Hallo zusammen,
zunächst möchte ich allen danken, die sich mit dem Thema inhaltlich befassen.
Mir kommt es darauf an, einen wichtigen Themenbereich möglichst gut, umfassend, verständlich, nachvollziehbar und praxisnah
abzuhandeln.
Wenn dies eine Zielformulierung ist, dann liegt noch ein weiter Weg vor allen die sich daran beteiligen möchten.
Fragen bringen dabei weiter, ich bin weit davon entfernt alle beantworten zu können und wenn ich mich auf Erfahrung berufe, dann werden
Zweifler, die in meine Zuverlässigkeit wenig Vertrauen setzen, davon auf keinen Fall zufrieden gestellt.
Für einen Moment habe ich daran gedacht, mein Engagement im Forum möglichst bald zu beenden, weil die vermutete Qualität zumindest nicht in jedem Beitrag feststellbar ist, aber das wird der Sache und meinem Anspruch nicht gerecht.
Eine Bitte habe ich noch, wenn zitiert wird, dann bitte im Zusammenhang.
Wir haben es im Umgang miteinander nicht nötig, es ist auch zu billig und es sollte deshalb unter unserem Niveau im Forum sein, durch
unvollständige Zitate zu verfälschen.
So sehr ich einen „Munitionstest“ für den allgemeinen Fall für überflüssig oder vielleicht besser, nicht für erforderlich halte (es wird viel
zu wenig Munition je Sortierung verschossen), so sehr befürworte ich/halte es für unverzichtbar, dass dem/der SchützeIn eine qualitative
Bewertung Aussage zu den Schießleistungen der Waffe mit der eingesetzten Munition möglich ist.
Die Streuung ist ein wesentliches Kriterium für die Bewertung der Leistungsfähigkeit und immer ein besonders wichtiges.
In einer besonderen Situation kann ein anderes Kriterium mehr in den Vordergrund treten. Ich will dies mit einem Beispiel belegen. Ein
KK Spitzensportler verfügt über zwei Munitionssorten. Einer sehr zuverlässigen für 50 und 100m mit geringer Streuung und über eine Munition mit höherer V0 und geringfügig größerer Streuung. Da der Wettbewerb im Freien auf 100m geschossen wird und leicht böiger Seitenwind herrscht, wird die Entscheidung vermutlich
zugunsten der schnelleren Munition fallen, weil so die außenballistischen Einflüsse verringert werden.
Es ist ja auch in anderen Disziplinen üblich, die mit dem gleichen Kaliber und gleichen Rohren schießen, von Fall zu Fall – z.B. bei den
Biathleten – auf den Verwendungszweck optimierte Munition einzusetzen, hier bei großer Kälte.
Nach dieser Überlegung möchte ich einen Vorschlag für die Praxis machen, der sowohl vom einzelnen Schützen mit eigener Waffe, als auch im
Verein ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann.
Ich nenne es eine Leistungsprüfung, die ich immer wieder einmal durchführe und bei der es darum geht festzustellen, was Waffe und
Munition zu leisten vermögen.
Die Prüfung besteht darin, Munition unter weitgehend wiederholbaren, nahezu denselben Bedingungen, von Schuss zu Schuss zu bewertbaren Schussgruppen zu verschießen.
Zum Schluss sollen mehrere Aussagen möglich sein.
1. Ist die Waffe technisch in Ordnung?
2. Genügen die erzielten Ergebnisse den Ansprüchen (meinen/denen der Vereinsmitglieder bei Vereinswaffen)?
3. Führt eine bessere Munitionsqualität zu einem besseren Ergebnis?
Was wird gebraucht?
Man nehme sich etwas Zeit und
- eine Stehleiter, sowie
- kleine Holzteile für die Standfestigkeit und zum Ausgleich von Höhendifferenzen und zum Anrichten,
- selbstklebendes Klettband (ich habe eines vom Discounter verwandt),
- evt. ein paar Sandsäcke zu Beschweren und ggf. ein gehobeltes Brett um die Auflagefläche zu vergrößern und der Waffe mehr Halt
zu geben,
- ggf. eine Schraubzwinge,
- einen Schaumstoffblock und· -
- einige Rouladennadeln.
Wie ich dann aufgebaut habe, ist den Bildern zu entnehmen.
Sieht man davon ab, dass irgendjemand meine Leiter verschleppt hatte und ich suchen musste, habe ich für den Aufbau meiner Versuchsanordnung keine Viertelstunde gebraucht. Wohl auch deshalb, weil ich es schon häufiger gemacht habe.
So nun hoffe ich noch, dass es mir gelingt die Bilder hoch zu laden und einzufügen. (Was leider nicht so geklappt hat, wie es erhoffte.
Ich musste die Bilder immer wieder verkleinern um sie hochladen zu können)
Die Schussgruppen bestehen alle aus 5 Schuss/10m/LG,ausgenommen die beiden manipulierten Gruppen.
Vor dem Schießen habe ich ein paar Mal, ohne Munition Druckluft „geschossen“.
Geschossen wurde von rechts nach links.
Zunächst Schussbild 1, dann 3 (beide mit einer Waffenhändlersortierung), dann 4, danach 5 (beide mit einer absolut billigen Vereinsmunition, auch einer Waffenhändlersortierung, aber für 4,25 €/500 Stk), danach Bild 6 (hier sind es nur drei Geschosse, die ich jeweils am Kopf manipuliert hatte, indem ich eine Winzigkeit abgeschabte), dann Bild 7, auch hier drei Schuss, hier hatte ich den Kegel geringfügig manipuliert und schließlich setzte ich das Bild 2 nach, weil ich mit „Bild“ 3 nicht zufrieden war und wissen wollte, ob sich dieser „Ausreißer“ schon im nächsten Bild wiederholen würde. Hat er zwar nicht, ändert aber nichts daran, dass ich nicht nur aus dieser Dose, sondern auch aus anderen Dosen ganz sicher mehr als 10 Schussgruppen schießen werde, um mich dann zu entscheiden, wie ich mit dieser Munition umgehe.
Was ich immer für einen Wettkampf empfehle, ist das bereits mehrfach beschriebene „Ausrollen“ der LG Munition. Munition, die über eine Schräge (Spiegel,Glasscheibe) abrollt und bei der auf diese Art ganz leicht die gleichmäßigsten Geschosse herausgefunden werden können.
Um zu einem halbwegs tragbaren Ergebnis über die Qualität des Systems (Waffe mit dieser Munition) zu kommen, sollten je Waffe mindestens so viele Schüsse investiert werden, wie im Rahmen eines Wettkampfes, einschließlich der Vorbereitungsschüsse eingesetzt
werden. Also mindestens 50-60. Wobei ich es für richtig halte eher kleine Schussgruppen zu schießen. 5 Schüsse sind gut Schuss für Schuss gut auszuwerten. Viel besser als eine 10er Gruppe mit relativ großem Loch. Bei Wettkämpfen verdirbt ja auch der einzelne Schuss u.U. das Ergebnis.
In einem Beitrag hatte ich gelesen, dass nach Möglichkeiten für einen „Munitionstest“ gesucht wurde. Man kann einen Leistungsnachweis für
Waffe und die vorhandene Munition auch ohne weiteres mit dem beschriebenen Aufbau selbst durchführen.
Dies funktioniert grundsätzlich auch bei KK. Dennoch wähle ich dort zumeist einen anderen Aufbau. Ich nehme einige Sandsäcke und rüste
mein KK-Gewehr mit einem Zielfernrohr aus. Mit dem Zielfernrohr lässt sich das Ziel – zumindest für mich – leichter und eindeutiger verkantungsfrei anrichten.
Dann werden die Schüsse jeweils mit Haltepunkt Zielmitte abgegeben, dann kann auf Zielmitte nachgezogen werden, ehe dann der Leistungstest beginnt, in dessen Verlauf selbstverständlich nicht nachjustiert wird.
Nachfolgend ein Zitat von Königstiger:
Bei RWS spannt man den Lauf vor der Systemhülse selbst direkt in einen Schraubstock, bei Lapua wird die Systemhülse mittels eines
Adapters in einen Schraubstock eingespannt, diverse Zubehörhändler haben Schießmaschinen bei denen das komplette Gewehr federnd gelagert eingespannt wird....., es gibt noch mehr Methoden zu testen zB. mit einem ZF, das Gewehr aufgelegt auf einem Sandsack.
Wie ich jetzt eben gesehen und noch einmal gelesen habe, wird das Schießen mit dem ZF schon von Königstiger angeführt. Also ist es nicht
nur für mich ein gängiges und vom Schützen selbst anzuwendendes Verfahren (ich verwende ein ausgesprochen preisgünstiges ZF Modell und es genügt für den Zweck vollkommen (von Sutter)).
Auf den Beitrag des Königstigers bin ich nur deshalb zurück gekommen, weil die Frage nach den möglichen Verfahren gestellt wird.
Grundsätzlich halte ich die Verfahren, ob nun starr oder beweglich, gleichermaßen für geeignet. Die ballistischen Teilbereiche
Innenballistik, Außenballistik und Zielballistik sind vom Schützen nicht zu beeinflussen, sieht man einmal von möglichen Temperaturschwankungen der Waffe und der Munition ab.
Es bleibt der Bereich der Abgangsballistik, also der Moment in dem das Geschoss das Rohr verlässt. Erst wenn das Geschoss das Rohr
verlassen hat setzen diese Kräfte ein (z.B. Luftverwirbelungen durch Gasdruck).
Ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich gehe davon aus könnte dies wohl auch begründen, dass das Verfahren für die Qualität eines Ergebnisses der Schussgruppe ohne Bedeutung ist. Entscheidend ist, dass von Schuss zu Schuss die jeweils gleichen Bedingungen/Kräfte wirksam werden.
Für diese Theorie spricht auch, dass von den renommierten Herstellern alle Verfahren parallel angewandt werden.
Ich habe noch ein paar Fragen zu klären und werde dies bei Gelegenheit tun. Allerdings fehlt mir aktuell etwas die Zeit.
HaJo