Stop, Stop, Stop,
streng genommen brauchst Du den ganzen Zusatzkrempel nicht. Man kann auch "nur" mit einem ollen Blechkorn und der serienmäßigen Irisblende ohne Verstellmöglichkeit etwas treffen. Der mögliche Nutzen und Vorteil dieser Zusatzteile wird auch oft etwas überschätzt und nicht jedes Sehproblem lässt sich damit auch lösen.
Erstmal sollte Dir der Zweck und die möglichen Verbesserungen, welche man durch diese Zubehörteile erreichen kann, klar sein.
In diesem Beitragsstrang geht es um ein noch relativ neues Hilfsmittel, mit dem sich die Zielgenauigkeit verbessern lassen kann, wenn man dazu neigt, nicht wirklich gerade durch das Diopter zu schauen. Wie gesagt, es kann dazu beitragen, die Schießleistung zu verbessern, muss es aber auch nicht unbedingt und kann sie sogar verschlechtern, wenn man sich zu sehr auf das Ding konzentriert und dann im Anschlag (auch unbewusst) zusätzliche Spannungen aufbaut.
Ich nehme an, Du sprichst erst mal von einer verstellbaren Irisblende am Diopter und dem passenden Ringkorn vorne im Korntunnel. Mit der Irisblende regelt man die Tiefenschärfe (siehe Blende Fotoapparat) und indirekt auch den Lichteinfall. Das macht man nach Gefühl und natürlich auch in Abhängigkeit von der Scheibenbeleuchtung und der Gesamthelligkeit, so das man erst mal das Korn scharf sieht. Eine kleine Unschärfe der Scheibe ist dabei normal und auch nicht weiter schlimm. Da der Größenwert der Irisblende auch vom Durchmesser der eigenen Iris im Auge abhängt, gibt es auch so einen Standardwert, und der liegt so bei 1,1 - 1,2mm, wie Du schon richtig angedeutet hast. Es hängt auch etwas vom eigenen Augenabstand zum Diopter ab.
Für extreme Lichtverhältnisse (insbesondere auf offenen Bahnen, wenn sehr grell oder zu dunkel und ohne Kontrast) nutzt man besser Filter. Es gibt dabei zwei Ausführungen, einmal Farbfilter und auch Polfilter, beides auch als Kombination. Ich bin der Auffassung, man sollte dabei gerade auch als Brillenträger immer so wenig wie möglich an Filtern einsetzen und nur soviel wie nötig. Man muss sich aber mit der Sache auf jeden Fall auch etwas beschäftigen, um die richtigen Filter und Einstellungen für sich herauszufinden.
Zum Ringkorn: Auch da gibt es mittlerweile eine große Auswahl an unterschiedlichen Ausführungen. Die Glas- und Plastikkorne bieten etwas mehr Kontrast ohne den störenden Übergangsschleier bei den alten Metallkornen. Es gibt auch verstellbare Korne. Zur Größe kann man aber keine festen Angaben machen, da jeder Schütze das Zielbild unterschiedlich wahrnimmt. Wo der eine noch deutlich Weißes sieht, ist für den anderen schon alles Schwarz. In Bereich KK 50m geht die Spanne von deutlich unter 3,0mm bis deutlich über 4,0mm. So eine Art Durchschnittswert sind aber die auch schon von Dir genannten 3,6mm für Liegend. Die Größe hängt auch von der Lauflänge ab. Eine Faustformel sagt, mal soll das Ringkorn so wählen, dass man ca. 2/3 Schwarz und 1/3 Weißes sieht. Manche Schützen wählen Liegend auch etwas kleiner, aber man sollte nicht denken, das kleiner immer auch genauer ist. In Prinzip muss man die Größe selbst austesten. Ideal ist die Größe, wo man die Trefferlage der Schüsse am besten vorhersagen kann, oder speziell bei Liegend, womit man das kleinste Schussbild hinkriegt. Die so gefundene Größe muss dann aber auch nicht für immer Gültigkeit haben, sondern kann auch variieren, auch je nach Tagesform und natürlich auch nach der jeweiligen Beleuchtungssituation. Zum Beispiel kann man bei elektronischen Scheiben aufgrund des guten Kontrasts oft ein bis zwei Zehntel kleiner wählen, während man bei nur schlecht ausgeleuchteten herkömmlichen Scheiben und Dämmerlicht besser etwas größer wählt. Es gibt aber auch Schützen, die verändern die Korngröße nicht oder nur ganz selten und arbeiten bei Bedarf nur mit der Irisblende und den Filtern.
Die Sache ist also sehr individuell. Was dem einen hilft, muss dem anderen noch lange nicht helfen und auch bei leicht verschwommenem Zielbild kann man die Schüsse in die Mitte setzten, leichter mit etwas größerem Ringkorn. Man sollte aber immer nur kurz wirklich zielen, einmal um die Augen zu schonen und zweitens, um sich nicht von Gehirn täuschen zu lassen. Zielt man nämlich zu lange, kann es passieren, dass das Gehirn mit einer Art Speicherbild arbeitet und dann wundert man sich, wo die Schüsse hin fliegen.
So, ich hoffe, das war es erst mal. Bei weiteren Fragen stehe ich Dir gerne und sicher auch andere hier im Forum weiterhin zur Verfügung.
Mit bestem Schützengruß
Frank