Nun würde mich interessieren ob Du den Schritt gewagt hast und Dir das neue Gewehr zugelegt hattest . Wie sind die Erfahrungen ?
Hallo,
mittlerweile habe ich sogar 2 Steyr LG 110!
Beider gebraucht gekauft.
Allerdings nutze ich meine Gewehre nicht für 10 Meter- Scheibe.
Ich schieße damit Field Target und Hunter Field- Target.

Erfahrungswerte kann ich aber trotzdem mitteilen.
Nur zur Präzision auf 10m kann ich wenig beitragen.
Abzug:
Der mechanische Abzug ist für mein Empfinden nicht so klar und sauber, wie zb. bei meinen Feinwerkbau 800 oder 700.
Ich bin mit dem Abzugsgewicht zwar schon weit runter und habe auch die Klinkenüberschneidung reduziert, weil ich vorher der Meinung war, das der Abzug leicht kriecht. Ich habe den Abzug jetzt zwar schon so eingestellt, das man damit arbeiten kann, aber an den FWB kommt er noch nicht heran.
Für mein Empfinden könnte der Vorzug im Verhältnis zum Druckpunkt etwas leichter sein.
Am Druckpunkt habe ich auch immer das Gefühl, einen weiteren Widerstand zu spüren, bevor der Schuss bricht.
Ich denke aber, das man sich daran gewöhnen kann.
Absorber:
Die silberne LG 110 Match hat einen Absorber, die schwarze Hunting nicht.
Ich habe von Anfang an einen Impuls gespürt bei der Schussabgabe.
Steyr hat zu ihren Gewehren tolle Videos, wo jeder Schritt für Wartung, Montage und Einstellungen detailliert beschrieben ist.
Also den Absorber entnommen, gereinigt, Einstellung so verändert, wie von Steyr beschrieben.
Ausprobiert, Impuls immer noch da. Also wieder auseinander, Einstellung verändert, wieder zusammen gebaut, probiert, Impuls immer noch da.
Das ganze bestimmt 10 wiederholt und nicht in den Griff bekommen.
Ich bekomme den Schussimpuls nicht vollständig weg.
Von anderen Steyr- Besitzern habe ich aber gehört, das die damit keine Probleme haben.
Ich lebe damit jetzt einfach.
Konstanz:
Ich habe die V0 gemessen und auf genau 170 m/s mit meinen abgewogenen JSB Diabolos eingestellt.
Zuvor auch die Mechanik gewartet und mit einem hochwertigen Waffenöl (Ostermayr) geölt.
Bei 10 Schuss eine Maximalabweichung von 2,1 m/s und eine Standardabweichung von 0,8 m/s.
Das ist ein ordentlicher Wert und da gibt es nicht zu meckern.
Regulator:
Der Regulator bei der Steyr arbeitet sehr konstant.
Von den 10m Schützen werden wohl die wenigsten den Regulator- Druck messen oder sogar verstellen.
Meine schwarze Steyr war vorher eine High- Power mit 24 Joule. Wurde aber zu Steyr ins Werk entsendet und dort auf 7,5 Joule gedrosselt und mit einem "F im Fünfeck" versehen.
Was mir auffiel war, das die Schwarze Steyr deutlich lauter bei der Schussabgabe war als die Silberne und dabei auch doppelt so durstig, was den Luftverbrauch anging. Nach etwa 120 Schuss war die Pressluftkartusche von 200 Bar auf 100 Bar herunter und dann ging die Leistung herunter.
Also den Regulator demontiert und neu eingestellt.
Auch dazu gibt es von Steyr Einstellwerte, welche Leistungsabgabe der Regulator hat, bei der jeweiligen Stellung der Tellerfedern und Plättchen.
Vorher war der Regulator etwa auf 100 Bar eingestellt.
Ich bin zurück gegangen auf etwa 60 Bar, wie bei der Matchvariante. Das Gewehr "bellte" aber immer noch ordentlich bei 7,5 Joule und die Schussausbeute der Kartusche hat sich auch nicht deutlich verbessert.
Also habe ich Informationen gesucht, was der optimale Druck für den Steyr-Regulator sein soll und bin bei 85 Bar gelandet.
Mit einem Messgerät habe ich den Regulator jetzt auf 85 Bar eingestellt und das Gewehr ist damit deutlich besser geworden
Das Schussgeräusch ist deutlich leiser geworden, die Schussentwicklungszeit hat sich gefühlt verkürzt und ich bekomme jetzt auch etwa 200 Schuss aus der Kartusche. Weitere Versuche habe ich dort jetzt auch nicht unternommen.
Ich würde mir zwar wünschen, das ich wie bei meinen FWB etwa 350 Schuss aus einer Kartusche bekomme aber das klappt mit den Steyr wohl nicht.
Die sind etwas durstiger.
Verarbeitung:
Von der Verarbeitung her hinkt Steyr den anderen deutschen Herstellern von Matchgewehren auch etwas nach.
Die Hölzer wie Griff oder Schaftbacke haben nicht so ein feines Finish wie Walther, FWB oder Anschütz.
Dafür kostet zb. ein Steyr- Griffstück Neu aber auch nur die Hälfte, wie bei den den Mitbewerbern.
Auch die Alu- Teile von dem Gewehr kommen nicht ganz an die Qualität von FWB oder Walther heran, obwohl es schon in Ordnung ist.
Präzision Mehrdistanz (Hunter) Field Target 9 - 50 Meter) :
Von der Präzision stehen meine Steyr meinen Feinwerkbau in nichts nach.
Ich bin sogar der Meinung, das die Steyr auf Entfernungen über 20 Meter die Nase vorn haben.
Das liegt aber auch daran, was für ein Lauf verbaut ist.
Bei Steyr gibt es verschieden Läufe, je nachdem, für welchen Sport das Gewehr genutzt werden soll.
Temperatur:
Die Steyr mach meiner Meinung nach weniger Zicken im Outdoor- Betrieb bei wechselnden Temperaturen.
Während meine FWB 800 bei etwas kühleren Temperaturen gerne mit der V0 in den Keller geht und bei wärmeren Temperaturen mit der Leistung hoch geht, scheint die Steyr dort weniger empfindlich zu sein.
Im Indoor- Betrieb bei gleichbleibenden Temperaturen mag das keine große Rolle spielen.
Aber Outdoor, auf unterschiedlichen Distanzen entscheidet das über Treffer oder keinen Treffer.
Gerade auf weiteren Distanzen macht sich das sehr deutlich bemerkbar.
Ansonsten ist die Steyr ein durchdachtes, solides und einfach aufgebautes Gewehr, was einfach zu warten ist.
Der Service von Steyr ist auch vorbildlich.
Ich hoffe, das ich mit meinen doch etwas längeren Bericht meiner Eindrücke etwas helfen konnte!
Auch wenn einiges davon für 10m DSB vielleicht nicht relevant sein sollte.
Eins noch,
falls jemand denkt, der Ferrobell hat seine Steyr einfach nur verfriemelt, so viel wie der daran herumgeschraubt hat.
Ich behaupte einfach mal, das ich mich ein wenig mit der Technik auskenne und meistens auch weiß, was ich gerade verändere und welche Auswirkungen das auf die Technik bzw. auf das Gewehr hat. 
Schöne Grüße
Heiko