Hallo Albert,
vorab, die Schussbilder sind zwar nicht gut, aber sie sind jetzt auch nicht wirklich unrealistisch, auch nicht für einen Diana-Lauf. Um daher auch nur ansatzweise beurteilen zu können, ob mit dem Gewehr möglicherweise wirklich etwas nicht stimmt, bräuchte es schon deutlich mehr Informationen. Ein paar wichtige Fragen hat Claus-Dieter ja schon gestellt, auch wenn ich seine Vermutungen nur anhand der Schussbilder auch für etwas gewagt halte. Das geben die Schussbilder so einfach nicht her, denn wie schon gesagt, solche Schussbilder lassen sich auch einfach nur durch nicht passende Lose produzieren und ohne dass da auch systematische oder gar Bedienfehler oder noch schlimmer, sogar ein defekter Lauf eine Rolle spielen müssen. Natürlich gehen in das Schussbild auch immer systematische Fehler mit ein, es gibt schließlich nicht den perfekten Test- und Messaufbau, am Schussbild kann man das aber in der Regel gerade nicht erkennen. Und wenn doch, dann ist der hier ja bisher als Qualitätskriterium genannte erkennbare Schussaufbau denn auch eher ein Indiz für einen systematischen Fehler denn für die tatsächliche Güte der Munition. 10 Schuss sind einfach eine viel zu kleine Stichprobe bei so einer komplexen Sache wie einem KK-Test. 10 Schuss sind einfach erst mal nur ein Hinweis darauf, dass dieses Los auch gut sein könnte, mehr aber auch nicht. Wenn man nämlich Pech hat, liefert die erste Serie ein gutes bis sehr gutes Schussbild und schon die nachfolgende Serie liefert wieder ein deutlich schlechteres Schussbild. Deshalb testet Eley ja auch mit 40 Schuss und nutzt die 10er-Serien nur für eine Vorauswahl.
Wer möchte, findet inzwischen ja auch genug dieser Testbögen im Netz, sogar mit Diagrammen der statistischen Verteilung, und kann sich dann ja auch noch mal nach eingehender Begutachtung und Vergleichen Gedanken machen, ob so Thesen wie 'rund' oder sogar noch schlimmer, "Schussbildaufbau" auch wirklich haltbar sind.
Für den Einstieg: http://clach-sbrc.info/batchtest/
Bei Bedarf schreibe ich gerne auch noch etwas mehr dazu, ist aber hier nicht wirklich das Thema.
Eine der wenigen Spekulationen, welche ich unter den gegebenen Umständen aber noch für zulässig erachten würde, wäre aufgrund der leicht besseren vierten Serie, ob der Lauf auch schon genügend, ich nenne das jetzt mal so, konditioniert war, sprich nach einer längeren Lagerung und Reinigung auch erst mal wieder einige Serien verschossen wurden, um wieder bestimmte Bedingungen im Lauf herzustellen. Nach meinen Erfahrungen sollte man das sogar beim Übergang von einer Munitionssorte zur anderen berücksichtigen, sprich beim Test nicht wahllos zwischen den Marken wechseln, sondern erst mal nur Lose einer Sorte testen, denn sonst testet man möglicherweise die ersten Schüsse oder sogar die erste Serie noch mit einem durch und auf die vorherige Marke konditionierten Lauf. Man kann natürlich zwischen den Testserien auch immer schön putzen, um so Munition zu finden, die sofort gut startet. Das wird ja heutzutage auch von den meisten Spitzenschützen so propagiert. Ob es aber auch immer die wirklich beste Lösung ist, weiß ich nicht. Tatsache ist, es gab früher auch gute schützen, die haben nie oder nur ganz selten geputzt und die erfreuten sich auch oder trotzdem oft über Jahrzehnte an ihren gut schießenden Läufen. Und die brauchten nie erst 10 oder gar 20 Schuss, um wieder zu treffen. Mein ja nur.
Aber wie schon gesagt, um hier wirklich urteilen zu können, müsste man schon wissen, wie der Test abgelaufen ist, wie die Vorbedingungen waren, und was für Munitionssorten und Lose überhaupt verwendet wurden.
Ich hätte aber auch noch ein paar weitere Fragen und möglicherweise sogar ein paar weitere Anregungen.
Was bedeuten denn die anderen beiden Schussbilder? Sind die nur zum Vergleich herangezogen worden?
Du schriebst, die Diana wurde vor 15 Jahren von deiner Tochter erworben. Wie war denn das Schussverhalten zu der Zeit und wie wurde die Diana denn über den Zeitraum genutzt?
Es kann natürlich auch sein, dass tatsächlich etwas mit der Waffe nicht (mehr) stimmt, nur ist der Schluss nur anhand der bisherigen vier Schussbilder nicht zulässig. Da müsste man dann schon deutlich systematischer ran gegen.
Eine Möglichkeit, den Lauf zu begutachten, besteht darin, einen dieser Reinigungspfropfen durchzuschieben. Dabei sollte ein über den ganzen Weg möglichst gleichmäßiger Widerstand ohne Unterbrechungen oder plötzliche Sprünge spürbar sein, welcher gleich am Anfang beim Übergang vom Patronenlager zum Lauf hin etwas ansteigt, aber auch nur leicht und nicht hakelig, danach dann wieder etwas abnimmt und erst zum Ende hin das letzte Stückchen vor der Mündung noch einmal deutlich wahrnehmbar ansteigt. Insgesamt sollte der Widerstand dabei noch deutlich spürbar sein, sonst hat der Lauf womöglich schon ein paar Schüsse zu viel gesehen. Wenn man das noch nie gemacht hat, nimmt man am besten mal ein paar gut schießende Vergleichsläufe, um ein Gefühl für den Test zu bekommen. Der Test liefert natürlich auch keine absolute Aussage, liefert aber doch schon ein recht gutes und oft auch zutreffendes Indiz der Güte.
Kommen wir nun zur Diana in dem 2602-Schaft. Wie wurde denn das System in dem Schaft befestigt? Mit Hilfe eines Adapters oder passt das Diana-System vom Durchmesser her sogar direkt in die FWB-Bettung? Dann hätte man wohl nur neue Bohrungen für die Schaftverbindungsschrauben setzen müssen. Der Durchmesser des Diana-Systems beträgt 30mm, aber den der FWB-Systeme kenne ich nicht, meine aber der wäre sogar noch etwas dicker, 32 mm vielleicht? Feinwerkbau verwendet ja für das eigene System eine Zwischenlage für die Bettung und nicht zu vergessen, diesen ominösen, ich nennen ihn jetzt mal so, Barrel Tuner für Arme im Form eines O-Rings im vorderen Bereich des Schaftes. Sind diese beiden Sachen noch vorhanden? Wenn ja, experimentiere mal damit.
Des weiteren würde ich Dir empfehlen, das System mal komplett aus dem Schaft zu nehmen, alles auf seinen korrekten und festen Sitz hin zu überprüfen und die Verbindungsschrauben dann gleichmäßig mit erst mal ca. 5 Nm anzuziehen. Wichtig ist, dass das System dabei nicht verspannt wird. Das Schloss sollte also nach dem Einbau noch genauso geschmeidig gehen wie vorher. Ich erwähne das, weil das Diana-System in dieser Hinsicht etwas weniger steif als Z. Bsp. das Match 54 System gebaut ist und daher auch etwas empfindlicher auf Verspannungen reagiert.
So, erst mal Ende der Durchsage. Ich hoffe, Du kannst damit etwas anfangen.
Halte uns auf dem Laufenden.
Mit bestem Schützengruß
Frank