Hallo Freunde,
die Gesetzmäßigkeiten, welche zwischen Visierung, Lauf und Treffpunkt bestehen und welche Auswirkungen eine Visierlinienerhöhung hat, lassen sich sicher am besten anhand einer Zeichnung verdeutlichen.
Da ich aber auf die Schnelle keine passende zu Hand habe, versuche ich es erst mal mit einer Beschreibung, verbunden mit der Hoffnung, mich trotzdem einigermaßen verständlich auszudrücken.
Die Visierlinie ist eine Gerade, welche durch das Ziel und das Auge des Betrachters festgelegt ist. Als Hilfspunkte dienen dabei die jeweiligen Mittelpunkte von Ringkorn und Diopterscheibe.
Nehmen wir der Einfachheit mal an, diese Visierlinie verlaufe zum Ziel hin waagerecht. Dann muss der Lauf, der ja quasi unter dieser Visierlinie hängt, mit der Mündung etwas nach oben zeigen, damit das Geschoss oder Projektil das Zentrum, also den Punkt, auf den die Visierlinie weist, trifft. Würde der Lauf unter der Visierlinie auch waagerecht ausgerichtet sein, also parallel verlaufen, dann würde das Geschoss immer ein Stück unterhalb des Ziels einschlagen. Das ist so, weil das Geschoss während des Fluges eine sogenannte ballistische Kurve beschreibt, verursacht durch die Erdanziehung und Luftreibung, welche bewirken, dass die Geschossbahn sich mit zunehmender Entfernung immer stärker zur Erde hin neigt. Lauf und Visierlinie verlaufen also nicht parallel zueinander, sondern stehen in einem bestimmten, wenn auch recht kleinen Winkel zueinander.
Vergrößert man jetzt den Abstand zwischen Visierlinie und Lauf durch eine Visierlinienerhöhung, also durch jeweils ein Klötzchen gleicher Stärke unter Korntunnel und Diopter, dann verschiebt sich der Treffpunkt im Ziel um genau diesen Betrag nach unten. Der Lauf wird also quasi tiefer gelegt. Um diese Treffpunktverlagerung wieder auszugleichen, muss man entweder das hintere Klötzchen, also das unter dem Diopter, etwas stärker wählen, oder zusätzlich ein weiteres entsprechender Stärke unterlegen, oder aber die Diopterscheibe nach oben hin verschieben, was aber durch den begrenzten Verstellbereich auch wieder nicht beliebig geht.
Bedingt durch den obigen Sachverhalt ergibt sich auch noch ein weiteres Problem. Der Korntunnel und das Diopter sitzen auf allen mir bekannten Gewehren jeweils parallel zum Lauf, allerdings eben mit dem beschriebenen Höhenversatz. Damit diese beiden Zieleinrichtungen aber auch richtig fluchten, müssten sie bedingt durch diesen Höhenversatz auch jeweils leicht winklig zum Lauf ausgerichtet sein. Visierlinienerhöhungen vergrößern diesen Fluchtfehler auch noch zusätzlich, da sie auch nur wieder den Abstand zum Lauf um den jeweils gleichen Betrag vergrößern und damit eben auch den Höhenversatz zwischen Korntunnel und Diopter noch weiter vergrößern. Man kann das übrigens auch ganz gut mit eigenen Augen sehen, wenn man z. Bpl. eine weit ausladende Irisblende mit vielen Filtern am Diopter anbringt. Schaut man dann wirklich gerade durch die Diopterscheibe, also wirklich kreisrundes Loch, dann sieht man, dass der Korntunnel eigentlich schon zu tief sitzt, also dass die beiden Zieleinrichtungen nicht wirklich fluchten. Sauber wäre es, wenn sowohl der Diopter als auch der Korntunnel jeweils etwas nach vorne geneigt auf dem Lauf sitzen würden.
Für eine saubere Lösung müssten aber die beiden Klötzchen nicht nur die nötige Vergrößerung des Höhenversatzes berücksichtigen, sondern auch leicht keilförmig gefertigt werden. Da es aber bedingt durch die vielen Parameter, welche diesen Winkel gegenüber dem Lauf beeinflussen, dafür keine Einheitslösung geben kann, wird man wohl auch in Zukunft mit dem leichten Fusch leben müssen. Man sollte sich aber an diesen Sachverhalt erinnern, wenn man eine sehr große Visierlinienerhöhung verwendet und den Eindruck hat, man sieht nicht mehr richtig rund durch das Diopter.
Apropos, die Sportordnung legt das Maximalmaß von 60mm zwischen Lauf und Kornmittelpunkt fest. Das bedeutet zwangsläufig, dass man dann hinten am Diopter einen größeren Abstand zwischen Lauf und dem Mittelpunkt der Diopterscheibe hat. Erklärung siehe weiter oben.
Mit bestem Schützengruß
Frank