Wie viele Schuß hast Du denn mit der Pardini gemacht?
Und wie stark hat sich das geringere Gewicht bei der 20s- Serie ausgewirkt? Hattest Du ein Problem damit, die Serie zeitgerecht abzuschließen oder ging es eher um eine vergrößerte Streuung?
Ich
habe die Pardini einmal Probe geschossen, ich glaube insgesamt
15 oder 20 Schuss. Ich habe aber dabei keine Waffe gehabt, die
ich bewusst mit ihr verglichen habe, sondern konnte sie nur aus
meiner langjährigen Erfahrung mit unterschiedlichsten Waffen
beurteilen. Beim ersten in-die-Hand nehmen, fiel mir die Handlage
sofort ungeheuer positiv auf, aber negativ eben auch das
recht leichte Gewicht. Sowas spüre ich einfach, genauso wie einen
hakelnden oder nicht genau definierten Abzug, von dem alle
anderen sagen, dass er doch top sei. Ich mag eher schwere
Waffen, und achte wahrscheinlich schon unbewusst auf das
Gewicht, und ich kann diese schweren Waffen eben auch
halten. Wenn du viel geschossen hast, fallen dir eben viele Sachen
auf, obwohl ich kein Schütze bin, der neue Waffen bewusst beim
Ausprobieren analysiert. Ich gehe an neue Waffen total offen
heran und merke dann aber (ohne ein System zu haben) einfach durch
"Fühlen" sehr schnell, das einige Dinge nicht
passen. Erst im zweiten Schritt merke ich dann durch genaueres
Hinsehen, was das denn eigentlich ist, was da nicht passt.
Beim
Präzisionsschießen mit der normalen Magtech, die ich auch sonst
verschieße, meinte ich eben genau dieses fehlende Gewicht bei der
Pardini zu spüren - trotz der guten Handlage. Ein ähnliches
Verhalten kenne ich von meiner USP im Vergleich zu meiner früheren
CZ 75. Der Unterschied der USP zu meiner Tanfoglio, was das
Springen angeht, ist gefühlt eh erheblich. Die eine 20-Sek-Serie
mit der Pardini habe ich zeitgerecht, aber in der
Erinnerung etwas gehetzt abgeschlossen. Das mag an dem
verstärkten Springen gelegen haben, welches mich unruhiger werden ließ, genau weiß ich das nicht
mehr. Das ist vom Prinzip her aber auch unerheblich. Generell gilt:
schwere Waffe = weniger Rückstoßempfinden, leichte Waffe =
stärkeres Rückstoßempfinden. Dass da andere Komponenten
(z.B. Munition, Konstruktion, Lage der Laufseelenachse etc.)
eine Rolle spielen, sollte klar sein.
Das
Entscheidende beim Waffenkauf ist doch das Mentale: Wenn ich vor
dem Kauf eine Waffe habe, an der mir Dinge negativ auffallen (und da
gehört bei mir eben auch das Wissen um das Material des
Griffstücks (Alu) dazu und dass Pardini extra Rückstoßdämpfer als Zubehör anbietet), überlege ich, ob diese negativen Dinge mich stören oder
ob ich sie mental so "wegpacken" kann, dass sie mich nie
wieder beschäftigen werden. Ist das nicht der Fall, kaufe ich lieber
eine andere Waffe. Ich bin nämlich kein Schütze, der ständig an
seiner Waffe "herum-optimiert". Ich stelle lieber von vorn
herein einen Zustand her, der Zweifel an Munition, Ausrüstung und
Waffe ausschließt. Ist das geschehen, komme ich mit der Waffe zurecht
und verschwende im Wettkampf auch nicht den Hauch eines Zweifels an
meiner Ausrüstung. Den anderen Zustand kenne ich nämlich auch
- siehe meine beiden Revolver, die ich eigentlich nur aus Spaß
gekauft habe (und zu diesem Zweck waren sie damals genau richtig),
nun diese beiden aber aus verstärkter Begeisterung am
GK-Schießen auch als Wettkampfwaffe nutze(n) (muss).
Bei
der Pardini hat mich eben das Alu-Griffstück i.V.m. dem
Rückstoßdämpfer extrem gestört - es ist für
mich Verarschung, eine Waffe zuerst leichter zu machen, um dann
die Nachteile der Leichtigkeit mittels Zubehörverkauf auszugleichen.
Auch der Preis hat mich gestört. Ist insgesamt ungefähr so,
wie mit der neuen Morini-LP, der CM 200EI. Wie kann ich eine Waffe
konstruieren und als Neuheit herausbringen, wenn schon die
Griffverstellung weit hinter den heute üblichen Standards bleibt???
Da bin ich mental so angefressen, dass ich mich ständig darüber
ärgern würde - da kann alles andere noch so gut sein. Um dieses
mentale "Angefressen-sein" auszuschließen, ist es die
Pardini GT45 eben nicht geworden. Und damit habe ich das Wichtigste
für jeden Waffenkauf eigentlich schon gesagt: man muss entsprechend seinen
Bedürfnissen rundherum wirklich zufrieden mit dem Gesamtpaket sein! Ein
bloßes Verliebtsein reicht nicht, es muss eine tiefe Überzeugung sein, die auch der einen oder anderen
Überprüfung auf Dauer standhält. Dazu sind in-sich-hineinhorchen, der ein oder andere Tipp, eigene Erfahrung, aber vor allem Ausprobieren und "Fühlen" wichtig. Cheers!