Hallo Geronimo,
das Wort Dunstkreis ist alleine schon problematisch, da suggestiv und trotz seiner Schwammigkeit nicht haltbar. Es ist die Sprache der Gegner. Es ist genauso haltlos wie das berühmt-berüchtigte Restrisiko, dass z. Bsp. angeblich von Schulständen ausgehen soll. Siehe dazu Zebos Beitrag. So etwas trägt nur weiter zur Legendenbildung bei und festigt die veröffentlichte und gemachte Meinung.
Letzte Woche hörte ich noch von einer Journalistin im Radio im Rahmen eines Interviews mit der Tat von Norwegen die folgende Fragestellung. Sie sagte, dass nach den bisherigen Amokläufen immer das Waffenrecht verschärft worden sei und fragte, ob das nicht jetzt auch wieder geschehen müsse. Ja, wo denn, in Deutschland, wenn in Norwegen ein Attentat passiert? Von Reflektion keine Spur. Das ist mittlerweile so in den Köpfen drin, nicht nur bei ausgesprochenen Dummköpfen.
Die Täter in Deutschland waren alle keine Sportschützen. In Erfurt wurde die Erlaubnis zum Erwerb erschlichen. Einzig die Rechtsanwältin könnte man zu den Sportschützen zählen, aber auch sie war eben objektiv und auch rechtlich schon lange keine Sportschützin mehr. Den Fall würde ich aber auch eher unter erweiterte Beziehungstat einordnen wollen. Der Typ in Emsdetten hatte überhaupt keinen Bezug zum Schützenwesen oder zum Schießsport. Aber auch die anderen Täter waren keine Sportschützen. Wenn jemand sich illegal Waffen aneignet, wird er dadurch nicht zum Sportschützen. Wenn einem Sportschützen wie in Winnenden oder Bad Reichenhall die Waffen entwendet werden, dann muss man das auch so nennen und nicht nebulös von Dunstkreis sprechen. Wäre jemand bei der Bundeswehr oder bei den Behörden eingebrochen, hätte man ihm ja auch nicht dem Dunstkreis der Bundeswehr oder den Behörden zugeordnet.
Generell ist die Anzahl dieser Taten aber gottlob auch viel zu gering, um da wirkliche Gemeinsamkeiten und Bezüge ableiten zu können. Wenn man das trotzdem tut, wie es ja in Bezug auf die Tatwerkzeuge immer wieder versucht und gemacht wird, dann könnte man auch formulieren, dass wohl alle Täter Brot konsumiert haben und da wohl die Ursache für die Tat liegen könnte. Bitte, das ist nicht respektlos gegenüber den Opfern gemeint, verdeutlicht aber bestimmte Denkstrukturen und systematische Fehler.
Aber ich kann deinen Vorbehalt bezüglich der Positionierung der Verbände zum Teil nachvollziehen. Auch ich weiß nicht immer, ob man jeden Vorfall wirklich immer kommentieren sollte oder ob es nicht manchmal wirklich besser wäre, bestimmte Aussagen überhaupt nicht zu kommentieren.
Nur hatten wir es in den letzten Jahren mit gezielten Kampagnen zu tun, wo durch permanentes Wiederholen von Falschaussagen, durch völlig aus dem Zusammenhang gerissene Fakten ein Bild von uns in der veröffentlichten Meinung erzeugt wurde, das mit der Realität nicht mehr das Geringste zu tun hat. Durch die ständigen Wiederholungen ist dieses Zerrbild leider in den Köpfen von nicht wenigen Mitbürgern zum Fakt geworden. Bis auf wenige unermüdliche Schreiber aus den Reihen der Schützen gab es nur ganz selten Richtigstellungen.
Da der Schießsport keine mediale Plattform hat oder diesem keine eingeräumt wird, kann auch hier kein wirksames Gegenbild erzeugt werden. Beim Biathlon mit der Teilsportart Schießen hätte man diese Plattform, aber da wird sie nicht genutzt oder wohl besser gesagt, bewusst nicht genutzt.
Ich habe es ja schon mal geschrieben. Unter den jetzigen Bedingungen können wir uns noch wehren und uns für den Erhalt unseres Sports in der jetzigen Vielfalt und den dazu auch zwingend nötigen legalen Waffenbesitz einsetzen, oder wir werden untergehen. Andere Optionen sehe ich nicht (mehr) und ich sehe mich normalerweise nicht als Schwarzmaler.
Es ist doch absurd. Wir betreiben eine der friedfertigsten Sportarten, die es auf dieser Welt gibt und die mit Gewalt nicht das Geringste zu tun hat. Und gerade wir sollen als Sündenbock für alle Verfehlungen dieser Gesellschaft gerade stehen und bestimmten Gruppierungen ermöglichen, sich auf unsere Kosten zu profilieren und davon zu profitieren.
Noch können wir uns wehren und gemeinsam für unseren Sport kämpfen. Noch sind wir viele. Wir müssen es nur wollen und auch tun.
Mit bestem Schützengruß
Frank