als DSB-Präsident nicht körperlich ausfällig gegen einen Ministerialbeamten werden. Da muß man sich als Funktionär dieser Kommandohöhe einfach in der Gewalt haben.
    J.A. kann froh sein, daß da nicht noch eine Strafanzeige nachgekommen ist, die evtl. den Verlust seiner waffenrechtlichen Zuverlässigkeit zur Folge gehabt hätte.

    Ich kenne zahlreiche Vereine und Örtlichkeiten, z.B. in Polen und der früheren Sowjetunion, wo man sich paramilitärisch betätigen kann - von der dortigen Obrigkeit finanziell gefördert, ganz legal und ohne bei den Anwohnern negative Reaktionen hervorzurufen. Doch halt, Polen und Russen sind ja "Untermenschen". Mit denen läßt man sich als stolzer Vertreter der "Herrenrasse" nicht ein. Tja, da haben die Neonazis wohl Pech gehabt, wenn selbst ihre "Rassenbrüder" in den bayerischen Schützenvereinen sie nicht haben wollen. So bleibt es eben bei Gewaltphantasien. :thumbdown:

    Nachdem ich diese Diskussion in Gnag gesetzt habe, muß ich mich wohl oder übel noch einmal zu den letzten Beiträgen äußern.

    In einem haben Frank, Siegfried u.a. völlig Recht: Es hilft uns nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Vergleich zu anderen Sportarten ist der Schießsport erheblichen rechtlichen Reglementierungen unterworfen. (Welche besonderen Gesetze muß denn z.B. ein Golf- oder Handballspieler beachten?) Dies führt naturgemäß dazu, daß Sportschützen (ebenso alle anderen Legalwaffenbesitzer) besonders politikanfällig sind. In den letzten zwei Jahren wurde weder über ein Totalverbot des Fußballs oder anderer Sportarten diskutiert, sehr wohl aber über ein Totalverbot des privaten Waffenbesitzes und damit implizit des Schießsports. Die im o.g. Artikel entahltene Kritik am Lichtpunktschießen von Kindern und Jugendlichen ist nur ein - wichtiger - Baustein dieser Debatte. Davor dürfen wir nicht die Augen verschließen.

    Andererseits empfinde auch ich die übermäßige Politisierung, wie sie auf WO und neuerdings auf Gun-Forum.de zu beobachten ist, als schädlich. Schädlich insofern, als darunter der gesamte Diskussionsstil, auch in den rein technischen und schießsportlichen Unterforen, leidet. An die Stelle des Gesprächs treten oft pauschale Beschimpfungen, man setzt sich gegenseitig auf Ignorierlisten usw. usf. In dieser Hinsicht ist das Meisterschützenforum wirklich vorbildlich, was jedoch auch mit der relativ kleinen Zahl von Nutzern zu tun haben mag.

    Richtig ist auch, daß wir uns von Waffenrechtsdiskussionen unser Hobby und unseren Sport nicht vermiesen lassen sollten. Ein Bekannter von mir hat dies einmal so formuliert: Die Politiker werden uns eines Tages vielleicht unsere Waffen wegnehmen; sie können uns jedoch nicht die Erinnerung an viele schöne Stunden auf dem Schießstand nehmen. Dem stimme ich zu und so sollten evtl. auch hier im Forum die Prioritäten gesetzt werden: Erst der Sport und als Ergänzung das Waffenrecht. Ohne Waffenrecht kann es freilich nicht gehen (s.o.).

    Insoweit verstehe ich die letzten Beiträge von Erzwo und Dingo als vermittelnde Position, der ich mich gern anschließe.

    Auch ich danke Frank für seinen sachlichen und fundierten Kommentar.

    Der Link zum Artikel selbst war übrigens ein Zufallsfund. Ich finde es im übrigen gut, daß die SPD uns daran erinnert, welche Parteien wir bei den zahlreichen Landtagswahlen des Jahres 2011 (am 22. Mai auch in Bremen) nicht wählen sollten. Spätestens jetzt sind hoffentlich alle Schützen, Jäger etc. aufgewacht. Es geht nicht mehr um großkalibrige "Sportmordwaffen" und ähnliches, sondern um den Schießsport an sich, selbst in seiner rudimentärsten Form, dem Lichtschießen, das etwa im Modernen Fünfkampf als Alternative zum richtigen Schießen propagiert wird.

    Mein bis dato einziger Pokal steht auf einer Vitrine im, wie Murmelchen so schön sagte, Herrenzimmer. ;)

    Urkunden und Wettkampfprotokolle archiviere ich (bisher allerdings mangels Masse nicht in einem gesonderten Ordner).

    Dies kann ich auch nur allen anderen Schützen empfehlen, insbesondere, wenn sie WBK-Inhaber sind oder eine WBK beantragen wollen. Das Stichwort heißt hier "Bedürfnisprinzip" (vgl. §§ 8 u. 14 WaffG). Denn bei der Prüfung des Bedürfnisses - das seit 2009 ja immer und nicht nur bei der erstmaligen Erteilung einer WBK vorhanden sein muß - handelt es sich um eine in die Zukunft gerichtete Prognose über die schießsportliche Aktivität des Antragstellers bzw. WBK-Inhabers. Die Basis dieser Prognose sind wiederum die in der Vergangenheit liegenden Schießsportaktivitäten dieser Person.
    Deshalb sind auch Wettkämpfe mit erlaubnisfreien Waffen wie LG und LP nicht unbeachtlich, sind sie doch ein Beleg für die Regelmäßigkeit und Ernsthaftigkeit, mit der jemand den Schießsport betreibt (vgl. § 14 II Satz 1 Nr. 1 WaffG).

    Relevant kann dies vor allem in zwei Fällen werden: Erstens - das betrifft nur die grüne WBK - beim beabsichtigten Erwerb von Waffen, die über das sog. Grundkontingent hinausgehen. Hier wird seit 2009 in § 14 III WaffG explizit die Teilnahme an Wettbewerben erwähnt:

    "Ein Bedürfnis von Sportschützen nach Absatz 2 für den Erwerb und Besitz von mehr als drei halbautomatischen Langwaffen und mehr als zwei mehrschüssigen Kurzwaffen für Patronenmunition sowie der hierfür erforderlichen Munition wird unter Beachtung des Absatzes 2 durch Vorlage einer Bescheinigung des Schießsportverbandes des Antragstellers glaubhaft gemacht, wonach die weitere Waffe
    1. von ihm zur Ausübung weiterer Sportdisziplinen benötigt wird oder
    2. zur Ausübung des Wettkampfsports erforderlich ist
    und der Antragsteller regelmäßig an Schießsportwettkämpfen teilgenommen hat."

    Hier geht es wohlgemerkt um die Teilnahme an Wettkämpfen, nicht um den Erfolg. Deshalb sind, neben den Einträgen im persönlichen Schießbuch, die Wettkampfprotokolle so wichtig.

    Die zweite Konstellation betrifft den Fall, daß ein Sportschütze aus familiären, beruflichen oder gesundheitlichen Gründen einige Zeit vom aktiven Schießsport pausieren will bzw. muß. Hier stellt sich für die Waffenbehörde die Frage nach dem Fortbestand des Bedürfnisses. Und wenn jemand in der Vergangenheit nachweislich ein besonders aktiver Schütze war, wird die Behörde auch eine längere Pause eher akzeptieren als bei einem Schützen, der selbst zu seiner aktiven Zeit fast gar nicht an Wettbewerben teilgenommen hat. Denn bei ersterem wird eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Rückkehr in den aktiven Schießsport angenommen.

    Die Waffengegner in Politik und Medien beschränken sich nicht mehr auf die angeblichen "Sportmordwaffen". Jetzt sind auch schon die harmlosen Lichtgewehre der Verdammung anheimgefallen. Zumindest in Bremen agitiert die SPD ganz heftig dagegen:


    http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen…nktgewehre.html


    So viel zu den Fernzielen unserer Gegner und deren Mangel an Diskussionskultur. Es geht ihnen ganz offensichtlich darum, dem Schießsport insgesamt den Garaus zu machen.

    ABER, ich finde es schade wenn man einzelne Disziplinen und Sportlergruppen unter den Tisch fallen lässt bzw. fast schon verleugnet!
    DAS hätte ich von Herrn Ambacher nicht erwartet- auch wenn er es mit Sicherheit nicht böses gemeint hat oder es vorsätzlich tat...
    Gerade ein solch hoher Funktionär sollte wissen was in seinem 'Verein' von statten geht!

    Das war leider nicht der erste Totalausfall des Joseph Ambacher. Schon 2009 hat er z.B. - ebenfalls in einer Talkshow - das GK-Schießen verleugnet. Auch damals mußte der DSB eine nachträgliche Stellungnahme veröffentlichen, um die Wogen ein wenig zu glätten:

    index.php?act=attach&type=post&id=19688

    Und dann war doch noch (um 2003 herum?) ein Skandälchen, wo er sich während einer Gesellschaftsjagd über irgendwelche Politiker lustig gemacht hatte und später öffentlich entschuldigen mußte.

    Man mag von Ambacher als Person halten was man will, aber sein Stil hat etwas von Franz Josef Strauß - und das kommt vielleicht in einigen Bierzelten gut an, vielerorts jedoch nicht. (Auch bei mir nicht. Ich empfinde seine Auftritte oft als peinlich.) Von einem hauptamtlichen Verbandsfunktionär darf man ein professionelleres Auftreten erwarten. Mit Sicherheit gibt es auch im DSB Leute, die sowohl kompetent sind als auch über rhetorisches Geschick verfügen. (Jürgen Kohlheim ist einer, der mir spontan einfällt.) Dann müssen diese Leute aber auch Medientermine wahrnehmen und nicht ein Präsident, bei dem man sich fragen muß, in welchem Stadium der Senilität er sich gerade befindet.

    Welche genaue Diagnose bei ihm vorliegt, mögen Ärzte entscheiden. Dies ist übrigens noch die für J.A. vorteilhaftere Variante. Würde man behaupten, er befände sich im Vollbesitz seiner Kräfte, dann hätte er also verschiedene Disziplinen des DSB (und damit auch Mitglieder!) mehrfach bewußt verleugnet. Damit wäre er als Präsident ebenfalls untragbar.


    PS: Wie hat er es eigentlich geschafft, mehrfach auf diesen Posten gewählt zu werden?

    nur bei uns kann sich jeder aussuchen, wo er schießen möchte.

    Ach so, das wußte ich nicht. Damit stellt sich die Sache etwas anders dar. Wer dabei freiwillig mitmacht - OK. Oben las es sich allerdings so, als würde irgendein Verbandsfunktionär darüber entscheiden, wer Leistungssport und wer Breitensport schießen darf.

    Bei uns sind die Kreismeisterschaften LG und LP schon im Januar gelaufen. Leider konnte ich wegen einer Grippe nicht teilnehmen. ;(
    Die KM in den KK- und GK-Disziplinen folgen erst im Mai.


    Die Unterscheidung zwischen Breitensport und Leistungssport ist in den letzten 15 Jahren vorgenommen worden und kommt wohl daher, mehr Schützen bei den Wettkämpfen zu halten. Die Unterscheidung geht erst ab Schützenklasse los und der große Unterschied ist, dass die Schützen im Breitensport nur 30 Schuss machen und sich auch nicht weiter qualifizieren können. Halt eher die, die es nicht lassen wollen, in der Leistungsklasse aber eher abgeschlagen wären. An sich keine schlechte Regelung nur wegen der Schusszahlen etwas gewöhnungsbedürftig.
    Die Unterscheidung wurde zu einem Zeitpunkt vorgenommen, an dem gar nicht mehr aktiv war, deshalb kenne ich die genauen Gründe dieser Neuregelung nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass es die immer weniger werdenden Meldungen zur Kreismeisterschaft waren, der Kreisverband aber nicht auf Startgelder verzichten wollte. Also eine Extraklasse unter Bedingungen, die nicht der Sportordnung gehorchen müssen.

    Diese Entwicklung halte ich für sehr bedenklich. So war es ab den 70er Jahren auch in der DDR. Der "Pöbel" mußte sich mit LG und KK 3x5 Schuß begnügen, während nur ausgewählte Leistungssportler das international übliche Programm schießen durften. Es gab sogar zwei verschiedene DDR-Meisterschaften: Einmal "richtig" (für die Stars) und einmal "Sparflamme" (für das Volk). :thumbdown:

    Danke für eure netten Antworten. :thumbup:


    Aber meistens ist es ja doch so, dass man sich ab einem bestimmten Leistungsstand mit anderen messen möchte.

    Genau das ist der Grund, weshalb ich jetzt in einen Verein strebe. ;) Zudem hilft mir die sachliche Atmospäre eines richtigen Schießstandes. Dort schieße ich mit der LP oft 10 bis 20 Ringe mehr als daheim im Garten.

    Hallo Frank,

    herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Hier im Osten Deutschlands ist vieles anders - auch im DSB. ;) Reine Traditionsvereine, wie ich sie in Bayern schon kennengelernt habe, gibt es hier fast nicht. Hier wird viel sportlich geschossen. Mein Problem besteht darin, daß manche Klubs Sportvereine sind, die zugleich viel Wert auf Traditionspflege legen (inkl. Uniformpflicht in der Satzung). Das macht es mir so schwer.

    Hierzulande waren die sog. Schützentraditionen seit Ende der 1930er Jahre - also fünf Jahrzehnte lang! - abgeschnitten. Sämtliche Vereine sind Neugründungen seit 1990. Das, was man heute Traditionspflege nennt, ist nichts anderes als eine Neuerfindung, die aus den alten Ländern importiert wurde. Nach dem Motto: Das macht man in einem Schützenverein eben so, Punkt. Darin unterscheidet sich die Situation hier in der Gegend grundlegend von der im Westen unseres Vaterlandes. Was dort z.T. sicher noch reale, weil kontinuierlich gelebte Tradition ist, deren Inhalt sich den Menschen erschließt, ist hierzulande meist nichts anderes als ein künstlich aufgepropftes Kostümfest, nicht unähnlich dem Karneval.

    Und wenn ich dann in einer Vereinssatzung, die noch keine 20 Jahre alt ist, lese, daß man nur Mitglieder aufnehmen will, die "in geordneten Verhältnissen leben", dann frage ich mich, ob manche Schützenfunktionäre schon in der Gegenwart angekommen sind oder ob sie in einer traditionsverklärten Vergangenheit leben. Was ist der Rechtsbegriff "geordnete Verhältnisse" unter den gesellschaftlichen Bedingungen des Jahres 2010 zu verstehen? Sollen damit Arbeitslose, Homosexuelle oder Leute, die in "wilder Ehe" leben, vom Sportschießen ferngehalten werden? ?(

    Leider schlägt bei Vereinen, die ausweislich der im Internet veröffentlichten Ausschreibungen und Wettkampfprotokolle in sportlicher Hinsicht durchaus rege sind, immer wieder die "Tradition" zu. Der Verein hat nur rund 40 Mitglieder, aber einen erweiterten Vorstand von über einem Dutzend Mann - inkl. Fahnenträger, Traditionsoffizier und Adjudantem des als Oberst titulierten Vorsitzenden etc. pp. Wie man sieht, gibt es dort fast mehr Häuptlinge als Indianer. ;)

    Es ist dieses komische, großteils inhaltsleere Gehabe, was mich ein wenig abschreckt. Wenn man jedoch auf die Stände kommt, ist davon - glücklicherweise - meist nichts zu sehen oder zu spüren. :) Im Gegensatz, die hiesigen DSB-Vereine versuchen, viele Disziplinen abzudecken (Stichwort: Liste B). Das wirkt auf mich wiederum anziehend.

    In meinem letzten Beitrag hatte ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt: Die beiden Vereine, die gerade in der engeren Wahl sind, schießen nicht nur Druckluft bzw. KK/GK. Allerdings verfügt der eine Verein nur über 10-m-Stände, der zweite nur über 25 und 50 m. Die Mitglieder beider Klubs pendeln also zwischen beiden Schießständen. Das ist ein wenig anstrengend, auch wegen der unterschiedlichen Öffnungszeiten. Wobei Verein Nr. 2 seine Kugelstände sehr großzügig geöffnet hat (5 Tage pro Woche, z.T. vor- und nachmittags; sofern gerade kein Hochwasser ist). Dies ist für mich sehr wichtig, damit ich mein Leben und meine Zeitplanung nicht des Sportes wegen gänzlich umstellen muß. ;)

    Ich werde auf jeden Fall weiter berichten.

    Viele Grüße

    Zebo

    Danke für Eure Meinungsbekundungen. :)


    Pistole und Gewehr können sich ganz gut gegenseitig befruchten - wenn man es zuläßt.

    Das habe ich letzte Woche gemerkt. Hatte im September fast nur LP und kaum LG geschossen. Trotzdem hat sich das intensive LP-Training positiv auf meine Ergebnisse mit dem LG ausgewirkt, die in bisher ungekannte Höhen gestiegen sind. ;)


    Wieso denkst Du eigentlich, Du wärst zu alt und hättest zu spät angefangen?

    Na ja, so realistisch bin ich schon. Vor meinem Alter steht jetzt keine "2" mehr und ich habe erst vor zwei Jahren intensiver mit dem Schießen begonnen. Gewiß, da ist noch Potential, welches ausgebaut werden kann, aber zur Olympiade oder einer WM fahre ich sicher nicht mehr. Das ist auch nicht weiter schlimm. Das einzige, was schlimm ist und worüber ich mich ärgere: Daß ich mich selbst jahrelang um den Spaß bei Schießen betrogen habe, weil mir andere Freizeitbeschäftigungen wichtiger waren. ("Eine eigene Waffe kaufen und damit schießen kann man auch noch nächstes Jahr.") :cursing:


    Beste Grüße

    Zebo

    Guten Abend Frank,

    zunächst herzlichen Dank für Deine sehr ausführliche Antwort! :)

    Du sprichst darin viele Aspekte an, die ich sicher beherzigen werde. Ich weiß, daß das Anschütz 250 keine Idealwaffe ist, aber mir geht es im Augenblick mehr um die Schießtechnik als um Wettkämpfe. Letztere will ich allerdings nicht ausschließen, bin ich doch gerade dabei, mir einige DSB-Vereine in der Umgebung anzusehen. Der nächstgelegene (der nur KK und GK, aber leider keine Luft bietet) steht jedoch im Augenblick noch unter Wasser. Ich hoffe allerdings, daß ich dort in dieser Woche ein klärendes Gespräch hinsichtlich meiner Mitgliedschaft führen kann.

    (Vereinsmäßig ist die Situation hier kurios: Der nächstgelegene Schützenverein [5 km] gehört zum BDMP - nette Leute, die ich z.T. schon lange kenne, aber ich kann dort keine Druckluftwaffen schießen. Der zweitnächste [12 km] ist der oben beschrieben DSB-Klub. Wenn ich aber LP und LG schießen will, muß ich mich auf den Stand eines anderen DSB-Vereins [15 km] begeben. Jetzt steht die Frage, welchem der beiden zuletzt genannten ich beitreten kann und will. Mit ausschlaggebend dürfte hier die Uniformfrage sein. Aber das alles nur am Rande ...)

    Viele Grüße

    Zebo