Hallo Freunde,
stellen wir uns zuerst mal die Frage, warum die Regeln heutzutage vermeintlich so streng sind und von manchen Schützen teilweise auch als überzogen angesehen werden. Die Regelwerk der SpO und auch das Rule Book der ISSF waren nicht immer so detailliert und kompliziert. Warum wurden diese Regelwerke mit den Jahren immer komplexer und komplizierter? Weil es immer wieder Schützen gab, die versuchten, sich durch Lücken im Regelwerk einen Vorteil zu verschaffen! Auch die Hersteller spielten und spielen dieses Spielchen. Hier stehen natürlich die wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund. Auch kommt es vor, dass sich ein Hersteller eine neue so gerade noch regelkonforme Idee schützen lässt und die Konkurrenz sieht sich dann genötigt, eine davon etwas abweichende Lösung zu bieten, welche dann eben nicht mehr so ganz regelkonform ist. Diese Neuigkeiten werden dann auch von anderen Schützen gesehen und und in ihnen wird dann auch oft eine vermeintliche Vorteilsnahme gesehen und diese Bedenken werden dann auch gegenüber den Offiziellen und Kampfrichtern geäußert. Es kommt zu Streitigkeiten über zulässig oder nicht zulässig. Sehen wir ja jetzt wieder an dem Visor und dessen Auflage auf das Diopter. Was bleibt da der Jury und dem Verband da irgendwann anderes übrig, als sich mit der Sache zu befassen und diese dann möglichst klar in der jeweiligen Sportordnung zu regeln.
Hinzu kommt noch, dass die Hersteller ja nicht verpflichtet sind, nur regelkomforme Klamotten und sonstige Produkte nach SpO oder ISSF zu fertigen und auch anzubieten. Es gibt auch andere Verbände, wo bestimmte Sachen überhaupt keine Rolle spielen. Es ist immer Sache des Schützen oder seiner Betreuer, sich um solche Dinge vor Teilnahme einer Meisterschaft zu kümmern, wie wegi82 schon richtig anmerkte.
Viele der Punkte hier sind auch schon ein alter Hut. Die Maße für die rutschfesten Polster sind schon sehr lange so festgeschrieben. Wer da immer noch mit einer Hose oder Jacke aufläuft, bei der diese Maße nicht eingehalten werden, der muss das mit dem Hersteller abklären. Siehe oben. Selbst die Problematik mit den Schuhen gibt es länger. Auch hierfür sind nicht die Kontrolleure bzw. Kampfrichter des DBB oder der ISSF verantwortlich. Na ja, indirekt vielleicht schon ein bisschen, weil die Zeichnung nicht so ganz eindeutig ist. Mittlerweile müsste sich das aber rumgesprochen haben.
Mal eine dumme Frage: Was soll die Waffenkontrolle denn machen, wenn da einer mit einem LG mit Tiroler-Backe ankommt? Sollte Teile gibt es noch und die in Hintertupfingen sollen wohl auch noch teilweise damit schießen.
Kommen wir auch noch einmal auf den Visor zurück. Hier wird immer wieder behauptet, die Diskussionen darüber wären kleinlich, da das Auflegen ja überhaupt keinen Vorteil brächte. Gut, aber warum wird dann doch immer wieder der Schirm auf den Diopter gelegt und zwar oft auch noch so, dass man dass nur sehr schlecht erkennen kann. Das Spielchen wird solange betrieben, bis da eine harte Reglung kommt. Ich kann euch jedenfalls versichern, dass es nicht immer die "bösen" Aufsichten sind, die das monieren. Oft werden diese nämlich auch erst von weniger wohlwollenden Schützen auf den vermeintlichen Regelverstoß hingewiesen. Was soll die Aufsicht oder der Kampfrichter denn da machen? Genauso verhält es sich mit dem vermeintlichen Coaching (sprich Sprechen mit dem Schützen ohne formale Regeleinhaltung) während eines Wettkampfes. Ich habe persönlich auch kein Problem damit, wenn das auf kleineren Meisterschaften nicht ganz so konsequent be- und verfolgt wird. Auf größeren Meisterschaften ist es aber ein Muss, sonst würde das wirklich zu leicht zu massiven Störungen führen. Aber ich habe es schon regelmäßig erlebt, dass es eben auch Schützen gab, denen es auch wieder nicht recht war, wenn man hier etwas großzügiger war. Was soll man da denn als Aufsicht machen?
Die Sache mit der Steifigkeit und Dicke der Bekleidung ist eine besondere Baustelle. wegi82 hat ja dazu schon einiges geschrieben. Wir brauchen hier wohl wirklich Messverfahren, die über jeden Zweifel erhaben sind. Deshalb ist die Forderung nach einer regelmäßigen Kalibrierung (Eichen ist etwas anderes) sinnvoll. Auch muss sichergestellt werden, dass die Messungen nicht durch Bedienfehler verfälscht werden. Aber unabhängig davon muss man auch hier berücksichtigen, warum diese strengen Regeln notwendig wurden. Es gab Ende der Achtziger Klamotten, die so steif waren, das man sich damit nicht mehr auf einen Stuhl setzen konnte. Dann gab es etliche zum Teil nicht wirklich gute Regelversuche, die Sache in den Griff zu kriegen. Man musste die Hose über die Schuhe mit geschlossenen Reißverschlüssen anziehen können. Oder die Sache mit der Kniendrolle, die noch unter die Jacke passen musste. Auch kurios war die Geschichte mit den Jacken und Hosen, welche zulässig waren, wenn sie nicht alleine stehen blieben. Da ist doch der Versuch, die Sache auf eine einheitliche technische Prüfung zu reduzieren, deutlich sinnvoller. Nur muss das auch richtig klappen.
Zu den Aufsichten, Kontrolleuren und Kampfrichtern habe ich ja auch schon etwas gesagt. Ich würde hier jedem Schützen mal empfehlen, einmal die Seiten zu wechseln. Ich werdet seht schnell feststellen, dass diese Aufgaben nicht immer ganz so leicht sind. Geht man immer streng nach Regelwerk vor, ist man für die meisten ein böser scharfer Hund. Ist man aber (speziell auf den unteren Meisterschaften) etwas weniger genau bei der einen oder anderen Auslegung, kommt garantiert jemand von Seiten der Schützen oder Betreuer an und moniert das. Ja, das ist wirklich nicht immer der tollste und einfachste Job. Irgendwie hat man da immer die Popokarte, egal wie man es macht. Das ist auch mit ein Grund, warum es immer recht schwer ist und in letzter noch schwerer geworden ist, gute und qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Die manchmal gezahlten paar Mark Spesen machen da den Kohl auch nicht wirklich fett, zumal dann nicht, wenn auch noch ein paar Hunderte von Kilometern dafür fahren muss. Auch das kommt vor.
Apropos, es ist schlicht falsch, zu behaupten, die Schützen bräuchten die Funktionäre nicht. Ohne Funktionäre gebe es keine Meisterschaften. Es wäre überhaupt noch nicht einmal ein Schießbetrieb möglich. Siehe Aufsicht WaffG. Ich halte die blöde künstliche Trennung eh für unangebracht. Ich bin ein Schütze und übernehme manchmal auch Aufgaben. Aber ganz bestimmt nicht wegen der Knete oder weil mir bei den Aufgaben regelmäßig einer abgeht, wenn ich andere "schikanieren" kann, mal etwas flappsig gesprochen.
Man könnte sich das Leben ja auch etwas einfacher machen. Rules are Rules heißt es in vielen Teilen der Welt. Wenn die Regeln nicht richtig sind, muss man sich dafür einsetzen, dass sie geändert werden. Aber pauschal die Kontrolleure für aus eigener Sicht vermeintlich unsinnige oder unfaire Regeln verantwortlich zu machen, ist unredlich. Mein ja nur.
Mit bestem Schützengruß
Frank