Ich weiß nicht, ob es richtig ist, so klar mit der SPD zu brechen. Auch wenn es immer noch diese Verbotsforderung im Bundesprogramm der SPD gibt, so ist die Partei in der Frage sicher nicht homogen. In allen Parteien, auch bei den Grünen, gehen die Initiativen und in unsrem Fall die Attacken immer von Einzelpersonen und kleinen Gruppierungen aus. Die Mehrheit der Parteimitglieder und der aktiven Politiker interessiert sich nicht wirklich für das Thema. Abgestimmt wird dann oft nur aus Solidarität, Parteiräson und ohne sich intensiver mit dem Thema zu befassen. Selbst bei den Grünen an der Basis gibt es Menschen, mit denen man ganz vernünftig reden kann. In der SPD ist der Anteil derjenigen, die nicht generell ein Problem mit dem Thema Waffen und Schießsport haben, deutlich höher.
Auf der anderen Seite ist auch das sogenannte bürgerliche Lager auch nicht (mehr) geschlossen auf Seite der Schützen. Hier in NRW wurde die Attacke gegen die Schulstände hauptsächlich von einer CDU Politikerin geführt, die konstruktiven Stimmen kamen hingegen hauptsächlich von SPD Politikern. Wenn ich mir die Antwort von Bundesinnenminister Friedrich (CSU) zum Thema Waffenrecht und Diskriminierung der Schützen so durchlese, kann ich darin auch keine auch nur ansatzweise wohlwollende Positionierung erkennen, im Gegenteil. Und gerade bei einem CSU Mann aus Bayern sollte man doch etwas anderes erwarten können, oder. Mit FJS wäre das wohl so nicht passiert.
Ganz einseitig auf ein bestimmtes politisches Lager zu setzen, ist jedenfalls nicht risikolos. Wir brauchen einen größeren Konsens.
Unser Hauptproblem ist immer noch der massive einseitige Einfluss durch die Medien. Der 'normale' Politiker 'informiert' sich genauso wie der 'normale' Wähler über diesen Weg. Hier schaffen wir es nicht, einen Gegenpol zu setzen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Große Vielfalt und daraus resultierende Inhomogenität, unterschiedliche Interessen, tiefe, scheinbar unüberwindbare Gräben zwischen den einzelnen Gruppierungen, zu eigen machen der Argumente der Gegner, anerzogene Obrigkeitshörigkeit usw.
Wie tief die Gräben sind, sieht man ja gut daran, dass die wenigen Personen, welche selbst aktiv werden und hauptsächlich über die neuen Medien Position beziehen, von gewählten Schützenvertretern an höchster Stelle dann als Aggressoren hingestellt werden. Das sind dann auch die gleichen Vertreter, welche verdachtsunabhängige Kontrollen begrüßen. Man darf bei diesen Personen auch davon ausgehen, dass weitere unsinnige Verbote dann auch als Kompromisse verkauft werden, mit denen man (wieder mal) gut leben kann.
So wird das Bild rund und weil das so ist, werden wir auch weiter verlieren.
Warum werden von unserer Seite (den Verbänden, verbandsübergreifend mit einer Stimme) keine Forderungen gestellt? Warum wird die mannigfaltige Unsinnigkeit des Waffengesetzes nicht thematisiert? Warum wird nicht immer und immer wieder formuliert, dass die Missbrauchsrate in Bezug auf den privaten Waffenbesitz so minimal gering ist, dass hier überhaupt kein Handlungsbedarf besteht? Die Fakten sind doch eindeutig und liegen auch klar auf der Hand.
Wir werden unsere Interessen nicht vertreten und schützen können, wenn es uns nicht gelingt, uns auch Gehör zu verschaffen und eindeutig Position zu beziehen. Der bisherige Weg, Verhandlungen hinter verschlossenen Türen in den Hinterzimmern der Macht zu führen, ist mit Sicherheit der direkte Weg in die Sackgasse. So können wir nur verlieren, denn jeder weitere Kompromiss (massivste völlig überzogene Forderungen auf der einen Seite, betroffene demutsvolle Haltung auf der anderen Seite) kann logischerweise nur zu weiteren unsinnigen Einschnitten auf unserer Seite führen. Ich will ja das Bildnis mit der Wurst nicht überstrapazieren, aber wenn man immer und immer wieder Scheibchen von den Enden abschneidet, hat man irgendwann keine Wurst mehr.
Ach ja, die Ferengi mit den Stöpseln sollten wir auch nicht vergessen.
Aber wie sieht denn zur Zeit die Realität aus? Unsere Verbände kriegen es ja noch nicht einmal hin, ihre Mitglieder über die Bedrohungen zu informieren. Wer sich nicht im Internet schlau macht (oder machen kann), der wird zwar regelmäßig durch die Medien zugemüllt, eine Gegenposition mit den Fakten erhält er aber nicht. Wie soll da überhaupt so etwas wie eine Opposition entstehen können. Noch schlimmer ist die dadurch geförderte Grabenbildung zwischen den Schützen. Da der nur durch die Medien 'informierte' Schütze ja die bösen Zustände bei sich und seinem Vereinsumfeld nicht kennt, denkt er, es müsse eben auch andere Schützen geben, welch für die ja angeblich so bösen Zustände und Missbrauchsfälle zuständig sind. Im schlimmsten Fall ist er dann sogar anfällig für die vermeintlich so wohlwollenden Verbotsforderungen, solange es ihn nicht direkt trifft. In seinem Umfeld gibt es ja keinen Missbrauch und da halten sich ja auch alle an die Spielregeln. Wie sollte er da auch die Manipulation erkennen können? Ein Teufelskreis.
Mit trotzdem bestem Schützengruß
Frank